erzaehlmirwas… über Depressionen und schreckliche Erstgespräche

Veröffentlicht: Juni 12, 2013 in Interview, Psychozeug
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Im heutigen Interview ist meine Partnerin Robin, 28 Jahre und vor 7 Jahren mit einer Depression diagnostiziert. Im Interview geht es vor allem um ihren Umgang damit, die bisherigen (negativen) Therapieerfahrungen und etwas Info meinerseits zu Psychotherapiepraxeninterna. Ausserdem schildert sie, wie sich eine Depression für sie anfühlt. Beim Einfügen hier fiel mir auf, dass es etwas länger geworden ist… aber ich denke, es lohnt sich😉

EMN: Ich erinnere mich, dass ich vor einiger Zeit eine Diskussion miterlebt habe in der dir jemand gesagt hat, du würdest dich zu sehr über deine Erkrankung definieren. Du hast ihn damals ziemlich cool in seine Schranken verwiesen. Wie waren bisher die Reaktionen wenn du gesagt hast, dass du unter Depressionen leidest? Kanntest du sowas schon?

 

Robin: Bei den Reaktionen muss man unterscheiden zwischen Internet und Real Life. Online hatte ich noch nie große Probleme damit, zu meiner Erkrankung zu stehen, weil ich ja sowieso anonym unterwegs bin und es mir egal ist, was fremde Leute davon halten. Meistens sind die Reaktionen auch positiv… bis auf einige Ausnahmen, die du ja mitgekriegt hast.

Im echten Leben war das immer schwieriger. Mein Umfeld (ich bin in einem Dorf aufgewachsen) war noch nie das toleranteste. Seelische Erkrankungen existieren praktisch nicht, man ist entweder normal oder „bescheuert“. In meiner Familie war das daher immer ein Tabuthema… ich glaube, das Wort „Depression“ ist wirklich noch nie in diesem Zusammenhang gefallen, auch wenn sich diese Tatsache schlecht verschleiern ließ, als ich vor einigen Jahren freiwillig für mehrere Wochen in eine psychosomatische Klinik ging.
Ich wurde dort nicht ein einziges Mal von meiner Familie besucht. Aber am meisten haben mich die Reaktionen meiner Freunde enttäuscht. Zwei, die davon wussten – mein damaliger bester Freund und seine Freundin – bemühten sich zwar, es so aussehen zu lassen, dass sie mich nicht auf irgendeine Weise verurteilen oder so, aber das Thema war ihnen sichtbar unangenehm.
Schließlich, als ich an einen Wochenende nach Hause durfte und mit meiner/ihrer Clique unterwegs war, fragte mich ein anderer Bekannter, warum ich denn seit einigen Wochen nur am Wochenende, wenn überhaupt, erreichbar bin. Ich setzte gerade an, ihm von meinem Klinikaufenthalt zu erzählen, da winkte mein bester Freund hinter seinem Rücken heftig ab. Ich habe dem Bekannten dann irgendetwas vorgestottert und später meinen besten Freund zur Rede gestellt. Er wand sich sehr und meinte, er hätte mich einfach nur vor der Reaktion schützen wollen.
In Wahrheit war es ihm wohl selber einfach peinlich – ne Freundin, die bescheuert ist und in der „Klapse“ hockt.
Das war vor, hm, sieben Jahren. Inzwischen bin ich weiter. Ich glaube, ich bin ein ehrlicher Mensch oder versuche es wenigstens zu sein, deshalb ertrage ich solche Versteckspiele schlecht, die offensichtlich einige von mir verlangen.
Aber ich gehe mit der Diagnose auch nicht hausieren, denn ich definiere mich eben NICHT über meine Krankheit. Wie lächerlich ist diese Vorstellung denn auch? „Guten Tag, ich bin Robin und habe Depressionen“… sicher nicht! Doch wenn seelische Erkrankungen im Gespräch zum Thema werden und ich meinen Gesprächspartnern ein wenig Toleranz zutraue, warum dann nicht einfach damit herausrücken? Damit mache ich ja auch direkt klar, dass meine Erfahrungen aus erster Hand stammen und ich bei dem Thema nicht nur mit Bücherwissen glänzen kann. Bisher waren die Reaktionen dabei auch nie offen negativ. Eher etwas perplex und unsicher.
Vor zwei Monaten bin ich in eine neue WG gezogen. Nach einigen Wochen kam es zu einer Situation, in der ich meine Diagnose offen legte. Das sehe ich fast schon als Pflicht an, um ein gutes Zusammenleben zu gewährleisten. Ich will ja nicht, dass meine Mitbewohner denken, ich sei einfach nur eine hysterische Zicke, sondern dass sie wissen, dass ich eben in einer depressiven Phase stecke, in dieser ich (fast) keinen Einfluss auf mein Gefühlsleben habe. Ich selbst kann das innerlich gut trennen, was jetzt Gedanken sind, die meine Depression mir einpflanzen, und was nicht, aber von Außen ist das doch erheblich schwieriger.
In solchen Fällen ist es dann schon weniger peinlich, einfach eine seelische Erkrankung zuzugeben. Und die Reaktionen waren intelligent und verständnisvoll. Aber ich hätte bei ihnen auch mit nichts anderem gerechnet.
EMN: Mich würde sehr interessieren, in welcher Situation genau du das Gefühl hattest, deine Diagnose jetzt besser deiner WG offenzulegen und warum grade da?
Robin: Ich muss dazu sagen: Ich gehe davon aus, dass zumindest einer meiner Mitbewohner schon ziemlich genau wusste, dass ich depressiv bin. Ich habe ihn auf der Arbeit kennen gelernt, aber auch wenn bei ihm ebenfalls das Wort „Depression“ nicht gefallen ist, nehme ich an, dass Menschen in enger Beziehung zu mir das schon von selbst merken.

Bleibt mein zweiter Mitbewohner, den ich im Grunde erst ab meinem Einzug kennen gelernt habe. Ich mag ihn sehr, aber Philosophiestudenten sind manchmal ein bisschen schwierig…
In der konkreten Situation hat er mir einen philosophischen Text zum Thema Glück vorgelesen, der auf mich einerseits anklagend wirkte und andererseits einfach wie eine flapsig-privilegierte Sicht eines Menschen, der selbst noch niemals Probleme hatte, aber allen anderen vorschreiben will, wie sie sich zu verhalten haben.
Ich bin sicher, dass weder er noch der Autor das so meinten, wie es bei mir ankam. Doch gerade in Bezug auf seelische Erkrankungen empfand ich den Text unendlich anmaßend. Darüber hinaus dann noch die bohrende Frage, wie ich mich verhalten habe, dass er sich genötigt sah, mir so etwas überhaupt vorzulesen… das vertrug ich nicht, zumal ich an dem Tag eh schon ein wenig angeschlagen war. Und da musste ich dann leider anfangen zu heulen.
Viele Depressive können ja gar nicht weinen. Bei mir ist es umgekehrt. Mir kommen schnell und oft die Tränen, was natürlich für einen erwachsenen Menschen je nach Situation schon ziemlich peinlich ist. Das wollte ich nicht einfach so stehen lassen, also habe ich ihm gesagt, wie der Text bei mir als von Depression Betroffene ankommt. Wir redeten dann noch eine Weile darüber, er hat sich bei mir entschuldigt und dann noch ein paar Fragen zur Diagnose und Behandlung gestellt.
Danach fühlte ich mich wesentlich besser. Es ist ein befreiendes Gefühl, sich nicht verstellen zu müssen und zu wissen, dass andere die gelegentlichen Stimmungsschwankungen verstehen. Zwar ist es mir auch so in Zukunft peinlich zu heulen, aber ich bin lieber eine depressive Heulsuse als einfach nur eine Heulsuse😉
EMN: Im Bezug auf den letzten Satz: würdest du sagen, die Diagnose ändert etwas für dich persönlich? Also konkret: Würde es für dich z.b. einen Unterschied machen ob du „einfach so“ weinen musst oder im Rahmen einer depressiven Episode die Tränen kommen?
Robin: Mir wurde die Diagnose mit 21 gestellt, meiner eigenen Meinung nach und sich auf das stützend, was ich heute über das Thema weiß, bin ich aber mindestens schon depressiv, seit ich 14 bin. Das ist mein halbes Leben. Ich glaube, ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, „einfach so“ zu weinen. Wenn mir das heute passiert – ich heule bei einem romantischen Film, einer Hochzeit oder wegen einer unerwarteten Überraschung – muss ich wahnsinnig aufpassen, nicht in eine komplett andere Stimmung zu kippen.

Nach der langen Zeit hat sich das wohl irgendwie konditioniert. Ich heule sehr oft, weil ich depri drauf bin und wenn es dann mal nicht so ist, triggert das Weinen irgendwie doch depressive Gedankengänge. Es ist inzwischen wohl kaum noch voneinander zu trennen.
Vielleicht wäre ich auch ohne diesen ganzen Mist so nah ans Wasser gebaut. Selbst Therapeuten haben schon zu mir gesagt, mit dieser vielen Heulerei könnte man gar nicht mit mir arbeiten…
EMN: Stichwort Therapie: Du hast ja bereits in der ersten Mail gesagt, du hattest „zwei wirklich üble Erstgespräche“ und einen 8wöchigen Klinikaufenthalt. Ich bin echt neugierig auf die Therapieerfahrungen!
Robin: Oh, darüber könnte ich ganze Bücher füllen:/ Ich versuche mich kurz zu halten.

In der Klinik hatte ich neben Gruppentherapie auch Einzeltherapie. Meine Therapeutin war die Oberärztin und furchtbar nett. Allerdings habe ich auch nach einigen Jahren Abstand nicht das Gefühl, dass sie mir geholfen hat. Wir haben viel geredet, aber mein Eindruck war und ist, dass sie einfach nicht wusste, wie sie meine Probleme angehen soll.
Damals hatte ich von all dem noch nicht so viel Ahnung und war ziemlich jung, daher kann ich leider nicht sagen, welchen Ansatz sie verfolgt hat, weil ich auch nie gefragt habe. Ich nehme aber an, sie war rein verhaltenstherapeutisch ausgerichtet.Als ich aus der Klinik entlassen wurde, dauerte es jahrelang, bis ich mich wieder um Therapie bemühte. Durch meine beiden Wohnsitze (Studienort und Elternhaus) wusste ich nicht, welcher Standort der beste wäre, zumal ich weder ein Auto, noch irgendeine Unterstützung von meiner Familie hatte.

Erst im Winter 2011/12 wollte ich das Problem wieder angehen und bekam von meinem Hausarzt eine Liste mit Therapeuten. Ich entschied mit für eine tiefenpsychologisch fundierte Verhaltenstherapie (erschien mir neben der reinen Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse die beste Alternative) und begann, die Liste abzuklappern.
Allein das ist ja schon ein Horrortrip sondergleichen. Krankheitsbedingt habe ich ohnehin eine Antriebsschwäche und Probleme, mich aufzuraffen. Jetzt war da diese Liste mit dutzenden Therapeuten, die allesamt andere Öffnungszeiten hatten, in Urlaub waren etc. pp. Wenn ich dann mal einen erreichte, wurde ich meist sofort abgelehnt. Terminkalender voll, wir nehmen keine weiteren Patienten an. Versuchen Sie es in einem halben Jahr wieder. So läuft das leider in Deutschland.
Bei einigen hatte ich schließlich Erfolg und bekam wenigstens mal einen Termin, aber bis es soweit war hatte ich mehrere Heulattacken hinter mir. Ich finde einfach, bei diesem sensiblen Thema bräuchten Depressive eindeutig mehr Hilfestellung!
Naja, es sollte noch schlimmer kommen. Der erste Termin war bei einer Therapeutin weit außerhalb der City. Eigentlich hatte die mir schon am Telefon nicht sehr gefallen, aber wie gesagt, Hauptsache Termin.
Ich wollte auf gar keinen Fall zu spät kommen, was dann aber dazu führte, dass sie mich fast zwanzig Minuten vor der Tür warten ließ, weil sie kein Wartezimmer hatte. Es waren um die minus 10 Grad. Das perfekte Klima, um sich schon vor dem Gespräch so richtig in Scheißstimmung zu bringen!
Endlich drinnen wollte sie die Überweisung, aber ich konnte sie einfach nicht finden. Dabei wusste ich genau, dass ich sie in meine Jacke gesteckt hatte. Während sie sichtbar ungeduldig auf den Wisch wartete, wurde ich immer verzweifelter, aber er war einfach nicht da (später sah ich, dass er mir wohl aus der Innentasche gerutscht sein muss, als ich die Jacke zuhause über einen Stuhl gehängt hatte). Schon sehr entnervt gestattete sie, dass wir das halt beim nächsten Mal erledigen und ich einfach mal erzählen soll, was eigentlich abgeht.
Ich legte also los und versuchte meine familiäre Situation zu umreißen. Die ist ein wenig kompliziert. Als ich erwähnte, dass mein Stiefvater und meine Mutter, obschon jahrzehntelang zusammen, nie geheiratet haben, unterbrach sie mich und meinte: „Denken Sie, dass dies der Grund für Ihre Unstrukturiertheit sein könnte?“
An der Stelle bimmelten dann RICHTIG die Alarmglocken. Ich meine: Eine Beziehung, die nicht in einer Hochzeit gipfelt, ist unstrukturiert? Mit Auswirkungen auf mich? Und zweitens: Warum dieses prompte Abstempeln meiner Person als unstrukturiert, nur weil ich die Überweisung nicht dabei hatte? Nicht, dass ich nicht wirklich etwas unstrukturiert bin, aber wie kann ein Therapeut sich anmaßen, das nach nicht mal einer Viertelstunde zu beurteilen, und dann auch noch so unumstößlich?
Ich merkte, mit der komme ich nicht zusammen. Als sie mir dann auch noch mehr oder weniger verbot, noch mehr ihrer Taschentücher zu benutzen („Ich habe nur noch diese eine Packung und brauche die noch für die Gruppentherapie nachher“ – wie können einem Therapeuten die Taschentücher ausgehen? Zeugt von ein wenig Unstrukturiertheit, nech?), war es ganz vorbei. Davor versuchte sie aber noch wiederholt, mich von ihrer Therapiegruppe zu überzeugen, obwohl mir sowas in der Klinik überhaupt nicht gefallen hat und ich ihr unmissverständlich sagte, dass ich eine Einzeltherapie will.Ich war völlig entnervt, aber auch total fertig, deshalb machten wir tatsächlich noch einen zweiten Termin aus. Den sagte sie schließlich ab, indem sie einen Brief an meine Heimatadresse, sprich, meine Mutter schrieb. Sie hatte meine Telefonnummer nicht richtig aufgeschrieben und konnte mich sonst nicht erreichen. Lalala… Unstrukturiertheit?!

Das war dann der größte Fail überhaupt, so von wegen ärztliche Schweigepflicht und so, ganz unabhängig von meinem schwierigen Verhältnis zu meinen Eltern, das ich ihr geschildert hatte.
Naja, dafür hat sie einen wütenden Anruf kassiert und ich bin froh, wenn ich die Frau nie wieder sehen muss.
Mein zweiter Termin war kurz danach und sogar noch viel, viel schlimmer. Ehrlich gesagt möchte ich das nicht nochmal ausbreiten. Jedenfalls ist mir noch nie so etwas unsympathisches, unfreundliches, anmaßendes und einfach respektloses im Arztkittel begegnet. Ich floh nach fünf Minuten aus dem Behandlungszimmer und wäre ich zu diesem Zeitpunkt suizidal gewesen…
Über diesen Kerl wollte ich mich eigentlich auch noch an amtlicher Stelle beschweren. Aber naja, die Antrieblosigkeit -.-
Die dritte Therapeutin schließlich erschien mir perfekt: Nett, ruhiges Auftreten, interessierte, intelligente Fragen, schöner Ansatz… und leider völlig ausgebucht. Aber wenigstens konnte sie die für mich in Frage kommenden Therapeuten etwas eingrenzen und kreuzte sie auf meiner Liste an.
Das ist jetzt über ein Jahr her, aber seitdem ist nichts mehr passiert. Danach schaffte ich es einfach nicht mehr, nochmal auf Therapeutensuche zu gehen. Ich habe keine Kraft, wieder so viel rumzutelefonieren, ständig abgewiesen zu werden, ein halbes Jahr auf Termine warten zu müssen, nur um dann doch enttäuscht zu werden. Das packe ich nicht, obwohl ich momentan keine gute Phase habe und weiß, dass ich dringend eine Therapie bräuchte.
Wie gesagt: Es müsste hier irgendeine Hilfe für Betroffene geben. Ich weiß, dass ich mit diesen Problemen keine Ausnahme bin.
EMN: Ach du scheiße! Hört sich ja richtig übel an. Dass du nicht die Einzige bist mit solchen Erlebnissen kam ja teilweise auch in den anderen Interviews zur Sprache…. ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr was ich zu sowas sagen soll, da fehlen mir die Worte.
Was denkst du denn, welche Hilfen allgemein sinnvoll wären? Gibt es aus deiner Sicht was, was Therapeuten tun könnten um dieses Problem zu verbessern?
Robin: Die Hilfe müsste schon früher einsetzen, weil die Therapeuten selbst an dieser Situation eigentlich nichts ändern können.

Für Nichtbetroffene erscheint das sicher lächerlich, aber es bedeutet wirklich einfach unheimlich Stress, bei vielen verschiedenen Praxen wegen eines Termins anzurufen. Hier müsste die Krankenkasse schon tätig werden. Eine Art „Therapiehelfer“ schwebt mir da vor, also eine Person, bei der man einmalig einen Termin hat und ihr kurz die Problematik umreißt. Dieser Helfer, der natürlich über die Ansätze der einzelnen Therapeuten Bescheid wissen sollte (und vielleicht auch, ob sich bei Therapeut X überhaupt ein Anruf lohnt oder dieser schon ausgebucht ist), übernimmt dann die Aufgabe der Terminsuche. Das hat den Vorteil, dass man nicht bei jedem Therapeuten immer wieder und direkt am Telefon seine Probleme erörtern muss (zwar nur in Grundzügen, aber das hat bei mir völlig gereicht, um mich bei jedem Anruf in ein tiefes Loch zu reißen), der Helfer übernimmt das dann einfach. Ich glaube, momentan geht das überhaupt nicht – also, dass eine fremde Person für mich einen Termin buchen kann/darf.

Dann wäre die ganze Sache in einem Wisch erledigt. Probleme mit den Öffnungszeiten würden auch gar nicht erst auftreten. Es ist aus meiner Sicht schon schlimm genug, bei einem Therapeuten anzurufen… dann auch noch zehn verschiedene Öffnungszeiten berücksichtigen müssen (wenn man studiert/arbeitet/schläft), ist einfach ein sicherer Garant dafür, es einfach direkt ganz sein zu lassen.
Und dann müsste es schlicht und ergreifend mehr Therapeuten geben. Es kann nicht sein, dass ein Mensch, möglicherweise selbstmordgefährdet, ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz warten muss. Und das ist dann ja auch erst das Erstgespräch und bedeutet noch lange nicht, dass man diesen Therapeuten dann sicher hat!
Ich weiß nicht, inwiefern die Krankenkasse da ihren Daumen drauf hat. Also, ob dieser Therapeutenmangel vielleicht nicht auch genauso forciert worden ist. Wenn dies nicht der Fall ist, wäre vielleicht eine Maßnahme, die Ausbildung zu vereinfachen. Ich weiß von mehreren Psychologiestudenten, dass man heutzutage erst den Master machen und dann auch noch eine mehrjährige, teure Therapeutenausbildung machen muss. Es gäbe mit Sicherheit Möglichkeiten, 1. das Studium zu verschlanken (welcher Therapeut braucht diese ganzen Gehirnschemata?) und 2. die Ausbildung für den Auszubildenden kostengünstiger zu machen.
Letztendlich ist das auch einfach wieder eine Sache der gesellschaftlichen Anerkennung. Wem immer vermittelt wurde, dass Depressive bescheuerte Jammerlappen sind, die nicht wissen, wie gut sie es haben, wird keine Psychologiestudium plus Therapeutenausbildung anstreben, auch wenn er grundsätzlich die Fähigkeiten dazu hätte. Ich glaube, wenn da erst mal ein Umdenken passiert, erledigen sich viele Probleme von selbst. Bis dahin würde es mir ja schon mal genügen, wenn die Nichtbetroffenen wenigstens wüssten,  dass einen Therapieplatz zu bekommen so leicht nicht ist.
EMN: Aus eigener Erfahrung kann ich dazu sagen, dass die Ausbildung zwar extrem lang ist und es tatsächlich bereits (sinnvolle) Überlegungen dazu gibt, die Therapieausbildung vom Psychologiestudium unabhängiger zu machen, aber dass das eigentliche Problem nicht bei zu wenig Therapeuten liegt. Es gibt reichlich Therapeuten in Deutschland aber die praktizieren nicht in eigener Praxis weil die Krankenkassen ihre Sitze beschränkt. Damit ein approbierter Psychotherapeut Kassenpatienten behandeln darf muss er einen Kassensitz erwerben. Leider besteht laut Krankenkasse in den meisten Gebieten eine ausreichende oder sogar „Überversorgung“, so dass ein Kassensitz erst frei wird wenn ein anderer Therapeut in Ruhestand geht. Momentan stehen hunderte Therapeuten auf Wartelisten für Kassensitze – aber auch nicht alle, denn ein Kassensitz wird dann meist teuer verkauft (10.000 – 50.000 Euro) und nicht jeder Berufsanfänger kann sich das leisten.
Wohlgemerkt, das sind Menschen, die das Studium und die Therapieausbildung hinter sich haben und alle Qualifikationen erfüllen, die gerne therapieren wollen. Auf der anderen Seite stehen x Kranke, die verzweifelt einen Therapeuten suchen aber frühestens in einigen Monaten einen Platz kriegen können. Und dazwischen die Krankenkassen, die auf ihren Sitzen hockt.
Dann gibt es für Therapeuten ohne Sitz (wie mich) noch die Option eine Privatpraxis zu eröffnen und zu versuchen, Kassenpatienten über das Erstattungsverfahren zu behandeln. Dazu muss ein Patient der Kasse nachweisen dass er nicht innerhalb von 3 Monaten einen Platz bei einem Kassentherapeuten bekommen kann. An sich ist das nicht schwer, einfach 3-5 Absagen sammeln und der Kasse zukommen lassen ABER 1. ist das für viele Kranke schon eine schier unerreichbare Hürde und 2. ist es trotzdem keine Garantie dass die Kasse das dann bewilligt.
Vor kurzem sollen sogar Krankenkassen ihre Kassentherapeuten aufgefordert haben keine Absagen mehr zu verteilen sondern Therapieplätze zuzusagen, auch wenn diese dann erst in x Monaten tatsächlich stattfinden können – um damit die Erstattungsanträge zu reduzieren/erschweren. Glücklicherweise haben sich die Kassentherapeuten gewehrt, da sie das als unethisch abgelehnt haben.
So, das war jetzt ein kleiner Einblick in die „Interna“, ich hoffe, das war nicht zu sehr abgeschweift🙂
Robin: Okay, es ist also doch die Schuld der Krankenkassen -.-

Ich verstehe ja, dass in jeder Einrichtung des Sozialstaates auch handfeste wirtschaftliche Überlegungen angestellt werden müssen, aber sowas lohnt sich doch einfach nicht. Es wäre langfristig wesentlich billiger, jedem Betroffenen so schnell wie möglich Hilfe zukommen zu lassen, statt ihn so hängen zu lassen. Klinikaufenthalte, monatelange Krankschreibungen, aufwendige Verfahren und vielleicht sogar Medikamente könnte man sich bei vielen Betroffenen sparen, wenn jeder mit psychischen Problemen frühzeitig behandelt werden würde. Aber durch die vielen Hürden, die vor einer Therapie stehen, bemühen sich viele eben erst dann darum, wenn es schon Fünf vor Zwölf ist.
Mir wurde auch mal vorgeschlagen, es doch mal bei einem Therapeuten ohne Kassenzulassung zu versuchen. Diese kämen Studenten, HartzIV-Empfängern etc. gerne auch mal mit dem Stundentarif entgegen. Aber selbst das kann ich mir eben einfach nicht leisten. Menschen wie ich sind auf die Leistungen der Krankenkasse angewiesen. Es kann doch nicht sein, dass Gesundheit eine Sache des Geldbeutels ist.
EMN: Stimmt, die Kassen käme es vermutlich wesentlich günstiger wenn sie nicht bei der ambulanten Psychotherapie sparen würden… wie gesagt, bei Therapeuten die ohne Kassenzulassung arbeiten gibt es die Möglichkeit bei der Kasse nach dem Erstattungsverfahren die Therapie bezahlen zu lassen. Du musst dafür ca 5 Absagen oder Warteplätze über 3 Monate nachweisen können und mit der Kasse abklären ob die Therapie dann bei einem Psychotherapeuten ohne Kassensitz übernommen wird. Je nach Kasse ist das mehr oder weniger mühsam, aber es lohnt sich definitiv, die Absagen zu sammeln (bzw die Therapeuten zu bitten, die Absagen schriftlich zuzuschicken), falls man evtl darauf zurückgreifen will. Natürlich ist es extrem viel verlangt von jemandem mit einer akuten Depression, sowas dann auch noch zu regeln. Du sagtest einige Absätze früher, dass du rückblickend schon weit vor der offiziellen Diagnose unter Depressionen gelitten hast und im Prinzip dein halbes Leben damit zu tun hast. Wenn du nun tatsächlich einen Therapieplatz bekommst und angenommen, das Ergebnis wäre ideal… was würde sich für dich ändern? Wie genau würdest du dir ein depressionsfreies Leben vorstellen?

Robin: Das ist eine gute Frage. Nach meinen unschönen Erlebnissen mit den letzten Therapeuten habe ich irgendwie ein wenig die Hoffnung dahingehend verloren. Mir ist klar geworden, dass ich früher einfach davon ausgegangen bin, dass sich schon alles bessert, sobald ich nur einen Therapieplatz habe.

Heute weiß ich nicht mehr, wie das gehen soll. Vielleicht hängt das mit meinen einzigen Therapieerfahrungen in der Klinik zusammen. Wir haben halt nur gelabert. Oft hat die Therapeutin Dinge gesagt wie: „Und wenn Sie einfach versuchen, das nicht mehr so, sondern so oder so anzugehen?“
Ich weiß nicht, wie das helfen soll. Ich weiß auch nicht, was es bringen soll, über meine Vergangenheit zu reden. Ich denke ja selbst  viel darüber nach, dazu brauche ich eigentlich keinen anderen Menschen. Und erst kürzlich fragte ich mich, warum da nicht langsam sowas wie ein Abnutzungseffekt eintritt. Wenn ich mir einige hässliche Erlebnisse aus meiner Vergangenheit vorstelle, tut das noch genauso weh wie damals und die 100 Male danach, als ich darüber nachgedacht habe. Ich weiß nicht, warum ich manche Dinge einfach nicht verarbeiten kann, obwohl ich die Mechanismen dahinter reflektiert habe und verstehe. Trotzdem ändert das an meinem Empfinden gar nichts.
Vielleicht spricht da nur die Depression aus mir, vielleicht haben mich diese unfähigen Therapeuten, die ich besucht habe, einfach nur desillusioniert. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass Therapeuten auch nur Menschen sind und nicht einfach mit ihrem Zauberstab wedeln und alles wird gut.
Momentan kann ich mir deshalb ein Leben ohne Depression schlecht vorstellen. Mein größtes Problem ist die ständige Antriebslosigkeit. Meistens sitze ich stundenlang total erstarrt vor zehn verschiedenen Dingen, die ich eigentlich erledigen sollte, und kann einfach nicht. Ich bin auch oft genug völlig grundlos müde, dabei war ich als Kind ein kleines Energiebündel. Ich weiß nicht, ob dieser Zustand wiederhergestellt werden könnte, und wie mein Leben dann aussehen würde. Es wäre jedenfalls besser, glaube ich. Allein schon deswegen, weil diese ständige Antriebslosigkeit der Punkt ist, den die meisten Leute in meinem Umfeld am wenigsten nachvollziehen können und verstehen. Und das zu merken, deswegen verachtet zu werden, tut unglaublich weh.
EMN: Diese Interviews sollen ja u.a. dazu dienen, Leuten die vielleicht keine Erfahrung mit psychischen Erkrankungen haben einen kleinen Einblick zu geben in das Leben mit einer solchen. Nun kenne ich ja deinen Blog und weiß, dass du als Kind von Nichtakademikern studierst, dabei selbst Geld in einer Bar verdienst und Projekte wie ganz alleine nach Santiago de Compostela pilgern stemmst. Die meisten würden wohl spontan sagen, dass du ziemlich viel tust. Kannst du mal ein Beispiel geben von einer konkreten Situation, die du „typisch depressiv“ erlebst?(*Anmerkung: Im Nachhinein fiel mir auf, dass man die Frage auch anders verstehen könnte, als würden Menschen mit Depressionen nichts tun. So war es natürlich nicht gemeint sondern es bezog sich auf die von Robin zuvor geschilderte Antriebslosigkeit)
Robin: Manche Sachen klappen schon, ja. Andere dagegen überhaupt nicht.

Ich weiß z.B. nicht, wie viele hunderte von Euro ist schon allein dadurch verloren habe, dass ich Rückgabefristen der Bücherei etc. nicht einhalten konnte. Ich hatte schon so oft die Bücherstapel direkt vor mir liegen und wusste, dass es langsam richtig teuer wird, aber ich konnte einfach nicht tätig werden. Es fühlt sich an wie eine innere Sperre, als wäre ich ferngesteuert. Allein der Gedanke, die Bücher einzupacken, zum Bus zu tragen, zur Uni zu fahren, sie dort loszuwerden etc.pp. Es klingt so lächerlich banal, aber bis ich mich zu so etwas aufraffen kann, können Wochen und Monate ins Land ziehen.
Das ist eben meine Antriebslosigkeit, die mich eigentlich ständig begleitet. Und wenn sie mich von etwas wirklich wichtigem abhält (z.B. Lernen), schlägt das Ganze dann ziemlich schnell in Selbsthass um. „Warum kriegt das jeder hin, nur ich nicht?“
 In diesem Zustand kann jede Lappalie eine Gedankenspirale in Gang setzen und alles nur noch schlimmer machen. Während ich heule, höre ich meine Mitbewohner im Wohnzimmer lachen? Klar, MICH wollen sie ja natürlich nicht dabei haben. Weil mich eh niemand liebt oder auch nur mag. Weil ich scheiße bin, unwert, nicht für diese Welt gemacht.
Und ab da ist es dann vorbei. Dann vergrabe ich mich im Bett, grüble, heule, will sterben.
Naja, irgendwann, meist nach ein paar Stunden, hört das dann auch wieder auf. Aber bis dahin ist es einfach nur der absolute Horror. Glücklicherweise sind diese ganz krassen Phasen bei mir nicht so wahnsinnig häufig. Andere haben das jeden Tag.
Mein größtes Problem ist es, mich selbst zu motivieren. Ich denke, weil in diesem Fall der Impuls von außen kommt, klappt es auch mit der Arbeit. Es ist meine Pflicht, ich MUSS es tun. Also tue ich es auch, und das sogar ziemlich gut.
Der Jakobsweg ist dagegen einfach ein absoluter Ausnahmezustand. Bei meiner ersten Pilgerreise hatte ich Angst davor, die gesamte Zeit in Grüblerei zu versinken, immerhin hat man ja bei täglichen mehrstündigen einsamen Wanderungen mehr als genug Muße zum Nachdenken. Das Gegenteil war der Fall. Mir taten die Füße, die Beine und der Rücken unendlich weh, ich hatte Hunger und Durst, mir war heiß, meine Klamotten stanken, in den Herbergen wurde immer geschnarcht, aber in meinem Kopf herrschte gnadensreiche Stille. Das war mal eine traumhafte Abwechslung. Dazu der Weg vor mir und das genaue Wissen, was ich tun muss, nämlich aufstehen und laufen, bis zum Ende.
Das war eine Art von durchstrukturierter Tagesplanung, die mir in meinem normalen Leben fehlt. Die Bewegung hat natürlich auch geholfen. Vielleicht sogar die Schmerzen.
Mir ging es jedenfalls kaum je besser und ich hoffe, dass ich diese Erfahrung diesen Sommer wiederholen kann.
EMN: Ich sehe schon, ich muss mich wirklich mal aufraffen und meine Pilgerpläne in die Tat umsetzen… klingt toll. Vielen Dank dass du das so offen beschrieben hast, ich finde dadurch wird es viel nachvollziehbarer was in so mancher depressiver Phase abläuft. Gibt es noch irgendwas, was ich nicht gefragt habe oder was du noch wichtig findest?
Robin: Eine Ergänzung oder, besser gesagt, einen Appell möchte ich gerne noch an Nichtbetroffene loswerden.

Es ist leicht, alle Menschen mit psychischen Problemen in eine Schublade zu stecken und das ist wohl noch nicht mal komplett falsch, denn sonst gäbe es Kategorien wie „Depression“ oder „Borderline“ ja auch nicht.
Aber Depressive sind trotzdem Individuen – wie sich auch jeder „Normalo“ vom anderen unterscheidet. Und selbst mit einer solchen Diagnose kann man uns Ernst nehmen. Ihr wisst jetzt, wie es mir in einer depressiven Phase geht, aber ich habe trotzdem auch gute Tage und sogar fantastische Tage. Und damit bin ich wahrhaftig keine große Ausnahme.
Seid also nicht allzu überrascht, wenn jemand wie ich einen Höllenspaß dran hat, bescheuerte Witze zu reißen, die kaum jemand versteht, bis 6 Uhr morgens in einer Disco tanzt oder sich aktiv für ein bestimmtes Anliegen engagiert. Nur weil das auf den ersten Blick nicht zu der Diagnose passt ist sie dadurch nämlich nicht weg.
Allgemein wäre ein bisschen mehr Verständnis und ein bisschen weniger Stigmatisierung nett. Wir Depris sind auch nur normale Menschen, die einfach nur respektiert werden wollen, egal in welcher Stimmung wir gerade sind.
Da ich das als Schlusswort sehr schön finde, lasse ich die Abschiedsworte an der Stelle weg und verlinke für die, die mehr von Robin erfahren wollen an dieser Stelle noch ihren Privatblog und ihren Blog über die Arbeit in der Kneipe. Have Fun!
Kommentare
  1. […] in der es um das Leben mit verschiedenen psychischen Erkrankungen geht, interviewt. Das Ergebnis könnt ihr euch bei ihr ansehen! Und wenn ihr schon mal da seid klickt auf “follow”, wenn ihr es nicht schon tut, weil […]

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  2. micbe24 sagt:

    Ein tolles Interview mit vielen Aussagen, die ich genau so unterschreiben (Koordination von Therapeutensuche) oder anderen Menschen einfach mal ausdrucken könnte (v.a. das Schlusswort).

    Vielen Dank dafür und dir, Robin, alles Liebe für den Kampf gegen den inneren Dämon!

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  3. praktikon sagt:

    Ich finde das Interview von Robin super!
    [Auch wenn ich hier, auch und vor allem bei der Therapeutin gerne Mal in die Tischkannte gebissen hätte. Das Verhältnis zwischen Klienten und Therapeut sollte maßgeblich von Empathie und Wertschätzung geprägt sein, lernt man sowas nicht schon in der Schule :/?!]
    Aber eine kleine Anmerkung zum „Therapiehelfer“ möchte ich gerne machen, es gibt Unterstützungsstellen die z.B. beim Case-Management eben solche Aufgaben übernehmen oder zumindest stark dabei unterstützen Ressourcen (wie eben den Therapeuten) zu mobilisieren.

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  4. […] mit Robin (ja, der Robin!) […]

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  5. Depri sagt:

    Gutes Interview! Wie gut ich das kenne… Dieses Gelähmtsein….Übermäßig dünnhäutig sein und schnell in Tränen ausbrechen… Die unsäglichen Fristversäumnisse…

    Naja, diesbezüglich allerdings glaube ich, ist unsere gesellschaftliche Praxis leider prädestiniert, Depressionen zu beförden.Es scheint, als ob man dem Menschen generell etwas Bösese unterstellt, was dringend bestraft werden muß und er das Verhalten daraufhin ändern wird.. Dieses ist aber psychisch völlig kontraproduktiv und extrem frustrierend… Verstünde und betrachtete man es aus der Perspektive, daß jemand, der eine Verfehlung, deviantes Verhalten zeigt, in Not ist und vermutlich eher Probleme hat, so sähe man die Lösung des Problems sicher eher in Hilfestellung und und Wiedergutmachung ö.ä. Daß Straftaten sich durch härtere Strafen nicht verringen lassen, ist doch bereits erkannt worden… Es ist vergleichbar der Erziehung. Da hat sich doch eine Menge getan. Aber leider stellen konservative Idioten eben immernoch die Masse der Bevölkerung dar..
    Der Anspruch an Gerechtigkeit bzw. Gleichheit als Ursprung für den gängige bürokratischen Behörden und Justizwahnsinn , der solche teils völlig unangemessenen Härten produziert, trägt das seinige dazu bei. (Und ist eine Illusion dazu…) Besser wäre m.E. eine Möglichkeit, bei Problemen eine Problemlösung herbeiführen zu können. Verhandeln, eine sinnvolle Lösung finden, mit dem Bestreben, daß alle Beteidigten zufrieden sind. Tja, Zukunftsvisionen.

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  6. Angi sagt:

    Wie geht’s deiner Freundin denn heute? Ist ja schon bisschen her dieses Interview.

    Ja, die Antriebsschwäche… Auch ich war wohl seit Teenagertagen latent depressiv, damals hieß das ‚Bücherwurm‘. Entweder hab ich gelesen oder war bei den Pferden. Grübeln, dunkle Gedanken hegen und pflegen, je größer der Schmerz desto tiefer die Gefühle. Als mich dann vor inzwischen 16 Jahren mein Freund verlassen hat (‚wozu brauche ich eine Beziehung, wenn ich doch immer alles allein machen muss‘), tat es weh. Nach langer Zeit habe ich wieder etwas gespürt. Habe MICH gespürt und gemerkt, dass da was nicht stimmt. Dass diese eklig langweilige Couchpotatoe nicht wirklich ich bin. Und weil ich mir nur ungern helfen lasse, habe ich mir Bücher geholt. Habe angefangen,die Selbsthilfetipps abzuarbeiten. Und habe jedem meiner Freunde erzählt, dass ich depressiv bin. Auch meiner Hausärtzin. Irgendwann kam ich aber nicht mehr weiter. Und eine Angststörung kam dazu. Meine Ärztin hat mich dann vor die Wahl gestellt, Therapie oder Medis. Ich hab die Medis genommen, ein ganz leichtes Antidepressivum, und siehe da, ein geregelter Alltag fiel mir leichter. Damals war ich Freiberuflerin, da muss man alles tun, was man als Depressive nicht kann. Aquise, Telefonieren, Organisieren…

    Seit einigen Jahren bin ich nun mehr und mehr in einem geregelten Job. Meine Nerven haben sich beruhigt, die Angststörung ist weg. Eine sehr gute Freundin von mir ist Therapeutin und manchmal, wenn ich es brauche, stellt sie mir diese doofen ‚W‘ Fragen. ‚Wie fühlst du dich denn dabei‘ oder so. Meistens läßt sie mich aber. Ohne geregelten Tagesablauf gerate ich schnell wieder aus der Spur und falle in alte Muster. Ob mich da eine Therapie rausholen würde? Ich bin eh eher zu reflektiert. Wenn ich über meine Probleme rede, kommt sehr oft ‚kenn ich‘. Oder ‚Ich nehm auch Medikamente‘. Es gibt verdammt viele Menschen mit Angststörungen oder Depressionen. Hat auch nichts mit dem Aktivitätslevel zu tun. Manche sind ständig unterwegs. Mir ist das zu anstrenegend. Ich bin im Job den ganzen Tag im Einsatz am Kunden, abends brauche ich eher Ruhe. Oder was, wo ich nicht mehr kommunizieren muss.

    Sport und frische Luft helfen mir sehr gut. Spazierengehen ist für mich wie Meditation. Auch die kann helfen, neue Bahnen ins Hirn zu legen. Lieber kein Therapeut als so Falsche wie die oben geschilderten Fälle. Ich bin ein Fan von Selbsthilfe. Gutes Essen mit natürlichen Ölen und Fetten hilft dem Gehirn auch, gesünder zu werden. Und ich vermeide diese Abwärtsspiralen der Gedanken. Lenke mich brutalstmöglich ab, wenn das losgeht. Gute Freunde sind wichtig. Und drüber reden. Man trifft auf sehr viel Verständnis. Mich hat deswegen noch nie jemand schräg angeschaut.

    Und sonst, nennt man’s Burnout. Dann isses auch noch trendy…. Ganz weg ist sie nicht, die Depri, aber langsam lerne ich, mit mir und der gelegentlichen Couchpotatoe nicht so streng zu sein. das mit den Fristen kriege ich zum Glück immer grade noch so hin, mit Quietschen, aber es gibt diesen einen guten Tag, an dem solche Sachen plötzlich ganz einfach werden. Die Hürde, die man immer im Kopf aufbaut, muss man manchmal echt ignorieren. Es geht. Ich wundere mich immer wieder😉

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  7. Tine sagt:

    Ach was soll das denn. Früher nannte man das Phlegmatismus, Faulheit und Selbstmitleid. Heute heißt es Depression, klar…

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    • Wie schön, dass du dir Zeit genommen hast, diesenArtikel zu kommentieren. Wie unschön, dass es Scheiße sein muss, was du schreibst.
      Na ja, man kann nicht alles haben.

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      • Angi sagt:

        Das hast du jetzt aber sehr nett gesagt, angesichts dieses Kommentars

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        • IULIUS sagt:

          Für einen Menschen, der mit Depressionen nie in Berührung gekommen ist, ist es schwierig zwischen Depressionen, Phlegmatismus, Faulheit und Selbstmitleid zu unterscheiden. Hinzu kommt, wenn man den Leuten nur kräftig genug in den Hintern tritt raffen die sich meist auf und können das trotzdem.

          M. E. setzt das „in den Hintern treten“ selbst bei Depressiven einen Urinstinkt, den Selbsterhaltungs-Mechanismus in Gang, der sie wieder – wenn auch nur vorrübergehend – in einen funktionsfähigen Zustand versetzt. Daß hier nur wirkliche Fachleute, oder äußerst aufmerksamene Menschen, Depressionen erkennen können können ist verständlich.

          Ein Normalmensch lernt, trete ich dem in den Hintern, bewegt er sich und wendet das an.
          Warum sollte er einen funktionierenden Mechanismus hinterfragen?

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          • „M. E. setzt das “in den Hintern treten” selbst bei Depressiven einen Urinstinkt, den Selbsterhaltungs-Mechanismus in Gang, der sie wieder – wenn auch nur vorrübergehend – in einen funktionsfähigen Zustand versetzt.“

            Nö.

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            • Angi sagt:

              Also das ‚in den HIntern treten‘ muss sehr schmerzhaft sein. Wie verlassen zu werden. Wenn’s genug weh tut, merkt man, wie wenig man vorher gespürt hat. Das hat bei mir zumindest dazu geführt, mir klar zu werden, dass etwas nicht stimmt. Und auch einen gewissen Selbsterhaltungstrieb, ja. Der Prozess raus aus der Depri dauert aber bis heute. Und der Schmerzpunkt ist 17 Jahre her

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              • IULIUS sagt:

                Die Psycholgin sagt nö und die nächste Schreiberin sagt, bei mir war es so.😀

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                • Angi sagt:

                  Da hast du mich ein bisschen falsch verstanden. Wenn dein Leben um dich rum zusammenbricht, dann merkst du, dass etwas grundlegend nicht stimmt und du eventuell eine behandlungsbedürftige Depression hast. Was mit einem ‚Tritt in den Hintern‘ null zu tun hat! Und falls du es nicht überlesen hast, ich arbeite seit 17 Jahren dran, nicht faul und selbstmitleidig zu sein. Tritte in den Hintern führen tatsächlich dazu, dass man sich selbst fertigmacht und einfach über seine Grenzen geht. Das geht an die Substanz und führt im Endeffekt zu nichts.

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                  • IULIUS sagt:

                    Offensichtlich hast Du mir zwar recht gegeben, mich aber nicht richtig verstanden. Ich habe auch nicht überlesen, daß Du seit 17 Jahren daran arbeitest.

                    Primär ging es mir in dem Beitrag darum, daß durch den „Tritt in den Hintern“ und die darauffolgende Reaktion es bei Anderen den Eindruck erweckt, daß das eine gute idee ist. Damit sagte ich weder aus, daß die Idee gut ist, noch daß sie – nachhaltig – erfolgreich ist.

                    Daß Du dabei über Deine Grenzen gehst hatte ich als Fakt nicht erwähnt. Das ging aus Deinem Beitrag hervor und war daher für mich nicht extra erwähnenswert.

                    Wie gesagt, es ging mir nur um den Zeitraum zwischen dem „Tritt“ und der unmittelbaren Reaktion darauf und darum, daß man dieses falsch verstehen kann. Und dieses falsche Verstehen dazu führt das zu wiederholen.
                    Und daß daraus zu verstehen ist, daß viele Menschen die Funktionsweise von Depressionen nicht nur nicht verstehen wollen, sondern überhaupt gar nicht verstehen können.

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                    • Angi sagt:

                      Iulius, sorry, aber das war kein ‚Tritt‘. Das war existenbedrohend. Und erst da habe ich überhaupt gemerkt, dass ich nicht einfach nur immer müde und antriebslos war, sondern etwas elementareres nicht mit mir stimmt.Ich hatte das Glück, dass die Depression relativ leicht war. Jemand mit einer schwereren wäre aus dem Ding so einfach nicht rausgekommen. Das mit dem Treten hatte mein Freund vorher schon über ein Jahr lang versucht. Lieb und motivierend, oder dann auch frustriert und genervt. DAS hat mich nur tiefer in die Verzweiflung getrieben und war extrem kontraproduktiv. Nachdem aber keiner wusste, was los war, sei ihm verziehen.

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          • Mic sagt:

            Ganz einfach: weil der Mechanismus nicht wirklich funktioniert, sondern künstlich und in einer Art Raubbau am Leben gehalten wird. Und irgendwann bricht der Mechanismus dann zusammen und schlimmstenfalls schauen sich alle betreten an und fragen sich, wie es dazu kommen konnte.

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  8. Tine sagt:

    „Depression“ – das klingt ja schon fast so schick wie „Burnout“.
    Ist doch irgendwie sehr angenehm, sich mit so einer hochhgeistigen psychischen Erkrankung zu schmücken, die einem einerseits ein waaaaaahnsinnig schwieriges Leben, einen hohen Intellekt und ein empfindliches Seelchen attestiert und einem andererseits die Rechtfertigung bietet, (trotzdem) nix auf die Reihe zu kriegen.
    Ein paar mehr Tritte in den Hintern täten da sehr gut.
    Gerichtsvollzieher bei Schulden u.ä.

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    • Bist du traurig weil „Ignoranz“ sich nicht so schick anhört?😦

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    • Frank sagt:

      Impgegner?

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    • Robin sagt:

      Du missverstehst das. Das absolut Geilste an einer Depression sind eigentlich Honks wie du. Tatsächlich schmücke ich nur mit Depressionen, weil ich es so aufregend finde, als dumm, faul und unfähig bezeichnet zu werden. Damit fühlt man sich so richtig als was besseres, Baby!

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      • Tine sagt:

        Du hast scheinbar „primitiv“ vergessen.

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        • Robin sagt:

          Das heißt in diesem Zusammenhang nicht „scheinbar“, sondern „anscheinend“. Leg dir einen Duden und ein Psychologielexikon zu. Dann wirst du mit Fakten konfrontiert und bist gezwungen, deine Zeit nicht mit der Demonstration deiner ignoranten Menschenfeindlichkeit und Doofheit zu verschwenden🙂

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      • Tine sagt:

        Such dir ne Arbeit und leg dir nen Hund zu. Dann hast du was zu tun und bist gezwungen, deine Zeit nicht mit rumhängen und jammern zu verbringen.

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        • Komisch, ich wollte dir grade dasselbe vorschlagen, damit du deine Zeit nicht mehr hier verschwenden musst^^

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          • Tine sagt:

            Mein verdienter freier Nachmittag, meine Liebe, Überstunden abbauen. Kennt man in deinen Kreisen wohl nicht😉

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            • Frank sagt:

              Überstunden? Na ja, wer sein Pensum in der regulären Zeit nicht schafft…

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              • Tine sagt:

                Interessant, dass deine Überstunden darin bestehen, dass du nacharbeiten musst, weil du m normalen Betrieb zu langsam bist.
                Meine tun das nicht.
                Passt zu der allgemeinen Einstellung einiger hier.

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              • Robin sagt:

                Und sowas wie „Überstunden“ kennt man tatsächlich nur als Untergebener. Wer, wie Erzählmirnix, die eigene Chefin ist, bei dem firmiert das unter „normale Arbeitszeit“.

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                • Tine sagt:

                  Wie auch immer du es definierst (du studierst immer noch, oder?) „normale Arbeitszeit“ ist ja auch klasse – hat man sowas, ist es wohl auch eher unwahrscheinlich, dass man eine Depression entwickelt. Zumindest hat man dann genug Druck von außen, nicht jeden Tag bis in die Puppen zu schlafen und in Selbstmitleid über diese ach so ungerechte Welt zu versinken. Und dann am besten noch das Geld der Allgemeinheit hinten reingeschoben zu kriegen…

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                  • Robin sagt:

                    Leute gehen studieren, haben nebenbei zwei Jobs, keine staatliche Unterstützung und dann auch noch Depressionen. Das kann natürlich nichts anderes als ein Signal für dich sein, in Selbstmitleid über diese ach so ungerechte Welt zu versinken. Immerhin dürfen die länger schlafen!!einself …weil sie nachts arbeiten. Aber das kennt man in deinen Kreisen wohl nicht🙂

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                    • IULIUS sagt:

                      Einerseits finde ich immer wieder die Reaktionen auf einen Troll interessant. Anderseits kann ich persönlich auf Trolle verzichten.

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                    • Angi sagt:

                      Wow, unser Troll hier hat echt Ahnung von psychischen Erkrankungen. Der Red Hering sollte eigentlich zu Tine. So ignorant kann niemand wirklich sein. Mein Cousin war engagiert bei der Berufsfeuerwehr, bei 2 Freiwilligen, hat in Schulen Brandschutzunterricht gegeben, betrieb eine eigene kleine Firma für Satellitenfernsehinstallationen und eine Familie. Guess what: Er hat sich trotzdem im Oktober umgebracht. Er hat seine Depressionen, pardon, seine Antriebsschwäche und seine Faulheit echt gut versteckt oder? So lange, bis er nicht mehr konnte. genau das passiert, wenn man diese Tritte immer ieder kriegt und es nie schafft, sich wirklich um sich zu kümmern und auch mal zuzugeben, dass man eigentlich keine Kraft mehr hat. Sondern immer weiter macht, um sich genau solche idiotischen Kommentare wie oben anzuhören. Und jetzt nochmal: <
                      DNFTT

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                    • @Robin Gib einfach bescheid wenn der Bogen überspannt ist und ich sperren soll. Ich habe normal ja eine offene Kommentarpolitik, aber man muss ja nicht jeden Mist uner persönlichen Infos stehen haben.

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                    • Robin sagt:

                      Glücklicherweise verletzt mich so ein Müll nicht (mehr)🙂 Aber wenn jemand so offensichtlich nur trollen und beleidigen will, ist eine Sperrung nur angebracht. (Vor allem, da dieses „Don’t feed the trolls“ einfach nicht funktionieren will😀 )

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                    • Robin sagt:

                      Jo, EMN, ich denke, dieser Totalausfall hat jetzt genug Zeit auf der Bühne gehabt ^^

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    • IULIUS sagt:

      Auch ein totes Huhn läßt sich durch Tritte bewegen.😉

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  9. Angi sagt:

    Kommentarfeld mag keinen Red hering. DNFTT

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