Heute morgen habe ich ein Comic zum Gender Pay Gap gepostet, mit dem Text: “Heute ist Equal Pay Day. Der Comic dazu ist keine Satire und auch nicht witzig, er spiegelt 1:1 die Gespräche wider, die ich dazu führen durfte, u.a. im Rahmen diverser Shitstorms auf Twitter.“…

paygap

… und versprochen, das noch etwas näher auszuführen.

Also zunächst mal: Ich wurde ein paar Mal gefragt, welches meine Position in dem Comic ist, was mich etwas überrascht hat. Vielleicht lag es an den Haaren. Interessanterweise habe ich die Diskussion nun auch schon oft genug mit umgekehrten Geschlechtern geführt, also dass ich als Frau von Männern teils recht stark beschimpft wurde, weil ich einfach nicht einsehen wollte, wie unterdrückt ich bin. Ich bin die Person links im Comic.

Bevor ich mich näher mit Feminismus beschäftigt habe, hörte ich gelegentlich vom PayGap und fand das natürlich unfair. 23% weniger Lohn für gleiche Arbeit? Krass! Aber da ich damals noch in der Schule und später im Studium war, betraf es mich noch nicht so richtig und es war halt eine dieser irgendwie krassen Informationen, die man beiseite schiebt.

Als ich mich dann näher damit befasste, kam ich mir erstmal verarscht vor. Die 23% sind einfach nur der Durchschnittsstundenlohn, unabhängig von Tätigkeit, Arbeitserfahrung, Qualifikation, usw.? Das widersprach sich erstmal vollkommen mit dem ” … für gleiche Arbeit”, das ich immer in Verbindung mit den 23% gelesen hatte.

Wenn man tatsächlich die gleiche Tätigkeit miteinander vergleicht, schrumpfen die 23% auf 7-8% zusammen. Klar, das wäre immernoch eine Hausnummer, wenn es denn stimmen würde, dass wenigstens das rein aufgrund des Geschlechtes der Fall ist. Ist es aber nicht. Denn die Ursache für den unterschiedlichen Verdienst ist zum großen Teil die unterschiedliche Berufserfahrung aufgrund von weniger Berufsjahren (Quelle, Quelle, Quelle). Im Endeffekt ist es so, dass Frauen, die entweder keine Kinder haben oder nur eine kurze Auszeit genommen haben, keinen nennenswerten PayGap spüren (je nach Quelle 0-2%).

Bei sowas fühle ich mich einfach verarscht. Hauptächlich deshalb, weil der Paygap dann als Begründung für alle möglichen Frauenförderungsmaßnahmen wie Quoten herangezogen wird um darzustellen, dass Frauen ja derartig unterdrückt sind, dass sie sogar 23% weniger verdienen und daher auf Förderung angewiesen sind.

Es gibt sicher einige sinnvolle Möglichkeiten, das Problem anzugehen, das eigentlich ein Sozialberufe- und Erziehungsproblem ist. Man könnte Lobbyarbeit für Sozialberufe machen und die Situation für Eltern verbessern. Ich selbst bin Kinderlos, aber meine beste Freundin ist gerade schwanger mit dem ersten Kind, daher kriege ich die ganzen Themen live mit. Sie hat noch keine Ahnung wie lange sie aussetzen will oder muss, und ob sie überhaupt einen Betreuungsplatz bekommt. An der Stelle gäbe es wirklich einiges, was man tun könnte. Auch ganz generell die Förderung von Teilzeitarbeit fände ich begrüßenswert.

Was ich absolut nicht begrüßenswert und im Gegenteil, kontraproduktiv finde ist, wenn die Diskussion darin mündet, das Frauen jegliche rationale Entscheidungen abgesprochen werden, weil wir ja offensichtlich aufgrund unserer sexistischen Gesellschaft nur zu dumm sind, die richtigen Jobs zu ergreifen und statt dessen lieber so Sozialgedöns machen. Die meisten Frauen sind durchaus intelligent genug, im Vorfeld diese Faktoren (geringerer Verdienst) zu bedenken. Dass sich trotzdem mehr Frauen für soziale Berufe entscheiden hängt vielleicht unter anderem auch damit zusammen, dass wir mehr Freiheiten haben. Auf Männern liegt einfach nach wie vor mehr Druck, ordentlich Geld zu verdienen um eine Familie ernähren zu können. In einer Befragung gaben etwa 60% der Frauen an, kein zweites Date mit einem Mann haben zu wollen, wenn dieser weniger verdient als sie (im Gegenzug dazu war es 96% der Männer egal, wenn sie mehr verdiente).

Sicher, das hat etwas mit gesellschaftlicher Prägung zu tun, aber es ist einfach ein Unding, dann nur auf den Verdienst zu schauen und zu folgern, dass es Frauen schlechter geht. Das Leben besteht nicht nur aus Verdienst! Zu einem Beruf gehört noch mehr, als nur das, was hinterher auf dem Lohnzettel steht, und es ist mit Sicherheit nichts verachtenswertes oder dummes, wenn man die Entscheidung trifft, einen Job zu machen, den man liebt, statt eines Jobs, den man hasst, aber für den man am Ende 500 Euro mehr netto bekommt. Es ist offensichtlich so, dass auf Frauen schlichtweg weniger Druck liegt, sich aufs Geld zu konzentrieren. Für einen Mann hängt am Verdienst im Endeffekt auch noch die Chance auf Partnerschaft und das Ansehen. Für eine Frau ist der Verdienst einfach nur der Verdienst. Wir sind freier, uns für das zu entscheiden, was wir lieber tun würden.

Auf dieser Freiheit nun eine Unterdrückung zu konstruieren ist nahezu höhnisch. Es ist nicht so, dass wir aus den hoch bezahlten Jobs rausgedrängt werden, es ist eher so, dass wir es weniger nötig haben, uns dafür zu entscheiden. Was im übrigen auch der Grund ist, dass 90% der tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen. Männer sind überwiegend die, die in echten Gefahrenjobs wie Industriereiniger, Fensterputzer, Soldat, Feuerwehrmann, Dachdecker oder Holzfäller arbeiten. Denkt echt jemand, ein Mann klettert so leidenschaftlich gerne auf lebensgefährlichen Konstruktionen herum, um Abluftfilter oder Fenster zu reinigen?

Wenn wir erzwingen wollen, dass der Paygap kleiner wird, dann bedeutet das im Endeffekt nur, dass auf Frauen ein massiv größerer Druck in Richtung “Berufsentscheidung auf Verdienst ausrichten” ausgeübt werden muss. Tatsächlich ist es momentan nämlich so, dass je freier und gleichberechtigter Frauen sind, diese desto eher “typische Frauenberufe” wählen.

unterschiede-mc3a4nner-frauen-interessen-91

(Quelle)

Die Klagen wegen des PayGaps ist aus meiner Sicht echte Rosinenpickerei. Nicht nur, dass man sich für einen Job entscheidet, den man gerne tut, man möchte hinterher auch noch bemitleidet werden. Dazu sei gesagt, dass ich persönlich keine Frauen kenne, die deshalb klagen. Die Frauen, die ich kenne, stehen zu ihren Entscheidungen. Dazu passt der heutige Artikel auf AllesEvolution, dass 70% der Frauen nicht glauben, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen.

Fazit: Ich bin froh, als Frau weniger Druck Richtung “Job nach Verdienst wählen” zu haben, selbst wenn diese Freiheit dann ggf. dazu führt, dass ich weniger verdiene. Tatsächlich gehöre ich aber rein zufällig auch zu den Menschen, die Geld weniger wichtig finden als einen erfüllenden Beruf und Freizeit. Menschen, und speziell Frauen, die das anders sehen, sind ja vollkommen frei, ihre Karriere am Verdienst zu orientieren.

Und zu den übrigen Punkten im Comic: Ja, sorry, aber genau so laufen “Gespräche” meist ab, wenn ich mich weigere, mich über 23% weniger Verdienst zu beklagen und statt dessen darauf beharre, dass ich als Frau in der Lage bin, Konsequenzen meiner Entscheidungen im Vorfeld zu bedenken. Einen Feminismus, der mich in eine Unmündigkeit und passive Opferrolle zwingen will, brauche ich nicht. Und einen Feminismus, der mich wegen Kritik gleich als Sexistin, Frauenhasserin oder menschenverachtende Maskutussi bezeichnet, erst recht nicht. Es gibt noch einige sinnvolle Anliegen, für die ich mich auch einsetze, z.B. früher das Thema Pille danach (Comic, Comic, Comic), Sexarbeit (Comic, Comic, Comic,Comic,Comic), Slutshaming (Comic,Comic), Vergewaltigungsmythen (Comic, Comic), Belästigung (Comic), Sexismus (Comic, Comic, Comic, Comic) oder geschlechtsssterotype Erziehung und unnötiges Gendern (Comic, Comic), Druck auf Frauen in bestimmten Lebensentscheidungen (Comic, Comic) und wenn ich mal Laune habe, suche ich mal richtig, denn das waren jetzt nur die ersten Comics, die mir über den Weg gelaufen sind. Aber die Genderpaygap- Sache führt nur dazu, dass ich aufhöre, ernsthaft zu lesen, wenn in einem Artikel die 23% hervorgekramt werden, denn dann ist mir klar, dass der Artikel manipulativ wird oder der Autor nicht gut recherchiert. Und ich vermute einfach mal, ich bin nicht die Einzige, der es so geht, denn wenn man sich ein bisschen mit dem Thema befasst stößt man recht schnell darauf, dass die 23% und auch die bereinigten 8% nichts mit “nur weil es eine Frau ist!” zu tun hat, sondern weit komplexer ist. Damit werden dann auch berechtigte Themen, die in einem Atemzug mit diesem Unsinn genannt werden, ins Lächerliche gezogen.

Und es trägt sicher nicht dazu bei, ernst genommen zu werden, wenn auf Kritik am Paygap gleich die Antifeminismus-Keule rausgeholt und geshitstormt wird. Aber ich will mich nicht beklagen, denn für jede Beschimpfung und Beleidigung gab es mindestens 10 Leute, die dadurch aufmerksam wurden und sich mit mir und meinen Comics befasst haben. Was wohl zu einem guten Teil daran liegt, dass die Leute den “Feminismus”, der nur auf Verkürzungen und Empörung fokussiert, einfach satt haben.

Nachtrag: Mir fällt auf, das ich einen Punkt unterschlagen habe, nämlich geschlechtsstereotype Erziehung, die ebenfalls Einfluss auf die Prägung hat und in unterschiedlichem Ausmaß praktiziert wird. Wie in dem verlinkten Comic zum Thema zu erkennen, finde ich diesen Aspekt ebenfalls kritisierenswert und es wäre sicher ein Punkt, an dem man ansetzen könnte. Doch selbst wenn man irgendwann diese Beeinflussungen vollkommen neutral gestaltet, werden im Schnitt vermutlich nach wie vor einige Unterschiede bleiben, die auch aufgrund biologischer Unterschiede bestehen. Dieses Thema wäre allerdings wieder Stoff für fünf Extraartikel.

Kommentare
  1. Alien sagt:

    Klugscheißmodus an: Wenn sie 25 % weniger verdient als er, verdient er 33,33 % mehr als sie. Klugscheißmodus aus.

    Gefällt mir

  2. Neuer Peter sagt:

    Viel bedenklicher finde ich, dass diese Lüge seit Jahren die Runde in der Politik macht, obwohl seit Ewigkeiten klar ist, dass beim Gender-Pay-Gap-Mythos Äpfel mit Birnen verglichen werden.

    Ich frage mich dann immer, ob hier einfach ein bizarr großes Realitätsverzerrungsfeld vorliegt, oder ob bewusst „für die gute Sache“ (TM) gelogen wird.

    Gefällt mir

    • zonk sagt:

      Elementary, Watson.
      Die einen lügen bewußt, um ihre Schäfchen hinter sich zu sammeln. Die anderen glauben, weil sie glauben wollen.

      Gefällt mir

    • Das Problem ist ja, dass wenn bei etwas so leicht nachprüfbarem und so häufig widerlegtem gelogen wird, die meisten gar nicht weiter lesen sondern sich denken „Aha. SO EIN Artikel ist das wieder.“, selbst wenn es um ein wichtiges Thema geht.
      Zumindest geht es mir so. Wenn ich diese 22% sehe habe ich schon keinen Bock mehr weiterzulesen weil es vermutlich eh polemischer Mist ist.

      Gefällt mir

      • Neuer Peter sagt:

        Wußtest du übrigens, dass 72% aller Menschen, die an den Pay-Gap-Mythos glauben, eine kriminelle Vorgeschichte haben?

        Gefällt mir

      • Neutron sagt:

        Mir gehts dummerweise mittlerweile so, dass ich auch bei Artikeln welche den unbereinigten Gender-Pay-Gap kritisieren denke „Brauchste nicht lesen, hast du nun schon 100 Mal gelsen“:/

        Dein Comic-Strip dazu ist dennoch gut🙂

        Gefällt mir

  3. gracuch sagt:

    So ganz verstehe ich die Pointe nicht. Dass sehr viele Frauen Teilzeit arbeiten, mehr als Männer, ist ja klar. Aber das sind ja vorallem Mütter. Und auf dem Kreuzritterblog geht er auch nur auf die unterschiedliche Bezahlung von „Müttern“ und „Karrierefrauen“ ein, abhängig von deren Ausbildung und Berufserfahrung.

    Aber meines Wissens stellt die gender pay gap den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen dar, die dieselben Voraussetzungen was Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitszeit und Leistung angeht haben. Oder mag mich hier jemand besser aufklären?

    Gefällt mir

    • Das ist ja genau der Witz daran. Es wird vermittelt, dass die 22% durch den Vergleich der selben Voraussetzung zustandekämen und alle so: „Woooooah! Krass!! wie ungerecht!“
      Tatsächlich wird aber lediglich der reine Lohn von Frauen und Männern vergleichen ohne auf die Arbeitszeit, die Branche, die Ausbildung, die Berufsjahre, etc. einzugehen.

      Tut man das und rechnen das alles mit ein liegt der „bereinigte Gender Pay Gap“ bei unter 2% oder ist sogar verschwunden.

      Gefällt mir

      • Neuer Peter sagt:

        Siehe auch:

        http://www.iwkoeln.de/de/presse/pressemitteilungen/beitrag/beschaeftigungsperspektiven-von-frauen-nur-2-prozent-gehaltsunterschied-102500

        Stark ins Gewicht fallen auch die höhere Teilzeitbeschäftigung von Frauen und die höhere Überstundenzahl von Männern.

        Gefällt mir

      • gracuch sagt:

        Ok. Bei dem Link fehlte mir nämlich der Bogen, weil er nur Frauen untereinander verglich.

        Aber heißt es dann im Schnitt, Männer seien besser ausgebildet als Frauen?

        Gefällt mir

        • Neuer Peter sagt:

          Da wir mehr Frauen als Männer an den Universitäten haben: wohl kaum. Das müsste ich noch mal nachschauen.

          Männer eignen sich aber eher Qualifikationen an, die besonders gefragt sind, auch weisen sie in der Regel eine höhere Berufserfahrung auf, weil sie seltener aussetzen und öfter Vollzeit arbeiten.

          Gefällt mir

        • Wie NP schon sagte:
          – Frauen arbeiten im Schnitt mehr in sozialen Bereichen, die im schnitt schlechter bezahlt werden
          – Frauen arbeiten häufiger Teilzeit als Männer
          – Frauen haben teilweise wegen Kindern mehr Aussetzzeiten und damit weniger Berufserfahrung

          Das sind zwar alles Faktoren die teilweise auf gesellschaftliche Strukturen zurückgehen aber eben trotzdem individuelle Entscheidungen und keine Diskriminierung im Sinne von „Hey, ich habe hier männliche und weibliche Arbeiter und zahle den Frauen einfach mal weniger weil sie Brüste haben.“

          Wenn man nämlich noch berücksichtigt, dass die Mehrzahl der Menschen mit Tarifvertrag arbeitet müsste ja der Gap bei den übrigen doppelt so groß sein damit man im Schnitt auf 22% kommt. Es wäre sicher schonmal irgendwem aufgefallen wenn die Frauen im Schnitt grademal die Hälfte von dem kriegen was der Kollege verdient. Die Zahl 22% ist halt schon per se so unrealistisch, dass es schon peinlich ist sie überhaupt zu verwenden. Dennoch wird es immer wieder getan um zu zeigen wie diskriminiert wir Frauen doch nach wie vor sind.
          Bisher kam in fast jeder Diskussion über diskriminierte Frauen jemand mit dieser Zahl und für mich (und vermutlich auch andere) ist das dann immer Zeichen dass diese Person entweder
          a) jeden unrealistischen Mist glaubt den man ihr vorsetzt und somit vermutlich auch sonst keine ahnung hat oder
          b) weiß dass die Zahl falsch ist und sie dennoch verwendet und damit vermutlich auch sonst Fakten verdreht wie es ihr passt
          Beides ist dann für mich der Punkt wo ich aus der Diskussion innerlich aussteige und das Gegenüber nicht mehr ernst nehmen kann. Insbesondere wenn die Person für sich einen Expertenstatus in Abnspruch nimmt.

          Gefällt 1 Person

          • „Aber meines Wissens stellt die gender pay gap den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen dar, die dieselben Voraussetzungen was Ausbildung, Berufserfahrung, Arbeitszeit und Leistung angeht haben. Oder mag mich hier jemand besser aufklären?

            Die meisten Antworten stimmen.

            ABER (ich hoffe, EMN nimmt mir das nicht böse, weil es die Pointe im Comic ruiniert): der unbereinigte Gender Pay Gap von ca. 22% ist der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen.

            Das ganze ist wirklich kompliziert, ich habe versucht, es auf
            http://maninthmiddle.blogspot.de/p/antifeminismus.html#feminismus1
            dort Punkte
            3. „Frauen bekommen für die gleiche Arbeit 23% weniger Lohn als Männer.“
            3a. „Das Gender Pay Gap wird durch Diskriminierung von Frauen verursacht.“
            aufzudröseln. Leider etwas lang geworden und immer noch nicht vollständig (Verbesserungsvorschläge sind willkommen)
            Wichtig ist m.E. zu erkennen, daß hier zwei unabhängige Denkfehler („Lügen“) zusammenwirken, nämlich die sachliche falsche Darstellung der Statistiken (3.) und die unzulässige Schlußfolgerung von Diskriminierungen (3a).
            D.h. die genaue Höhe der der Mittelwertdifferenzen der Stundenlöhne ist eigentlich gar nicht so wichtig, die Schlußfolgerung, daß damit Diskriminierungen von Frauen bewiesen werden, ist komplett falsch, und damit die weitere Folgerung, Männer kompensatorisch diskriminieren zu dürfen, unhaltbar.

            Gefällt mir

            • Ich meine, in mehreren Artikeln gelesen zu haben dass es NICHT der Stundenlohn ist. Aber da will ich nicht drauf bestehen…

              Gefällt mir

              • Das glaube ich Dir sofort, daß Du das mehrfach gelesen hast, es steht nämlich an vielen Stellen, teilweise nach meiner dunklen Erinnerung sogar in Wahlprogrammen oder offiziellen Verlautbarungen, die einigermaßen glaubwürdig erscheinen. Die einzig verläßliche Quelle für ganz Deutschland ist aber die zitierte Publikation des Statistischen Bundesamts.

                DIe Arbeitszeit spielt aber indirekt eine gewisse Rolle, denn wer nur in Teilzeit arbeitet, hat (etwas) geringere Chancen, auf die besser bezahlten Leitungsstellen zu kommen.

                Man muß aber auch hier wieder davor warnen, aus einer Korrelation (längere Arbeitszeit korreliert mit besserem Stundenlohn) eine simple Kausalität in einer willkürlichen Richtung abzuleiten – das Leben ist leider komplizierter – oder erst recht völlig abstruse Verbesserungsvorschläge abzuleiten (z.B. alle dürfen nur noch 30h/Woche arbeiten, dann müßten ja eigentlich die Differenzen in den Stundenlöhnen verschwinden).

                Gefällt mir

                • Neuer Peter sagt:

                  Im Übrigen werden Überstunden in der Regel auch besser vergütet. Wer mehr davon ableistet, hat im Schnit also auch einen höheren Stundenlohn.

                  Gefällt mir

                  • Abu el Mot sagt:

                    Weiterhin zu bedenken: aufgrund der Steuerprogression hat man in Teilzeit bei gleichem Bruttostundenlohn einen höheren Nettostundenlohn.

                    Gefällt mir

          • bertrandolf sagt:

            In der Theorie wäre die Empfehlung bei Ungerechtigkeit eine Gewekrschaft zu gründen und in den Arbeitskampf zu ziehen und für höhere Löhne zu kämpfen. Das wäre das probate Mittel. Aus pragmatischer Sicht ist diser Genderkram durchaus ein sowas wie ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss um höhere Löhne anzustreben, Und der Gender Gap kann als gewerkschaftliche Forderung behandelt werden und diese sind halt immer zu hoch und unrealistisch, damit sie eine Verhandlungsbasis darstellen und auch gedrückt werden können.

            Gefällt mir

            • Das ist gar nicht so blöd. Ernsthaft.
              In sozialen Berufen streikt es sich nämlich einfach nicht so leicht wenn man weiß dass man damit grade auf Kosten der Patienten die Arbeit niederlegt.

              Gefällt mir

            • tom174 sagt:

              Hmm.. weiss nicht, ob das zieht. Der Genderkram setzt sich halt nicht wirklich als Betroffene ein. Das wird eher „von oben“ angesteuert. Streik ist da so eine Sache, aber wenn Ärzte streiken können, dann kann das ein Pfleger eigentlich auch. Ebenfalls beschränkt sich der Genderkram ja nicht auf Branchen, sondern behauptet schlicht, dass Frauen ob ihres Geschlechtes schlechter bezahlt werden. Die Lösung, die ja da bislang gefordert wird ist nicht, dass es in sozialen Berufen mehr Gehalt gibt, sondern dass es eine Quote bei den Dax Konzernen geben muss (und später dann auch generell in allen Führungspositionen).

              Gefällt mir

              • wenn ärzte streiken können, können pfleger das auch?
                der unterschied ist, dass ärzte ihre OP-Termine und untersuchungen verschieben können. aber wenn pfleger den frisch operierten nicht die katheter wechseln oder die hintern abwischen, dann kann das üble folgen haben.

                Gefällt mir

              • bertrandolf sagt:

                Die Frauenquote und Gender Gap sind 2 verschiedene Dinge. Vielleicht hätten sie dann einen Fuss in der tür, aber mehr auch nicht.
                Und ob Streiks überhaupt noch ein Mittel um Lohnerhöhungen durchzusetzen ist, ist eine andere Frage bei 20 jahren Lohnstagnation.Die einzigen die richtig was durchsetzen konnten waren Cockpit und Marburger Bund, 2 sehr kleine und reiche Gewerkschaften. Und natürlich die Boombranche IG Metall.
                Aber gerade in sozialen/pflegerischen Berufen ist noch problematischer. Jede Lohnerhöhung würde entweder die Sozialkassenbeiträge und damit die Lohnnebenkosten oder die Bundesausgaben erhöhen. Das sind K.O. Argumente, wo die ganze Statistik- und Medienmanipulierte Bevölkerung in Zeiten der Schuldenbremse, wo nur auf die Ausgaben geschaut wird, aufschreien würde. Deswegen muss die Steuerung auch von „oben“ kommen, weil die Fesseln politischer Natur sind.

                Gefällt mir

        • tom174 sagt:

          Besser ist so eine Sache. Ist ein 70h/woche „Manager“ Job wirklich „besser“ als ein 3/4 Deputat Lehrer? Ersterer bringt sicherlich mehr Geld, letzterer bietet aber Sicherheit und relativ viel Freizeit. Ich glaube, „viel Geld verdienen“ hat für Männer einen höheren Stellenwert als für Frauen. Ob das an der Sozialisierung, Evolution oder an der Erziehung liegt, keine ahnung. Das ist an sich völlig wertfrei, und viel Geld verdienen, um fast jeden Preis ist auch nicht immer die clevere Wahl. Im Extremfall heisst das zum Beispiel ich werde Zeitsoldat statt eine Bäckerlehre zu machen.
          Hauptkritikpunkt am Genderpaygap Ding ist ja, dass Frauen angeblich weniger verdienen weil sie Frau sind, nicht etwa aufgrund ihrer Entscheidungen.

          Gefällt mir

          • gracuch sagt:

            Mir erschien es in dem Kreuzritter-Post nur eben so, dass man alles damit begründet kann, dass Frauen in dem Fall halt nicht so gut ausgebildet wären wie ihre männlichen Kollegen. Interessant wäre es mal zu vergleichen, wieviel Frauen und Männer in den sogenannten Sozialberufen verdienen.

            Als Studentin kenne ich mich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht so gut aus, deshalb möchte ich die Existenz der gender pay gap gar nicht erst bewerten.

            Gefällt mir

            • energist sagt:

              Ausbildungsniveau und Verdienst können, müssen aber nicht korrelieren. Ein formal ungebildeter(er) Handwerkmeister oder Unternehmer wird meist einkommensmäßig deutlich besser dastehen als bpw. ein promovierter Kunsthistoriker.

              Daß also immer so schnell die formale Bildung herangezogen wird, finde ich schwierig. Branchenvergleiche wären (wenn überhaupt) eher das Mittel der Wahl, schätze ich.

              Gefällt mir

              • IULIUS sagt:

                „Ein formal ungebildeter(er) Handwerkmeister oder Unternehmer“

                Schon ziemlich arogant oder?

                Gefällt mir

                • „Schon ziemlich arogant“

                  Alles Böse kommt von er EU, so auch hier:
                  International standard classification of education (ISCED)
                  http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/index.php/Glossary:ISCED

                  Gefällt mir

                  • IULIUS sagt:

                    Fürchte da hat jemand Bildung mit Qualifikation verwechselt.

                    Trotzdem ist es arogant bei Handwerksmeistern und Unternehmern von Ungebildeten Personen zu reden. Deren Bildung ist oft höher, als die eines Professors.

                    Gefällt mir

                • energist sagt:

                  Iulius, Klatsche angekommen, vielen Dank. Zuerst stand da „formal ungebildeter Unternehmer“, der Handwerksmeister kam erst nachträglich hinzu.

                  Dennoch bleibt die Aussage stimmig: im Vergleich mit einem Master of Arts in Gender Studies ist ein Handwerksmeister formal deutlich „ungebildeter“. Ob und was diese Einteilung taugt, darüber treffe ich ja keine Aussage.

                  (Meine persönliche Meinung ist übrigens: nix taugt sie, diese Einteilung. Außer einigen Leuten als Stütze für ihr Selbstbewußtsein zu dienen. Kompetenz kommt aus Interesse und Motivation, nicht aus dem Bestehen von Klausuren.)

                  Gefällt mir

                  • IULIUS sagt:

                    Sicher. Nur du trägst die Formilierung weiter. Da stellt sich die Frage: Warum?

                    Gefällt mir

                    • energist sagt:

                      Hm, weil sie nun mal die Realität abbildet? Bildung wird in Deutschland 2013 mit Abschlüssen, Scheinen und Zertifikaten gemessen, nicht anders. Kann und sollte man sich drüber aufregen, aber es zu verneinen funktioniert nicht.

                      Gefällt mir

            • Neuer Peter sagt:

              Es reicht schon, wenn du den Gender-Pay-Gap-Mythos nicht selbst kolpotierst. Bei Gelegenheit kannst du dir dann ja auch noch mal die Fakten anschauen, sobald du mal etwas Zeit hast.

              Gefällt mir

  4. evilmichi sagt:

    Und ich dachte immer, ich hätte mir während meiner Zeit in Vollzeitbeschäftigung nur eingebildet, dass ich den selben Lohn erhalte wie meine männlichen Mitarbeiter. Danke.

    Gefällt mir

  5. harhar sagt:

    eine Feministin und eine Frau unterhalten sich:
    Femi: „Also das ist echt das Letzte, dass Frauen nicht das Gehalt eines Mannes bekommen!“
    Frau: „Also ich kriege das Gehalt eines Mannes.“
    Femi: „Was, echt?!“
    Frau: „Ja, das meines Mannes!“

    Gefällt mir

  6. anonym sagt:

    viel schlimmer ist, dass Frau Roht, gerade eben 19:40, auf die Frage warum die Grünen so schlecht abschneiden bei der Wahl, geandwortet hat: (ist aus dem Gedächniss zitiert) „wir müssen uns wieder auf unsere Kernthemen konzentrieren, die ungerechte Bezahlung von Frauen gegenüber Männern, zB.“.

    Was sagt man dazu?

    Gefällt mir

  7. Gerhard sagt:

    Danke (mal wieder) EMN. Noch was halbwegs aktuelles dazu:

    http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/maenner-machen-mehr-ueberstunden-als-frauen-a-922191.html

    Zwei Dinge kommen hier mE dabei zusammen, daß eigentlich durchaus intelligente Menschen die genderpaygap-Lüge rezitieren.

    1. Sie sehen nicht, daß es eine kluge Entscheidung sein kann, keinen 70h-Job anzunehmen. Work-Life Balance und so. Da sind viele Männer ziemlich dämlich.

    2. In der Genderei wird viel zu oft an Symptomen herumgedoktert als an Ursachen. Die unterschiedlichen Gehälter von Männern und Frauen im Mittel sind ja nicht nur böse, siehe 1. Ausfallzeiten beim Kinderkriegen könnte ja vielleicht auch dadurch kompensiert werden, daß der Vater länger zuhause bleibt. Das geht aber nicht, da könnte man ja Männer bevorteilen. Stattdessen wird es zur moralischen Pflicht, sein Kind im ersten Lebensjahr in die Kita zu schicken und die Herdprämie als verdammenswertes Instrument des Patriarchats zu verurteilen.

    Gefällt mir

  8. […] maskulinistische posizjonen: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und […]

    Gefällt mir

  9. Michael Mendelsohn sagt:

    Der Begriff „pay gap“ ist halt schlecht gewählt, es sollte eher „employment gap“ heißen: wenn Frauen das gleiche bekommen wie Männer im selben Beruf mit gleicher Qualifikation (Dienstalter usw.), dann kommen die 22% dadurch zustande, dass mehr Männer die besser bezahlten Stellen besetzen bzw. Berufe mit großem Frauenanteil (Sozialberufe) schlechter bezahlt werden.

    Gefällt mir

  10. […] nicht. Und nicht auf die abstruse Idee kommen, es als Frauenhass darzustellen, wenn man darüber nachdenkt, wie groß der Gender Pay Gap ist, oder darüber, dass es Experimente gibt, die zeigen, wie unser […]

    Gefällt mir