PTBS: Ein Erfahrungsbericht.

Veröffentlicht: Juli 14, 2013 in Interview, Psychozeug
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Ich möchte euch diesmal einen Gastbeitrag einer Leserin (Ende 20) vorstellen, die sich entschieden hat über ihre Posttraumatische Belastungsstörung in Folge eines sexuellen Missbrauchs im Alter von 9-12 Jahren zu berichten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Reaktionen des damaligen Umfelds, die heute, 20 Jahre später, vermutlich noch ähnlich aussehen können.

 

 Man sagt, es gibt Dinge die gibt es gar nicht. Ich weiß, sie haben Recht.

September 2011

Mein neuer Freund und ich waren gerade circa drei Monate zusammen, an jenem Tag schlief er bei mir in meiner Wohnung. Es war unter der Woche und wir mussten am nächsten Morgen beide früh raus. Ich schlief von ihm abgewandt und schaute die Wand an. Die Sonne war längst untergegangen und es war stockdunkel im Zimmer, die Uhr zeigte weit nach Mitternacht. Ich war gerade dabei in das Traumland wegzudämmern, als mir etwas auf die Schulter tippte. Er begann zu sprechen und die Stimme klang nicht nach meinem Freund. Ich erschreckte innerlich zu Tode und begann zu zittern. In diesem Moment war ich  zu verwirrt um diese Situation einordnen oder abgrenzen zu können. Die Bilder begannen sich zu vermischen, es ging ein Blitzlichtgewitter in meinem Kopf los. Nach Außen war ich sehr ruhig und antwortet meinem damaligen Freund. Mein ganzer Körper war dabei angespannt und ich hatte Angst ohne zu wissen vor was.

Ich hatte absolut keine Ahnung was mit mir passierte. Diese Hilflosigkeit und die Angst machten mich kirre und brachten mich in dieser Nacht um meinen sonst sehr gesunden Schlaf. Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte war ich froh endlich dieses Gefängnis „Bett“ verlassen zu können.

Meine Gereiztheit und meine Stimmungsschwankungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr weg zu diskutieren. Ich war mit meinen Kräften am Ende. Das schlimmste war, mir entglitt immer mehr die Kontrolle über das was ich sagte oder tat. Ich sagte zu mir immer, ich würde mich nur nicht richtig zusammen reißen. Es lag an mir, dass ich mich nicht im Griff hatte und das machte mich unendlich wütend. Wenn jemand mich mit scharfer Zunge kritisierte, wollte ich am liebsten losheulen. Meine Gefühlswelt war in die eine wie in die andere Richtung extrem. Es war anstrengend mit mir. Es gab gute Tage, es gab schlechte Tage und meine innere Stimme äußerte den Verdacht bald schon könnten die schlechten Tage überwiegen. Es war an der Zeit was zu ändern.

Rückblende.

In meiner Kindheit wurde ich von meinem Stiefvater sexuell missbraucht. Ich war ungefähr 9 als der Missbrauch begann und ungefähr 12 Jahre als der Missbrauch endete (durch die Trennung meiner Mutter). Ich begriff lange nicht was all das bedeutet. Ich wusste aber, mein Vater sei ein „schlechter Vater“ und mein Stiefvater sei ein „guter Vater“, schließlich sagen das ja alle Erwachsenen um mich herum also hatten die Erwachsenen Recht, oder? Ich meine, es war nach einem Fernsehbericht als ich mich entschloss es zu erzählen. Also habe es meiner Mutter gesagt, der Thomas* macht mit mir Petting (wie soll man etwas benennen, dass man nicht kennt?). Man hat mir nicht geglaubt, stattdessen wurde ich zurück nach Hause geschickt. Schließlich sei der Thomas so ein herzensguter Mensch und ich könne von Glück reden, dass ich so einen tollen Stiefvater zu Hause habe. Er bezahlt die Miete und macht den Kühlschrank voll. Wenn er nicht wäre müssten meine Mama und ich in einer nicht so schönen Wohnung hausen und außerdem macht er Mama ja glücklich.

Januar 2012

Ich bekam einen Therapieplatz und begann eine Therapie. Nein, ich habe nicht nach fachlichen Schwerpunkten gesucht. Ich habe auch keine Ahnung auf was sich meine Therapeutin spezialisiert hat. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich zwar was die Ursache sein könnte, aber ich wusste es einfach nicht.

Die ersten Wochen waren furchtbar. Ich wollte es abbrechen. Meine Therapeutin wollte, dass ich über meine Gefühle spreche. „Wie haben Sie sich gefühlt als xy passiert ist?“ Ich zuckte die Schultern. Was sollte ich antworten? Ich wusste es ja selbst nicht. Diese Sache mit den Gefühlen sind für mich heute noch sehr diffus. Aber immerhin kann ich meine Liste um Regungen wie Zuneigung, verletzt und hilflos ergänzen.

Ich war immer noch mit dem oben erwähnten Freund liiert der auch wusste das ich einen Therapeuten aufsuchen werde. Ich fragte ihn, ob er wissen möchte warum ich zur Therapie gehe. Seine Antwort war nur ein knappes „Es betrifft mich doch nicht, oder? Schließlich gehst ja DU zur Therapie.“ Ein bisschen war ich froh über diese Reaktion, so musste ich ihn nicht mit meinen Gefühlen belasten. An meinem Therapietag sahen wir uns grundsätzlich nicht und ich hatte an diesem Tag grundsätzlich für niemanden Zeit.

Die erste Phase der Therapie war recht zäh. Meine Schutzmechanismen funktionierten hervorragend, schließlich waren sie seit der Kindheit erprobt und wurden im Laufe der Jahre verfeinert. Es dauerte viele Monate ehe ich aus der Therapie mit dem Gefühl ging, diese Stunde hat mir was gebracht. Nach und nach kamen meine Erinnerungen zurück. Es waren nicht die Erinnerungen an meinen „eigentlichen Missbrauch“, sondern eher jene an die Reaktionen des Umfelds. Man sagt, ein Kind muss sieben Personen von seinem Leid erzählen bis etwas passiert. Ich denke, dass stimmt nicht. Es sind mehr Menschen (und man muss es immer wieder von vorne erzählen).

Rückblende

Es gab eine Situation bei einer Familienfeier die mir noch sehr im Gedächtnis hängt. Es war Spätsommer und ich hatte ein Kleidchen an. Ich weiß heute nicht mehr wie es dazu kam, aber ich saß auf Thomas Schoß und wir machten irgendeinen Kinderquatsch. Er musste auf die Toilette und so stand er auf. Seine Schwester, Hanni, schaute ihm entsetzt auf die Hose. Die Stimmung war sehr ausgelassen und so grinste er und lachte. „Tja, was soll man machen. Ich bin auch nur ein Mann.“ Es war noch ziemlich frisch nachdem meine Mutter mit ihm zusammen gezogen ist, denn danach gingen Mama und ich nicht mehr mit zu seinen Familienfeiern. Zu diesem Zeitpunkt muss ich neun gewesen sein, ungefähr.

Eines meiner Schlüsselerlebnisse passierte kurz nachdem ich meinen Missbrauch mitgeteilt hatte. Bei uns bei uns zu Hause war erst mal die Hölle los, man wusste nicht so richtig was man mit mir machen sollte. Schnell wurde klar das kann nicht sein, so etwas passiert nur in Assifamilien und wir waren ja keine Assifamilie. In meiner kindlichen Naivität hatte ich  etwas gründlich missverstanden. Es ist kein sexueller Missbrauch wenn mich ein erwachsener Mann ins Bett bringt. Also beschlossen meine Tante und meine Mutter, dass ich mich bei meinem Stiefvater zu entschuldigen habe. Ich wurde heran zitiert und so stand ich vor dem Sofa auf dem meine Mutter und meine Tante saßen. Vermeintlich kindgerecht wurde mir die Sachlage erklärt. Es sei böse zu lügen, ich habe da was falsch verstanden, ich möchte doch auch das alles wieder so wird wie früher. Die logische Konsequenz für meine Mutter und Tante war klar, ich solle mich entschuldigen. Niemand hat es für nötig befunden mich zu fragen, wie ich zu meinen Behauptungen komme. Mein elfjähriges-Ich hatte relativ wenig Wahlmöglichkeiten und das wusste mein elfjähriges-Ich auch sehr genau (ich weiß nicht mehr, wie alt ich genau war). Kurz darauf entschuldigte ich mich, auch in der Hoffnung man lässt mich endlich in Ruhe.

Später, als es sich nicht mehr leugnen ließ, sagten diese Menschen Dinge wie „Naja, sie hat es ja auch gewollt. Man hört ja immer wieder von so frühreifen Früchtchen.“ oder „Sie ist halt eine kleine Lolita.“ Erst durch die Therapie sind diese Stimmen (endlich) verstummt.

Eine zweites Schlüsselerlebnisse erlebte ich mit ungefähr zwanzig. Ich war längst von zu Hause ausgezogen und gab mir Mühe ein verantwortungsvoller Erwachsener zu werden. Ich war auf Besuch zu Hause in der Kleinstadt und meine Mutter und ich gingen zusammen in die Stadt. Dort trafen wir auf eine ehemalige Klassenkameradin, Nanni, von mir und deren Mutter, Hanni, die Schwester von Thomas. Mit Nanni sprach ich nur das nötigste, meine Mutter aber freut sich Hanni mal wiederzusehen. Die beiden Damen beschlossen zusammen einen Kaffee zu trinken und zwar jetzt gleich. So fanden wir uns zu viert in einem Café wieder und ich übte mich im freundlichen Lächeln und schweigen. Hanni war ein Klatschweib und in ihrer Einfachheit fast bewundernswert. Natürlich kam die Sprache auf Thomas, mein ehemaliger Stiefvater und Mutters ehemaliger Lebensgefährte. Sie erzählte, er hat eine neue Freundin und die hat keine Kinder mehr die zu Hause wohnen. Hanni kam in Schwung und nach wenigen Minuten war sie bei dem alten Thema. Wir saßen draußen, es war Sommer, um uns viele Menschen und Hanni beugte sich über den Tisch in meine Richtung. „Du kannst ja jetzt ruhig zugeben, dass du es wolltest. Du bist ja immer wieder zu ihm gegangen. Ein Opfer würde so etwas ja nicht machen, das macht ja keinen Sinn.“ Ich bat meine Mutter zu gehen, doch sie wollte noch austrinken. Als wir im Auto saßen wurde ich wütend warum sie sich nicht einmal schützend vor mich stellen würde. Sie spielte die Situation runter, es wäre ja unhöflich gewesen einfach zu gehen.

In  lichten Momenten vertraute mir meine Mutter ein pikantes Detail an. Denn bevor sie mit Thomas zusammenzog, rief seine Ex-Freundin bei uns an (Mitte der 90er Jahre gab es noch Telefonbücher in dem JEDER eingetragen war). Die Ex sagte: „Sie haben doch eine Tochter!? Passen Sie gut auf sie auf.“ Meine Mutter tat es als eifersüchtiges Gezeter seiner Ex ab.

Ein zweites interessantes Detail ergab sich viele Jahre später als meine Mutter Thomas auf einem heimischen Fest wiedersah. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits laut über eine Anzeige nachgedacht, ich war Mitte zwanzig. Meine Mutter fragte ihn dort ganz direkt, ob an meinem Vorwurf was dran sei. Er antwortete ihr, er hätte mich nie unsittlich berührt. Als mir meine Mutter das in einem Telefonat erzählte, fragte ich sie warum sie ihn nach all den Jahren das fragt, wenn sie doch so überzeugt sei, ich würde lügen. Diese Antwort ist sie mir bis heute schuldig.

Heute

Diese Reaktionen des Umfelds waren der eigentlich Auslöser für meine Diagnose. Posttraumatisches Belastungssyndrom.

Meine Therapeutin sagte mir nach der ersten Phase der Therapie es macht Sinn weiter zu machen. Allerdings eher um mich auf eine stationäre Behandlung vorzubereiten und mit mir eine eventuelle strafrechtliche Verfolgung in Angriff zu nehmen. Mir fehlt das Grundvertrauen in andere Menschen, was eine ambulante Therapie sehr schwierig macht. Ich willigte ein, ließ aber das Ergebnis offen. Ich habe mich im Laufe der Therapie, nach einem Gespräch mit einem Anwalt, gegen eine Anzeige ausgesprochen, die stationäre Behandlung ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Den Missbrauch habe ich zum Therapiebeginn bereits verarbeiten können. Ich war über den Punkt der Schuld hinaus. Mir war rational bewusst, dass man als Kind nicht so berührt werden will oder sexuelle Handlungen an einem erwachsenen Mann durchführen möchte. Dieses rationale Wissen war nur noch nicht durchgedrungen zu meiner Seele und selbst heute, nach mehr als einem Jahr Therapie, ist es das nicht  ganz.

Im übrigen: Ein halbes Jahr nach Therapiebeginn schmiß ich meinen damaligen Freund im hohen Bogen raus. Ich bat ihn seine Sachen zusammen zu suchen und zu verschwinden. Mein Maß war voll, meine Grenzen schon sehr ausgereizt. Mir war nie klar, wie wenig ich auf mich achte um von anderen gemocht zu werden. Ich habe ihn danach nicht noch mal wieder gesehen.

Heute bin ich ein glücklicher Mensch. Ich weiß mich trifft keine Schuld und ich habe in all den Jahren ein distanziertes Verhältnis zu meiner Familie aufbauen können. Zu meinen damaligen Freunden (z.B. Hanni und Nanni) habe ich nahezu keinen Kontakt, was mich nicht mal ein bisschen traurig stimmt.

*Name geändert

Kommentare
  1. Libellchen sagt:

    Es ist echt heftig wieder mal zu lesen, wie ignorant die Menschen oftmals sind. Aber schön zu sehen dass man, trotz eines immensen Widerstandes der Umwelt, es schaffen kann ein normales Leben zu führen. Das ihr das Nicht-Glauben ihrer Umwelt offensichtlich mehr Schaden zugefügt hat, als der Missbrauch, kann ich verstehen. Wenn es einem schon schlecht geht, hofft man auf Unterstützung von Menschen die man liebt – Mutter. Wenn dies nicht passiert, kann man die letzte Hoffnung verlieren.
    Ich hoffe deiner Leserin wird in Zukunft mehr geglaubt und sie wird von Menschen die sie liebt unterstützt.

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  2. Kinch sagt:

    Ich weiß nicht, wie oft ich solche Geschichten schon gehört habe und ich kann
    immer noch nicht glauben, wie scheiße Menschen sein können. Ich verstehe auch
    wirklich nicht, warum das so oft auf genau diese Weise abläuft. Es will mir
    nicht in den Kopf, wie man gerade als Mutter (oder Vater, je nachdem) zulassen
    kann, dass seinem eigenen Kind so etwas über Jahre angetan wird. Und ich
    persönlich finde ja am schlimmsten, dass die eigene Untätigkeit auch über die
    Jahre hinaus bis ins Grab rationalisiert, klein geredet oder geleugnet wird.

    Ich habe wirklich noch nie gehört, dass sich eine von den Passiv-Tätern jemals
    entschuldigt hätte; dazu ist die Verdrängung und Ignoranz wohl einfach zu
    stark. Bei den eigentlichen Tätern kann ich das ja sogar nachvollziehen. Das
    sind halt Soziopathen, was will man von denen schon erwarten? Aber ein Mensch
    mit Empathie und (vermutlich) elterliche Fürsorge und Liebe für das eigene Kind,
    sieht sich einfach nicht im Stande einzusehen, dem Kind beizustehen oder
    zumindest sich für die Tatenlosigkeit zu entschuldigen.

    Diese Klatschbase ist ja auch ein Untier. Sowas zu denken ist ja schon dämlich
    und boshaft, aber dem Opfer auch noch in aller Öffentlichkeit so einen Scheiß
    zu fragen… da läuft doch einfach was grundlegend schief in deren
    Sozialverhalten.

    Die Zivilisationsdecke ist wirklich dünn. Manchmal habe ich den Eindruck, die
    Menschen können Empathie und rationales Denken ablegen wie ein Kleidungstück,
    wenn ihnen danach ist. Da fällt mir einfach nur das Klagelied der Antigone ein:
    „Ungeheuer ist viel, und nichts ungeheurer als der Mensch”.

    Na ja, wie auch immer. Super, dass es dir besser geht! Hoffentlich kannste
    mittlerweile normale Kontakte aufbauen.

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    • Kinch sagt:

      Achso ja: Dich zu zwingen, dich beim ihm zu entschuldigen, gehört echt mit zu miesesten, was ich in der Beziehung je gehört habe. Ich denke, es ist wahnsinnig schwer, nach so einer Erfahrung noch gesunde Beziehungen zu führen, weil einem ja sehr deutlich schon als Kind beigebracht wird, dass die eigenen Grenzen nichts zählen; dass die Wahrnehmung „Das will ich nicht” falsch ist. Daher ist es wirklich super, wenn du jetzt lernen konntest, deine Grenzen zu setzen und zu wahren.

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  3. Egoteaist sagt:

    Ich muss bei solchen Schilderungen immer wieder unwillkürlich an einen der besten Artikel zu diesem Thema denken, die ich je gelesen habe:
    http://www.shakesville.com/2009/10/rape-culture-101.html

    Ich hatte es erst neulich, dass sich in einer Diskussion jemand beschwert hat, dass man als Mann ja überhaupt nichts mehr sagen dürfe, weil das sofort frauenfeindlich wäre und die Frau sowieso immer in der überlegenen Position ist, weil sie mal ganz schnell sagen könne, X habe sie missbraucht.
    In solchen Momenten kann der Gesprächspartner nur froh sein, dass die eigene Decke der Zivilisation schwer genug wiegt und man nicht dem Impuls nachgibt, den Genpool durch gezielte Selektion ein wenig aufzuwerten…

    Eines der grundlegenden Probleme bei sexuellem Missbrauch ist (neben der eigentlichen Tat) eben auch der gesellschaftliche Bezug zu diesem Thema. Es herrscht da irgendwie eine ziemliche Ambivalenz vor:
    Einerseits wird das natürlich vehement verurteilt, wenn man es irgendwie entfernt mitbekommt (meist medial) – andererseits wird gekonnt relativiert und abgewogen, sobald es ums persönliche Umfeld geht. Ganz getreu dem Motto:
    „Die Hölle, das sind die anderen.“

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    • Ich habe das Gefühl es hängt sehr davon ab WER beschuldigt wird. Ist der potentielle Täter „ein ganz netter Kerl“ dann „tut der sowas nicht“. Ist es eh jemand der vielleicht sozial nicht so den Stand hat ist derjenige schneller schuldiggesprochen. Das Problem ist ja, dass es Frauen gibt, die bei sowas lügen – wenn es nicht tatsächlich passiert ist, ist es ja auch nicht sonderlich belastend sowas zu erzählen. – Diese Frauen schädigen auf ihre Art die echten Opfer ja auch, weil wenn sowas mal vorkam (und sowas wird ja dann meist ziemlich schnell herumerzählt) wird das gerne mal als Gegenargument bei realen Opfern verwendet – „Weißt du noch, die XY damals? die hat das ja auch nur erfunden um ihrem Ex eins auszuwischen…. “
      Manchmal habe ich das Gefühl, es wird immer den realen Opfern nicht geglaubt. Vielleicht weil die Leute so ein klischeebaleden-dummes Bild davon haben wie ein Opfer zu sein hat Nur dass reale Opfer fast nie so sind.

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      • Egoteaist sagt:

        „Vielleicht weil die Leute so ein klischeebaleden-dummes Bild davon haben wie ein Opfer zu sein hat Nur dass reale Opfer fast nie so sind.“
        DAS trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf.
        Viele Menschen scheinen zu glauben, dass die Betroffenen danach den ganzen Tag nur noch weinend in der Ecke sitzen und mit niemandem mehr reden und man so ganz klar erkennen könne, dass etwas nicht stimmt.
        Dass aber häufig eher das Gegenteil eintritt, nämlich ein gesteigerter Aktionismus und eine nach außen hin scheinbar größere Extrovertiertheit, scheinen viele nicht mit ihrem Bild vereinbaren zu können. Dass das freilich meist nur dazu dient, nicht verletztlich zu erscheinen, sich die Scham zu ersparen, sich damit nicht auseinandersetzen zu müssen und auch eine Art Fluchtreflex darstellt, erkennt man am Ende nur, wenn die Betroffenen sich dazu entschließen, ihre Erfahrungen zu teilen – denn wenn man es wirklich darauf anlegt, wird das Umfeld nichts davon merken. Die Schutzmechanismen sind dafür viel zu gut.

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  4. Egotheist sagt:

    „Sie haben doch eine Tochter?! Passen Sie gut auf sie auf.“

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  5. Traurigkeit sagt:

    Es geht noch viel schlimmer! Wenn Opfer noch Jahre später von eigentlichen Helferinstitutionen (hier Jugendamt, bei dem Hilfe gesucht wurde) terrorisiert werden. Und Richter blind dem Amt glauben, das Opfer hängen lassen und für die Folgen (hier eine psych. Erkrankung (PTBS) bestrafen.

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