Nicht nur eine Feminismuskritik diesmal, aber auch.

Es gibt viele Konzepte und Theorien, die nahelegen wie stark uns unser eigener Glaube an uns selbst beeinflusst – und wie stark dieser Glaube wiederum davon beeinflusst wird, was andere über uns denken und von uns erwarten.

Etwa die Selbstwirksamkeitserwartung: „Untersuchungen zeigen, dass Personen mit einem starken Glauben an die eigene Kompetenz größere Ausdauer bei der Bewältigung von Aufgaben, eine niedrigere Anfälligkeit für Angststörungen und Depressionen und mehr Erfolge in der Ausbildung und im Berufsleben aufweisen“ (Quelle: Wiki * Sorry für die wikiquellen, aber das ist echt die einfachste und schnellste Art Infos zu präsentieren wenn man nicht 3 Stunden auf google scholar Originalartikel wälzen möchte, nur um am Ende dasselbe zu schreiben wie wiki^^)- Quellen von Selbstwirksamkeit sind u.a. auch das, was uns andere über uns vermitteln, sprich: „Ich glaube an dich“ oder „das schaffst du nicht“ beeinflussen wie wir uns selbst sehen und damit auch wie erfolgreich wir tatsächlich Handeln.

Oder auch die Bedrohung durch Stereotype. Forschungen zeigen, dass wenn negative Stereotype über unsere Leistungsfähigkeit aktiviert werden, wir tatsächlich weniger leisten. Beispielsweise wenn Frauen vor einem Mathetest an das Stereotyp erinnert werden, dass Frauen schlechter in Mathe sind – während die unbeeinflussten Frauen gleich gut wie Männer waren, schnitten die beeinflussten Frauen schlechter ab.

In diesem Rahmen könnte man auch die Zielsetzungstheorie bemühen, die besagt, dass wenn Menschen hohe Ziele vorgegeben werden, diese auch mehr erreichen als wenn weniger von ihnen erwartet wird.

Was diese Theorien verbindet ist u.a. die sich selbst erfüllende Prophezeiung, die vereinfacht besagt, dass unsere Erwartungen an eine Person diese so beeinflussen, dass sie sich tatsächlich unseren Erwartungen gemäß verhält. Als Beispiel „Ein klassisches Experiment wurde 1968 von Robert Rosenthal an US-amerikanischen Grundschulen durchgeführt: Zunächst überzeugte er mit einem Scheintest das Kollegium davon, dass bestimmte, von ihm zufällig ausgewählte Schüler so genannte hochintelligente „Aufblüher“ seien, die in Zukunft hervorragende Leistungen zeigen würden. Bei einer Intelligenzmessung am Schuljahresende hatten sich die meisten dieser Schüler tatsächlich im Vergleich zu ihrem am Anfang des Schuljahres erfassten Intelligenzniveau stark verbessert (45 Prozent der als „Überflieger“ oder „Aufblüher“ ausgewählten Kinder konnten ihren IQ um 20 oder mehr Punkte steigern und 20 Prozent konnten ihn gar um 30 oder mehr Punkte steigern). Dieser nach ihm benannte Rosenthal-Effekt wurde seither viele Male repliziert.“

Am Ende bedeutet dies, dass wir stark davon beeinflusst werden, wie andere uns wahrnehmen und was sie von uns erwarten, so dass diese Erwartung sich oft in Realität verwandelt.

Kommen wir mit diesem Wissen im Hinterkopf nun zu unserem Umgang mit Missbrauchs- und Vergewaltigungsbetroffenen. Wie sehen gängige Stereotype in der Gesellschaft (und auch oft im Feminismus, der ja hier die Opferseite vertreten will) aus?

– das Leben für immer zerstört

– nie wieder ein „normales“ Sexualleben, sprich: Freude am Sex

– traumatisiert, psychisch krank, „beschädigt“

sind nur einige davon. Häufig wird sogar in Begriffen wie „Mord an einer Kinderseele“ gesprochen.

Was passiert mit einem Kind, das noch weit beeinflussbarer ist als ein Erwachsener, dem man erzählt, dass seine Seele nun tot ist, weil ihm etwas schlimmes passiert ist? Und wer nun sagt „Na ja, das sagt man einem Kind ja nicht ins Gesicht“… Tatsache ist, ein Kind kriegt sowas mit, denn selbst wenn es nicht verbal damit konfrontiert wird, wird das nonverbal deutlich kommuniziert. Und oft hören Kinder eben doch das ein oder andere, das nicht für ihre Ohren bestimmt war.

Dieses Kind wächst nun in einer Umwelt auf, in der alle oder zumindest wichtige Bezugspersonen die Erwartung haben, dass es als Missbrauchsopfer garantiert irgendwie „geschädigt“ ist. Und es hört, wie wir am Stammtisch aber auch im öffentlichen Diskurs von Kinderschändern reden, die Kinderseelen zerstören. Woher soll da das Bewusstsein kommen „Mir ist etwas schlimmes passiert aber ich kann trotzdem ein zufriedenes Leben führen“?

Es ist unser Umgang mit Vergewaltigung und Missbrauch, der mit dafür sorgt ein Opfer ein zweites Mal zum Opfer zu machen. Sexualstraftaten werden mystifiziert zu diesen unaussprechlichen Schrecknissen.

Ist es da ein Wunder wenn Opfern nicht geglaubt wird? Oder wenn Opfer sich selbst nicht glauben? Wir haben so ein starres Bild von Opfern, dass wir Betroffene zwingen entweder dem zu entsprechen oder kein richtiges Opfer zu sein. Viele Missbrauchsopfer haben ein regelrecht schlechtes Gewissen fröhlich zu sein, da es mit dem Bild eines „richtigen Opfers“ kollidiert und die Frage aufwirft, ob man vielleicht gar kein richtiges Opfer war, ob man nicht irgendwie doch selbst schuld ist.

Wofür ich plädiere ist kein herunterspielen, kein verharmlosen, kein nicht-ernst nehmen des Erlebnisses. Das Erlebnis selbst und die Gefühle in dem Moment sind, wie sie sind und niemand hat das Recht hier mit „Du übertreibst“ oder „So schlimm ist das doch nicht“ zu reagieren. Es darf aber nicht sein, dass die Konsequenzen einer Sexualstraftat so behandelt werden, wie das derzeit der Fall ist. Betroffen zu sein von einer Sexualstraftat ist kein Lebensschicksal, nichts was dazu führt, dass man unvermeidbar für immer „geschädigt“ ist. Man kann sexuell missbraucht worden sein und dennoch später Vertrauen haben und Sex genießen. Manchmal braucht es eine Therapie dazu.

Wir müssen aufhören Missbrauch und Vergewaltigung in dem Maße zu mystifizieren und zu tabuisieren wie wir es tun. Die Haltung sollte eher darin bestehen vollkommen anzuerkennen, dass etwas schlimmes passiert ist und gleichzeitig zu vermitteln, dass dennoch eine glückliche Zukunft möglich ist – Auch nonverbal durch unser Verhalten.

Das war die Gesellschaftskritik. Die Feminismuskritik muss noch etwas deutlicher ausfallen, da hier explizit Position der Opfer bezogen werden will aber  durch die Art wie das geschieht völlig übers Ziel hinausgeschossen wird. Nicht nur, dass jedes „auf die Titten glotzen“ zum sexuellen Übergriff hochgespielt wird, nein auch die Art das Thema zu behandeln ist daneben. Triggerwarnungen wohin man schaut sobald auch nur ansatzweise sowas wie sexuelle Belästigung im Raum stehen könnte, Vergewaltigung wird nicht einmal ausgeschrieben weil es für die Betroffenen zu schmerzhaft ist dieses Wort auch nur zu lesen (Hallo? Mal überlegt was damit vermittelt wird wenn es schon zu schlimm ist so ein Wort zu lesen?) und Gott bewahre wenn jemand einen Witz über Vergewaltigung macht. Es ist ja nicht so dass Witze seit Jahrhunderten eine Bewältigungsstrategie sind um schlimme Dinge kleiner zu machen und verarbeiten zu können.

Frauen (natürlich ausschließlich Frauen) werden dazu ermutigt, den Begriff „Vergewaltigungsopfer“ bereits bei der kleinsten wahrgenommenen Grenzüberschreitung für sich in Anspruch zu nehmen und bereits eine unangenehme frauenärztliche Untersuchung wird mit einer Vergewaltigung gleichgesetzt (Das stieß mir damals beim verlinkten Artikel ziemlich auf aber ich habe ihn damals trotzdem verlinkt weil ich das Thema wichtig fand. In den Kommentaren liest sich dann aber z.b. folgender Dialog: „Oh mein Gott, bitte hört auf, denn ich lese das ständig, alles sofort mit Vergewaltigung zu vergleichen. Wenn es nicht tatsächlich um Vergewaltigung geht, sprecht nicht davon. Das schlägt Vergewaltigungsopfern so ins Gesicht, das ist so abartig…“ – „Betroffene sexualisierter Gewalt benennen das unterschiedlich. Wenn meine Freundin transvaginale Ultraschalle mit Vergewaltigung vergleicht, bitte ich, das als ihren Umagng damit zu respektieren.“). Und definiert Frau sich erstmal als Vergewaltigungsopfer wird ihr praktisch vermittelt, dass sie nun nicht einmal mehr das Wort Vergewaltigung lesen kann ohne zusammenzubrechen. Danke Feminismus, das ist wirklich hilfreich.

Nochmal: man kann auch nonverbal (oft sogar intensiver als verbal) eine Erwartung vermitteln. Und die Erwartung, die ihr mit dem extremen Umgang und den Samthandschuhen vermittelt, ist leider sehr klar – selbst wenn das vermutlich in der Form nicht beansichtigt wird.

Kommentare
  1. Peter Panther sagt:

    >Man kann sexuell missbraucht worden sein und dennoch später Vertrauen zu Männern haben und Sex genießen.

    Ich finde es tröstlich, dass jemand, der von einer Frau missbraucht wurde, wieder Vertrauen zu Männern aufbauen kann.

    Autsch.

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    • Hmmmm, Klischee im Kopf gehabt:/ Ich ändere das.

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    • Ich muss nochmal revidieren. Es war OK das geschlechtsneutral zu formulieren damit kein Mann darüber stolpert aber de facto ist es falsch diesen Blog geschlechtsneutral zu schreiben.
      Es geht explizit um weibliche Opfer hier, das zu neutralisieren wäre auch wiederum falsch.
      Männliche Opfer stehen gesellschaftlich vor einem anderen Problem, nämlich dass ihnen der Opferstatus gar nicht zuerkannt wird. Während ein weibliches Opfer, wenn es den Status erstmal hat, zu tode betüddelt wird, kriegt ein männliches Opfer den Status gar nicht erst.

      Der Umgang ist da eher „sei doch froh, ist doch geil“, „du glückspilz“ o.ä. (sofern von einer Frau vergewaltigt) oder eben „isdochnichsoschlimm“ – also quasi genau das Gegenteil des obigen. Nun könnte man sagen „Ist doch dann grade gut, dann werden Männer nicht so negativ beeinflusst wie du es bei Frauen kritisierst“, aber das stimmt so eben auch nicht. Wenn einem ein negatives Erleben komplett abgesprochen wird ist das auch verstörend.

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  2. Peter Panther sagt:

    >Es geht *explizit* um weibliche Opfer hier, das zu neutralisieren wäre auch wiederum falsch.

    Ich denke, das war mein Problem mit der Stelle. Es ging nur implizit um weibliche Opfer.

    Nö, muss ich auch revidieren. Es war gar kein „Problem“, das ich mit der Stelle hatte. Aber das Internet macht es halt so leicht, wenn einem was auffällt, kurz mal eben zu nörgeln😉

    Hast du den Danisch von gestern gelesen? Er trötet in eine ähnliche Richtung, die Instrumentalisierung von Tabu-Moden: http://www.danisch.de/blog/2013/08/11/vom-zeitgeist-verformt/

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    • Du hast recht, ich hätte das irgendwie kenntlich machen sollen. Jetzt ist es einfach komplett geschlechtsneutral und in den Kommentaren erweitert. Ih hätte auch nicht wirklich von „Männern“ als Opfer schreiben sollen sondern korrekterweise geht es ja um Frauen als Täter, die nicht existierenn. Männer die von Männern vergewaltigt werden existieren ja z.b. eher im Bewusstsein als Frauen die von Frauen vergewaltigt werden. —– sehr komplex das ganze, aber ich will jetzt auch nicht ins kleinste Detail aufdröseln wer jetzt wie von wem belästigt worden sein muss um als Opfer zu gelten (da wären ja noch Trans- und Intersexuelle und… ach). Das Prinzip ist klar.
      Also danke fürs Nörgeln, war gut🙂

      Den Text habe ich nicht gelesen gehabt, ist aber interessant. thx fürs verlinken.

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  3. virtual-cd sagt:

    Der zentrale Satz scheint mir zu sein: „Sexualstraftaten werden mystifiziert zu diesen unaussprechlichen Schrecknissen.“ Und dem Satz stimme ich zu. Das ist es, was derzeit passiert. Mystifizierung durch Unaussprechlichkeit. Was eine schädliche Wirkung hat.
    Man könnte es auch das „Lord Voldemort“-Syndrom nennen.

    Auf einer distanziert-intellektuellen Betrachtungsebene erscheint es einfach nur grotesk. Ist eine Vergewaltigung schlimmer als Mord? Ist sie schlimmer als Massenmord? Ist sie schlimmer als systematischer Völkermord? Gehen wir so mit Auschwitz um? Oder mit der systematischen Vernichtung der Ureinwohner Nordamerikas?

    Es zeigt zunächst einmal eines: Wer so mit Sexualstraftaten und den Opfern umgeht, für den ist Sexualität kein normaler menschlicher Lebensvollzug.
    Gedankenexperiment dazu: Wenn jemand etwas Schlimmes widerfahren ist, sei es durch Unfall oder durch eine Gewalttat, und diese Person dadurch querschnittsgelähmt ist – würden wir dann sagen, wir dürfen Worte wie „Rollstuhl“ oder „Behindertenparkplatz“ weder schreiben noch aussprechen. Schon gar nicht in Gegenwart dieser Person? Wie absurd ist dies? Wo doch gerade der Querschnittsgelähmte mit dem Rollstuhl als Realität in seinem Leben lebt.
    Also, wer so redet und denkt, hat als erstes einmal selber ein … nun, sagen wir mal: angespanntes … Verhältnis zur Sexualität. Und dieses versucht man dann, den Opfern überzustülpen.

    Und etwas kommt noch hinzu: Was ist das eigentlich Ziel, so zu agieren? Was soll damit erreicht werden?
    Von Freud gibt es den schönen Satz: „Man achte auf die Wirkung und man hat das eigentliche Motiv.“ Ich halte es im Kern für einen ziemlich eitle Form der Selbstinszenierung. Die Überbringerinnen dieser Botschaft wollen sagen: „Seht her! Ich bin SOOOO sensibel. SOOOO reflektiert. SOOOO moralisch überlegen. Ausweislich meiner Triggerwarnungen. Auf jeden Fall bin ich aber moralisch wertvoller als DU!“

    Sie benutzen die Opfer von sexueller Gewalt, denen tatsächlich etwas schlimmer widerfahren ist, für ihr eigenen EGO-Boosting.

    Das stößt mich ab. Diese innere Haltung dahinter. Ich halte sie für unehrlich, verlogen und bigott. Und für nicht hilfreich für die Betroffenen aus den hier genannten Gründen.

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    • Ich glaube, hier müsste man nochmal verschiedene Motive trennen.

      1. Selbst Betroffene/Traumatisierte die ihre eigenen Traumata verallgemeinern und in der Gruppe zum Extrem werden

      2. Ausnutzer, die sich durch das besonders super damit umgehen profilieren wollen und das Leid von Opfern instrumentalisieren

      3. Mitläufer, die die Regeln der Szene ohne zu hinterfragen umsetzen weil sie Teil der Gruppe sein und nicht anecken wollen.

      4. Menschen mit eigener feministischer Agenda, die das akzeptieren und mitmachen um ihre eigenen feministischen Ziele durchzudrücken und die Unterstützung der Gruppe nicht zu verlieren

      So ähnlich ist es auch in der Gesellschaft, ist also kein spezifisch feministisches Problem. Auch allgemein ist es teilweise „in“ sich besonders betroffen zu geben um darzustellen was man doch für ein mitfühlender, toller Mensch ist.

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  4. Neuer Peter sagt:

    Vielen Dank, du sprichst mir aus der Seele!

    Eines noch: Ich dachte, der stereotype threat tritt nur bei positiven Zuschreibungen zu Tage und gerade eben nicht bei negativen? Ich werde mir das noch mal genauer anschauen müssen.

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  5. Würde mich interessieren, ob es da psychologische Ansätze gibt, die bei der Behandlung von vergewaltigten Frauen in diese Richtung gehen, also gerade die Opferrolle vermeiden wollen.

    Allgemein gibt es glaube ich kaum eine Richtung, die Vergewaltigung so stark als Gefahrenquelle ausbaut wie der Feminismus. Was erstaunlich ist, weil ja nach dortigen Theorien gerade die Angst vor einer Vergewaltigung ein Machtmittel des Patriarchats ist, um Frauen unter Kontrolle zu halten.

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    • honeyinheaven sagt:

      Wenn du Opfer einer solchen Tat warst, wirst du vermutlich – ich kann das zum Glück nicht wissen – dich auch als Opfer fühlen. Manche Menschen werden damit fertig, andere leider nicht. das gilt auch für andere extreme Erlebnisse. Nimm mal den extrem hohen Anteil von Suiziden von Holocaust-Überlebenden, teilweise einige Jahrzehnte nach ihrer Befreiung. Die Leute konnten die „Folter“ nie mehr abschütteln.
      Was an jener feministischen Theorie so grundfalsch sein soll, ist mir allerdings nicht klar.

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      • „Die meisten Holocaust-Überlebenden sind betagt und können auf ein reichhaltiges Leben zurückblicken: Viele waren trotz schwerster Traumatisierungen in der Lage, neue Familien und Existenzen zu gründen. Sie sehen sich selbst nicht als Leidende in einem krankhaften Sinn und haben ihr Leben ohne psychologische Hilfe meistern können.“ aus:http://www.ai-aktionsnetz-heilberufe.de/texte/texte/sammelband_2000/Ludewig.pdf

        Das ist das Entscheidende: sie sahen sich selbst nicht als Leidende, als Opfer! Hätte es ihnen im Leben wohl geholfen, die „Opferrolle“ für sich anzunehmen und sich den Schmerz immer und immer wieder zu vergegenwärtigen? Ich denke nein – vor allem mit Blick auf die suizidale Gruppe, die über keinen solchen Verdrängungsmechanismus verfügte – therapiert oder untherapiert.

        Allerdings steht in der Studie auch (und du erwähnst es): Es lässt sich eine „Retraumatisierung im Alter beobachten, die u.a. durch äußere Erlebnisse wie der Golfkrieg in Israel oder durch antisemitische Stimmungen in der Schweiz ausgelöst wurde. Diese Retraumatisierung kann aber
        zugleich durch die intensivere Beschäftigung mit der Vergangenheit in hohem Alter bedingt sein.
        Die Beschäftigung mit der Vergangenheit im fortschreitenden Alter ist ein normaler psychischer Prozeß. Nur haben Holocaust-Überlebende keine normale, sondern eine traumatische Vergangenheit.“

        Nun suchten die mittlerweile 80jährigen psychologische Hilfe. Das heißt: nur das „Opfer“ selbst entscheidet, wann es Opfer sein will und Hilfe braucht. Möglicherweise war es für diese Überlebenden außerordentlich wichtig, sich nicht als Opfer, sondern als „selbstwirksam“ zu erfahren und sogar stolz auf ihr gemeistertes (Über-)leben zu sein. Will sagen: keiner hat das Recht, mit dem Finger zu zeigen und zu sagen „seht her, das arme Opfer, wie tragisch“… außer die Person selbst.

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    • Soweit ich weiß gibt es das nicht explizit als Therapiekonzept aber ich würde sagen, Traumatherapie im Allgemeinen ist darauf ausgerichtet ein Gefühl von Kontrolle wiederherzustellen. Es wird z.b. immer wieder der Unterschied im Erleben „das war damals und jetzt ist jetzt“ gespürt. Also ganz bewusst, dass es jetzt vorbei ist. Nach einem Trauma verharrt der Körper oft im Alarmzustand und der kann Jahre andauern. Das bedeutet, dass Traumatisierte oft sehr schreckhaft sind oder plötzlich wieder in die Situation zurückversetzt sind. Deshalb ist grade dieser Unterschied und dieses Spüren jetzt sicher zu sein sehr wichtig. Also quasi „Ich WAR ein Opfer. Jetzt habe ich die Kontrolle darüber was passiert.“

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  6. honeyinheaven sagt:

    Ich weiß über die tatsächlichen seelischen Schäden nach solchen Taten viel weniger als du, weil mir auch jegliches Fachwissen fehlt. Und was du bis Teil Eins (bis zum Feminismus) schreibst, dem stimme ich zu. Eine Anregung aber: So wie du damit Recht hast, dass es viele Opfer gibt, die danach ein „normales“ (Sexual)-Leben führen können, darf man auch nicht die aus dem Blickwinkel verlieren, die es nicht mehr können und deren Seele vielleicht doch irreparabel geschädigt ist. dabei sei auch an die Opfer ritueller Gewalt gedacht, die bereits im Baby und Kleinkindalter missbraucht wurden. Eine multiple Persönlichkeitsstörung ist, wenn ich das Buch richtig verstanden habe, nicht mehr rückgängig zu machen, zumindest nicht in dem Sinne, dass diese Menschen wieder zu einer Person werden. Was ich sagen will – man sollte dann aufpassen, dass sich die Menschen, die nicht damit umgehen, es nicht überwinden können, sich nicht noch schlechter fühlen, indem man mit dem Finger auf sie zeigt und sagt: „Nun ist es erledigt, Person X hat es ja auch geschafft, das hinter sich zu lassen.“
    Zum zweiten Teil eine etwas unwichtigere Frage, die mich aber doch interessieren würde: Gesetzt den Fall, du sitzt in der S-Bahn und ein Typ, der dein Großvater sein könnte, glotzt dir unablässig auf die Brüste. Laut deiner Threads ist es dann ja falsch, sofort etwas sexuelles dahinter zu vermuten. Wie würdest du ales reagieren?

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    • „Seele vielleicht doch irreparabel geschädigt“ Seele sind keine Glühbirnen oder andere Gegenstände. Solange der Mensch lebt ist er lebendig. Ein krumm gewachsener Baum ist ja deshalb auch nicht schadhaft weil er nicht schnurgrade gewachsen ist. soll heißen, wir haben ja noch nicht einmal eine Definition davon wie ein gesunder Mensch zu ticken hat. Wir wissen nur, dass gewisse Symptome wie Schlaflosigkeit, Grübeln, Ängste oder Flashbacks unangenehm sind und beseitigt werden sollten damit es der Person besser geht. Aber darüber hinaus… unser ganzes Wesen ist darauf ausgelegt schlimme Dinge zu verkraften, sei es physisch oder psychisch. Das gehört irgendwo dazu zum Menschsein. Das bedeutet nicht, dass es OK ist vergewaltigt zu werden aber es bedeutet, dass ein Mensch deshalb nicht „kaputt“ ist weil ihm sowas passiert. Eine meiner Freundinnen hat mir übrigens erzählt, dass sie unter einer multiplen Persönlichkeit gelitten hat und wieder zu einer Person wurde. Ich kenne sie erst seit wenigen Jahren, also nach der „Wiedervereinigung“, aber ich glaube ihr. sie meinte aber auch, dass diese Fälle extrem selten sind.

      Im Endeffekt trägt halt jeder, der sowas sagt wie „ja, aber viele sind halt doch irreparabel geschädigt und haben nie wieder spaß am sex“ dazu bei, genau dieses Denken zu verfestigen. Es stellt diesen Zustand quasi aktiv her.

      Zur Frage mit dem Opa der mir auf die Titten glotzt… es wäre mir egal. Ja wirklich, es würde mich nicht stören solange er nicht versucht mit mir zu interagieren, sprich mich anzusprechen oder bewusst meine Aufmerksamkeit erregen wollen. Von mir aus darf jeder meine Titten beglotzen, der das möchte. Mir entsteht dadurch kein schaden, es wird mir ja nichts weggekuckt. Und ob das bei den Leuten sexuelle Gefühle auslöst und sie sich abends dann auf den Anblick einen schrubbeln ist mir ehrlich gesagt wurst. Ich verstehe wirklich nicht diese Aufregung, die manche da ergreift wenn jemand ihnen auf die Brüste schaut. Was ist daran denn schlimm?

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      • honeyinheaven sagt:

        Okay, das mit der Seele habe ich wohl nicht sehr gut ausgedrückt. Es ist wohl so, dass die allermeisten danach theoretisch wieder ein normales Leben führen können. Mir ging es eben nur darum, dass es eben auch welche gibt, die kaum oder gar nicht damit fertig werden. Und die sollten dann nicht noch zusätzlich zu allem anderen das Gefühl haben, dass sie deswegen irgendwie „versagen“ oder „versagt“ haben.

        Deine andere Einstellung finde ich krass. Es ist deine und sie mag bewundernswert sein, aber ich denke, frau tickt nicht automatisch falsch, wenn sie auf solche Belästigungen nicht so locker reagiert wie du. Das ist schon außergewöhnlich. Im Übrigen finde ich einfach, dass frau ein Minimum an Benehmen noch irgendwo voraussetzen kann. Und dieses Minimum ist bei solchen Typen klar unterschritten. Und bevor jetzt wieder bestimmte Leute mit einem Link kommen – ja, eine Frau, die einem Mann in den Schritt starrt, würde ich ebenso negativ beurteilen. Aber da wären wir dann wieder beim Problem der Häufigkeit.

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        • Ich finde es nicht bewundernswert, es regt mich halt einfach nicht auf. Mich würde ja wirklich mal interessieren was daran schlimm ist wenn einem jemand auf die Brüste schaut. Vor allem scheint es ja relevant zu sein ob es ein alter Mann ist… warum ist das denn für dich schlimm?
          Ich finde halt dieses Konzept vom „belästigt werden“ wenn jemand schaut irgendwie komisch. Es gibt sicher auch Menschen (Gläubige oder konservative oder..) die sich von einem Ausschnitt belästigt fühlen, aber denen sagt man ja auch, dass sie damit leben müssen. Ich sehe es halt so, dass man auch damit leben muss dass einen Leute anschauen wenn man raus geht. Selbst wenn sie starren.
          Aber mal ehrlich, würdest du dich auch belästigt fühlen wenn es ein offensichtlich geistig behinderter Mensch wäre, der auf deine Brüste starrt? Am Ende geht es doch eher darum, dass jemand sexuelle Gefühle haben könnte. Aber warum wäre das schlimm? Ich muss mich ja nicht darum kümmern sie ihm zu erfüllen und wenn ihn meine Brust glücklich macht… bitteschön^^

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          • honeyinheaven sagt:

            Es nist immer ekelhaft, aber wenn der Altersunterschied entsprechend groß ist, ist es noch widerlicher.

            Mit fünfzehn kann ich einem Gleichaltrigen fragen, warum er so blöd schaut. Aber ich hätte es nie bei einem Mann gekonnt, der älter ist als mein Dad. Und damit habe ich auch jetzt mit achtzehn noch Schwierigkeiten. Und genau das spüren diese Mistkerle und nutzen es aus.

            Ich mag es grundsätzlich nicht, angestarrt zu werden. Es ist unhöflich und widerlich. Und ich bin nicht dazu da, die sexuellen Träumer alter Typen anzuregen. Wenn einer diese Bedürfnisse hat, soll er ins Internet gehen oder sich Hefte kaufen. Ich betone das Alter auch deshalb, weil es bei mir fast immer alte Knacker sind.

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            • Ja, aber WAS ist daran schlimm? Ganz im Ernst, ich frage das weil ich es wissen will.

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              • honeyinheaven sagt:

                Es macht mich unsicher. Es macht mich nervös. Es ekelt mich an. Es erinnert mich auch an eine Zeit in der Schule, die ich gerne vergssen möchte. Und ich werde nie verstehen, dass Menschen sich nicht soweit im Griff haben.

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                • Ich denke, das sind die Gründe die viele Frauen dafür haben wenn es sie stört.
                  Trotzdem ist das ja nicht „nötig“, denn am Ende hat es ja keinen realen Einfluss auf mich wenn jemand meine Brüste (oder sonstwas) anschaut. Eklig wird es ja erst dann wenn man selbst quasi „miteinsteigt“ und sich im Gegenzug überlegt was diese Person nun möglicherweise für sexuelle Fantasien mit einem haben könnte.
                  Angeschaut werden ist ja nicht per se was ekliges. Ich denke, wenn du wüsstest dass dich ein Mann so anstarrt weil du seiner verstorbenen Tochter sehr ähnlich siehst fändest du das vermutlich nicht eklig sondern maximal traurig. Oder wenn du wüsstest, dass er überlegt ob seiner Enkelin dein Oberteil wohl gefallen würde und er sich überlegt dich zu fragen wo du es gekauft hast.
                  So gesehen wird es doch erst dann eklig und unangenehm wenn du anfängst dich in dein Gegenüber hineinzuversetzen und dich aus seinen vermutlich widerlich-lüsternen Augen zu sehen.
                  Ich glaube, der einzige Unterschied ist, dass es mir relativ schnuppe ist und ich mir deshalb gar nicht erst überlege was mein Gegenüber grade denken könnte.

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                  • honeyinheaven sagt:

                    Anschauen ist schon die falsche Bezeichnung. Wenn man unter Menschen ist, schaut natürlich jeder jeden mal an. Und ich habe mich hier auch nie aufs „Hinterher-Schauen“ bezogen, wie es mal in anderen Kommis behauptet wurde. Mir geht es ums gezielte, Minuten lange „Angestarrt-Werden“. Und zwar von Leuten, die mit nur einer minimalen Brise an Selbsteinschätzung sich ausrechnen können, dass ich a.) nichts von ihnen will und es mir b.) sehr unangenehm ist, wenn sie starren.
                    Die Beispiele, die du bringst, könnten natürlich alle sein. Nur wie wahrscheinlich sind sie denn? Wie oft hast du früher oder bekommst du heute von deinem Opa ein Top geschenkt? Wieviele Männer haben eine Tochter verloren, die ausgerechnet aussieht wie ich und die dann auch noch ausgerechnet in derselben Stadt gelebt hat? Geistig Behinderte gibt es natürlich eher mal, selbst dann, wenn ich die BILD-Leser nicht dazu rechne. Aber nochmals die Frage- wie wahrscheinlich ist das? Und ist nicht doch das Sexuelle das natürlich am Nahen Liegendste?
                    Natürlich kannst du sagen: „Mach dich locker, steig nicht darauf ein!“. Aber es bleibt trotzdem einen unglaubliche Ungezogenheit und ein Mangel an Manieren, eine andere Person so derart zu fixieren, und dabei ja genau zu spüren, wie unangenehm dies jener Person ist.

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                    • Ich meinte gar nicht, dass es wahrscheinlich ist dass die Tochter tot ist und der Mann deshalb starrt, ich wollte damit nur ausdrücken, dass Starren an sich ja noch nichts ekliges ist sondern es dadurch eklig wird, dass man darüber nachdenkt welche sexuellen Fantasien das Gegenüber wohl hat. Wüsste man, dass er definitiv keine hat sondern nur überlegt welcher Stoff das Oberteil ist würde man sich wohl einfach denken „OK, soll er halt starren“, aber dadurch dass man sich selbst damit beschäftigt wird es halt unangenehm und eklig – ist zumindest meine theorie dazu^^

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          • kinch sagt:

            „Vor allem scheint es ja relevant zu sein ob es ein alter Mann ist… warum ist das denn für dich schlimm?”

            Wenn ich mir ansehe, wie oft sexuelle Belästigung exemplarisch, an alte, dicke oder sonstwie unattraktive Männer festgemacht wird, habe ich auch das Gefühl, dass es hier auch um das eigene sexuelle Empfinden geht.

            Bei der Bewertung von sexueller Belästigung spielen geschlecht und Attraktivität leider ne große Rolle.

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            • honeyinheaven sagt:

              Wenn frau mit 15 in der S-Bahn Minuten lang vion einem Typen begafft wird, der vom Alter her mindestens der Großvater sein könnte. Wenn dieser Typ dabei blöd grinst und sich die Lippen leckt – dann mag das in deiner Welt ein total normales Verhalten des Mannes sein. In meiner bleibt es sexuelle Belästigung und schlichtweg eine Unverschämtheit!

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              • IULIUS sagt:

                Mit anderen Worten, Dich stört nicht so, daß er Dich anschaut, dich stört, daß Du Dich nícht traust ihm Deine Meinung zu sagen.

                Z. B. „Na Opi, schon wieder das Gebiß vergessen?“

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                • honeyinheaven sagt:

                  Falsch. Natürlich stört mich meine Nicht-Reaktion, die allerdings auch ihre Gründe hat. Aber wir wollen nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Hätte er Empathie und ein Minimum an Erziehung würde er so etwas nicht machen.

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                  • IULIUS sagt:

                    Meiner Meinung nach, schiebst Du Dich hier bewußt/unbewußt in eine Opferposition.

                    Das Verhalten der anderen, auch Dich anstarren, steht in Wechselwirkung mit Deinem Verhalten.

                    Mit einer Opfer-Rolle ziehst Du mehrere Personen-Gruppen an.
                    Einerseits die, die unbedingt helfen wollen (meist um sich über die Helfer-Rolle zu dem Opfer seinen Lasten erhöhen wollen) (Die anderen, die helfen könnten merken, daß Du Dir selber helfen könntest)
                    Anderseits signalisierst Du, daß von Dir keine Gegenwehr zu erwarten ist. (Schließlich sollen andere Dir helfen.)

                    Auch wenn ich dir vor den Kopf stoße:
                    Du bist jung, werde erwachsen und nimm Dein Leben selber in die Hand.

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                    • honeyinheaven sagt:

                      Auch, wenn ich DICH vor den Kopf stoße (ja, unglaublich, so jung, aber sie kann Grammatik ^^):

                      Wenn du so unendlich viel Spaß daran hast, pseudointellektuell zu sein und andere zu analysieren, bietet sich das Studium der Psychologie dafür vorzüglich an😀. Das könnte zwa etwas anstrengender und stressiger sein als Worthülsen im Internet zu verbreiten, aber immerhin besteht die Chance, dass du dann danach davon leben kannst. Viel Spaß beim Studieren und ganz viel Erfolg! Achja, und für die Uni – „ß“ ist nicht mehr ^^.

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                    • IULIUS sagt:

                      Ich versuche Dir etwas zu erklären und Du reagierst völlig unsachlich.

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              • kinch sagt:

                Es ging um die Feststellung, dass bei der Beurteilung des Verhaltens eines Menschen seine Attraktivität eine Rolle spielt. Sonst verstehe ich nämlich nicht, warum sein Alter so ein kritischer Faktor sein sollte.

                Ich habe nirgendso irgendetwas davon gesagt, dass 15 Minuten jemanden zu begaffen ein sozialadäquates Verhalten sein soll und wäre auch froh, wenn du aufhören würdest, solche Aussagen zu unterstellen.

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                • honeyinheaven sagt:

                  Und ich wäre sehr froh, wenn du erst lesen, dann denken, dann schreiben würdest. Ich schrieb, wenn „frau mit 15“. Lies den ersten Satz. Von fünfzehn Minuten habe ich nichts, aber auch gar nichts geschrieben.
                  Seltsam, das so ein Lesefehler ausgerechnet einer Person unterläuft, die hier so ein Vergnügen daran hat, anderen vorzuwerfen, sie würden sich unklar ausdrücken!

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                  • kinch sagt:

                    Stimmt, mir ist ein Lesefehler passiert, der allerdings nicht die geringste inhaltliche Relevanz hat. Warum das Alter der Person ein wichtiger Faktor ist, ist immer noch unklar. Statt auf den Punkt, der jetzt schon zum wiederholten Male, nicht nur von mir, angesprochen einzugehen, pöpelst du nur rum.

                    Da du anscheinend nicht sachbezogen diskutieren kannst oder willst, werde ich in nächster Zukunft nicht mehr das Gespräch mit dir suchen oder darauf auf Gesprächsgesuche eingehen.

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                    • Jynx sagt:

                      @honeyinheaven:
                      Auf bloßes Anstarren so zu reagieren und gleich von „widerlich“ zu sprechen bzw. dass dich das so stark mitnimmt, finde ich ebenfalls übertrieben. Ich halte es da wie EMN bzw. ignoriere sowas. Wenn es mir zu blöd wird, schaue ich einfach zurück – mit ausdruckslosem, ernstem Gesicht und mustere ihn dann ebenso intensiv oder schaue durch ihn hindurch. Keine Ahnung ob es an meinem Gesicht liegt (sehr blass + pechschwarze Augenbrauen), aber auf nicht gerade wenige wirkt das einigermaßen verstörend/einschüchternd/dominant. Jedenfalls klärt sich die Situation dadurch sehr schnell.

                      Keine Ahnung, welche Reaktion für dich hilfreich und sinnvoll wäre, aber mit der „das ist alles so widerlich“-Opferrolle stehst du dir nur selbst im Weg und tust vermutlich dem ein oder anderen Unrecht. Nicht jeder, der männlich ist und dich etwas länger mustert, hat gerade sexuelle Fantasien mit dir in der Hauptrolle. … und persönlich wäre mir auch das egal. Wichtig wäre mir nur, dass die Person eben „nur schaut“ und nicht Körperkontakt sucht etc. – da würde ich dann ernsthaft ungehalten. Naja keine Ahnung – ich bin sehr viel alleine (auch abends/nachts) unterwegs und hatte nie Probleme mit (pardon) „notgeilen Männern“ – auch wenn ich mir manchmal Kommentare anhören darf, dass ich damit mein Schicksal herausfordern und mich nicht wundern brächte, wenn ich dann mal vergewaltigt werden sollte. Ich denke dazu, dass Vergewaltiger keine Zecken sind, die im Gebüsch auf allein umherstreifende Frauen warten. Bisher haben mir meine Menschenkenntnis + Intuition immer gute Dienste geleistet; ich halte auch nichts von Panikmache.

                      Wenn dich das Starren einer Person so sehr an dein negatives Erlebnis zurückerinnert, dann würde es dir vielleicht mehr bringen, zu lernen beide Situationen gedanklich besser trennen zu können usw.. Beides zusammenzuwerfen und die Schuld für die Vergangenheit dann dem starendem Gegenüber vorzuwerfen, halte ich für keine faire und konstruktive Lösung.

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  7. kinch sagt:

    Zu den Triggerwarnungen: Das Konzept ist ja doch etwas anders, als du es hier darstellst. Vor der Darstellungen sexueller Gewalt, etwa bei einem Blog-Artikel über Vergewaltigung, wird nicht deswegen eine Triggerwarnung gestellt, weil das ein so schlimmes Thema ist. Sondern, weil man davon ausgeht, dass es viele Menschen gibt, die einfach Flashbacks bekommen, wenn sie unvorbereitet mit diesem Thema konfrontiert werden.

    Ich finde Triggerwarnungen auch nur bedingt sinnvoll; aber es ist nunmal auch Fakt, dass es für viele Opfer traumatischer Erfahrungen eben Trigger gibt.

    Persönlich habe ich aber auch den Eindruck, dass viele die Triggerwarnungen setzen, den Hintergrund der Warnungen selbst nicht so ganz verstehen.

    Zur Thematik: Hier kommt imho auch etwas böse das Definitionsmacht-Konzept rein. Leider ist das ganze eine Gradwanderung, weil die Argumentation auch leicht für Missbrauchs-Verhamlosung benutzt werden kann, aber ich hatte in einem Missbrauchs-Forum mal folgende Begebenheit: Ein Mädchen hatte ne gewisse Erfahrung gemacht die, allein von ihrer Schilderung her, meiner Meinung nach keine sexuelle Konnotation hatte und auch kein Missbrauch darstellte. Sie selbst war sich nicht sichber, wie sie das zu bewerten hatte und ob das Missbrauch war und fragte ins Forum rein.

    Die Mitglieder waren halt alle sehr unterstützend und hilfreich und sagten sinngemäß: „Ja, klar, war es Missbrauch, sonst würdest du dich ja nicht so unwohl fühlen!”. Die Folge war, dass das Mädchen später im Thread keinen Zweifel mehr daran hatte, missbraucht worden zu sein.

    Ich fand‘ das da auch ziemlich kritisch. Denn es ist durchaus möglich, dass hier einem Menschen völlig grundlos vermittelt wird, jetzt ein Missbrauchsopfer zu sein. Eventuell entwickelt sie dadurch einen Leidensdruck, der nur durch die Reaktionen der Foren-Teilnehmer provoziert wurde.

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    • Du hast recht, Triggerwarnungen sind etwas anders gelagert, ich habe sie aber bewusst mit reingenommen weil sie für mich dasselbe Muster bedienen.
      Ich habe dazu keine Forschungen, frage mich aber ob die Triggerwarnung nicht irgendwann eine ähnliche Funktion wie das Wort Vergewaltigung hat. Die Assoziation wird ja ziemlich klar sein: Triggerwarnung- Vergewaltigung. Das Thema ist doch dann ohnehin im Kopf, egal ob ich nun das Wort gelesen habe oder durch die Triggerwarnung daran gedacht habe. Ähnlich wie beim Pawlowschen Hund mit der Klingel als konditionierter Reiz.
      Zumal ich diese Geste grundsätzlich nutzlos finde, selbst wenn sie wirken sollte. Ich meine, toll, damit sind dann etwa 5% der potentiellen Triggerreize gefiltert (mit Glück) aber zu welchem preis? mit jeder triggerwarnung wird ja suggeriert, wie gefährlich das thema für betroffene ist. sowas prägt sich m.E. eben mehr ein als der potentielle Nutzen dagegen wirkt.

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      • Kinch sagt:

        Ob Triggerwarnungen mehr schaden als nutzen — ich finde, darüber kann man nur schwer argumentieren.

        Es gibt, meiner Meinung nach, ganz klar eine missbräuchliche Verwendung der Triggerwarnungen, ebenso wie es einen inflationären Gewalt- und Vergewaltigungs-Definition gibt.

        Andererseits: Wenn jemand eben durch Schilderungen von Vergewaltigungen Flashbacks bekommt, dann kann diese Person keine Blogs mehr lesen, in denen unter anderem eben auch Vergewaltigungen thematisiert werden. Das Ziel der Triggerwarnungen im Feminismus ist — auch — solche Menschen mit einschließen zu können. Die können dann selbst entscheiden welche Blog-Artikel und welche Ausschnitte eines Artikels sie lesen, ohne mit Flashbacks konfrontiert zu werden.

        Es geht bei Triggerwarnungen ja nicht darum, per se Betroffene von der Thematik zu bewahren, sondern nur die, die auch davon getriggert werden.

        Das Triggerwarnungen missbräuchlich verwendet werden kann man bestimmt so sehen; dass sie per se schädlich sind, würde ich aber zur Diskussion stellen.

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        • Ich stehe Triggerwarnungen einfach grundsätzlich kritisch gegenüber weil ich ihren Sinn nicht sehe. Vermeidung ist bei einem Trauma so dysfuktional… meist engt sich der Handlungsspielraum auf die Art Schritt für Schritt weiter ein. Durch die Warnungen fördert man es zu vermeiden und suggeriert den Menschen auf einer unbewussten Ebene, dass es gut ist zu vermeiden.
          Ich finde, es ist grundsätzlich eine Frage des Respekts vor härteren Inhalten einen kurzen Hinweis zu geben was den Leser erwartet. Aber ich sehe es z.b. nicht ein so einen Text hier mit Triggerwarnungen zu versehen und V**ge****igung oder änliches zu schreiben.

          Wenn jemand traumatisiert ist und durch das Lesen eines Wortes Flashbacks kriegt ist eine Therapie nötig… aber dann liest derjenige auch keine Blogs mehr weil das Wort überall im Internet auftaucht, seis nur auf der Startseite des Mailprogramms in den News, im TV, im Radio, in Unterhaltungen….

          Ich finde es völlig OK und gut wenn man Texte z.b. mit „Ich will in diesem Text über meine Vergewaltigung sprechen“ oder „Es ist vielleicht für manche hart das zu lesen, denn ich schreibe hier über ein schlimmes Erlebnis…“ einleitet – aber das ist dann nicht so „HINT HINT FÜR VERGEWALTIGUNGSOPFER IST DAS GEFÄHRLICH!!!“ sondern eine Info die sich an alle richtet. Ein Vergewaltigungsopfer weiß dann auch was Sache ist, wurde aber nicht extra rausgepickt weil ja so krank und labil sondern einfach weil es zu den Leuten gehört, die unter die Rubrik „sensibel“ fallen.

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          • @EMN
            Ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Text mit Triggerwarnung als viel anstrengender für ein Opfer empfunden würde als derselbe Text ohne.
            Einfach aus der Erwartungshaltung heraus, ok, ich bin Opfer, der Text sagt dass er mich triggern könnte/wird, also muss ich mich anstrengen um nicht getriggert zu werden.

            Obwohl ich ja denke dass Sternchen und Triggerwarnungen eher den Nichtbetroffenen ein gutes Gefühl geben (sollen).
            Es ist auffallend wie viele Menschen ein Problem damit haben, das Wort Vergewaltigung ohne Relativierungen auszusprechen.

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            • Das wäre mal ein interessantes Experiment. Ich kann mir halt vorstellen, dass der obige Effekt zu tage tritt und allein durch die Erwartung schon entsprechende Bilder kommen. „Denk nicht an den rosa Elefanten“ und so.
              Und wenn man nicht getriggert wird ist man ja vielleicht gar kein richtiges Opfer, dann gehts einem vielleicht gar nicht schlecht genug….?

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          • Canuma sagt:

            Wo ich schonmal da bin..
            Persönlich fand ich das Konzept mit den Triggersternchen immer sehr kontraproduktiv, aus zwei Gründen:
            Zum einen sind Trigger etwas sehr individuelles. Farben, Geräusche, Orte, Dinge unterschiedlichster Art könnten Flashbacks auslösen. So etwas generisches wie das Wort „Vergewaltigung“ beispielsweise wird daher i.d.R. zwar u.U maximales Unwohlsein auslösen, aber eher keinen Flashback, weil eben kein wirklicher „Trigger“ da war.
            Im Umkehrschluss habe ich dann aber ganz schnell die Situation, das ich im Grunde völlig unverfängliche Worte spoilern müsste, die für die betreffende Person eben triggern (z.b. Tomate. Weil Tomate ist rot, rot ist Blut, das erinnert an die Vergewaltigung… und ja, das ist ernst gemeint.)
            Da im Diskurs i.d.R. niemand eine Liste mit Triggerwörtern mit sich trägt, ist es daher eigentlich nahezu unmöglich entsprechende Auslöser zu vermeiden.

            Der andere Grund wurde ja auch schon angesprochen, eigentlich sind die Sternchen nämlich ziemlich paradox, da sie den Trigger ja nur verschleiern, aber nicht vollständig unkenntlich machen. Den Effekt den ich dadurch erziele, ist dann der, das ich viel länger an diesem Wort verweile, als ich es sonst würde, wäre das Wort ausgeschrieben. Es gibt in der Sprachwissenschaft Untersuchungen, die zeigen, dass das Gehirn in der Tat länger mit der Verarbeitung von semantischen/syntaktischen Defekten beschäftigt ist.
            Anstatt also einen Trigger zu vermeiden, müsste ein solcher erst Recht ausgelöst werden, da ich das nicht ausgeschriebene Wort erst entschlüsseln muss und die Bedeutung nun die Selbe ist.

            Ich für meinen Teil habe daher die Sternchen immer vermieden und stattdessen einleitend darauf hingewiesen, das der folgende Beitrag inhaltlich vlt. unangenehm sein kann.
            Das scheint mir bisher auch die praktikabelste Methode, da so jeder weiß was nun kommt und selbst entscheiden kann ob man gerade stark genug ist das auszuhalten oder eben nicht.

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  8. ich wollte dir übrigens auf gar keinen fall meinen neuen lieblingsyoutuber (was ich soweit von ihm gesehen habe zumindest!) vorenthalten (echte feministinnen mögen mich steinigen – komm ich gut mit klar! ich bin für MENSCHENrechte!): http://www.youtube.com/watch?v=5eCnmeaoGMA

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  9. Graublau sagt:

    Ich bin völlig platt, was für tolle Texte in diesem Blog erscheinen. Bitte mehr davon!

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  10. Heinz sagt:

    „Ist es da ein Wunder wenn Opfern nicht geglaubt wird?“
    Das könnte auch damit zusammenhängen, dass (etwa) die Hälfte der Anzeigen wegen Vergewaltigung (Frauen die Männer anzeigen) frei erfunden sind – oft aus Eifersucht oder Rache.

    Also ist das sog. „nicht glauben“ also das ermitteln rein rationale Wahrscheinlichkeitseinschätzung.

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    • Hast du dazu auch freundlicherweise eine Quelle oder sollen wir das so als Behauptung im Raum stehen lassen?

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      • IULIUS sagt:

        Im Zusammnenhang mit der Kachelmannprozeßberichterstattung wurden die Zahlen genannt.

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        • Im Zusammenhang mit der Kachelmannprozeßberichtserstattung wurden auch 3% Falschaussagen genannt… merkst selbst dass das nicht wirklich ein nützlicher Kommentar war, oder?😀

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          • IULIUS sagt:

            Hier kann man nachlesen, woher die Zahlen kommen:

            http://www.zeit.de/2011/09/WOS-Kachelmann/seite-1

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            • In den Kommentaren oder im Artikel?

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              • IULIUS sagt:

                Im Artikel Seite 3

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                • „Früher sei man in der Rechtsmedizin davon ausgegangen, dass es sich bei fünf bis zehn Prozent der vermeintlichen Vergewaltigungen um Falschbeschuldigungen handelte, inzwischen aber gebe es Institute, die jede zweite Vergewaltigungsgeschichte als Erfindung einschätzten.“ Das hier? Und die nachfolgende Statistik des Instituts?

                  Na ja, ich würde das jetzt nicht als richtige Quelle sehen, allenfalls als Hinweis. Es steht ja explizit da dass es Schätzungen sind. Mir persönlich reicht es nicht um als Tatsache zu behaupten, dass die Hälfte erfunden sind. Dann finde ich sollte die Formulierung auch entsprechend lauten, dass es dazu Schätzungen gibt (mit Quelle) und nicht „Es ist so“. Dazu wie hoch die tatsächliche Zahl ist kann ich nichts sagen, aber da geht es ja um mehr als um Verletzungsmuster (rein hypothetisch mag es auch tatsächlich vergewaltigte Frauen geben die sich danach selbst verletzen weil sie Angst haben dass ihnen ohne Blessuren keiner glaubt…. nur als Theorie)

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                  • kinch sagt:

                    Lol: Ein Typ ist der Meinung, es gäbe Instituten, die mutmaßen, dass jede zweite Anzeige erfunden ist.

                    Da ist mit das 3%-Märchen noch lieber; da war zumindest klar woher die Zahlen kommen und man konnte auch sich selbst ein Bild davon machen, wie falsch sie sind.

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                  • IULIUS sagt:

                    Hast Du auch den Absatz gelesen?

                    In Püschels Opferambulanz haben sich im Jahr 2009 genau 132 Vergewaltigte vorgestellt: Bei 27 Prozent der Frauen hielten die Ärzte die Verletzungen für fingiert, bei 33 Prozent für echt. Bei den restlichen 40 Prozent haben die Hamburger Rechtsmediziner nicht ermitteln können, wer der Urheber der Blessuren war: der beschuldigte Mann oder das Opfer selbst.“

                    Bei den ganzen Angaben, die ich gefunden haben ist das noch die mit Abstand nachvollziehbarste.
                    Insgesammt dürften die Falschbeschuldigungen sehr hoch sein. Wobei in dem Gebiet nicht von Falschbeschuldigungen gesprochen wird. Das hat wohl seine Gründe darin daß mit dem Thema äußerst vorsichtig umgegangen wird. Denen ist sehr wohl bewußt, daß es auch bei der Bezichtigung einer Falschbeschuldigung zu irrtümern kommen kann.
                    Nur relativ wenig Vergewaltigungsfälle landen beim Gericht. Vielfach wird schon gleich nach der Anzeige aussortiert, ob dem nachgegangen wird. Die Täter werden in den Fällen erst gar nicht zu einer Vernehmung geladen. Ob die Fälle in der Statistik auftauchen ist zweifelhaft, auch habe ich keine Angaben gefunden, wieviel Fälle sofort eingestellt werden.

                    Oft soll die Ursache für eine falsche Anzeige eine psychische Erkrankung der Frau sein.

                    Also alles völlig diffus…

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                  • @EMN
                    *rein hypothetisch mag es auch tatsächlich vergewaltigte Frauen geben die sich danach selbst verletzen weil sie Angst haben dass ihnen ohne Blessuren keiner glaubt…. nur als Theorie*

                    Halte ich für sehr wahrscheinlich, den Gedanken hatte ich auch schon öfter, auch bereits vor der Kachelmann-Geschichte. Auch aus meiner eigenen Geschichte heraus, ich persönlich war für jeden blauen Fleck und jeden Kratzer dankbar, weil er meiner Geschichte Gewicht verlieh.
                    Im allgemeinen Bewusstsein machen die nämlich oft den Unterschied zwischen „die wollte das nicht“ (für viele kein unbedingter Straftatbestand) und einer „richtig echten“ Vergewaltigung, die dann auch einen Straftatbestand darstellt.

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      • Heinz sagt:

        Du sagst auch immer das Selbe dazu selbst wenn dir schon geantwortet wurde…
        https://erzaehlmirnix.wordpress.com/2013/08/15/falschbeschuldigung-bei-vergewaltigung/comment-page-1/#comment-5037

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        • Ganz recht und ich finde es äußerst befremdlich dass ich immer wieder darum bitten muss solche Behauptungen nicht ohne Quelle zu machen. Langsam wird mir das hier wirklich lästig. Es kann doch nicht so schwer sein, wenn man schon meint Zahlen nennen zu müssen, zumindest anzugeben woher man diese bezieht! Herrgott nochmal!

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          • Heinz sagt:

            Abgesehen, dass die regelmäßig genannt werden sind gerade deine Aussagen auffällig dünn mit Quellen belegt (siehe durchschnittlichen Blogpost).

            Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass man nur Zahlen mit Quellen belegen muss?

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  11. Wer als Betroffener wegen Traumafolgestörungen aus Kindheit- und Jugendzeit in Behandlung geht, tut dies nicht nur für ein paar Therapiesitzungen, sondern in den meisten Fällen dauert die Therapie mehrere Jahre, um die schlimmen Ereignisse halbwegs verarbeiten zu können. Warum wir Betroffene von „Seelenmord“ sprechen, haben erfahrene Leute sehr gut beschrieben. Ein Betroffenennetzwerk hat dazu folgendes Positionspapier verfasst:

    Der Begriff „Seelenmord“ wurde von der Autorin Ursula Wirtz geprägt. Wirtz nennt sexualisierte
    Gewalt an Kindern einen „Angriff auf die menschliche Würde, auf die seelische und körperliche
    Integrität und damit die Identität des Kindes“. Das wahre Selbst des Kindes, sein Kern, seine Seele,
    das, mit dem es bereits auf diese Welt kam, werde durch die Übergriffe „ermordet“, so Wirtz. (1)

    Die US-amerikanische Psychiaterin Judith L. Herman beschreibt den „Mord an der Seele“ so: „Das
    sichere Gefühl, mit schützenden und sorgenden Menschen verbunden zu sein, ist die Grundlage der Persönlichkeitsentwicklung. Wird die Verbundenheit zerstört, verliert der Traumatisierte sein
    fundamentales Selbstgefühl.“ (2)

    „Es gibt tatsächlich keine zuverlässigere Methode, einem Menschen die Existenz zu nehmen, als an ihr oder ihm sexualisierte Gewalt auszuüben. Diese Gewaltform ist das wirksamste Vehikel, um einen Menschen zu zerstören“, so die Psychologin Monika Gerstendörfer. (3)

    „Sexualisierte körperliche oder psychische Gewalt gegenüber einem Menschen, gleich welchen Alters und welchen Geschlechts, stellt immer einen massiven Verstoß gegen das jedem Individuum
    selbstverständlich zustehende Recht auf Leben, auf körperliche und psychische Unversehrtheit,
    Intimsphäre und Würde dar“, bringt es die Medizinerin Ingrid Olbricht auf den Punkt.

    Zum vollständigen Link: http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/01/netzwerkB_Positionspapier_Seelenmord__15.01.2011.pdf

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  14. […] und deren großer Macht habe ich bereits einiges geschrieben. Im Buch, aber auch z.B. in diesem Blog. Ein Auszug […]

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