Ritalinkritik 2

Veröffentlicht: Mai 2, 2013 in Comics, Psychozeug
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Kommentare
  1. Wilfried sagt:

    Naja, naja… stimmt nicht so ganz mit der Epilepsie…

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  2. nun ja, aber es gibt auch die Eltern, die bei einer Virusgrippe nach Antibiotika schreien, weil das Kind am nächsten Tag wieder senkrecht stehen soll – will meinen, es sollte schon genau diagnostiziert und dann gut eingestellt sein (so viel wie nötig, so wenig wie möglich)

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  3. Böser Wolf auf Baldrian sagt:

    Lauter kleine und vor allem: Kranke Jungen. Und ein paar Mädchen. Die müssen unbedingt behandelt werden, ist ne Krankheit, wenn Jungen, die sich erst nachweislich grobmotorisch entwickeln und einen höheren Bewegungsdrang haben als Mädchen, störend auffallen. Also Chemiekeule.

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  4. Böser Wolf auf Baldrian sagt:

    Du setzt hier Epilepsie, eine offensichtliche Krankheit, mit einem bestimmten Verhalten gleich, welches angeblich mit der Chemiekeule behandelt werden muss. Bei der Masse der Anwendungen von Ritalin, eine Milliardengeschäft für den Hersteller, stellt sich doch die Frage, ob dieses typische Verhalten tatsächlich krankhaft oder doch nur störend ist.

    Vielleicht wäre ein jungengerechtes Bildungssystem die bessere aber zugleich aufwendigere Lösung?

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    • Auch ADHS ist eine offensichtliche Krankheit, die testdiagnostisch überprüft werden kann. Da geht es nicht darum Jungs mit Bewegungsdrang „ruhig zu stellen“ sondern darum, ihnen zu ermöglichen sich zu konzentrieren.
      Viele Kinder nehmen ihre Medis auch für den Vereinssport – da wäre es ja kontraproduktiv wenn es sie ruhig stellt. Es hilft ihnen aber, sich zu fokussieren.

      Warst du schonmal extrem nervös, richtig innerlich unruhig? Das ist nicht angenehm, dieser Bewegungsdrang. Noch unangenehmer ist es, wenn du dich auf etwas konzentrieren willst aber nach 2 Minuten merkst, dass du grade die letzten Sätze des Lehreres verpasst hast weil da diese Fliege an der Wand war… und dann der LKW… und dann die Überlegung wie viele Fliegen wohl in einen LKW passen.

      Sowas tut weh, denn man bekommt das Gefühl dumm zu sein und ein Versager.

      Ein jungengerechteres Bildungssystem? Nur 5% der Jungs haben ADHS (wenn man die abzieht, die nur ADS haben und im Unterricht nicht mal stören sondern nur unkonzentriert vor sich hinträumen sogar noch weniger)… der Rest der Jungs kommt klar mit der Schule. Es geht also weniger darum dass Jungs nicht klarkommen sondern dass ADHSler grundsätzlich Probleme haben sich zu konzentrieren. Das wird auch nicht wesentlich besser wenn man das System ändert.

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      • Böser Wolf auf Baldrian sagt:

        In welchem Alter wird die Diagnose „ADHS“ gestellt? Ich sagte schon, dass sich Jungen anders entwickeln als Mädchen, dass genau das, was ihnen abverlangt wird, ruhig dasitzen und zuhören, in den ersten Schuljahren schwerer fällt. Vielleicht ist das aber keine Erkrankung sondern eine ganz normale, natürliche Entwicklung. Dass das Problem daher rührt, dass dem höheren Bewegungsdrang der Jungen im Schulsystem nicht Rechnung getragen wird, und es dann in ungesunden Bahnen durchbricht.

        Über die Behauptung, Jungs kämen mit dem Schlulsystem klar, kann ich nur angewidert bis höhnisch lachen.

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        • Wie gesagt, dass es eine Erkrankung ist kann man dadurch feststellen, dass man es in Vergleich mit der Normpopulation setzt. Bei ADHS gibt es ziemlich drastische Abweichungen in Konzentrationstests wie dem d2 oder dem TOVA. Es ist auch ein klares Indiz wenn du einen IQ Test mit dem Kind machst und es schneidet überall gut ab bis auf die Teile in denen es um Konzentration geht.

          Wie kommt es, dass über 90% der Jungs gut klarkommen und nur ein kleiner Teil Probleme hat? Dann aber oft auch im Verein, also beim Sport? Wenn es nach deiner Theorie ginge müsste ja ein ADHS Kind im Sportverein völlig unauffällig sein. Aber auch da gibt es Probleme. Wie erklärst du sowas?

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          • Böser Wolf auf Baldrian sagt:

            Ja, Du hast deine von Novartis gesponserten Lektionen gut gelernt. Es mag tatsächlich eine Erkrankung namens ADHS geben, das heißt aber nicht, dass jeder Junge der störend durch unruhiges Verhalten dadurch auffällt, auch tatsächlich krank ist, so dass man ihn unter Drogen setzen muss.

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            • Du wirst lachen, aber ich hatte exakt dieselbe Einstellung wie du. Bis ich eher zufällig die Chance bekam eine Dissertation zum Thema ADHS zu schreiben und anfing mich damit zu beschäftigen. Das brachte für mich zwei Erkenntnisse: 1. Ich bin selbst ADS-Betroffene und viele meiner Schulprobleme ließen sich im Nachhinein dadurch erklären. So schaffte ich es grundsätzlich nie im Unterricht aufzupassen und musste mir mühsam vor Klausuren alles im Selbststudium beibringen. Trotzdem blieb ich unter meinem Fähigkeitslevel und musste mich relativ mühsam „hocharbeiten“ bis hin zum Doktor.
              2. Ich habe selbst völlig unabhängig geforscht als externe Doktorandin. Mich hat keiner Überprüft oder beeinflusst und dennoch kamen bei mir dieselben Ergebnisse heraus wie bei anderen Arbeiten zum Thema ADHS. Für mich hat sich dadurch meine Einstellung sehr geändert und es tut mir leid, wie abfällig ich (meist nur in Gedanken) gegenüber Eltern mit ADHS-Kindern war die Medikamente gegeben haben.

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              • Böser Wolf auf Baldrian sagt:

                Ich speichere diesen Strang in meinem Archiv unter „Ritalin“ ab.

                Du hältst es also für ausgeschlossen, dass einfach Lebhaftigkeit fehlerhaft als Krankheit diagnostiziert wird. Warum betrifft diese (fehlerhafte) Diagnose überwiegend Jungen?

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                • Die Qualität der Diagnose hängt natürlich wie immer am Diagnosestellenden. Es gibt ja durchaus einige Differenzialdiagnosen (Hochbegabung, Niederbegabung, Depressionen (die äussern sich bei Kindern oft in Lebhaftigkeit und nicht wie bei Erwachsenen durch Traurigkeit), etc) die fehlerhaft für ADHS gehalten werden können. Insofern klar, Fehldiagnosen kann man nie ausschließen. Ich weiß leider nicht mehr wo, aber ich hatte auch eine Studie gelesen, die genau das untersucht hat. Dabei kam raus dass nicht so viele Kinder fälschlich mit ADHS diagnostiziert werden wie man oft annimmt. Es hält sich etwa die Waage mit denen, die zwar ADHS haben aber nicht diagnostiziert werden (also stimmt die Prävalenzzahl ungefähr aber es gibt eben auf beiden Seiten fehler).

                  Normalerweise müsste man das aber daran merken, dass die Medikamente nicht anschlagen bzw das Gegenteil erreichen. Bei ADHS werden ja Stimulanzien verabreicht, da Beruhigungsmittel exakt den umgekehrten Effekt haben und das Kind noch hibbeliger machen (Klar, wenn man sediert ist fällt es ja noch schwerer sich zu konzentrieren). Ein gesundes Kind würde durch ADHS-Medikamente also normalerweise eher nicht ruhiger sondern aktiver.

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                • Wegen der Jungen… puh, ich muss nochmal nachsehen, aber es gibt ja viele Erkrankungen die mehr Jungen betreffen (Autismus z.b.). Ich weiß es grade nicht sicher aber ich kann mir vorstellen dass Jungs von Natur aus etwas näher an der Störung liegen und die Erkrankung weniger stark ausgeprägt sein muss um aufzufallen. Ein leichtes ADHS geht ja oft unter. Ein Mädchen mit leichtem ADHS ist vielleicht grade noch in der Kategorie „sehr wild“ und ein Junge hat schon ernsthaft Probleme. Aber ich meine, dass es dazu auch schon viel Forschung gibt… ich schau mal bei Gelegenheit nochmal nach.

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                • Das hier ist ein Artikel zu Geschlechtsunterschieden: http://www.tweelingenregister.org/nederlands/verslaggeving/NTR-publicaties_2007/Derks_TRHG_2007_2.pdf Der würde aber eher drauf hinauslaufen dass Mädchen einfach weniger behandelt werden als Jungs. Interessanterweise nicht deshalb weil sie weniger Symptome/Probleme hätten sondern… einfach so. Im Artikel (habe ihn nur überflogen) wird eher am Ende gefordert die Vorurteile in den Griff zu kriegen und auch Mädchen besser zu diagnostizieren und nicht „untergehen zu lassen“.
                  Da bin ich jetzt vielleicht etwas vorbelastet, aber bei mir war es ja tatsächlich der Fall, dass nie auch nur im entferntesten daran gedacht wurde auf ADHS zu testen.

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