erzaehlmirwas… über Trichotillomanie und Asperger

Veröffentlicht: Februar 27, 2013 in Interview, Psychozeug
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Nachdem sich mittlerweile noch einige Interessierte mehr gemeldet haben um sich interviewen zu lassen, erstmal ganz kurz dazu, da öfter die Frage kam ob ich überhaupt noch Interviewpartner annehme oder ob das Thema interessant/passend/OK ist. Die Antwort lautet JA und JA. Wie schon gesagt mache ich ein Interview nach dem anderen, daher könnte es etwas dauern bis ich euch anschreibe, aber passieren wird es definitiv.

Das gestrige Interview fand mit Amy, 25 Jahre statt. Ihre Diagnosen lauten Depressionen, Trichotillomanie und Asperger Syndrom. Der Fokus lag auf den beiden letzten Diagnosen.

F63.3
Trichotillomanie
Info.:
Bei dieser Störung kommt es nach immer wieder misslungenem Versuch,
sich gegen Impulse zum Ausreißen der Haare zu wehren, zu einem
beachtlichen Haarverlust. Das Ausreißen der Haare ist häufig mit
dem Gefühl wachsender Spannung verbunden und einem anschließenden
Gefühl von Erleichterung und Befriedigung. Diese Diagnose soll
nicht gestellt werden, wenn zuvor eine Hautentzündung bestand oder
wenn das Ausreißen der Haare eine Reaktion auf ein Wahnphänomen
oder eine Halluzination ist.
F84.5
Asperger-Syndrom
Info.:
Diese Störung ist durch
dieselbe Form qualitativer Abweichungen der wechselseitigen
sozialen Interaktionen, wie für den Autismus typisch,
charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen,
sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die
Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch
fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden
Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung.
Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit
einher. Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die
Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren.

 

EMN: Trichotillomanie ist ja im Gegensatz zur Depression etwas, das man eher selten hört und bei dem vermutlich viele erstmal keine Ahnung haben worum es geht. Wie erklärst du anderen deine Erkrankung und welche Reaktionen hast du bisher kennengelernt?

Amy: Ich vergleiche das Problem zu Beginn der Erklärung meist mit einer Zwangsstörung. Ich weiß zwar, dass das nicht stimmt, da Zwänge aber noch vielen Menschen etwas sagen, während das Wort Impulskontrollstörung fast gänzlich unbekannt ist, habe ich auf diesem Weg einen Anknüpfungspunkt für meine Erklärung, der sehr hilfreich ist. Dadurch nehme ich dem Problem diesen „Freak“-Status, den unbekanntes erst mal hat. Und ein Teil des Reißens ist ja auch irgendwie einem Zwang ähnlich: Da ist der immense innere Druck, der sich aufbaut und erst dann nachlässt, wenn ich mit der Hand durch die Haare fahre, meinem ritualisierten Reiß-Ablauf folge und diesen oft genug wiederhole. Wenn ich dem Druck nicht nachgebe wird er nur immer stärker. Ich sage aber auch dazu, dass es sich nicht wirklich um einen Zwang handelt (da kommt meine klugscheißerische Seite durch) und erzähle, dass ich auch oft dann reiße, wenn ich mich gerade entspanne und es dann, zB beim Lesen, selbst oft erst bemerke, wenn ich schon längst einige Haare ausgerissen habe. Außerdem erläutere ich, dass ich das Reißen nicht als schmerzhaft empfinde, sondern als entspannend und angenehm und es darum insgesamt sehr schwierig ist, es einfach sein zu lassen. Damit greife ich dann auch direkt den ersten Fragen voraus, die mir meistens dazu gestellt werden – nach den Schmerzen, nach dem Aufhören und auch nach dem Warum. Ich vergleiche den Versuch aufzuhören gerne damit, zu versuchen einen Mückenstich in der Größe des gesamten Kopfs, der zu jedem Zeitpunkt juckt, nicht zu kratzen. Auf das Warum gehe ich meistens nicht näher ein, sage dazu nur, dass es wohl ein Ventil für mich ist mit Stress und negativen Gefühlen umzugehen.

Die Reaktionen von Menschen, denen ich das Problem erklärt habe, waren eigentlich immer eher positiv und verständnisvoll. Schwierig wird es dann, wenn ich nicht mehr verstecken kann, dass ich ein Problem mit der Kopfbehaarung habe, weil ich große kahle Stellen auf dem Kopf habe, die für jeden zu sehen sind. Die Reaktionen fremder Menschen sind oft sehr ablehnend und negativ oder neugierig-aufdringlich, wie wohl auf jede offensichtliche ungewöhnliche optische Abweichung. Sie reichen vom penetranten Anstarren bis zu lauten Ekel-Äußerungen oder ungebetenen Kommentaren dazu, welches Shampoo ich mal benutzen solle oder dass es ja wohl schönere Frisuren gäbe.

Problematisch ist auch die Situation mit Ärzten und Therapeuten. Während ich Glück hatte und Trich meinem Hausarzt ein Begriff war, hatte ich auf der Suche nach einem Therapieplatz oft das Problem, dass der Begriff den Therapeuten nichts sagte und erst mal zu negativen Reaktionen geführt hat. Natürlich ist das Problem selten, ich erwarte auch nicht dass Trichotillomanie jedem Psychotherapeuten geläufig ist, war aber schon davon erstaunt, mehrfach mit ablehnenden Reaktionen der Art „kenne ich nicht – gibt es nicht!“ konfrontiert zu werden. Auch der Versuch mir schon bei der ersten Kontaktaufnahme per Telefon statt dessen andere Störungen diagnostizieren zu wollen, hat mich schockiert.

EMN: Puh, das schockiert mich auch etwas, da der Begriff einem als Psychotherapeuten eigentlich schon bekannt sein sollte… hast du denn einen Therapieplatz gefunden?

Amy: Ich hatte im inzwischen vorletzten Jahr für einige Monate eine Verhaltenstherapie begonnen, die ich dann aber wieder abgebrochen habe. Die Therapeutin hatte zwar zumindest schon mal etwas von Trichotillomanie gehört, leider hat es aber nicht funktioniert. Zum einen kannte ich mich selbst zu dem Zeitpunkt schon gut mit dem Thema aus – kein Wunder, ich habe mit etwa 12 Jahren mit dem Reißen begonnen und mit 23 eine Therapie begonnen. Im Internet findet man einiges an Tipps, die ich über die Jahre ausprobiert hatte. Einige davon konnte ich als hilfreich für mich nutzen, zB das Tragen von Handschuhen um die Haare nicht greifen zu können (ich reiße immer einzelne, vorher intensiv ausgewählte Haare), andere hingegen habe ich eher als schädlich empfunden. Meine Kopfhaut schwitzt zB unter Mützen sehr schnell und juckt dann. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn die Mütze einen doch davon abhalten soll, unbewusst in die Haare zu greifen! Dass ich demnach nicht erneut eine Mütze tragen wollte, hielt die Therapeutin für ein Zeichen dafür, dass ich mich nicht auf die Therapie einlasse. Als sie dann vorschlug, ich solle mir die Hände am Gürtel fixieren um nicht an die Haare zu kommen, habe ich erkannt, dass ich mit dieser Therapeutin nicht zurecht komme und auch nicht mehr zurecht kommen werde. Ich möchte nicht als therapieunwillig bezeichnet werden, weil ich mich nicht selbst fessele. Ich bin allerdings auch beim Versuch etwas gegen meine Depression zu tun nicht so recht mit der Therapeutin klar gekommen, sodass der Abbruch der Therapie die logische Konsequenz und der meiner Meinung nach doch sehr merkwürdige Vorschlag nur der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

EMN: Mir fällt eine Gemeinsamkeit mit der letzten Interviewpartnerin auf. Bei euch beiden scheint es so gewesen zu sein, dass ihr eurer Therapeutin in gewissem Rahmen voraus wart, intelligenz- oder wissenstechnisch. Beide Male kam es zum Therapieabbruch. Was denkst du, wie ein Therapeut damit umgehen sollte wenn er jemanden vor sich hat, der mehr weiß (über das Thema)?

Amy: Ich denke, dass es in meiner Situation wichtig gewesen wäre, zu respektieren, dass ich schon diverse Erfahrungen in Bezug auf Trichotillomanie gesammelt habe und darauf einzugehen. Ob ich insgesamt mehr Ahnung hatte als die Therapeutin möchte ich gar nicht beurteilen, so weit sind wir nie gekommen. Das Problem lag aus meiner Perspektive vor allem darin, dass die Therapeutin sich nicht darauf eingelassen hat, dass ich andere Ausgangsvoraussetzungen mitgebracht habe als jemand, der gerade erst mit der Diagnose konfrontiert wird. Mir hätte es sehr geholfen, Techniken zu entwickeln um den Druck abzubauen statt über die grundlegendsten Hilfsmittel zu diskutieren, die Therapeutin hielt aber die gemeinsame Erarbeitung dessen, was ich auch im Internet finden kann, für sinnvoller. Daraus konnte ich dann leider nicht viel mitnehmen außer dem Gefühl in meinen Äußerungen nicht ernst genommen zu werden.

Insgesamt glaube ich aber gar nicht, dass die Situation eines solchen Ungleichgewichts problematisch sein muss, wenn der Therapeut sich darauf einlässt mit dem Patienten dort einzusteigen, wo dieser gerade steht, statt nach einem starren Schema vorzugehen. Immerhin begibt der Patient sich ja freiwillig in die Therapiesituation und ist offensichtlich an einem Punkt angelangt, an dem alle vermeintliche Überlegenheit ihn nicht mehr weiter bringt. Theoretisches Wissen oder Intelligenz sind nicht unbedingt ausreichend um auch den Ausweg aus einem eigenen Problem zu finden. Natürlich darf aber auch der Patient selbst nicht auf einer „ich weiß eh alles besser!“-Haltung verharren, dann kann eine Therapie ja nur scheitern.

EMN: Also weniger „Wer-weiß-mehr“ und mehr zusammenspiel. In der Wartezeit habe ich in deinen Blog geschaut und festgestellt, dass die dritte Diagnose, nämlich Asperger, erst gestern abschließend bestätigt wurde. Also ist das noch ganz frisch… was bedeutet das grade für dich?

Amy: Ich hatte ja einige Monate Zeit, mich schon mit der Möglichkeit, diese Diagnose zu bekommen, auseinanderzusetzen. Insofern war es keine Überraschung für mich, dass ich gestern die Bestätigung bekommen habe, sondern in gewisser Weise eine Erleichterung. Ich habe mein Leben lang immer das Gefühl gehabt, anders zu sein, nicht richtig dazu zu gehören, obwohl ich sowohl als Kind als auch jetzt im Studium sehr offen auf Menschen zu gegangen bin und als Teenager sogar eine feste Clique hatte. Es fiel mir immer schwer zu verstehen, worüber andere gerade lachen, warum jemand mich jetzt schon wieder nicht mag, wieso jetzt wieder jemand böse auf mich ist oder letzteres überhaupt zu bemerken bevor es mir gesagt wurde und vieles mehr. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist und wie ich das ändern kann.

In meiner abgebrochenen Therapie war auch das Thema Sozialleben ein Problem. Nach meinem Empfinden hatte ich zu dem Zeitpunkt schon mehr als genug Sozialleben, nach Meinung der Therapeutin war mein „verarmtes“ Sozialleben ein Symptom meiner Depression. Wir sind uns über diesen Punkt leider niemals einig geworden, auch das trug zum Abbruch bei. Die Diagnose bedeutet für mich, dass ich in meinem Empfinden, meinem Erleben ernst genommen werde, so sein darf wie ich bin.

Andererseits ist da aber natürlich auch das negative „nicht dazu gehören“-Gefühl, von dem ich auch gehofft hatte, dass es wieder weg gehen würde – auch wenn mir eigentlich klar war, dass es das nicht wird, weil ich es schon viel zu lange habe. Es ist schon erst mal ein harter Schlag zu hören, dass man eine Diagnose bekommen hat, mit der man einen Schwerbehindertenausweis bekommen kann, die offiziell als Behinderung gilt und nicht heilbar ist. Damit muss ich erst mal zurecht kommen.

Ich finde es bei der aktuellen Medienberichterstattung ganz besonders schwierig darüber zu entscheiden wie offen ich mit der Diagnose umgehen möchte. Ein paar Menschen wissen schon davon und mein Vater meinte sofort, dass das ja nicht sein könne, ich sei ja nicht aggressiv. Wenn ich dann daran denke, dass eben jenes sehr negativ Bild vom Autismus gerade von den Medien massiv transportiert wird, denke ich, dass es besser sein könnte, die Diagnose weitestgehend für mich zu behalten. Ich bin keine potentielle Amokläuferin, nicht emotionslos, habe auch Mitgefühl mit anderen Menschen, würde nie jemanden vorsätzlich verletzen und will einfach nur mit meinen Besonderheiten wahrgenommen und akzeptiert werden. Wenn in den Medien wahlweise von Modediagnosen oder Amokläufern die Rede ist, wird es noch schwerer eine eh schon den meisten Menschen unbekannte Störung so zu erklären, dass man Vorurteile ausräumt statt sich selbst noch weiter an den Rand zu stellen.

Insgesamt ist es für mich aber trotzdem eher eine Erleichterung, dass ich jetzt weiß, wie das Problem heißt. Es fühlt sich richtig an. Ich habe auf der Suche nach Informationen zum Thema Asperger Menschen gefunden, die genau das beschreiben und erleben, was auch ich erlebe, die ich verstehe und die mich verstehen – Autisten. Das ist ein gutes Gefühl

EMN: Ja, ich kann mir vorstellen, dass grade jetzt wo die Medien sich dieses Thema auf so stumpfe Weise vornehmen auch eine ungünstige Zeit sein kann. Grade bei deinen Eltern würde mich sehr die Reaktion interessieren, falls das nicht zu sehr ins private geht. Für Menschen, die dich seit der Kindheit kennen ist das doch sicher auch erstmal eine große Info. Wie gehen Menschen damit um, die dich schon länger kennen? Wem hast du es schon erzählt? Wem wirst du es noch erzählen?

Amy: Meine Eltern sind ein schwieriges Thema. Mein Vater hat als erstes dazu gesagt, dass das ja nicht sein könne, weil ich ja nicht aggressiv sei. Damit, ihm zu vermitteln was dafür spricht hatte ich bisher wenig Erfolg, was ich sehr bedauerlich finde. Meine Mutter hingegen hat nach langem zögern zugegeben, dass sie vor über 10 Jahren selbst schon mal den Verdacht hatte, ich könne Asperger-Autistin sein, diesen aber niemals irgendwo angesprochen oder auch nur mir gegenüber erwähnt hat. Mein Vater sagt, dass er den Verdacht meiner Mutter nicht ernst genommen hat. Ansonsten haben wir nicht viel über das Thema gesprochen, ich habe insgesamt nur wenig Kontakt zu meiner Familie.
Bisher habe ich ansonsten nur meinem Freund davon erzählt, der mich von Anfang an sehr unterstützt hat und für mich da war. Er vertritt die Meinung, dass er mich ja so kennen gelernt hat und es darum für ihn keine Rolle spielt, wie das Problem heißt und empfand genau wie ich die Diagnose schlussendlich als nicht sehr überraschend, da wir viel und lange darüber geredet haben und er meine Schwierigkeiten im Alltag ja hautnah miterlebt.

Und ich habe viel darüber gebloggt. Ich habe angefangen zu bloggen als der Verdacht im Raum stand und durch das Bloggen viel Unterstützung und Verständnis gefunden, was mir sehr geholfen hat.

Definitiv erzählen werde ich es noch ein paar lieben Freundinnen, die trotz meiner ganzen Merkwürdigkeiten zu mir halten.

EMN: Mit Rücksicht auf deinen Wunsch früh ins Bett zu gehen und um dich als Interviewpartnerin nicht überzustrapazieren komme ich zu meinem letzten Frageblock: Du schriebst in deinem Blog, dass du dir wieder einen Psychotherapeuten suchen möchtest. Was sind deine Ziele und was würdest du dir wünschen, was du nach der Therapie erreicht hast? Und was bedeutet in dem Zusammenhang das bloggen über deine Erkrankung für dich?

Amy: Da gibt es einiges und ich denke, dass ich aufgrund meiner vielfältigen Problematik gewichten muss, was ich zuerst bearbeiten möchte. Zum einen ist da die depressive Symptomatik, die sicherlich eng mit dem Asperger zusammen hängt, zum anderen die asperger-spezifischen Probleme und dann noch die Trichotillomanie. Letzteres wird erst mal hinten an stehen müssen, da ich das Problem dank NAC recht gut im Griff habe. Das ist zwar keine Lösung die ich mein Leben lang beibehalten möchte, aber fürs Erste tragbar. Im Gegensatz zur Depression. Diese wird wohl zu allererst im Vordergrund stehen. Wichtig ist mir, dass ich am Ende der Therapie in der Lage bin, mein Studium entsprechend meiner echten Leistungsfähigkeit zu beenden, nebenher einem Job nachzugehen, ein Hobby zu pflegen und gelernt habe wie ich mir einen stabilen Freundeskreis aufbauen und aktiv Kontakte pflege. Dafür habe ich nämlich so gar kein Gefühl oder Talent… Darüber hinaus und parallel dazu ist es natürlich auch wichtig ins Auge zu fassen, inwiefern ich dafür an autimus-spezifischen Faktoren arbeiten muss um diese Ziele überhaupt erreichen zu können. Meiner Einschätzung nach hat die jahrelange Missachtung meiner eigenen Grenzen im Sinne des Prinzips „aber alle anderen schaffen/können/machen das doch auch!“ stark zur Depression beigetragen, darum möchte ich lernen ganz aktiv meine eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu beachten. Darin bin ich gar nicht gut, ich lebe eher nach dem Prinzip „mit dem Kopf durch die Wand!“. Ich denke, dass ich trotzdem auch lernen muss besser mit Stress zurecht zu kommen, da mich vieles das für andere Menschen normal ist schon enorm stresst, ich aber nicht allem davon ausweichen kann und dass ich außerdem Strategien brauche um mit Reizüberflutungen besser umzugehen.

Das Bloggen empfinde ich als sehr hilfreich, weil es mir den Raum bietet, einfach ich selbst zu sein und alles, was ich vielleicht im echten Leben gar nicht so gut in Worte fassen kann (weil mir schreiben mehr liegt als sprechen) los zu werden. Im Gegensatz zum Tagebuch bekomme ich dabei trotzdem Feedback, Unterstützung, Kontakte. Gerade wenn ich wieder mal völlig überreizt bin und nicht mehr weiß wohin mit mir kann ich online einfach alles runter schreiben und bin danach viel entspannter. Dabei reflektiere ich aber auch über das was ich schreibe, allein dadurch dass ich schreibe. Ich ordne meine Gedanken, komme zu neuen Erkenntnissen, es tut mir einfach gut. Und so lange das so ist werde ich weiterhin meine kleine Ecke der Bloggerwelt füllen.

Wen Amys kleine Ecke interessiert und gerne mehr über ihren Weg erfahren möchte: klickt hier

Kommentare
  1. Robin Urban sagt:

    Ich dachte ja, diese ganze Diskussion über „Autisten sind potentielle Amokläufer“ wäre ziemlich unnötig… nur absolute Vollidioten können das doch wirklich glauben… aber naja… offensichtlich ist sie doch nötig:/ (Sorry Amy, ich will nicht deinen Vater beleidigen)

    Es ist wirklich unglaublich, wie viel Probleme immer wieder in Bezug auf Therapeuten auftreten.

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    • Nadjeschda sagt:

      „Es ist wirklich unglaublich, wie viel Probleme immer wieder in Bezug auf Therapeuten auftreten.“

      ich hab das früher immer darauf bezogen, dass quasi ich „schuld“ war…schließlich müssen die mir ja auch unangenehme sachen sagen und wenn mir was nicht passt ist das quasi die krankheit. Und teilweise habe ich das auch durch die Therapeuten so vermittelt bekommen…die ist ja die Kranke… -.-

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      • Grundsätzlich ist es schon aufgabe des Therapeuten, die Interaktion so zu gestalten dass sich der Patient wohl fühlt, sich ernst genommen fühlt und vertrauen kann. Zumindest sehe ich das so.

        Das einzige was ich finde, dass vom Patienten kommen „muss“ ist, dass es in irgend einer Form angesprochen oder deutlich gemacht wird wenn da etwas fehlt. Zauberer sind wir ja nicht, und wenn nicht „Letztes Mal sagten Sie XY, da fühlte ich mich von Ihnen nicht ernst genommen“ kommt kann es natürlich passieren, dass es wieder vorkommt.

        Wobei es da natürlich wieder Theraoeutenaufgabe ist, die Atmospäre so zu gestalten, dass sich der Patient frei fühlt, sowas auch ansprechen zu können. Ich habe die Erfahrung gemacht (wohl auch wissenschaftlich erwiesen) dass grade Borderline mit einer stark erhöhten Wahrnehmung einhergeht und viel mehr Zwischentöne erkannt werden.

        Zwischenanekdote: Meine allererste Patientin in meiner neuen Ambulanzstelle hatte die Diagnose Borderline. Nach der ersten Stunde sagte sie, dass sie mit mir nicht arbeiten will, da ich ihr zu unsicher vorkomme und offensichtlich auch noch zu jung und zu „nah an ihr dran“ sei. In dem Moment half nur, da offen zu sein und ihr auch zu sagen, dass ich zwar nicht unerfahren war aber ihr Eindruck stimmte, dass ich furchtbar nervös war als wir uns kennengelernt hatten, da es mein erster Tag war und ich komplett überfordert von der ganzen Technik usw der neuen Arbeitsstelle war. Im Endeffekt entschied sie sich auch unter dem auf den ersten Blick wenig schmeichelhaften Aspekt, dass sie da bei sich ein Muster erkenne, Dinge die nicht sofort perfekt sind abzubrechen und den einfachen Weg zu wählen dafür, die Therapie bei jemandem fortzusetzen, der eben eigentlich nicht das ist was sie sich wünscht (älter, mütterlich…). Die Therapie lief nach den ersten anstrengenden stunden dafür echt gut^^ Soll heißen, sie hatte ja echt recht dass ich unsicher war und ihre Wahrnehmung war gut – aber durchs Ansprechen konnte ich erklären woran es lag. (Ist natürlich leichter wenn man ohnehin den Entschluss gefasst hat, die Therapie abzubrechen).
        Ich denke, ein Therapeut der „blöd“ reagiert wenn man sowas anspricht ist auch nicht der richtige für einen. Es bringt ja nichts, sich in der Therapie zu verbiegen.

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  2. Catio sagt:

    Auch hier sei mir eine Anmerkung erlaubt:

    Das Problem mit Therapeuten, die bestimmte Krankheiten gar nicht kennen, liegt wohl an einer immer noch weitverbreiteten und tatsächlich erst seit 1999 unzulässigen Benutzung der Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“. Davor war der Name nicht geschützt und konnte von jedem Quacksalber beliebig benutzt werden. Insofern nannten sich auch die jetzigen „Heilpraktiker für Psychotherapie“ eine Zeitlang so. Sie gelten jedoch nicht als Psychotherapeuten und unterliegen auch nicht der Schweigepflicht. Viele dieser „kleinen“ Heilpraktiker haben keine entsprechende akademische Ausbildung und bieten dennoch jede Menge Therapien an, die solange alle legal sind, solange sie das Wort „Psychotherapeut“ nicht verwenden. Häufig erkennt man sie daran, dass sie neben „Therapien gegen Depressionen“ auch alternativen Schwachsinn wie „Reinkarnationstherapien“, „psychologische Homöopathie“ o. ä. anbieten. Um Heilpraktiker für Psychotherapie zu werden braucht man lediglich eine Schulabschluss und ein Zertifikat, welches nach einer „Wissensprüfung“ durch das Gesundheitsamt ausgestellt wird. Da fragt man sich wirklich, warum das Psychologiestudium so lange dauert…😉

    Deswegen ein Tipp an alle Hilfesuchenden: man sollte den/die Therapeut_in unverblümt fragen, ob er/sei ein abgeschlossenes Studium besitzt, sei es in Psychologie oder Medizin. Da ist es dann sehr wahrscheinlich, dass der- oder diejenige die entsprechende Krankheit kennt bzw. einem/einer Hochbegabten eher gewachsen ist. Und die Chance, dass die Gesprächstherapie Erfolg hat ist ebenso um ein vielfaches höher.
    „Heilpraktiker für Psychotherapie“ sollten bei solchen Erkrankungen in jedem Falle gemieden werden.

    Siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapeut
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heilpraktiker_f%C3%BCr_Psychotherapie

    Ansonsten finde ich diese Interview-Reihe sehr interressant und lehrreich. Mehr davon!

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    • Amy sagt:

      Ich begebe mich nicht freiwillig in die Nähe von Heilpraktikern und ähnlichen Gesellen; alle von mir jemals kontaktierten Therapeuten waren psychologische Psychotherapeuten mit Verhaltenstherapie-Ausbildung und Kassensitz… die hatten definitiv alle studiert (jedenfalls laut ihren Websites). Ich will dir gar nicht widersprechen, es ist sicherlich sinnvoll nicht gerade zu irgendeinem selbsternannten Therapeuten zu gehen sondern zu einem Profi, aber das ist halt noch keine Erfolgsgarantie. Oder auch nur eine Garantie dafür, dass derjenige sich mit allen Störungen auskennt.

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      • Catio sagt:

        „alle von mir jemals kontaktierten Therapeuten waren psychologische Psychotherapeuten mit Verhaltenstherapie-Ausbildung und Kassensitz“

        Ehrlich gesagt bin ich da jetzt etwas baff. Auch weil es mehrfach vorgekommen ist, dass ausgebildete Psychotherapeuten statt nachzuschauen und sich zu informieren mit den Worten „kenne ich nicht – gibt es nicht!“ reagieren. In meinem Umfeld hatte ich einen ähnlichen Fall (Therapieabbruch in der ersten Sitzung(!) aufgrund der Aussage der Therapeutin zu einer Bekannten mit selbstverletzendem Verhalten: „Sie sind ja gar nicht krank, Sie können ja über Ihre Krankheit reden!“), verortete es damals aber eher als Einzelfall.

        Aber ich finde es interessant, dass die Gesprächstherapieabbrüche anscheinend häufig aus dem Grund stattfinden, dass TherapeutInnen das Wissen der KlientInnen über die zu therapierende Krankheit unterschätzen. Das in diesem Kommentar angesprochene Problem der Therapeuten scheint öfter vorzukommen als bisher vermutet…

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    • Cidrin sagt:

      Ergänzend wäre noch darauf hinzuweisen, dass z.B. in Österreich Heilpraktiker nach § 184 Strafgesetzbuch („Kurpfuscherei“) verboten sind.
      Den Rat, sich vor einer Therapie über die Qualifikation des Therapeuten zu informieren, kann ich nur dick unterstreichen. Leider tummeln sich gerade im „Psycho“-Bereich jede Menge Esoteriker und Selbstberufene.

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