Neue psychische Erkrankung entdeckt.

Veröffentlicht: September 16, 2012 in Psychozeug, Satireartikel
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Die Symptome sind zunächst unspezifisch: Unwohlsein in größeren Menschengruppen, häufig begleitet von Übelkeit, Schwitzen oder Zittern, sozialer Rückzug, Vermeidung von Situationen, in denen man mit Fremden zu tun hat. Mit steigendem Leidensdruck dann oft der Weg zum Psychotherapeuten und die Diagnose: Soziale Phobie.
Doch bei vielen Betroffenen verläuft die Behandlung erfolglos. Trotz der umfangreichen psychologischen Interventionen, sozialem Kompetenztraining, Selbstsicherheitsübungen und Konfrontation verschlimmert sich die Symptomatik und führt zu völligem Rückzug.
Neuste Forschungen könnten nun eine Erklärung liefern: Nicht in jedem Fall steckt hinter der scheinbar eindeutigen Symptomatik auch tatsächlich eine soziale Phobie. Prof. Dr. K. Lüg und sein Team gelang es, auf die Spur einer bislang völlig unbekannten und doch offenbar verbreiteten Erkrankung zu stoßen und diese zu erforschen: Dummheitsintoleranz.
Laut Lüg sei die Entdeckung durch Zufall erfolgt. Er habe in seiner Privatpraxis mehrere Patienten mit „Sozialer Phobie“ behandelt und sei bei einigen trotz Fachwissen und Motivation seitens der Patienten nicht weiter gekommen. „Natürlich ist es nicht ungewöhnlich, dass hin und wieder ein Patient nicht vom psychotherapeutischen Angebot zu profitieren vermag“, so Lüg. „Dennoch wunderte mich in einigen Fällen der vollkommen ungewöhnliche Verlauf der Phobie und das Nicht-Ansprechen auf Konfrontation. Statt der üblicherweise eintretenden Habituation ging es den Patienten immer schlechter. Das ist doch sehr ungewöhnlich.“ Eine Offenbarung sei schließlich dem Zufall zu verdanken gewesen: „Ein Patient hatte offenbar seine BILD-Zeitung im Wartezimmer vergessen. Als ich meinen nächsten Patienten, einen vermeintlichen Sozialphobiker, aufrief merkte ich bereits, dass es diesem sehr schlecht ging. Er gab an, dies habe kurz nach Betreten des Wartezimmers begonnen. Im Laufe der Therapiestunde legte sich die Symptomatik dann wieder. Rein zufällig hatte ich an diesem Tag noch einen weiteren Patienten mit sozialer Phobie und auch bei diesem zeigte sich dasselbe Bild. Auf der Suche nach einer Erklärung stieß ich schließlich auf die vergessene BILD. Der Gedanke, ob es mit der Zeitung zu tun haben könnte, ließ mich nicht los und so startete ich trotz der Abwegigkeit einen Versuch und ließ die BILD im Wartezimmer. Und in der Tat: Alle bisher erfolglos behandelten Patienten mit Sozialphobie reagierten ähnlich. Zunächst dachte ich, es sei eine spezifische Reaktion auf die BILD, die z.B. mit der verwendeten Tinte oder ähnlichem zu tun hatte. Um die Sache abzukürzen: Es dauerte etwa ein halbes Jahr und benötigte verschiedene Experimente bis ich schließlich Klarheit hatte. Ganz sicher war ich mir, als sich ein Patient beim Anschauen einer Folge „Mitten im Leben“ von RTL übergeben musste und einen Kreislaufkollaps erlitt.“
Mittlerweile forschen Lüg und sein Team bereits zwei Jahre mit erstaunlichen Ergebnissen. Dummheitsintoleranz wirke zunächst wie eine klassische soziale Phobie. Die Entwicklung sei schleichend. Gesunde Menschen besäßen ein Gen, das für die Produktion eines Hormons verantwortlich sei, das es erlaube, Dummheit zu verarbeiten. Bei Kranken sei dieses Gen beschädigt und führe dazu, dass die Produktion des Hormons nicht mehr zuverlässig funktioniere. Die Intoleranz könne schleichend erfolgen oder auch plötzlich massiv eintreten. Ein Betroffener berichtet: „Ich lief nichtsahnend durch die Stadt als ich mich plötzlich unvermutet in einem NPD Aufmarsch wiederfand. Als ich die Parolen vernahm und die ganzen Bomberjacken um mich herum sah spürte ich ein starkes Unwohlsein und sofort darauf Übelkeit und Schwindelgefühle. Ich konnte mich grade noch an die Seite retten bevor ich ohnmächtig wurde. Als ich aufwachte war nichts mehr wie zuvor. Ich konnte nicht mehr normal auf die Straße, ich kann nicht mehr Fern sehen, nur noch bestimmte Literatur konsumieren. Beim kleinsten bisschen Dummheit muss ich mich übergeben.“ Er möchte anonym bleiben, denn er fürchtet, einige seiner früheren Bekannten, zu denen er den Kontakt rigoros abbrechen musste, könnten sich durch den Bericht vor den Kopf gestoßen fühlen.
Eine Heilung sei bisher noch nicht möglich, so Lüg. Das Einzige was er Betroffenen raten könne sei auf den Konsum von Privatsendern und Zeitschriften wie BILD zu verzichten und sich auch ansonsten weitestgehend von unverträglichen Personen und Medien fern zu halten. Wichtig sei auch, dass eine Psychotherapie zwar begleitend hilfreich sein könne, jedoch keinesfalls eine klassische Konfrontationstherapie wie bei einer sozialen Phobie zu empfehlen sei. Hier sei eine umfangreiche Diagnostik vonnöten um Behandlungsfehler zu vermeiden. Die BILD sei hierzu ein geeignetes Diagnostikum, so Lüg. Patienten mit sozialer Phobie, die nicht von ihrer Psychotherapie profitierten, empfehle er, den Therapeuten auf Lügs Forschung anzusprechen. „Noch ist die Krankheit vielen Kollegen nicht bekannt, wir hoffen jedoch, dass die Dummheitsintoleranz demnächst in das internationale Klassifikationssystem für Krankheiten aufgenommen wird.“

Kommentare
  1. Ob meine Depressionen wohl auch in Wirklichkeit eine Dummheitsintoleranz sind? Die werden nämlich auch durch u.a. Privatfernsehen und politische Nachrichten (eine BILD-Zeitung würde ich sowieso niemals anrühren!) meistens schlimmer…

    (Bevor mir jemand unterstellt, ich würde mich über Depressionen lustig machen: Es ist leider wirklich so.)

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