Ich weiß, dass viele das anders sehen aber als jemand, der sich beruflich sehr ausführlich mit ADHS und der Behandlung dagegen befasst hat, bin ich absoluter Vertreter der o.g. Meinung. Ein Kind mit ADHS wird nie sein volles Potential ausschöpfen können, weil es sich nicht seiner Intelligenz entsprechend konzentrieren kann. Eine gesunde Skepsis gegenüber Medikamenten rechtfertigt m.E. nicht, eine Erkrankung unbehandelt zu lassen und damit das Kind immer zu zwingen sich mehr anzustrengen um weniger zu erreichen.

Kommentare
  1. Alien sagt:

    Das Problem, dass ich sehe ist, dass das Kind jahrelang einem Medikament ausgesetzt wird (nicht nur mal eine Woche oder so) und noch keine Langzeit-Unbedenklichkeitsstudien existieren (oder irre ich da?). Die Frage ist dann, was am Ende für das Kind besser ist: überspitzt gesagt „drogenabhängig“, oder schlechtere Schulleistungen. Dies hängt eben stark von den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen ab.

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    • Da das Medikament schon seit Jahrzehnten verschrieben wird gibt es durchaus Langzeitstudien. die besagen z.b. dass die Gefahr, Süchte zu entwickeln wie kokain, Nikotin, etc SINKT bei Kindern die medikamnentös behandelt werden. Einfach weil für diese Menschen die drogen eine art Selbstmedikation sind weil sie ähnlich wirken wir Ritalin (aber eben süchtig machen im gegensatz zu ritalinund co)

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      • Alien sagt:

        Interessant. Danke.

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        • Gern. Allerdings bin ich schon für einen kritischen Umgang mit Medikamenten und auch bei diesen Medis sprechen nur 70% wirklich gut darauf an, der Rest hat zu starke Nebenwirkungen oder die Wirkung stimmt nicht. Also ein Allheilmittel ist es auch nicht.

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      • Fiete sagt:

        Für ein Kind, das tatsächlich von entsprechenden Fachärzten umfassend diagnostiziert wurde, so das hieb & stichfest nachgewiesen ist, das es AD(H)S in krankhafter Form hat ( also quasi als „körperliche Krankheit“ ), mag eines der Medikante möglw. hilfreich sein.
        Aber für den größten Teil der Modepillenschlucker ist es das reinste Gift!
        Z.B. als Ruhigsteller für Trennungswaisen.

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  2. Ginny sagt:

    Hallo, ich verfolge den Blog hier schon länger und habe selbst ADS, allerdings nicht in der hyperaktiven Form. Nun ja, ich habe mich bis jetzt 24 Jahre ganz gut ohne Medikamente durchgeschlagen. Früher hatte ich massive Schulprobleme, was aber weniger am ADS lag als an meiner Feinmotorik-Schwäche, inzwischen habe ich einen sehr guten Realschulabschluss nachgemacht, dabei habe ich mich weder totgelernt noch bin ich ein Genie. Was ich damit sagen will: Es geht und es ist kein Weltwunder!

    Als ich 15 war, sollte ich mal Ritalin nehmen, habe mich aber wegen der Nebenwirkungen dagegen entschieden und die Tabletten eine Woche im Klo runter gespült, bevor ich meinen Eltern gesagt habe, dass sie sich von mir aus auf den Kopf stellen könnten und ich das Zeug trotzdem nicht nehmen würde😀

    Vielleicht bin ich ja ’ne Ausnahme oder es ist bei Hyperaktiven extremer, ich weiß es nicht. Jedenfalls finde ich es sehr bedenklich, einen jungen Menschen daran zu gewöhnen, jeden Tag ein Medikament einzunehmen und bin zusätzlich der Meinung, die Betroffenen sollten ab einem bestimmten Alter selbst mitentscheiden. Es gibt leichter und schwerer ausgeprägtes AD(H)S, was Du ja sicher weißt, wenn Du in der Arbeit damit zutun hast, und nicht jeder wird davon so beeinflusst, dass er Medikamente braucht. Würde bei meiner Tochter AD(H)S festgestellt werden, würde ich mir genau überlegen, ob ich ihr Medikamente dagegen gebe.

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    • Stimmt schon, letztlich ist es auch immer eine individuelle Sache und wie ich in den Kommentaren schon schrieb sind ADHS-Medikamente nur bei etwa 70% eine Lösung. Der Rest hat zu starke Nebenwirkungen oder die Wirkung ist nicht wie erwünscht. Insofern würde ich weder sagen, man soll jedem Kind das Medikament unbedingt reindrücken noch (und darauf zielt der Blogeintrag ab) kategorisch verweigern, seinem Kind die Chance zu geben zu sehen ob es damit besser klarkommt.

      Ab einem gewissen Alter sollte das Kind wirklich selbst mitentscheiden können, das sehe ich auch so. Wobei ich halt das Argument „Das Kind gewöhnt sich dran immer Medikamente zu nehmen, das ist bedenklich“ eher nicht so sehe. Einfach aus dem Grund dass die besagten Medikamente nicht abhängig machen im Gegensatz zu z.b. Beruhignungsmitteln und sich in Langzeitstudien gezeigt hat, dass „Selbstmedikationen“ durch Nikotin und Drogen seltener werden (ansonsten haben Menschen mit ADHS ja ein stark erhöhtes Risiko später zu rauchen oder Drogen zu konsumieren) und die Kinder im Schnitt ein besseres Selbstwertgefühl haben weil sie oft mehr Erfolge erleben (und diese nicht den Tabletten sondern sich selbst zuschreiben… auch wichtig) – weshalb ich denke, dass es auch psychisch gut sein kann. Wobei das ja auch stark davon abhängt wie das Kind selbst zu den Medikamenten steht.

      Ich würde mich jetzt nicht als extrem/unkritisch pro Medikamente sehen aber ich erlebe halt oft wie Eltern richtig extrem dafür verurteilt werden wie sie es wagen ihr Kind mit Ritalin „ruhig zu stellen“ oder dergleichen. Sowas finde ich immer schlimm.

      Btw, woher weißt du, dass du kein Genie bist? Gibts da nen IQ-Test oder sagst du das selbst?😀

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      • Ginny sagt:

        Es kommt eben auch sehr auf die Familiensituation und die Auswirkungen für das Kind selbst an. Ich habe z.B. eine Freundin mit ADHS, die von ihren Eltern früher Ritalin bekam, damit sie besser in der Schule wurde. Sie war aber nie wirklich schlecht in der Schule, sondern eher guter Durchschnitt und sie selbst hat das nicht gestört. Es gibt bestimmt einige, die ihren Eltern dann später dankbar wären, weil sie das ganze Zeugnis voller Einsen und Zweiten hatte, wofür sie sich trotz Ritalin noch abrackern musste und nicht mal wollte. Nun sind eben nicht alle Menschen wahnsinnig ehrgeizig und einige Eltern können das bei ihren Kindern leider überhaupt nicht nachvollziehen, das habe ich schon öfters mitgekriegt. Ich rede jetzt keinesfalls vom typischen „auf die schiefe Bahn abrutschen“, wovor sich sowieso alle Eltern inklusive mir grausen. Es ist einfach nur so, dass manche mit durchschnittlichen Leistungen zufrieden sind und dies von den Eltern bestraft wird, zum Teil werden die Kinder dann zum Psychologen oder sonst wohin geschleppt bis sich rausstellt, dass sie irgendwas haben, wogegen sie Medikamente bekommen können. Das sind eher Einzelfälle, schätze ich, obwohl ich in meinem sehr kleinen Freundeskreis schon 2 Leute kenne, denen das passiert ist. Ich beziehe mich da mehr auf mein Umfeld als auf Statistiken oder Studien – ok, ich kenne auch keine Studien dazu, sollte ich vielleicht mal lesen.

        Selbstmedikation… mh… habe ja eher die Erfahrung gemacht, dass man durch Gruppenzwang oder Neugier anfängt zu rauchen und/oder Drogen zu nehmen. Irgendwann gewöhnt man sich dran und wird richtig süchtig, ich weiß nicht, ob das wirklich was mit Selbstmedikation zutun hat. Heute raucht mehr oder weniger jeder. Ich meine, denkt wirklich jemand, dass ihm das hilft? Gut, man sollte annehmen, dass erwachsene Menschen vernünftige Gründe für so was haben. Habe mal sämtliche mir bekannten Raucher gefragt, wieso sie rauchen, und die häufigsten Antworten, die ich bekam, waren „Ich weiß es nicht“, „Hab‘ sehr früh angefangen“ und „Es beruhigt mich“. Ich selbst habe nur mal mit 16 3 Zigaretten geraucht und fand das nicht sonderlich beruhigend. Ich verstehe auch nicht, was daran beruhigen soll. Manchmal kommt’s auch daher, dass in der Familie rauchen völlig normal ist. Würde das Rauchen in den meisten Fällen eher als ein Problem des sozialen Umfelds ansehen, bei Drogenkonsum kann ich’s nicht einschätzen.

        Och, ich musste in meinem Leben schon 2-3 IQ-Tests machen, ich erinnere mich allerdings nur an einen, bei dem ich etwa 12 war, da lag mein IQ im guten Durchschnitt, heißt etwas über 100, aber unter 115. Inzwischen hat der sich durch sehr viel Fernsehen, Video-Spiele und solche Dinge schätzungsweise eher verschlechtert. Wieso interessiert Dich das denn? ^^

        Ich glaube, jetzt habe ich mich ein bisschen oft wiederholt und ich sollte mal lernen, mich kurz zu fassen, ‚tschuldigung.

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        • Kommt natürlich echt darauf an wie das Kind allgemein zurechtkommt. Nur damit der elterliche Ehrgeiz befriedigt wird ist Medikation sicher nicht sinnvoll. Wobei ich schon hoffe, dass der Großteil der Ärzte da verantwortungsbewusst ist und nur Kindern mit ADHS Medikamente geben und nicht auf elterlichen Druck gesunde Kinder „dopen“

          Selbstmedikation bezog sich darauf, dass in Nikotin und Kokain ähnliche Wirkstoffe sind wie in Ritalin. Das Risiko ist damit höher, dass ein ADHS-Kind das neugierdehalber sowas probiert daran hängenbleibt weil es positivere Effekte dadurch bekommt als Kinder die nicht an ADHS leiden. Die probieren vielleicht ein paarmal, finden es solala und hören eher wieder auf. Wenn das ADHS-Kind jedoch optimal medikamentös eingestellt ist, reagiert der Körper nicht so stark auf die Substanzen und das Risiko der Abhängigkeit ist damit wieder geringer.
          Das mit dem IQ hat mich bloß interessiert weil du meintest, dass du nicht hinter deinen Leistungen zurückliegst, trotz ADHS. Hätte ja sein können, dass du hochbegabt bist und Astrophysik hättest studieren können oder so😉
          Kürzerfassen ist nicht nötig, ich mag lange Kommentare und Diskussionen🙂

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          • „Selbstmedikation… mh… habe ja eher die Erfahrung gemacht, dass man durch Gruppenzwang oder Neugier anfängt zu rauchen und/oder Drogen zu nehmen.“

            Soweit hast du sicherlich recht, aber nicht jeder, der mal mit Drogen experimentiert, kommt daraufhin zu dem Schluss, dass er am liebsten dauerhaft „zugedröhnt“ sein will, weil das Leben dadurch viel leichter wird.

            Ich persönlich habe mit 14 meinen ersten Joint geraucht, weil es sich halt so ergab: Ein paar Freunde hatten die Idee, das mal auszuprobieren, einer davon kannte jemanden, der das Zeug besorgen konnte und so haben wir uns an einem elternfreien Ort für die Nacht einquartiert und es einfach mal ausprobiert.
            Die meisten von uns haben dann aber auch schnell wieder die Lust daran verloren, während ich für mich entdeckt habe, dass es mir besser ging, wenn ich auf diese Weise zumindest ab und zu mal eine Auszeit zu gönnen vom dauerhaften Stress, den das Leben (übrigens auch jetzt noch) für mich darstellt.
            Ich bin dann auch mit der Zeit richtig in der Rolle des „Kiffers“ aufgegangen, denn dadurch hatte ich eine gute Erklärung für meine andauernde Verpeiltheit, die bei mir in Wirklichkeit der Normalzustand war.
            Als ich mit 20 dann von daheim ausgezogen bin und mit studieren angefangen habe, wurde es für mich immer normaler, jeden Abend zu kiffen und ironischerweise konnte ich mich in der Uni besser konzentrieren, wenn ich noch die Überreste vom Konsum des vorherigen Abends im Körper hatte. (Bei normalen Menschen ist das wohl eher kontraproduktiv…)
            Auch stellte ich mit der Zeit fest, dass ich für andere Menschen ein viel angenehmerer Umgang war, wenn ich bekifft war, denn dadurch wurde ich ausgeglichener, ruhiger, weniger sprunghaft und sogar konzentrierter.
            Es gab sogar Gelegenheiten, wo ich bewusst (natürlich in geringerem Maße) gekifft habe, bevor ich mit Hausarbeiten fürs Studium angefangen habe, weil ich dadurch effektiver arbeiten konnte.

            Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:
            Ich will damit nicht sagen, dass Cannabis eine geeignete Medikation für AD(H)S (eher im Gegenteil, aber bei mir hat es trotzdem besser funktioniert als gar nichts zu nehmen) ist und ich würde auch rückblickend nicht behaupten, dass es mir besonders gut getan hat, viele Jahre lang viel zu viel zu kiffen, aber auch noch jetzt, wo ich eingesehen habe, dass es sinnvoll ist, mich von allen Rauschmitteln abgesehen von den mir verschriebenen Medikamenten fernzuhalten, habe ich noch immer nicht den geringsten Zweifel daran, dass ich ganz ohne Drogen schlichtweg nicht funktioniere und (was noch wichtiger ist), mich insgesamt ziemlich beschissen fühle.

            Zugegebenermaßen ist ADS leider nicht mein einziges psychisches Problem, aber wäre ich schon als Kind mit Ritalin behandelt worden, wäre mir mit Sicherheit so einiges erspart geblieben. Vielleicht hätte ich sogar nicht einmal eine Persönlichkeitsstörung, denn es gibt einen starken statistischen Zusammenhang zwischen Borderline und einer AD(H)S und es existiert zumindest die Vermutung (ob diese belegt ist, weiß EMN sicherlich besser), dass eine unbehandelte ADS schon ausreichen kann, um das Erleben der Welt so traumatisch zu gestalten, dass daraus eine BPS entstehen kann.

            Das alles heißt nicht, dass ich es befürworte, Kindern unhinterfragt (und oft sogar ohne eine richtige Diagnose) Ritalin zu geben, denn das Zeug ist absolut nicht ohne.
            Aber wenn ein Kind bereits eine ADS-Diagnose hat und auch darunter leidet, sollte man ihm diese Möglichkeit zumindest anbieten.
            Es spricht doch eigentlich nichts dagegen, das Kind selbst entscheiden zu lassen, ob es MPH nehmen möchte oder nicht.

            Und was die allseits beliebte Idee betrifft, dass Ritalin den Kindern ja nur gegeben wird, damit die schulischen Leistungen besser werden:
            ADS ist keine simple Lernschwäche! Wir reden hier von einer Behinderung, die das gesamte Leben beeinflusst, ganz besonders eben auch im sozialen Bereich, denn es ist wirklich schwer, sich in soziale Gruppen einzugliedern, wenn man schon völlig überfordert ist allein damit, den Überblick über ein Gespräch zu behalten…

            Und dass Ritalin ADSler einfach ruhigstellst, ist genauso völliger Blödsinn:
            Hyperaktive ADHSler verhalten sich natürlich ruhiger, wenn sie sich besser konzentrieren können, aber die von der „verträumten“ ADS-Variante Betroffenen werden eher aktiver, weil sie dadurch besser in der Lage sind, den Überblick über ihre Umwelt zu behalten.

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  3. Sarah sagt:

    Ich muss dazu sagen, ich habe selber ADHS und mein Abi mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen, ohne Medikamente, da das ADHS bei mir erst später diagnostiziert wurde.
    Inzwischen studiere ich und weiß nicht, wie es bei mir im Moment ohne Medikamente laufen würde… Ich bin auch dagegen, Ritalin pro Forma einfach jeden Tag zu schlucken, denn schließlich komme ich im Alltag klar.
    Deswegen habe ich mir ein Akut-Präparat verschreiben lassen, dass ich nehmen kann, wenn ich weiß, jetzt werde ich mehrere Stunden an einer Hausarbeit schreiben oder jetzt habe ich eine mehrstündige Autofahrt vor mir. Das hilft mir selber sehr gut, es hat auch mein Selbstvertrauen enorm gestärkt, weil ich endlich weiß, dass nicht ich unfähig bin, sondern mir nur die Konzentration fehlt…

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    • Ich muss gestehen, dass ich erst bei der Promotion rausgefunden habe, dass ich an ADS leide und bisher kein Medikament genommen habe. In meinem Job habe ich das Problem zum Glück nicht bzw. beim Schreibkram einigermaßen im Griff und im Alltag weiß man halt von mir, dass ich extrem verschusselt und vergesslich bin. Allerdings überlege ich aus anderen Gründen ob es sinnvoll sein könnte, die Medikamente mal auszuprobieren. Im Studium ist das Akut-Präparat aber natürlich ne gute Lösung… für lange Autostrecken hab ichs noch nie in Erwägung gezogen, macht aber auch Sinn.
      Ich glaube, das Problem an der unentdeckten ADHS liegt echt hauptsächlich daran, dass man irgendwann dieses Versagergefühl im sinne von „Warum kriegen alle anderen sich organisiert und ich vergesse die hälfte?“ kriegt.

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      • Sarah sagt:

        Ja, das stimmt, vor allem, weil mir das in meinem Leben sehr oft vorgebetet wurde, à la „Du kannst es ja eh nicht, wird eh nix, kannst es gleich lassen!“ Mir geht es durch die Diagnose besser, da ich jetzt weß, warum das so ist… Es war für mich bisher unmöglich, Hausarbeiten termingerecht zu verfassen und diese meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu schreiben, da helfen mir die Medikamente wirklich, weil ich mich einfach mal konzentrieren kann und einen Text von 2000 oder 3000 Wörtern in kurzer Zeit und mit Sinnzusammenhang und vollständig verfassen kann.

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        • Was studierst du denn? Ich finde nämlich grade bei eher philosophischen Texten ist es mit ADHS fast unmöglich konzentriert zu bleiben… rein wissenschaftliche fand ich da immer noch erträglich.

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          • Ich glaube, das hängt mehr davon ab, wie sehr einen die Texte interessieren. Ich kann beispielsweise stundenlang komplett in ein spannendes Buch versinken, ohne irgendetwas um mich herum mitzukriegen, aber wenn ich es mit einem Skript für die Uni probiere, scheitere ich meistens schon bei den ersten Seiten.

            Auch bei Hausaufgaben ist es oft so, dass ich sehr lange überhaupt nicht klar komme, weil ich es einfach nicht schaffe, die Problemstellung geordnet zu kriegen. Die einzelnen Puzzleteile entgleiten mir dabei immer wieder.
            Wenn ich dann erstmal den Punkt erreicht habe, wo mir klar ist, was ich tun soll und das Grundgerüst steht, programmiere ich stundenlang, ohne an irgendetwas anderes zu denken und höre meistens erst dann auf, wenn die Übelkeit und der Schwindel mich irgendwann mal darauf hinweisen, dass ich schon vor Stunden dringend hätte essen sollen…

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            • LoMi sagt:

              „Ich finde nämlich grade bei eher philosophischen Texten ist es mit ADHS fast unmöglich konzentriert zu bleiben…“

              Ich brauche sowohl zum Denken als auch zum Lesen eine mechanische Hilfe, um am Ball zu bleiben. Beim Lesen gelingt das durch konsequentes Anstreichen bzw. optisches Strukturieren des Textes in Haupt- und Nebenaussagen. Um nachzudenken und beim Thema zu bleiben, schreibe ich. Ansonsten geht mein assoziativer Geist schnell auf Wanderschaft…

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  4. Ginny sagt:

    Na ja, ich glaube, man findet bei fast jedem Menschen irgend’ne Krankheit, Konzentrationsschwäche etc., wenn man lange genug sucht. Und wenn jemand so was wirklich hat, kann man nicht viel dagegen machen, dass er/sie dann Medikamente nehmen soll. Er/sie kann natürlich protestieren, sofern er/sie alt genug ist. Ich würde es z.B. bei einem kleinen Kind schlimm finden, das gar nichts anderes kennt. Man kann jetzt sagen, dass behinderte oder kranke Kinder ja auch Medikamente nehmen müssen und eventuell kein Leben ohne kennen. Wahrscheinlich wäre es bei jedem Kind, egal ob es jetzt ADHS oder eine angeborene körperliche Krankheit (für die mir gerade kein Beispiel einfällt -hust-) hat, so, dass es seine Medikamente entweder hassen würde oder ihnen positiv gegenüberstehen. Oder aber es würde sie völlig normal finden und nie hinterfragen, ob es sie braucht. Was ich mich beunruhigt, da ich allein aus Prinzip alles hinterfrage und auch anderen oft dazu rate. Meine beste und nervigste Eigenschaft.

    Wahrscheinlich bin ich bei dem Thema auch etwas voreingenommen, da ich mich wegen der Nebenwirkungen gegen die Medikamente entschieden habe, daher kann ich nicht wissen, ob ich mit Medikamenten bessere Leistungen erzielen könnte und ob bei mir Nebenwirkungen auftreten würden. Muss ich allerdings auch nicht, ich bin ja ganz zufrieden so.

    Ach, ist das so? Wusste ich nicht, vllt sollte ich doch anfangen zu rauchen.😀 Kleiner Scherz am Rande, den Teufel werde ich tun. Finde es ja immer sehr lustig, dass ich jedes Mal – wirklich, jedes Mal -, wenn ich die Frage „Rauchst Du?“ mit „Nein.“ beantworte, von einem Raucher gesagt bekomme, dass ich ja nicht damit anfangen solle. Und dann dieses „ich kann jederzeit aufhören, ich will nur nicht.“ – sicher doch. Ich hoffe mal, dass Du mir das jetzt nicht übel nimmst, falls Du rauchst. Mh… erhöhtes Risiko… finde ich irgendwie schade, dass manche Menschen eher suchtgefährdet sind als andere. Andererseits denke ich, wenn man nicht rauchen will, lässt man es. Logisch, man kann nach Jahren, Monaten oder eventuell sogar schon nach Wochen nicht mehr einfach so aufhören und man muss heute entweder ziemlich willensstark oder antisozial sein oder sich seinen Bekanntenkreis verdammt gut aussuchen, damit man mit Zigaretten oder Drogen nicht selbst in Berührung kommt.

    Ich habe allerdings kein ADHS, also kein hyperaktives Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ich bin kein bisschen hyperaktiv. Bei mir wirkte sich das ADS hauptsächlich so aus, dass ich in sämtlichen Mathestunden (und anderen bei Fächern, die ich nicht mag) hochinteressiert aus dem Fenster geguckt habe… war halt interessanter, dabei habe ich unpraktischerweise den ganzen Unterricht ausgeblendet. Ich bin extrem unaufmerksam, wenn mich etwas langweilt, und bin in Gedanken dann ganz schnell weg. Hypoaktiv nennt man das, hat mir mal ein Arzt gesagt, also eher verträumt. Mir fällt es auch leicht, philosophische Texte zu schreiben und meistens auch zu lesen, weil ich gerne nachdenke, bei Sachbüchern schlafe ich zu 90% fast ein. Wobei es immer darauf ankommt, worum es geht und ob ich das wissen will. Ich lese viel, vielleicht steigert das ja die Konzentration.

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  5. NassesLaub sagt:

    da muss ich als ADHS-Betroffene dir vollkommen Recht geben.

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  6. evilmichi sagt:

    Mein Sohn [7 Jahre] merkt selbst, wie sehr das Methylphenidat ihm hilft, „dabei“ zu bleiben. Seit er es nimmt, blüht er regelrecht auf und kann sein Potenzial endlich nutzen. Er wäre ohne medikamentöse Unterstützung ein absoluter Underachiever.

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  7. evilmichi sagt:

    Hat dies auf Michis Blog. rebloggt und kommentierte:
    Ein sehr treffender Vergleich, wie ich finde.

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  8. Ui, rebloggen, das probier ich jetzt auch mal aus!

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  9. ADHS-Logik | sagt:

    […] ADHS-Logik. […]

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  10. […] ADHS-Logik. […]

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  11. Hat dies auf malvar infected rebloggt und kommentierte:
    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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  12. Rudolf sagt:

    Das Problem da ist eher, dass diese Krankheit viel zu oft „diagnostiziert“ (nicht zwingend von einer Fachperson) wird. Habe das in Zürich erwähnt – gefühlt sind da 50% der Schulkinder auf Medikamenten, da jede kleine Bewegung als Störung gilt und sofort die Eltern einbezogen werden.

    Lasst doch auch mal die Kinder Kinder sein! Auch wenn „die anderen“ ihr Kind ruhig stellen… Wenn es 50% „haben“, KANN es keine Krankheit mehr sein.

    Und durch solchen Missbrauch schadet man dann auch denen, die es wirklich haben – was genau der Grund ist, warum diese Krankheit in Verruf ist.

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    • Rudolf sagt:

      *in Zürich erlebt, soll es heißen.

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    • yannaba sagt:

      Die Kinder werden nicht „ruhig gestellt“. Ritalin ist tatsächlich ein Aufputschmittel. Und hier (in Berlin) wird es auch wirklich nicht leichtfertig verschrieben – und schon gar nicht vom Kinderarzt, sondern vom darauf spezialisierten Kinderpsychologen. Außerdem wird man – wenn es jemand irgendwie mitkriegt – massiv angefeindet – mit eben dem „ruhig-stellen“ und „lasst Kinder Kinder sein“ blabla. Wie sehr das Kind leidet und schon extrem früh depressiv wird und mit Selbstmordgedanken kämpft – das ist den Leuten egal.
      Du bist die böse Mutter, die ihr Kind lieber ruhigstellt und wahrscheinlich falsch ernährt und Zuviel fernsehen lässt etc.pp. Sorry, das kotzt mich an.

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      • Fiete sagt:

        Wieso nur die böse Mutter? Wo ist denn der böse Vater?
        Daß in Bärlin nicht jede Menge Ritalinzombies herumgeistern, willst Du wirklich behaupten, oder?

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        • yannaba sagt:

          Also – ich kenne außer meinem Sohn keinen. Und wer hat Dir eigentlich den Scheiß von „Ritalinzombies“ erzählt. Die werden davon keineswegs ruhig. Oder lenkbar. Oder brav. Die können sich nur (etwas) besser konzentrieren. Übrigens kommt die massive Propaganda gegen ADHS-Medikamente und auch Antidepressiva von den Scientologen. Aber nee, ist klar, wer am lautesten schreit, dem glaubt man auch…

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  13. gerks sagt:

    „Das Problem da ist eher, dass diese Krankheit viel zu oft “diagnostiziert” (nicht zwingend von einer Fachperson) wird. Habe das in Zürich erwähnt – gefühlt sind da 50% der Schulkinder auf Medikamenten, da jede kleine Bewegung als Störung gilt und sofort die Eltern einbezogen werden.“
    So ist es.
    Die „Diagnose wird schon von Menschen durchgeführt, die eine Weiterbildung besucht haben, als Kindergärtnernde, Horterziehende und Kinderärzte verschreiben dann ohne weiteres die Medikamentation. Aber diese Krankheit kann nur eine Handvoll von Experten sicher diagnostizieren. Und es ist ein sehr aufwendiger Prozess, da alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
    Leider glauben oft schon irgendwelche Lehrkräfte in Grundschulen, die eine Woche an einem ADHS-Seminar teilgenommen haben, sie würden diese Krankheit erkennen können.

    Und die andere Seite sind die Irren die glauben ihre Kinder seien gar nicht krank, sondern wären „Kristallkinder“, hätten eine „indigofarbene Aura“ und wären die kommende Generation von Bewustseinserweiterten. Dies deswegen, weil ADHS-Kinder zu Hyperfokussierung fähig sind. (Es stimmt. Sie können sich auf eine Sache derartig konzentrieren, WENN und SOLANGE sie ihnen Spass macht, dass sie alles rundum vergessen) Aber dass diese Kinder im Altagsleben tatsächlich behindert sind, eine massive Konzentrationsstörung, fehlende Impulskontrolle und sofortige Bedürfnisbefriedigung ohne Rücksicht auf Konsequenzen aufweisen, sehen sie nicht.

    Und deswegen meinen viele Eltern, sie müssten ihren gesunden Kindern die Medis geben und andere Eltern die kranke Kinder haben, glauben das wäre schädlich.

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    • Rudolf sagt:

      Genau so.

      Und ja, ich sehe das Argument ein, dass Ritalin bei Nichtbetroffenen eher anregend wirken soll (das kann ich EMN, die sich damit auskennt, einfach mal glauben). Daraus folgt aber einfach nur, dass es nicht Ritalin ist, womit die lauten Kinder „ruhig gestellt“ werden, sondern was anderes.

      Dazu muss ich ergänzen: man erfährt ja auch nicht von anderen, was die genaue Diagnose oder Medikamente sein soll (man munkelt über ADHD und Ritalin, aber die Schweizer sind zu verschlossen, um in Details zu gehen). Da wird der „Schularzt“ geholt (der normalerweise nur für erste Hilfe und Impfungen zuständig ist, und gerade keine psychologische Ausbildung hat), der „verschreibt“ dann schnell was, und damit müssen dann die Eltern das Kind ruhig stellen, sonst gibt’s beim nächsten obligatorischen Elternabend massenhaft Intrigen.

      Ich habe die Schweiz rechtzeitig verlassen, bevor dieses Problem auf die eigenen Kinder zukommt.

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    • david sagt:


      Die “Diagnose wird schon von Menschen durchgeführt, die eine Weiterbildung besucht haben, als Kindergärtnernde, Horterziehende

      In welchem Land denn das bitteschön?

      In Deutschland jedenfalls nicht. Erzieher und Pädagogen können höchstens den Anstoß zu einer diagnostischen Abklärung geben, eine von ihnen gestellte „Diagnose“ ist allerdings grade so viel Wert wie das dafür verwendete Papier.

      Ansonsten volle Zustimmung.

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  14. gerks sagt:

    Hat dies auf GerK_HuMan rebloggt.

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