Psychiatriekritiker heilen psychisch Erkrankte!

Veröffentlicht: Juni 17, 2013 in Psychozeug, Satireartikel
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Nachdem Psychiatriekritiker bereits seit längerem die Unsinnigkeit psychiatrischer Diagnosen angeprangert hatten wurden endlich die entsprechenden Maßnahmen ergriffen und die Diagnosewerke DSM und ICD radikal abgeschafft. Das Ergebnis dieser Maßnahme war erstaunlich und nahezu als Wunder zu bezeichnen: Schlagartig waren alle psychisch Erkrankten geheilt!

Brigitte P., seit Jahren schwer depressiv erzählt: „Ich wachte eines Morgens auf und fühlte mich zum ersten Mal seit 4 Jahren völlig gesund. Es war überwältigend. Zuvor hatte ich massive Schlafstörungen, konnte kaum essen, fühlte mich antriebslos und permanent unglücklich. Ich dachte oft an Suizid und wusste nicht ob ich es je schaffen würde der Depression zu entkommen. Aber seit die Psychiatrie und die psychiatrischen Diagnosen abgeschafft wurden ist alles anders! Jetzt habe ich massive Schlafstörungen, kann kaum essen, fühle mich antriebslos und permanent unglücklich. Ich denke oft an Suizid aber es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass das völlig gesund ist.“

So wie Brigitte P. geht es vielen ehemals psychisch Erkrankten. „Früher war ich in einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Panikstörungen. Wir haben uns dort einmal die Woche getroffen und über unsere Erkrankung gesprochen. Jetzt wo es keine Panikstörungen mehr gibt hat sich die Gruppe natürlich erledigt. Hin und wieder sehen wir uns noch und sprechen darüber, wie es so ist wenn einem im Supermarkt plötzlich das Herz rast oder man im Fahrstuhl Atemnot kriegt, aber das ist ganz zwanglos. Wir nennen es jetzt nicht mehr Selbsthilfegruppe für Angst- und Panikstörungen sondern Zwangloses Treffen für Leute, die öfter mal plötzlich Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Atemnot und Schwindel fühlen. Das ist jetzt nur etwas schwierig um es auf das Türschild zu schreiben, aber das ist ein kleiner Preis für Gesundheit.“

Für Ärzte und Therapeuten sei die Situation anfangs ungewohnt gewesen. Viele hatten Angst um ihre Existenzen. „Das war schon eine schlimme Zeit“ gibt Dr. Paul. S. Ycho an. „Wir haben uns gewehrt und Psychiatriekritiker als Verschwörungstheoretiker abgetan. Klar, wir hatten ja alle lange studiert und unsere Brötchen mit der Vergabe und Behandlung von Diagnosen verdient. “ Doch schließlich sei auch von fachlicher Seite der Widerstand aufgegeben und der Abschaffung der Psychiatrie stattgegeben worden. Alle Praxen und Kliniken seien von heute auf morgen geschlossen worden.

Von den früheren Patienten sei dies zunächst mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. „Ich war froh gesund zu sein, klar. Andererseits hatte ich ja ein halbes Jahr auf die Rehamaßnahme gewartet und dass ich nach zwei Wochen wieder nach Hause gehen sollte war etwas… äh… unerwartet. aber glücklicherweise konnte ich mit meiner Krankenkasse und der Rehaklinik eine Ratenzahlung vereinbaren und noch zwei Wochen auf eigene Kosten das Programm dort nutzen. Das haben noch andere Patienten so gemacht und die Therapeuten fanden das auch OK. “ Mittlerweile sei dies eine gängige Praxis. Viele Versicherungen hätten solche Behandlungen als freiwillige Zusatzversicherung in ihr Programm genommen. Ab etwa 30 Euro im Monat habe man die Möglichkeit sich gegen „schlechte Laune“ und andere Befindlichkeiten zu versichern um im Falle des Falles mit jemandem reden zu können. Viele ehemalige Psychotherapeuten hätten jetzt umgesattelt und ihre Praxen in „Orte wo man mal reden kann“ umgewandelt.

Insgesamt sei die Abschaffung der Psychiatrie ein Meilenstein in der Bekämpfung psychischer Erkrankungen gewesen. Der Erfolg sei so beeindruckend, dass nun auch andere Bereiche über eine derartige Maßnahme nachdenken. Besonders Krebs abzuschaffen sei derzeit im Gespräch: „Viele Menschen haben Angst vor Krebs, das ist eine schwere Belastung. Und dann natürlich die ganzen Krebserkrankten denen es schlecht geht und die die Allgemeinheit viel Geld kosten. Krebs abzuschaffen wäre finanziell und menschlich gesehen das beste.“ sagt Sam P. Arer vom Verband der Krankenkassen. Wenn sich jemand daran störe, dass sich in seinem Körper ein paar Zellen vermehrten könne er ja was dagegen tun, aber der systematische Zusammenschluss von Ärzten und Pharmafirmen unter dem Banner der „Krebsbekämpfung“ sei beunruhigend. Die Welt sei ohne Krebs viel besser dran.

*Während dieser Artikel in Druck geht kommen Nachrichten von anderen Teilen der Erde herein wo Demonstranten auf die Straße gehen um endlich Hungersnöte, Krieg und Armut abzuschaffen.

Kommentare
  1. !!! Was anderes fällt mir dazu nicht ein! Sollte jeder lesen und ich nehm es mit auf Arbeit! Staunende Grüße, Julia

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  2. Cidrin sagt:

    Nicht zu vergessen, dass ich seit Abschaffung der Psychiatrie quasi im Dauerurlaub bin.
    Erst jetzt wird mir klar, wie unsinnig es war, all die Jahre zu arbeiten.
    Echt ein Segen.

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  3. Yesa sagt:

    hey gleich der ganze ICD mit abgeschafft? Das heißt es gibt gar keine Krankheiten mehr ist ja toll! (Sorry fürs klugscheißen)

    Aber ja ich bin froh das ich bisher noch „krank“ bin und es noch nicht so weit gekommen ist… weil meine Medis selbst zahlen – yikes ich bin doch nich Krösus. Andererseits endlich gesund sein so ganz ohne chronische Krankheit ist natürlich klasse.

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  4. Dragino sagt:

    Juhuu – endlich gesund! Freiheit für Grönland – weg mit dem Packeis!

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  5. Heinz sagt:

    Bei der Kritik an dem Psychiatriesystem geht es hauptsächlich um „Diagnosen“ die ohne jegliche sachliche Grundlage erstellt wurden und zu jahre-/lebenslanger Zwangspsychiatriebehandlung führen.
    Diesbezügliche Gerichtsverfahren haben die Bezeichnung „ordentliches Gerichtsverfahren“ regelmäßig nicht verdient.
    Siehe z.B. Gustl Mollath.

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    • Gustl Mollath ist natürlich ein absolut krasser Fall. Zwangspsychiatrisierung ist nicht mein Gebiet, ich weiß nur, dass es in der Ausbildung zum Psychotherapeuten Konsens war, dass dies nur im alleräußersten Notfall überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte. Also wenn wirklich ein Patient sagt „Ich gehe jetzt hier raus und töte mich/jemand anderes“.
      Insofern denke ich, dass die ambulanten Kollegen da sehr vorsichtig mit sind, da es ja im Endeffekt auch das Vertrauensverhältnis zerstört und man die Therapie danach meist nicht weiterführen kann.

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  6. Aurelie sagt:

    Selbst wenn jemand sich selbst töten möchte, kann ihn niemand daran hindern. Dieses ganze medial aufgeblasene Feld von Zwangspsychiatrie überschattet die gute Arbeit, die Psychiater in Kliniken leisten. Jeder (!) Patient, sofern er sich verbal verständlich artikulieren kann, muss bei der Einlieferung angeben, dass er freiwillig da ist. Selbst auf einer geschlossenen Station kann man sich jederzeit selbst entlassen. (Unter der Bedingung, dass man niemand anderem Schaden zufügt.) Das wissen viele überhaupt nicht, weil sie davon ausgehen, „geschlossen“ bedeutet „man wird gezwungen“. Selbst die Medikamenteneinnahme kann verweigert werden. Wer dies jedoch mehrmals und gegen ärztlichen Rat tut, wird entlassen, da er sich gegen den Behandlungsversuch wehrt. (Vorher wird natürlich nach Alternativen gesucht.)

    Viele sehen auch nur die Misserfolge. Jemand bekommt das fünfte Antidepressivum und ist immer noch nicht „geheilt“. Ja, passiert. Bei Krebs, HIV und vielen anderen Krankheiten gibt es ebenfalls keine hundertprozentige Erfolgsgarantie. Über diese Misserfolge reden die Leute jedoch komischerweise viel lieber als über all die anderen Fälle, bei denen Psychiater wortwörtlich Leben gerettet haben.

    Scharlatane gibt es überall. Und Unfug mit Medikamenten und fingierten Pharma-Studien wird auch bei anderen Krankheiten getrieben.

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    • Ich würde deinen Kommentar gerne liken^^
      Ich bin zwar ambulant tätig und das ist natürlich was anderes als stationär, dennoch finde ich generell, dass Zwang und Psychiatrie einfach nicht passen. Sowas wird meiner Erfahrung nach wirklich nur im extremsten Notfall gemacht, wenn es klare Gefährdung anderer Personen gibt. Sogar bei suizid sind ja die Therapeuten sich uneins ob man das auf jeden Fall verhindern muss oder ob man die freie Wahl unterstützen soll (wobei ich denke, wenn Suizidabsichten in der Therapie geäussert werden, dann ist da auf jeden Fall noch ein Teil, der leben möchte und auf Unterstützung hofft).
      Ich selbst habe noch nie erlebt dass jemand zwangseingewiesen wurde und wir haben täglich mit suizidalen Menschen zu tun. Problematisch sind eher diese Panikschürereien, die Leute davon abhalten ehrlich über Suizid zu reden weil sie Angst haben, sie werden dann „weggesperrt“.

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  7. […] inzwischen mit Humor begegne, liebe ich den Blog von erzählmirnix und in Bezug zu #isjairre wurde der Beitrag geschrieben und … ich finde ihn […]

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