Tipps im Umgang mit psychischen Erkrankungen

Veröffentlicht: Juni 7, 2012 in Psychozeug, Ratgeber
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1. Psychische Erkrankungen sind immer EINFACH und psychisch Erkrankte ein bisschen doof, so dass es ungemein hilfreich für sie ist, ihnen zu erklären, wie sie EINFACH ihr Problem lösen. Die Magersüchtige muss EINFACH mehr essen, der Phobiker EINFACH seine Angst überwinden, der Depressive sich EINFACH mal zusammenreißen. Eine Welle der Dankbarkeit wird dich erfassen wenn du diese wahnsinnig hilfreichen Tipps gibst.

2. Weil psychische Krankheiten EINFACH sind kann das auch jeder behandeln. Psychotherapeuten machen nur zum Spaß eine zehnjährige Ausbildung. Jeder mit ein bisschen Einfühlungsvermögen kann das, also therapiere direkt munter drauf los und scheue dich nicht, intime Fragen zu stellen wie „Wurdest du als Kind missbraucht?“ oder ungemein originelle Thesen zum Selbstwert („Du hast sicher zu wenig Selbstbewusstsein“) aufzustellen.

3. Das Allheilmittel ist, „EINFACH mal darüber zu reden“, also mach ruhig etwas Druck wenn die Person etwas so dummes wie Privatsphäre für sich beansprucht. Besonders traumatisierte Menschen mit Gewalterfahrung sprechen sehr gut darauf an wenn man sie so richtig bedrängt. Verständnis ist hier unangebracht, es muss alles raus, die Frau Kallwass hat sowas schließlich auch schon erfolgreich gemacht.

4. Rate grundsätzlich von Psychotherapie ab, denn das ist doch eh alles Quatsch und die Psychologen haben selbst alle einen an der Klatsche. Wenn man mit Freunden redet ist das viel heilsamer, schließlich wissen die ganz genau wie sie reagieren müssen und sind nie überfordert.

5. Frau Kallwass ist grundsätzlich ungemein hilfreich und ihre Interventionen können 1:1 übernommen werden um einem psychisch Kranken zu helfen. Wenn das bei Schauspielern in einer gescripteten Szene gut funktioniert ist das quasi ein Garant dafür, dass sowas auch im realen Leben nicht schief gehen wird.

6. Einige mögen die „armen Kinder in Afrika“ daneben finden aber der Spruch ist das Nonplusultra um das Weltbild des psychisch Erkrankten wieder auf Spur zu bringen. Insbesondere für Essgestörte ist dieses Beispiel natürlich toll, denn in Afrika verhungern sie und der macht das freiwillig! Da sind ein paar hilfreiche Schuldgefühle mehr als angebracht. Der Spruch eignet sich natürlich auch für alle anderen Erkrankungen.

7. Die Entstehung psychischer Krankheiten ist EINFACH und immer gleich. Individualität gibts da nicht. Es reicht daher völlig aus, ein einziges Stichwort wie „Phobie“, „Panikattacken“ oder „Depression“ zu hören und du weisst sofort über alles bescheid. Nicke daher wissend denk dir deinen Teil. Idealerweise greife auf die ersten Punkte zurück und leg direkt los zu therapieren.

8. Falls dir wider Erwarten keine Dankbarkeit entgegengebracht wird, sei empört, denn DU bist ja psychisch gesund, also hast DU auch alles richtig gemacht. Schuld an zwischenmenschlichen Problemen ist immer der Kranke. Wenn jemand z.b. schon als Diagnose „borderline“ hat, dann stellt sich schon gar nicht mehr die Frage wer an Problemen schuld hat, denn das kann nur der Kranke sein. Scheu dich auch nicht, das in Streits als Argument einzusetzen.

9. Falls der Erkrankte dir nah stehen sollte, weigere dich zu Angehörigenterminen mitzukommen, denn der muss sein Problem alleine lösen. Du hast damit gar nichts zu tun und musst auch nichts über die Erkrankung wissen um richtig zu reagieren.

10. Ganz wichtig ist auch, dass psychische Erkrankungen absolut keine normalen Reaktionen auf Belastungen sind und bei normalen Menschen auftreten. Nein, psychisch Erkrankte sind irgendwie unnormal und werden das auch immer bleiben, selbst wenn sie die Erkrankung überwunden haben. Das solltest du auch unbedingt immer so vertreten, denn es ist eine unverrpückbare Tatsache dass es so sein muss, schließlich ist damit absolut sicher, dass es DICH garantiert niemals trifft.

 

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Kommentare
  1. Nerdwina sagt:

    Danke❤

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  2. Alien sagt:

    Perfekter Ratgeber! Kommt mir sehr bekannt vor.

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  3. evilmichi sagt:

    ich wusste es. psychotherapie wird völlig überbewertet.

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  4. puenggi sagt:

    Hat dies auf das Leben mit Borderline rebloggt und kommentierte:
    das kommt mir nur allzu bekannt vor…

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  5. chnopfchopf sagt:

    Perfekt, müsste jeder wissen..

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  6. Rini sagt:

    irgendwie bin ich gerade zu dumm dazu, den Sinn dahinter zu verstehen…

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