erzaehlmirwas…. über dein Leben mit Borderline.

Veröffentlicht: Februar 24, 2013 in Interview, Psychozeug
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Gestern hatte ich einen Aufruf gestartet in dem ich Partner für Interviews zum Thema psychische Erkrankungen -speziell den Umgang damit, Reaktionen von aussen und Therapieerfahrungen – suche. Mittlerweile haben sich viele dazu gemeldet (Ich hoffe, ihr habt auch nach diesem Blog noch Interesse^^). Bevor es losgeht kurz noch was zur Situation: Das Interview fand per Mail statt. Ich kannte mein Gegenüber nicht, hatte aber im Lauf der Zeit eine Ahnung, dass sie schon als Kommentatorin in meinem Blog aufgetreten war, was sich als richtig herausstellte. Für mich war das mein erstes Interview in der Form und ich muss zugeben, dass ich mir das immer sehr viel leichter vorgestellt hatte, wenn ich irgendwo in Zeitschriften oder im Netz ein Interview durchgelesen hatte. Was mir besonders schwer fiel war, dass ich nicht groß auf das Gesagte eingehen konnte sondern weiter fragen „musste“. Meine Partnerin hat es mir dahingehend allerdings erleichtert, da sie auf jede Frage voll einging und teilweise schon -absichtlich oder unabsichtlich?- von sich aus auf mein nächstes Thema überleitete. Faszinierend fand ich, wie grundlegend sich eine Interviewsituation von einer Therapiestunde unterscheidet. Während bei letzterer immer weiter nachgehakt wird und versucht wird noch tiefer in die Aussage zuvor einzusteigen wird beim Interview die Aussage einfach stehengelassen und zum nächsten Thema übergeleitet. Schon bei der ersten Frage war mein Impuls daher mit Fragen wie „Und wie war das genau für dich? Wie ging es dir mit der Schwammigkeit? Wie hast du diese und jene Aussage erlebt? etc“ nachzuhaken und ich musste mich da sehr bremsen, da das Interview ja auch nicht zu lang oder zu persönlich werden sollte.

Also insgesamt war es für mich ziemlich faszinierend, sowohl vom Thema als auch von der Situation her. Mich würde auch euer Feedback dazu interessieren, was ihr gut fandet, was ich aus eurer Sicht besser machen könnte, etc.

Das erste Interview ergab sich gestern mit Nadjeschda, 22, hochbegabt und mit der Diagnose Borderline. Für alle, denen die Diagnose nichts sagt hier ein kurzer Auszug aus dem Netz (http://www.icd-code.de/icd/code/F60.3-.html) dazu:

F60.3-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
Info.:
Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne
Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit
unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine
Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit,
impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine
Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit
anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder
behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden
werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch
emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein
Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des
Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein
chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige
Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit
parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

EMN: Als erstes würde mich interessieren wann dir konkret die Diagnose Borderline gestellt wurde und was das damals für dich bedeutet hat. Also wann hast du das Wort zum ersten Mal im Bezug auf dich gehört und was wusstest du vorher dazu? Wie überraschend oder nicht-überraschend kam für dich die Diagnose?

Nadjeschda:  Also im endeffekt wars nicht mehr überraschend. Es wurden ständig andeutungen gemacht bis es mir mal richtig auf den kopf zugesagt wurde. Der erste Psychiater hat mir gesagt ich solle mir doch mal bücher dazu durchlesen und schauen, ob das passen könnte…
nach dem ersten klinikaufenthalt hab ich es lediglich im entlassungsbericht gelesen.
Das erste mal, dass mir die direkt gesagt wurde war im 3ten klinikaufenthalt (beim 2ten wurde mir gesagt ich könne doch kein borderline haben da ich abi habe und meine ausbildung bisher ja durchgehalten habe… (Anmerkung nachträglich: Bin im Interview nicht weiter darauf eingegangen, ist aber eine äußerst fragwürdige Aussage von Therapeutenseite). Das fand ich dann recht angenehm. Weil alles davor eher ein…vielleicht eventuell könnte es sein war. Und schon alleine wenn doch mal was ist (man doch mal überreagiert hat oder so) und man sagen kann, dass man die und die diagnose hat wird man eher ernst genommen als wenn man nur sagen kann, dass man wohl irgendwie überreagiert hat.

EMN: Du sagtest, dir wurde empfohlen Bücher dazu zu lesen… fandest du dich in Büchern, Internet, Filmen oder sonstigen Medien dazu wieder?

Nadjeschda: Also in den meisten Büchern  werden ja verschiedene „arten“ oder halt ausprägungen vorgestellt. Da habe ich mich dann schon hier und da wiedergefunden.
Was ich sehr schwierig finde sind Zeitungsartikel. Da werden oft einfach so „krasse“ ausprägungen dargestellt.
Oft auch habe ich einfach Angst dem  zu entsprechen. Also was so in Büchern dargestellt wird. Also das es heißt, dass Borderliner so aufdringlich sind, dass die doch ständig andere erpressen etc. Und die Angst, dass das vielleicht auch bei mir stimmen könnte ohne das ich das merke.
Das alles hat dazu geführt, dass ich (auch erst letztens) beschlossen habe, dass ich mir keine Bücher dazu mehr durchlesen werde. Weil ich eben dadurch immer wieder angst bekommen habe, dass ich auch so bin ohne das ich es merke.
von Filmen an sich kenne ich nur „Allein“ und den fand ich dahingehend echt gut. Auch einfach weil da alles nicht so übermäßig krass dargestellt wurde. Weil sie – mit krassen schwankungen etc – dennoch mehr oder weniger im Leben klarkommt. Und so ist das ja bei den meisten. Denke ich einfach. Also es sind ja nicht alle alle 2 Wochen auf der geschlossenen (ist jetzt auch übertrieben, aber ich habe oft das gefühl, dass beschreibungen eben genau in die richtung gehen…)

EMN: Das bringt mich zu meiner nächsten Frage, nämlich Vorurteile: Hast du schon erlebt, dass mit dem Wissen, dass du die Diagnose Borderline hast, ein bestimmtes Verhalten von dir erwartet wurde? Wie offen gehst du damit um und wie sind die Reaktionen? Gibt es Reaktionen die dich nerven und welche Reaktionen findest du gut bzw. wünscht du dir?
Ausserdem hattest du anfangs als zweite Diagnose die Hochbegabung angegeben. Denkst du, die beiden Faktoren beeinflussen sich gegenseitig (Ich kann mir z.b. vorstellen dass sich durch eine Hochbegabung gewisse Dinge nach aussen hin besser kompensieren lassen?).
Und bezüglich der „Angst dem zu entsprechen“… was denkst du, wie viel deiner Persönlichkeit durch Borderline beeinflusst ist (ist jetzt vielleicht eine sehr philosophische frage, ich weiß^^)?

Nadjeschda: mit dem Verhalten…ja. Traurigerweise bei meinem zweiten Aufenthalt in der gleichen Psychiatrie (gleich station, gleiche therapeutin) oder auch bisschen beim ersten aufenthalt.
da wurde mir zb gesagt, dass ich ja erpresst habe, total aufdringlich bin bzw war. Allerdings habe ich das absolut nicht so wahrgenommen und nehme es auch immernoch nicht so wahr. (und nach einem gespräch mit einem pfleger wurde ich in meiner wahrnehmung bestärkt…)
Sonst hab ich ehrlich gesagt dahingehend keine Vorurteile erlebt. Bin schon relativ offen damit aber binde es auch nicht jedem auf die Nase. Die die es wissen nehmen mich einfach so wie ich bin egal ob ich stimmungsschwankungen habe oder auch nicht. Und die mit denen ich nur oberflächlich zutun habe wissen es nicht.
Was ich mir wünsche…von Freunden und so so wie es momentan ist. Man kann auch darüber sprechen etc. Aber im Grunde bin ich einfach so okay. Werde ich so genommen wie ich bin. Ob da nun irgendwas borderline heißt oder nicht ist egal.

Nur was Therapie angeht finde ich persönlich, dass das (bei mir zumindest) zu stark standardmäßig ist. Das einfach zu wenig auf die einzelnen (bzw halt mich) eingegangen wird. Weil ich finde das wichtigste ist, dass man sich selbst vertrauen kann. Und nicht, dass gesagt wird (wurde mir von der Thera in der Psychiatrie) das ich doch meiner Wahrnehmung doch eh nicht vertrauen kann…welcher sonst…

Ich weiß nicht ob du das Buch von Andrea Brackmann kennst. Hochbegabt und hoch sensibel. Vor allem geht es vorerst um hochbegabung, am Ende gibt es allerdings noch ein Kapitel über hochbegabte Borderliner. Da habe ich mich sehr verstanden gefühlt. Das es für viele hochbegabte zb normal ist mehr oder intensiver wahrzunehmen. Oder auch sich ein stück weit anders zufühlen. Das soviel auf Borderline und Hochbegabung gleichermaßen zutrifft. Sodass ich in mir auc hsagen konnte, dass das völlig okay ist, und vor allem, dass das nicht alles einfach nur krank, oder eine störung ist.
Zu deiner letzten Frage…ich weiß es nicht. Und es spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass ich mir vertrauen kann. Das ich mir glaube. Und das ich mich in mir festige. Das ich innerlich ruhiger werde.
Und ich denke, dass das bei Therapien oft eher in andere richtungen gelenkt wird (bei mir zumindest, vllt bin ich dahingehend ja eine ausnahme, weiß ich nicht).

EMN: Das Buch kenne ich bisher nicht, werde ich mir aber definitiv auf meine Leseliste setzen (danke). Du hast schon einen Teil meiner nächsten Frage vorweggenommen, nämlich Therapieerfahrungen. Ganz glücklich klingst du damit nicht. Wie ist denn insgesamt dein Eindruck von Psychotherapie? Welche Elemente fandest du hilfreich, womit konntest du nichts anfangen und welche Voraussetzungen findest du wichtig? Würdest du jemandem mit ähnlichen Themen zu einer Psychotherapie raten und was würdest du demjenigen an Tipps mitgeben?

Nadjeschda: Mh, nein, was die Gesprächstherapie angeht bin ich nicht damit glücklich.
Auch in den Klinikaufenthalten denke ich waren es vor allem die anderen Therapien die mir geholfen haben. Körpertherapie, Singen, Trommeln, Reittherapie, Gestaltungstherapie (in ner gruppe, thema war grob vorgegeben), Tanztherapie.
Also alles so Sachen wo ich ein STück weit auf mich hören muss. Was mir meist tierisch schwer gefallen ist und auch noch fällt aber ich denke, dass es genau darum (bei mir) gehen muss. Das ich mir vertraue und in mir selbst stark bin.
Was bei Gesprächstherapie so oft ist ist einfach, dass gesagt wird was ich anders machen kann oder probieren soll etc. Finde ich an sich nicht schlecht. Aber so etwas verunsichert mich innerlich noch viel mehr. Und dahingehend ist es auch…etwas unnötig.
Also ich bekomm soweit alles hin (behördenkram, uni, ausbildung, was eben gemacht werden muss). und auch Beziehungstechnisch finde ich mich gar nicht so verkehrt. Es mag sein, dass ich mich etwas anstelle etc. Aber dennoch sind es sachen die an sich okay sind. Und da finde ich es viel besser, wenn ich lerne, dass ich mir vertrauen kann. Und so. Wenn ich jetzt zb ständig jemandem auf die pelle rücke (und das als nervend etc aufgefasst wird) und ich das nicht ändere finde ich das vollkommen okay wenn ich da hilfestellungen bekomme. Aber ich stelle mich in der regel vllt nur höchst ungeschickt an.
Ich muss auch zugeben, dass ich nie wusste was ich in der Therapie erzählen soll/möchte. Es hieß immer das sich das ergibt. Ergab sich selten. Und öfter wurde mir auf den Kopf zugesagt…entweder muss ich reden oder aber wir können das sein lassen…
kann ich nachvollziehen…aber ich kann mir doch genausowenig was aus den fingern saugen. und die andere variante wäre dann…mir kann nicht geholfen werden, weil ich nicht rede (btw gar nicht reden war auch nicht, aber anscheinend immer das falsche oder unwichtige oder so…)? Das ist unsinn…
Dahingehend fände ich es viel viel wichtiger auch so andere Therapiearten ambulant einzubeziehen. Und nicht zu sagen, dass die Gesprächtherapie das „einzig wahre“ ist. Und alles andere nur evtl als unterstützung geht. Sondern, dass das eben auch „nur“ geht. Nur Körpertherapie zb.
Für mich war das nämlich auch bis letzte Woche noch so, dass ich dahingehend total am zweifeln war. Hatte fast eine feste Gesprächstherapeutin. Und war ständig am zweifeln. Es kommt immer so rüber als ob einem eben nur das helfen könne. Und alles andere nur unterstützend wirkt. Ich wiederhole mich.

Tipps…also wenn derjenige konkret weiß was er besprechen möchte oder worüber und so. Find ich das nicht verkehrt. Oder eben wenn aktuell etwas schief läuft (und nicht „nur“ noch die symptome bestehen) Aber es gibt auch hilfen außerhalb von gesprächstherapien. Wobei ich mich da zugegebenermaßen noch nicht so auskenne und mich konkreter erkundigen muss. Aber die sollten nicht außen vor gelassen werden.

dbt zb finde ich für mich auch nicht passend (Anmerkung: DBT = dialektisch-behaviorale Therapie, wird hauptsächlich zur Behandlung von Borderline eingesetzt). Ich möchte mich nicht selbst reglementieren. Ich möchte mir vertrauen. Das darf auch mal völlig in die Hose gehen. Aber das passiert dann halt. Und dann klappt es wieder besser. Und jeder hat eine unglaubliche Kraft in sich selbst. An die nur des öfteren auch erinnert werden muss.
Also es gibt nichts was auf jeden passt, aber es sollten einem mehr angeboten werden als die „normale“ psychotherapie. Weil man ja auch oft erst gar nicht weiß was es gibt, und was man für möglichkeiten hat. (was ja oft schon alleine durch die krankenkasse eingeschränkt ist…)

EMN: Also würdest du sagen, dass mit der wichtigste Teil für dich darin besteht mehr Selbst-Vertrauen zu entwickeln und es in einer Therapie weniger darum gehen sollte irgendwie „anders“ zu sein? Also weniger Druck und mehr Elemente die helfen, auf dich selbst zu hören? Falls ja könnte Achtsamkeitstherapie (Anmerkung: Therapieform, die sich stark auf das Erleben im Hier und Jetzt  und die Wahrnehmung der Gegenwart fokussiert) dir gefallen. Klingt auch so, als steht dir die Borderline“Erkrankung“ gar nicht so sehr im Weg und als seist du so ganz zufrieden mit deinem Leben, oder würdest du sagen, dass du noch „Baustellen“ hast?
Insgesamt, wie waren die Fragen soweit? Gibts was, was ich vergessen habe zum Thema „Umgang mit Borderline, Gesellschaft, Therapie“ zu fragen?

Nadjeschda: selbstvertrauen und selbstsicherheit. Dahingehend auch innere Ruhe.
Also so achtsamkeitsübungen hatte ich auch oder imaginationsdings. Das hat nicht gewirkt. Da war ich unentspannter danach als davor😉
und ja, es sollte weniger darum gehen „anders“ zu sein.
Also ich verletze mich noch ab und an, und ich habe stimmungsschwankungen (weshalb ich mir mit der uni sehr schwer tue, da ich wöchentlich was abliefern muss und das eben nicht so regelmäßig bei mir klappt). Aber seit ich mehr ruhe in mir habe ist das alles etwas ausgeglichener.
Von daher sind meine Baustellen nach wie vor mich mehr in mir zu stärken😉 sonst flipp ich halt schon innerlich mal aus.  Aber durch die ruhe wird das aushaltbarer…aber baustellen sind das ja irgendwie dennoch.
Ahja, dahingehend finde ich es auch wichtig jemanden zu haben der einem das immer wieder sagt. Ich hab zb eine Sozialpädagogin (sozpäd dienst) die mich fast nur in mir unterstützt. Was mir aber eine unglaubliche Sicherheit gibt. Und meine Yogalehrerin schreibt mir – manchmal wenn ich es brauche auch täglich, – dass alles gut ist, dass sie mich mag und sowas. Das ist mir einfach unglaublich wichtig und hilft mir sehr sehr viel.
Es sind einfach nur so kleine Sätze, so kleine Momente die soviel tun. Holt mich so ein bisschen auf den Teppich.
Es gibt nicht darum Verantwortung abzuschieben (wie es ja auch so oft über borderliner heißt) sondern Sicherheit in sich zu bekommen. Ich würde das meiste auch ohne die kommentare ohne die sätze von denen so machen. Aber das hilft mir mich darin auch sicher zu fühlen. Eben mich in mir zu stärken.
Und das brauche ich _noch von außen. Aber das ist nicht sclhimm, solange ich dies niemandem aufdränge und es gelingt mir immer wieder und ab und an es auch selbst zu schaffen. Dh es wird mehr.

Insgesamt find ich die fragen voll okay. Find nur das zum Thema Therapie recht schwierig zu beantworten. Aber ist ein wichtiges Thema. Und ich finde es immer wichtig zu sagen, dass das eine einzelerfahrung ist. Das das vllt jetzt im Moment auf mich zutrifft, aber auf niemanden sonst zutreffen muss und das es sich auch bei mir wieder ändern kann (und wird).
Hoffe ich war nicht zu kreuz und quer😉
sonst würd mir so jetzt auch keine vergessenen fragen ein…

EMN: Dann vielen, vielen Dank für das Interview und dass du so tiefgehend auf meine Fragen geantwortet hast! Das Thema Therapie ist halt auch wirklich oft ein komplexes und ich finde es daher grade gut sowohl positive als auch negative Erfahrungen zu hören. Ein Fazit aus deiner Erfahrung ist ja offenbar u.a. dass es gut sein kann, dass man nach Alternativen sucht und andere Therapieformen oder Therapeuten findet, die besser zu einem passen. Alles Gute weiterhin!

Nadjeschda: Gerne!

Kommentare
  1. mozart2006 sagt:

    Sehr interessant

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  2. Catio sagt:

    Sehr beeindruckend. Eine Anmerkung sei mir gestattet. Hochbegabte können in Gesprächstherapien nach meinen Erfahrungen das Gegenüber sehr schnell intelligenzmäßig einordnen. Daraus ergibt sich meines Erachtens häufig das Problem, dass TherapeutInnen dem oder der Hochbegabten trotz aller beruflicher Professionalität nicht gewachsen sind. Es entstehen daraus einige Schwierigkeiten, die zur Ablehnung der eigentlich wichtigen Therapie führen, weil das Gespräch nicht auf Augenhöhe stattfindet. Wenn dann noch Hochsensibilität im Spiel ist, wird das Ganze auch noch emotional problematischer und der Abbruch der Gesprächstherapie ist zumeist vorhersehbar.

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  3. jerryfaber sagt:

    Das A und O einer Therapie ist die Beziehung zwischen Klient_in und Therapeut_in. Alles Andere ist zweit- bis drittreihig.

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  4. Robin Urban sagt:

    Hach ja, direkt am Anfang könnte ich ja echt ausrasten. Sie kann keine Borderlinerin sein, weil sie Abitur und Ausbildung geschafft hat? So ein Blödsinn… wie können Fachleute so was sagen? Ich hab mich mal ein wenig mit Borderline beschäftigt und nach allem was ich weiß, ist es sogar charakteristisch für Borderliner, zeitweise auch mal höchste Belastungen ertragen zu können (berichtige mich, wenn ich falsch liege).
    Meine beste Freundin ist auch Borderlinerin und hat ne abgeschlossene Ausbildung. Ihr Vater zwang sie (eigentlich die ganze Familie) jeden Tag um 6 Uhr morgens aufzustehen, unabhängig davon, wann sie ins Bett gegangen ist. Folglich ist sie manchmal wochenlang mit 3, 4 Stunden Schlaf in der Nacht ausgekommen. Die meisten Menschen wären wohl schon nach wenigen Tagen zusammen gebrochen!

    Ein paar Anmerkungen zum Interview an sich für dich, EMN: Die Fragen könnten ein wenig kürzer sein bzw. nur auf eine Frage pro Frageblock beschränkt (auch wenn dir das sicher aus den genannten Gründen schwer fällt), und wenn spezielle Therapieformen etc. erwähnt werden, wäre vielleicht ein Link oder eine kurze Erklärung in Klammern dahinter gut (ich wusste z.B. nicht, was „dbt“ ist).

    Ansonsten finde ich diese Idee weiterhin total gut und stehe weiterhin zur Verfügung.

    Nadjeschda wünsche ich viel Glück!

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    • Ja, bei dem Teil mit der Ausbildung hatte ich auch geschluckt.. sollte ich vielleicht eine Anmerkung dazu machen, dass das Unsinn ist. Die Anmerkung hinter DBT und Achtsamkeitstherapie füge ich ebenfalls ein.
      Die Frageblöcke… hmmm, ja, das hatte ein bisschen praktische Gründe, aber ich werde mal versuchen es etwas mehr zu splitten.

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      • Robin Urban sagt:

        Klar, per Email ist das sicher schwieriger als persönlich oder per Telefon… zehn, zwanzig Emails hin und her zu schicken ist wohl sowohl für dich, als auch für die Interviewten ein ziemlicher Aufwand. Anders wäre es übersichtlicher, aber auch so fand ich es, wie gesagt, richtig gut!

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  5. fiirvogu sagt:

    Ich finde den Aufbau des Interviews grundsätzlich ganz gut. Was mir etwas zu kurz geraten ist, ist der Teil, wie Aussenstehende auf die Betroffene reagieren und was das bei der Betroffenen selber auslöst. Im konkreten Fall kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Freunde Nadjeschda einfach so nehmen, wie sie ist und die oberflächlich Bekannten gar nicht merken, dass da irgend etwas sein könnte. Wen dem so wäre, dann müsste man für Psychische Erkrankungen ja keine Aufklärungsarbeit mehr leisten. Insofern würde ich mir da etwas vertiefteres Nachfragen wünschen.

    Ausserdem stimme ich Robin Urban zu, dass die Fragen etwas kürzer und prägnanter sein dürften, dafür aber halt aber mehr. Das hilft nicht nur dem Interviewten, sich etwas besser zu fokussieren, sondern auch dem Leser, den Faden nicht zu verlieren.

    Alles in allem aber eine gute Sache und ich bin bereits gespannt auf das nächste Interview.

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    • OK, ich werde mich also definitiv bemühen die Fragen kürzer und prägnanter zu halten😀 Ich finde es echt angenehm, mir hier Rückmeldung holen zu können.

      Was das nachhaken angeht… ich finde halt es ist ein schmaler Grat zwischen nachhaken und dem Gefühl vermitteln, dem anderen nicht zu glauben. Ich denke, nochmal zu konkretisieren ob es auch mal negative Reaktionen im Bekanntenkreis gab wäre evtl. interessant gewesen, allerdings geht es mir nicht darum irgendwelche Widersprüche oder sowas zu finden und investigativ nachzuforschen. Ich halte es durchaus für glaubhaft, dass ein Freundeskreis, der sie so kennengelernt hat (Es ist ja was anderes mit Achse I -Erkrankungen wie Ängsten oder Depressionen, wo man die Person vielleicht ganz anders kennengelernt hat und diese sich dann stark verändert) sie auch so akzeptiert.
      Zumal es einfach auch stark vom Umfeld abhängt, wie reagiert wird. Es gibt Kreise in denen ist es undenkbar dass jemand zum Psychologen geht und es gibt Kreise wo das völlig normal ist und fast alle die ein oder andere Diagnose haben.

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    • Nadjeschda sagt:

      Ich muss zugeben ich hab lange mit mir gerungen, ob ich etwas dazu sage oder eben nicht…weil sonst wieder eine ellenlange Diskussion entbrennen könnte….

      Deshalb nur kurz: mit der Aufklärungsarbeit…
      auch das was du schreibst ist wieder pauschalisierend. Zudem kommt, dass ich fast nur Freunde habe die selbst alle in Behandlung sind oder es überlegen. Und an „früheren“ Freunden gibt es niemanden. (warum…ist ne andere Sache aber nichts hat mit „Borderline“ an sich zutun)
      Und ich muss auch zugeben, dass ich dahingehend echt Glück hatte!! Bessere Kollegen hätte ich mir nicht wünschen können.
      Es gibt solche die einen einfach so nehmen wie man ist. Einfach so.

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      • Yesa sagt:

        wunderbar ausgedrückt Nadjeschda… ist bei mir nämlich genauso… das die Freunde mich nehmen wie ich bin. Es geht auch so nicht überall hat man nur Probleme mit einer seelischen Erkrankung

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      • fiirvogu sagt:

        Vielleicht hast Du Recht und es ist pauschalisierend, was ich schreibe. Ich habe auch Bekannte, die mich einfach so nehmen, wie ich bin. Und ich bin froh darüber. Aber ich habe auch andere Erfahrungen gemacht. Und ich kenne andere Betroffene, die ähnliche negative Erfahrungen gemacht haben. Leider.
        Ich finde es schön, dass Du Glück hattest mit Deinen Kollegen, bzw. hast. Und ich gönne es allen, die wegen welcher Beeinträchtigung auch immer keine negativen Erfahrungen machen müssen.

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    • Yesa sagt:

      meh sorry fürs downvoten, war nicht meine Absicht (treffen sollte man können ich wollt eigentlich antworten)

      aber ja es geht wirklich so wie Nadjeschda es geschrieben hat. Auch bei mir sind die Leute die ich Freunde nenne von Anfang an daran gewöhnt das die Yesa halt was anders tickt und die nehmen mich auch so wie ich bin. Nur wenn ich total abspace muss ich mich mal erklären.

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      • fiirvogu sagt:

        Kein Problem. Auch wenn Du meinen Kommentar gewollt negativ bewertet hättest wäre das ok. Es lebe die freie Meinungsäusserung.🙂

        Weisst Du, was die negativen Erfahrungen angeht, so spreche ich ja nicht nur von Freunden. Sondern auch von Bekannten. Also von Leuten, die ich jetzt nicht als Freunde bezeichnen würde. Mit denen ich vielleicht zusammenarbeiten muss. Oder mit denen ich im gleichen Verein bin. Oder, oder, oder. Und da habe ich persönlich oft Reaktionen erlebt, die nicht sehr angenehm waren. Und an denen ich – vielleicht krankheitsbedingt, vielleicht auch nicht – bestimmt nicht unschuldig war. Sei es wegen den ganzen Narben, die bei vielen Menschen grosse Fragezeichen verursachen. Oder wegen irgendwelchen impulsiven Handlungen, die manchmal – selbst von mir – nur schwer nachzuvollziehen sind. Etc., etc. Aber wie ich bereits bei Nadjeschda geschrieben habe: Schön, wenn man deswegen nichts Negatives erleben musste oder muss.

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  6. Rainer sagt:

    Ein guter Anfang! Wirklich spannend zu lesen. Ja – und Anmerkungen von dir gehören wirklich dazu.

    Andrea Brackmann ist ein Tip für jeden PT, unbedingt mal lesen😉

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  7. Catio sagt:

    Falls jemand wissen möchte, wie die Umwelt auf psychische Erkrankungen reagiert, kann er sich diesen beiden TED-Talks (mit deutschen Untertiteln) bei mir anschauen:
    http://nesselsetzer.wordpress.com/2012/12/09/ruby-wax-was-ist-so-lustig-an-psychischen-erkrankungen/
    http://nesselsetzer.wordpress.com/2012/11/10/elyn-saks-die-geschichte-meiner-geisteskrankheit/

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  8. DecemberKid sagt:

    Schade, ich als selbst Borderline-Betroffene hätte auch so gerne das Interview mitgemacht. Ich liebe sowas. Aber na ja🙂 Die Interviewsache finde ich echt eine tolle Idee (und auch allgemein den Blog😉 ) und auch super gelungen. Weiter so!
    Und alles Gute an Nadjeschda

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    • Ich habe mich nicht festgelegt auf bestimmte Diagnosen oder Regeln der Marke „Nur ein Interview zu einer Diagnose“. Nur weil zwei Menschen eine Diagnose haben muss das ja nicht bedeuten, dass die Erfahrungen auch nur ansatzweise gleich sind. Ich finde auch weniger die Erkrankung oder die Symptome interessant in dem Rahmen (das kann man schließlich in Büchern oder im Netz nachlesen) sondern eher die Frage wie man selbst und das Umfeld auf die Tatsache reagiert, dass sowas im Raum steht. Falls du dich also per Mail gemeldet hast werde ich dich anschreiben… könnte nur etwas dauern, je nachdem wie viele mails vorher kamen^^

      Und danke für das Feedback!

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  9. cidrin sagt:

    Sehr gut! Insgesamt ist das eine klasse Sache. Mir gefällt es auch genau so, es müssen ja nicht alle Interviews dem selben Schema folgen.
    Thema Abi und Studium: Natürlich gibt es sehr viele Patienten, die aufgrund der Störung nichts auf die Reihe kriegen, aber eben doch auch einige, die beruflich gut unterwegs sind.

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  10. evilmichi sagt:

    Großartig! Ich möchte mich anschließen: Die Fragen sind definitiv zu lang. ^^ Ansonsten aber: Daumen hoch!

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  11. […] ERZAEHLMIRNIX, das ich vor kurzem bei meiner letzten Blogroll-Überarbeitung erwähnt hatte, ist ein interessantes Interview mit einer Borderlinerin zu finden, welches ausschliesslich über Email geführt wurde. Das Interview gibt einige […]

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  12. Mark sagt:

    sehr intressanter artikel und Interview zum Thema Borderline. Aber dazu soll bemerkt werden das sogar Borderliner in Ihren Berufen sehr sehr erfolgreich sind, also die Aussage des Therapeuten finde ich da etwas hinfällig.

    Denn auch Borderliner haben Ihren alltag, halt nur begleitet durch das Gefühlschaos, nur manchmal aber brauchen Sie auch Ihren Job als art von Bestätigung, da sollte sich der therapuet mal bissle besser informieren.

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  13. hä_wer_bist_du_denn sagt:

    Hallo.^^

    Ersteinmal, ich finde die Idee ein Interview per Mail zu, führen (und die Umsetzung) ganz Interessant und gut gelungen.

    Als selber Betroffene , obwohl ich eher zu der Kategorie
    „NullaufdieReihe(aberdennochimmer)Krieger“-Borderliner gehöre
    (Uuuh Schubladendenken ;p ), war ich von einigen Aussagen bzw. Erfahrungen, sehr geschockt. Ich meine gut ich bin nun nich gerade ein Musterbeispiel an Disziplin (was Papierkram, Ämter,Pünktlichkeit) und ganz sicher auch kein Kind von Traurigkeit (Drogen,Sex,usw) aber auch ich habe ein Schulabschluss und oh Schreck auch ich kann arbeiten! So ’n Schwachsinn von wegen wir könnten keinerlei Belastungen stand halten und was nich so alles rumgeistert an Halbwarheiten bzw. Aussagen von sogenanten „Fachleuten“. Sicher kann ich mich schon oft in vielen Dingen wieder finden die i.wo. als typisch für die BPS gelten. Aber genauso wehniger wie alle Vegetarier nur Karotten essen, sind nicht alle Bordies manipulierente, suzidale Stimmungskiller! Darum fand ich die Anmerkung das Therapeuten mehr auf den Einzelnen persönlich eingehen sollen, bzw. Therapien halt i.wie. individueller sein sollten ganz gut, denn dieses über einen Kamm geschert werden weil es in i.einem schlauen Lehrbuch steht kenn ich auch und endfand es als sehr unangenehm, um ’s mal nett zu sagen. Es giebt (extrem) gute Phasen und es giebt (extrem) schlechte Phasen aber man das ist doch nicht alles nur alleine eine Diagnose bzw. Störung, dass ist einfach das Leben und seine eigene Persönlichkeit, sowie Einstellung zum Leben selber, wie ich finde. Nicht alles ist nur Borderlein, vieles ist einfach ganz normal, wir sind doch auch nur Menschen! Wobei was ist schon „normal“…😉

    Na ja, das war so mein Hirngulasch da zu.^^
    Alle Gute und weiter so!🙂

    lg, h_w_b_d_d

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