erzaehlmirwas… über Sexarbeit

Veröffentlicht: Oktober 23, 2013 in Interview
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Nachdem jetzt eine kleine Interviewpause war ergab sich spontan und zufällig ein Interview mit Sina. Nachdem sie in einer Kommentardiskussion über Sexarbeit ihre professionelle Meinung einbrachte, erklärte sie sich bereit für ein Interview zu ihrem Job als Sexarbeiterin. Auf ihrem Blog beschäftigt sie sich vorrangig mit der rechtlichen Lage von Sexarbeit, in diesem Interview geht es jedoch mehr um die Arbeit an sich und ihr Privatleben. Zu allen die sich für ein Interview gemeldet haben: Ich werde jeden(!) noch in der Reihenfolge der eingegangenen Mails anschreiben. Wenn sich bis dahin was geändert haben sollte und ihr doch keine Zeit oder Lust mehr habt ist das natürlich kein Problem.

EMN: Vielleicht kannst du für den Anfang einen kleinen Einstieg über dich geben, also Basisinfos wie alt du bist, wie du zum Job kamst und wie lange du dabei bist?

Sina: Ich bin 25. Zur Sexarbeit kam ich, als ich vor 5 Jahren nach einem Nebenjob zur Finanzierung meines Studiums suchte. Ich kam irgendwann auf die Idee Escort auszuprobieren. Nach langem Recherchieren kontaktierte ich schlussendlich eine Agentur und war ca. ein halbes Jahr bei dieser tätig. Seither bin ich selbständig.

EMN: Und arbeitest du nach wie vor nebenberuflich? Wie ist deine Woche denn so ungefähr organisiert?

Sina: Ja. Es gibt verschiedene Phasen; Zurzeit habe ich nur einige male pro Monat Treffen mit Stammkunden da ich in meinem Hauptberuf ausgelastet bin, nächsten Monat werde ich mich aber in einer Wohnung einmieten und mehrere Kunden pro Tag empfangen. Meine Woche richtet sich danach, wie viel ich in meinem Hauptberuf zu tun habe und worauf ich Lust habe. Diese Flexibilität ist typisch für Sexarbeit.

EMN: Was ausser Flexibilität ist denn noch typisch? Muss ein überdurchschnittlich großes Wissen über Sex da sein, muss man alles schonmal gemacht haben? Ich kann mir vorstellen, dass bei manchen Praktiken auch ein Stück weit theoretisches Wissen da sein muss… oder lernt man das währenddessen? Oder sind das grade total berufsferne Fragen und es ist mehr so „einfach machen“?^^

Sina: Anfängerinnen sind meist willkommen. Es ist mehr „einfach machen“ und „learning by doing“. Beim Sex geht es schliesslich viel mehr um Soft-Skills (Einfühlungsvermögen, Enthusiasmus etc) als um theoretisches Wissen. Ersteres kann man lernen, aber es gibt kein Diplom dafür. Wenn man fragen hat, können Kolleginnen die schon länger dabei sind helfen. In einigen Bereichen braucht es umfassendes Fachwissen, zb. bei Tantra- Massagen oder Dominas.

EMN: Grade beim Sex sind Kunden vielleicht dankbar wenns nicht zu „professionell“ rüberkommt, kann ich mir vorstellen. Das bringt mich zu der Frage, wie man es schafft, diesen Übergang von der Begrüßung eines Fremden zu erotischer Stimmung hinzukriegen. Wie läuft das in den ersten paar Minuten?

Sina: In den ersten paar Minuten mache ich meistens Smalltalk. Wenn das Eis mal gebrochen ist und man sich das erste mal berührt, läuft es dann von selbst. Am Anfang wusste ich auch nicht wie ich das anstellen soll, aber nach den ersten paar Treffen merkte ich, dass man sich darüber wirklich keinen Kopf machen muss. Es läuft (zumindest für mich) erstaunlich natürlich, ohne dass es abgebrüht wirkt. Übrigens: Ich finde es schade, dass „professionell“ in der Sexarbeit eher negativ besetzt ist. Man versteht darunter oft „kalt und abgebrüht wirken“, dabei bedeutet Professionalität doch eigentlich, seinen Job besonders gut zu machen.

EMN: Stimmt, bei „professionell“ habe ich immer Mitarbeiter in der Beschwerdeabteilung vor Augen, die auch dann noch lächeln wenn jemand ätzend ist. Deshalb hatte ich es auch in Anführungsstriche gesetzt weil es irgendwie beide Bedeutungen hat, emotional distanziert und kompetent. Das führt natürlich zu der Frage, die ja auch schon im Blog Thema war: Inwieweit man bei der Sexarbeit distanziert bleibt, bzw. wie intim es wird?

Sina: Das kommt sehr auf die Art der Sexarbeit, den Kunden, die eigene Persönlichkeit und Arbeitsweise an. Bei längeren Treffen lernt man sich zwangsläufig näher kennen, da entsteht natürlich eine gewisse Intimität. Zu Stammkunden habe ich freundschaftliche Gefühle, mehr nicht. Eine gewisse Distanz sollte immer bewahrt werden, schliesslich ist es immer noch ein Geschäft. Trotzdem kommt es vor, dass Kunden sich verlieben, und in seltenen Fällen auch umgekehrt (nicht aus meiner eigenen Erfahrung, sondern derjenigen von Kolleginnen).

EMN: Kannst du ein bisschen was über solche schwierigen Situationen im Berufsalltag erzählen? Mit welchen Problemen warst du in den letzten Jahren schon konfrontiert und wie gehst du damit um wenn dir z.b. jemand seine Liebe gesteht o.ä.?

Sina: Ich musste mich bisher ein paar mal von Stammkunden trennen, weil ich mich in meiner Intimsphäre bedrängt fühlte und weitere Treffen merkwürdig gewesen wären. Ich habe kein Problem mit Fremden Sex zu haben, auch ein bisschen Zärtlichkeit gehört dazu. Wenn ein Kunde aber anfängt mein Gesicht zu streicheln, meine Hand zu halten oder mir Liebesgeständnisse zu machen, geht mir das eindeutig zu weit und ich beende diese Geschäftsbeziehung. Sowohl mir als auch ihm zuliebe. Ansonsten habe ich auf weitere Treffen mit einem Stammkunden verzichtet, weil er jedes mal wieder „vergessen“ hatte dass ich eine bestimmte Berührung nicht mag. Ich musste erst einmal ein Treffen mittendrin abbrechen, weil der Kunde Vorstellungen hatte die ich nicht erfüllen konnte und die Chemie absolut nicht stimmte. Ansonsten hatte ich dieses Bedürfnis noch nie, was aber auch daran liegt dass ich mir meine Kunden seit 4 Jahren selbst aussuche.

EMN: Wie ist denn dein Eindruck von den Kunden? Mit welchen Erwartungen bzw. Einstellungen dir gegenüber tritt der „durchschnittliche Kunde“ auf? Und welche sortierst du im Vorfeld schon aus?

Sina: Bekanntlich sind alle gesellschaftlichen Schichten und Persönlichkeitstypen vertreten, was ich bestätigen kann. Sie wollen schlicht Sex mit einer netten, enthusiastischen und hübschen jungen Frau, welche dabei auf ihre Bedürfnisse eingeht. Mit irgendwelchem Machtgehabe hat das absolut nichts zu tun. Da ich nur Treffen ab einer Stunde mache, habe ich vor allem Kunden, die auch etwas Gesellschaft wünschen und nicht nur die schnelle Triebbefriedigung.
Ich sortiere von Anfang an solche Anfragen aus, welche grundlegende Regeln der respektvollen Kommunikation missachten (zb. sich im Email oder am Telefon nicht vorstellen sondern stattdessen fragen „wann Zeit heute“), und solche die nach einem Fake aussehen. Meiner Erfahrung nach meinen es Männer, die mein Profil nicht richtig durchlesen und stattdessen gleich mit Fragen bzgl. meinem Service anrufen, nicht ernst. Sie wollen sich nur durch den Kontakt aufgeilen, anstatt tatsächlich zu buchen. Ausserdem habe ich eine Altersgrenze von 50, was aber eher ungewöhnlich in diesem Gewerbe ist. Viele Sexworker bevorzugen sogar ältere Kunden. Schliesslich verzichte ich auf diejenigen Kunden, bei welchen ich aus irgendwelchen Gründen ein ungutes Gefühl habe.

EMN: Du sprachst davon, dass es nichts mit Machtgehabe zu tun hat. Sexarbeit als Unterdrückung oder Erniedrigung der Frau ist ja eine nicht unübliche Meinung. Wie erlebst du den öffentlichen Umgang mit Sexarbeit?

Sina: Der öffentliche Umgang mit Sexarbeit ist unglaublich emotionalisiert. Fast alle haben eine Meinung dazu, da es sich um Sex handelt und viele sich irgendwie von der Sexualität anderer Menschen betroffen fühlen. Hier kommt genau derselbe Abwehrreflex auf wie bei Homosexuellen oder anderen sexuellen Minderheiten: Ich selbst könnte das nicht/finde es eklig, deshalb muss mit den Anderen irgendetwas nicht stimmen oder sie müssen gezwungen sein wenn sie dies tun. Das führt dazu, dass viele Menschen nicht den rationalen Blick auf Sexarbeit haben können, welchen sie auf andere Sachverhalte anwenden. So wird zb. Gewalt und Ausbeutung in der Sexarbeit nicht wie bei anderen Berufen oder in der Ehe/Partnerschaft als Konsequenz sozialer Missstände gesehen, sondern die ganze Sexarbeit an sich wird als Problem abgestempelt. Es gibt vereinzelt gute Artikel zu dem Thema, aber gerade im
Bereich des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung versäumen es fast alle grossen Medien, über die wirklichen Probleme zu berichten. So sind Polizeikontrollen in der Realität oft nicht da um Menschenhandelsopfer zu finden, sondern um illegal anwesende Migrantinnen abzuschieben. Es herrscht die falsche Vorstellung, Opfer von Ausbeutung würden in jedem Fall mit der Sexarbeit aufhören und in ihr Heimatland zurückkehren wollen. Dabei ist die Drohung der Abschiebung manchmal sogar ein Mittel, mit dem Sexarbeiterinnen oder Opfer sexueller Gewalt erpresst werden.

EMN: Inwiefern beeinflusst dich als Sexarbeiterin dieser öffentlich-emotionalisierte Umgang mit deinem Job? Wem erzählst du davon, wem nicht und ggf. welche Reaktionen gab es bisher?

Sina: Im Alltag beeinflusst es mich nicht, da nur meine engsten Freundinnen und Freunde davon wissen und die eh kein Problem damit haben. Dafür hatten sie eine Million Fragen (auch ein Grund, weshalb ich das Interview mache: Damit ich eine Zusammenstellung einiger Fragen habe und nicht alles x-mal erklären muss;-) Eine Person hat entsetzt reagiert, weil sie die ganzen negativen Vorurteile im Kopf hatte. Wenn ich noch offener damit umgehen würde müsste ich sicher mit Problemen rechnen. Ich kenne genug Geschichten von Kolleginnen über „Freunde“ oder gar enge Familienmitglieder, welche sich nach einem Outing abwendeten. Natürlich besteht das Risiko, dass gewisse Arbeitgeber in meinem „bürgerlichen“ Beruf mich in Zukunft aus Imagegründen nicht anstellen würden. Wie mit dem Thema umgegangen wird belastet mich schon, aber das würde es auch wenn ich keine Sexarbeiterin wäre.

EMN: Eine Frage die vermutlich oft gestellt wird (es sei denn du kennst nur sehr diskrete Leute^^): Welchen Einfluss hat dein Job auf dein privates Sexleben?

Sina: Seit ich als Sexarbeiterin tätig bin, hat sich mein Sexleben wesentlich verbessert. Ich habe unbewusste Hemmungen abgelegt, von denen ich früher gar nicht bemerkte, dass sie meine Genussfähigkeit einschränkten. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass ich inzwischen älter bin. Würde ich aber jeden Tag mehrere Kunden haben, wäre der Einfluss auf mein privates Sexleben wohl eher negativ.

EMN: Als ich frisch gebackene Psychotherapeutin war hatte ich in privaten Gesprächen manchmal Probleme weil ich merkte, dass ich plötzlich eher therapeutisch fragte und nicht freundschaftlich. Gab es bei der Sexarbeit auch so einen Effekt oder konntest du das von beginn an trennen?

Sina: Ich hatte eher umgekehrt Schwierigkeiten. Um seine Privatsphäre zu schützen, sollte man Kunden nicht zu viele persönliche Daten offenbaren. Dazu gehören aber auch normale Gesprächsthemen, z.b. der Wohnort. Hier musste ich mich zuerst an die Zurückhaltung gewöhnen.

EMN: Hattest du da schonmal negative Erfahrungen?

Sina: Nein. Bei den meisten Kunden hätte ich auch keinerlei Bedenken, dass sie mein Diskretionsbedürfnis nicht genauso respektieren wie ich ihres. Aber es besteht die Gefahr, dass übergriffige Kunden persönliche Daten weiterverbreiten oder zum Stalken/Erpressen missbrauchen. Mit dem Internet und den „Freier-Foren“ ist diese Gefahr gestiegen. Das ist eine weitere Konsequenz der Stigmatisierung von Sexarbeit.

EMN: Krass. Was das Thema Stigmatisierung angeht sagtest du ja bereits, dass deine Freunde da gut reagiert haben. Wie war es in den letzten Jahren im Bereich Partnerschaft? Hast oder hattest du eine Beziehung, und wenn ja, wie war das im Bezug auf deinen Job?

Sina: Ich bin in einer Langzeitbeziehung. Da wir bereits vor meinem Nebenjob Swinger waren, hat es keine Probleme wegen Eifersucht etc. gegeben.

EMN: Insgesamt klingst du sehr zufrieden mit deinem Beruf und für mich entsteht der Eindruck, der einzige größere Negativpunkt ist die gesellschaftliche Stigmatisierung von Sexarbeit. Kann man das so sagen?

Sina: Ja. Wenn man die negativen Aspekte des Jobs betrachtet, ergeben sich praktisch alle aus der Stigmatisierung. Wenn man die Arbeit an sich trotz guten Arbeitsbedingungen als belastend empfindet, beruht dies meiner Einschätzung nach oft auf internalisierten Schuld- und Schamgefühlen.

EMN: Was würdest du schätzen, inwieweit deine Erfahrung repräsentativ ist für Sexarbeit? Aus dem was du von Kollegen mitkriegst, wie vielen Sexarbeitern geht es ähnlich wie dir?

Sina: Alle Kolleginnen die ich persönlich kenne haben eine echte Leidenschaft für diesen Job. Ich lerne aber hauptsächlich Sexarbeiterinnen kennen, welche unter den gleichen Umständen arbeiten wie ich. Für die meisten dürfte es eher ein Mittel zum Zweck sein, für welches sie aus einer beschränkten Auswahl an Optionen entscheiden. Z.b. weil sie ihre Familie ernähren müssen, Schulden haben und nicht zum Sozialamt wollen.

EMN: Ziel im Bereich Sexarbeit wäre also idealerweise, die Quote derer zu erhöhen, die wie du gerne in dem Beruf arbeiten und die Stigmatisierung in dem Bereich zu verringern…. Dazu gehört sicher auch die Aufklärungsarbeit die du im Netz leistest🙂 Vielen Dank für das ausführliche Interview! Habe ich noch irgendwas vergessen zu fragen oder gibt es etwas, das du noch wichtig findest zu sagen?

Sina: ist gut so:-)

Kommentare
  1. Adrian sagt:

    Vielen Dank für dieses Interview.

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  2. anonym sagt:

    Danke euch beiden.

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  3. Robin Urban sagt:

    Auch wenn ich es sehr interessant fand – aber das ist doch WIEDER MAL keine Sichtweise, die sich mit dem Alltag der meisten Prostituierten beschäftigt. Escort sehe ich als etwas völlig anderes an. Wie viel verdient man da in einer Sitzung? Und wie viele Schwänze muss dafür eine Prostituierte sehen, die in einem Laufhaus arbeitet oder am Straßenrand steht?

    Ich habe kein Problem damit, mir vorzustellen, dass viele Frauen (und auch Männer, die sich prostituieren) den Job sehr locker nehmen und psychisch da nicht involviert sind. Aber ich habe ein Problem damit, wenn solche Erfahrungen als typisch für die gesamte Branche verkauft werden.

    Es geht auch anders: http://blog.bizarrlady-undine-hamburg.de/2013/07/undine-im-laufhaus/

    Ich habe das Gefühl, dies wird beim Aktionismus für „Sexarbeit“ immer wieder vergessen. Hier engagieren sich hauptsächlich Frauen, die ohnehin schon auf der Sonnenseite dieses Jobs stehen, obschon die gesellschaftliche Stigmatisierung sicher nicht cool ist. Aber im Vergleich zu dem, was viele andere Prostituierte, die 30 Euro pro Nummer bekommen und sich ihre Kunden NICHT aussuchen können, erleben müssen, ist das doch lächerlich.

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    • Am Ende war doch die Frage inwieweit sie ihre Erfahrung selbst repräsentativ findet. als jemand in der Branche kann sie das vermutlich weit besser einschätzen als jeder von uns und sie selbst sagte ja auch, dass es auch andere Erfahrungen gibt. Wäre es dem Interview zuträglich gewesen jetzt hinter jeder Antwort nochmal zu schreiben „Ja, aber es gibt ja auch ganz arg schlimme Erfahrungen“?
      Klar ist es ein Unterschied wie man reinkommt, ob z.b, über Drogen (wo dann aber das Elend vermutlich eher durch alles um die Drogen herum verursacht ist und Prostitution eher ein Symptom) aber die meisten Anzeigen die man so sieht sind doch eher von Selbständigen Frauen. Die Seite Beichthaus ist sicher nicht repräsentativ, aber auch dort finden sich immer wieder anonyme sexarbeiterinnen, die ähnliches schildern wie Sina.

      Ich verstehe ehrlich gesagt diesen Drang nicht auf jede positivie Schilderung gleich mit „Das ist aber eine totale ausnahme und sonst ist alles ganz schlimm!!!“ zu reagieren. Warum die ständige Relativierung? Du regst dich doch im Gegenzug auch auf wenn du ein Erlebnis schilderst und ein „ab ich noch nie so erlebt“ als Antwort kommt.

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      • Robin Urban sagt:

        Das Problem ist, dass ein „hab ich noch nie erlebt“ aus einer quasi privilegierten Position kommt, ein „es gibt aber viele andere, denen es nicht so gut geht“ aber umgekehrt an dieser privilegierten Position kratzt.

        Weiteres Problem, wenn du schon von Relativierung redest: Ich kann dieses Interview durchaus lesen und sehen, dass es hier um Escort und Edelprostitution geht und das eigentlich nichts mit der Art Sexarbeit zu tun hat, die man normalerweise im Kopf hat, wenn man davon redet. Andere können oder wollen das offensichtlich nicht. Als ich damals diesen Artikel las und dann auch noch in den Kommentaren stöberte, hätte ich fast gekotzt: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/escort-service-prostituierte-berichtet-von-ihrem-geheimen-beruf-a-837498.html
        Nicht nur ist der Artikel elendig romantisierend, latent abwertend gegenüber Menschen mit „normalen“ Sexleben, grauenhaft geschrieben und dazu auch noch unlogisch (ich halte ihn daher eigentlich sogar für einen Fake) – er diente wohl auch vielen als Bestätigung für die bequeme Ansicht, dass Prostitution generell kein Problem darstellt.

        Aber das sind eben zwei verschiedene Dinge: Escort und Straßenprostitution/Prostitution im Bordell. Hier fehlt einfach ein riesiges Stück Differenzierung. Daher hast du eigentlich recht, ich sollte unter so einem Artikel nicht mit einem eigentlich anderen Thema angejumpt kommen. Aber meiner Erfahrung nach wird das gerade bei diesem Thema ständig getan – nur von falscher Seite.

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        • Das Problem ist ja, dass grade durch die weit verbreiteten vorurteile „alle prostituierten werden degradiert und sexarbeit ist was ganz schlimmes – sowas tut eine „normale frau“ (sich) nicht (an)“ die sexarbeiterinnen stigmatisiert werden und sich so auch nichts ins positive ändern kann.
          und mal ehrlich, wie ich im anderen kommentar schon ansprach, ist es wirklich ein problem der SEX-Arbeit wenn menschen mies behandelt und ausgebeutet werden oder ist es nicht einfach ein problem dass leute ohne alternative grundsätzlich in jeder branche der gefahr der ausbeutung und des missbrauchs unterliegen?

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        • Pupsi das Schwein sagt:

          Ich sehe das Problem in der sehr einseitigen Definition des Begriffs: Arme Frauen, die (nicht freiwillig) auf der Strasse für wenig Geld stehn. Das ist für eine Kampfdiskussion zwar sehr praktisch, blendet aber viel Sexarbeiter aus.
          Wann fängt Prostitution an? Was ist alles Prostitution?
          Frauen die zu Prostitution gezwungen werden auf jeden Fall. Frauen die sich aus Geldnot verkaufen auch. Frauen die das schnelle Geld reitzt, Frauen die nur wenige Stammkunden haben, Frauen mit nur einen Stammkunden (Mätresse), Frauen, die Liebschaften mit reichen Männer suchen (Boxenluder), Frauen die nur reiche Männer heiraten und ganz am anderen Ende können sich 1/3 der deutschen Frauen nicht vorstellen, einen Mann zu heiraten, der weniger verdient als sie selber. Bei allen kommt ein Geldtransfer vom Mann zur Frau mit Sex zusammen.
          Letztere würden sich aber definitive nicht als „leichte Mädchen“ sehen. Wo ist die Grenze? Wer hat das Recht und das Wissen diese Grenze festzulegen.
          Jenachdem ob die Diskussionspartner für oder gegen Sexarbeit sind, wird die Grenze in die entsprechende Richtung verschoben.

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    • Grade den Link durchgelesen und kann ehrlich gesagt nicht erkennen wo jetzt das aussergewöhnlich schlimme ist. Das ist für mich die typische Beschreibung einer echt ätzenden Arbeitsstelle. Etwa genauso ätzend wie im Callcenter, bei DHL, im Reinigungsgewerbe, im Baugewerbe oder in jedem Gewerbe wenn man z.b. gemobbt wird.

      Das hat null mit Sexarbeit an sich zu tun (sagt sie sogar selbst in ihrem artikel!) sondern mit armut und lohnarbeit am unteren Ende der Einkommensskala. Den Frauen die dort arbeiten würde es garantiert nicht besser gehen wenn sie statt dessen in ner Fabrik oder sonstwo arbeiten müssten.

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      • Robin Urban sagt:

        Mal eine provozierende Frage: Hattest du schon mal Patienten mit Erfahrungen im Bereich sexuellen Missbrauch? Und hattest du das Gefühl, diese würden sich, auch was die Verarbeitung angeht, effektiv von Erfahrungen mit physischer Gewalt unterscheiden?

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        • wie genau kommst du denn jetzt auf den sexuellen missbrauch? versteh ich grade nicht.
          ist prostitution unter schlechten bedingungen für dich sexueller missbrauch oder worum geht es grade?

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          • Robin Urban sagt:

            Es geht mir um die Rechnung Sexarbeit = jede andere Arbeit. Wenn man der Meinung ist, dass das Verkaufen des eigenen Körpers als Sexware sich strukturell nicht im Geringsten von dem unterscheidet, was z.B. ich in unserer Kneipe mache, dann negiert man den Faktor, dass Sex eben doch etwas ist, das für die meisten Menschen mit großer Intimität verbunden ist. Wenn man das nicht sieht, dann muss man auch der Meinung sein, dass z.B. eine Vergewaltigung nicht schlimmer ist als verdroschen zu werden, vor allem, da man sich dabei größere körperliche Blessuren zuziehen kann, als wenn man zum Sex gezwungen wird (bekanntermaßen laufen viele Vergewaltigungen ohne größere physische Verletzungen ab, weil das Opfer aus Angst stillhält).

            Ich halte das nicht für zutreffend und die Erfahrungen von Opfern sexuellen Missbrauchs im Vergleich zu Opfern physischen Missbrauchs bestätigen meine These, dass Sex nicht dasselbe ist wie jede andere Arbeit.

            Desweiteren öffnet man dafür Tür und Tor für Forderungen nach Preisdumping, wie ich sie schon öfter von Antifeministen gehört habe. Wenn Sexarbeit dasselbe ist wie Kellnern, dann ist nicht einzusehen, warum eine Frau 30 Euro für eine Viertelstunde bekommen soll. Ich verdiene in einer Viertelstunde weniger als 2 Euro, plus Trinkgeld. Selbst wenn ich den Mindestlohn bekäme, wäre ich immer noch nur bei 2,125 pro Viertelstunde. Warum sollte das bei einer Prostituierten anders sein, wenn es doch das Gleiche ist?

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            • Robin Urban sagt:

              Überhaupt kann man sich dann die Frage stellen, warum die Straftatbestände „Vergewaltigung“ und „sexueller Missbrauch“ dann eigentlich existieren, wenn es effektiv doch auch nur „Körperverletzung“ und „Kindesmisshandlung“ darstellt.

              (Ich denke, du siehst das nicht so. Aber bei der Argumentationsschiene sehe ich eben die Gefahr, dass irgendwann genau diese Argumente kommen.)

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              • tom174 sagt:

                „Überhaupt kann man sich dann die Frage stellen, warum die Straftatbestände “Vergewaltigung” und “sexueller Missbrauch” dann eigentlich existieren, wenn es effektiv doch auch nur “Körperverletzung” und “Kindesmisshandlung” darstellt.“
                Eine mögliche Antwort da ist, dass die patriachische Gesellschaft die Frauen und deren Sexualität für besonders schützenswert hielt. Ebenso entstand dieser Paragraph in einer Zeit, als es weder die Pille noch die Pille danach gab. Es bestand also nicht nur die traumatisierende Tat an sich, sondern auch noch die Gefahr einer Schwangerschaft. Das ist dann schon etwas anderes als eine „normale“ körperverletzung. Mithin war Sex damals etwas, was generell nur in der Ehe stattzufinden hatte, und das dann auch nur mit dem Ziel des Kinderzeugens.

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                • Robin Urban sagt:

                  Naja. Jetzt, wo es die Pille danach gibt und Abtreibung, kann man es dann also abschaffen oder was?

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                • Kinch sagt:

                  „Eine mögliche Antwort da ist, dass die patriachische Gesellschaft die Frauen und deren Sexualität für besonders schützenswert hielt.”

                  NIchtmal als Sarkasmus gut. Die Antwort ist offensichtlich, dass die Schwerte der Strafe, die Konsequenzen der Tat für das Opfer reflektiert. Natürlich hat eine Verletzung der sexuellen Integrität in vielen Fällen eine andere Qualität, als einfache Körperverletzung.

                  Nur, für die Diskussion über Sexarbeit ist das nicht hilfreich, weil es bei Sexarbeit je eben keine Verletzung der sexuellen Integrität gibt.

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                  • tom174 sagt:

                    Ich glaube schon, dass man Vergewaltigung auch mit bestehenden Tatbeständen genauso schwer ahnden kann.
                    Ich mag den ja nicht ersetzen, abschaffen oder das Strafmass mindern. Die Frage, warum es die Sexuelle Nötigung als eigenen Tatbestand gibt und der eben nicht in dem „normalen“ Nötigungsparagraphen miterfasst wird, ist doch abe eine, die man stellen kann. Völlig wertfrei. Und wie gesagt, der Paragraf ist schon etwas älter.
                    Dass die Strafe an der schwere der Tat und deren Folgen angemessen sein sollte, findet sich auch in den körperverletzungs Beständen wieder.

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                    • Kinch sagt:

                      „Ich glaube schon, dass man Vergewaltigung auch mit bestehenden Tatbeständen genauso schwer ahnden kann.“

                      Ja gut; man kann natürlich auch alle Straftabestände, die sich gegen Personen richten zusammenfassen. „Wer einem Menschen leid zufügt, wird zwischen 1 Monat und 15 Jahre bestraft”, kann man so machen. Macht nur keinen Sinn.

                      „Die Frage, warum es die Sexuelle Nötigung als eigenen Tatbestand gibt und der eben nicht in dem “normalen” Nötigungsparagraphen miterfasst wird, ist doch abe eine, die man stellen kann.“

                      Das sagt dir schon Absatz 1 Paragraph 240 STGB: „[Nötigung ]wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

                      Für Vergewaltigung? Du kannst natürlich Vergewaltigung als neuen Absatz mit eigenem Strafmaß unter 240 packen. Den Nutzen müsstest du mir dann aber mal erklären.

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                    • tom174 sagt:

                      Ich will ja gar net unser Strafrecht auseinandernehmen. Ich wollte eine mögliche Antwort auf Robins Frage geben. Und natürlich spiegelt das Strafrecht auch die Gesellschaft wieder, in der es geschrieben wurde, das ist nicht wegzudiskutieren.

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            • seit wann haben Antifeministen was zu sagen bei der Entlohnung von Sexarbeit? Das ist doch rein Angebot und Nachfrage. Es gibt sicher auch Frauen die einem Mann für 5 Euro auf dem Klo einen runterholen. Ist die relativ hohe Entlohnung aus deiner Sicht eine „Demütigungspauschale“ oder ähnliches?

              Ich sehe ehrlich gesagt nicht wo es auch nur ansatzweise sinnvoll wäre eine Art Bewertungssystem zu erstellen welche Gewalterfahrungen grundsätzlich wie schlimm sind. Statistisch ist wohl das Risiko eines Traumas nach sexueller Gewalt erhöht. es kommt dabei aber sehr auf die Umstände und die Person an. Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben dass wir uns auch sehr danach orientieren wie ANDERE etwas bewerten und wenn einem permanent suggeriert wird, dass eine sexuelle Gewalterfahrung das allerschlimmste ist was passieren kann und es eigentlich besser gewesen wäre ermordert worden zu sein, dann hat das definitiv einfluss!

              ich fände es auch derartig daneben wenn ein patient zu mir käme und erzählt wie schlimm xy war und ich dann anfange das zu bewerten. es ist halt so schlimm wie er es empfindet. ich hatte opfer sexueller gewalt, die weit weniger symptome und leidesdruck angaben als opfer nicht sexueller gewalt. jeder reagiert halt anders. Wer sich freiwillig zur prostitution entscheidet (ich meine ohne direkten zwang) wird auch ein bestimmtes verhältnis zur sexualität haben. es gibt genug menschen, die sich NIE prostituieren würden, egal was passiert. die haben dann eben wieder ein anderes verhältnis dazu. und das ist doch alles völlig ok, man darf nur nicht den fehler machen von der eigenen einstellung („Ich finde es eklig und würde es nicht können!“) auf alle anderen zu schließen – wie ja sina schon sagte.

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              • Robin Urban sagt:

                „seit wann haben Antifeministen was zu sagen bei der Entlohnung von Sexarbeit?“

                Seit nie. Gott sei Dank:mrgreen:

                Ich bin im übrigen auch nicht für ein Bewertungssystem, ich finde die Art, wie das manchmal von antifeministischer Seite ausgeschlachtet wird, sogar ziemlich grauenvoll (lustigerweise kommt das häufig aus der selben Ecke wie die Vorstellung, dass durch Frauen vergewaltigte Männer was sind, über das man sich lustig machen kann :/).

                Was den „Zwang“ angeht, liegt meiner Meinung nach der Knackpunkt. Das kommt ja auch im Interview rüber. Für viele Ausländerinnen ist so ein Job die einzige Möglichkeit, im Land bleiben zu können, weil sie sonst keine Arbeit kriegen. Aber ist das etwa kein Zwang? Wie viele tun das wohl, weil sie ein lockeres Verhältnis zur Sexualität haben? Wie werden diese Frauen vor übergriffigen Freiern geschützt? Und wo bekommen sie Hilfe, wenn sie aussteigen wollen?

                Ich sehe hier einfach eine riesige Diskrepanz zwischen dieser Art Arbeit und anderen Scheißjobs, die potentiell ausbeuterisch sind wie Fließbandarbeit (check!) oder ähnlich „peinlich“ sind wie im McDonald’s arbeiten (check!)…

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                • Klar ist es scheiße wenn Leute aus Zwang Dinge tun müssen, die sie nicht tun wollen.
                  Wäre den Ausländerinnen denn geholfen wenn es keine Sexarbeit gäbe? Nein, denn Sexarbeit ermöglicht ihnen ja immerhin eine Wahl. Klar ist das die Wahl zwischen Regen und Traufe, aber doch besser als gar keine zu haben.

                  Sexarbeit zu kritisieren, weil es für manche Frauen eine beschissene Alternative darstellt ist genauso als würdest du Abtreibung verbieten weil Abtreibung für manche Frauen schlimm und belastend ist. Ja, das ist sie, aber indem du sie verbietest, lässt du den Betroffenen ja dann gar keine Wahl mehr. Eine Welt ohne unerwünschte Schwangerschaften und damit ohne Abtreibung wäre natürlich super, aber die erreichst du ja nicht dadurch dass du abtreibung einfach „wegmachst“ und dann sagst „Na, wenn keiner Abtreibt bedeutet das wohl, dass alle Schwangerschaften erwünscht sind“.

                  Das Einzige was du tun kannst ist Ursachen zu bekämpfen, wie etwa armut und die Arbeitsbedingungen verbessern, wozu eben auch gehört Sexarbeit zu entstigmatisieren und zu zeigen, dass es eine Arbeit ist, die genau wie andere arbeiten ist und nicht schlimmer, ekliger oder prinzipiell erniedrigend.

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                  • Robin Urban sagt:

                    Ich habe doch mit keinem Wort was über ein Verbot gesagt *seufz*

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                    • Dann ersetze verbieten mit kritisieren.

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                    • Robin Urban sagt:

                      Macht dann aber nicht mehr so wirklich Sinn, oder?

                      Ich halte alles, was mit Sex zu tun hat, für einen Bereich, in dem POTENTIELL höhere Verletzungen (nämlich psychischer Art) passieren können, als das z.B. am Fließband der Fall ist. Daher ist hier die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Man könnte z.B. einfach mal anfangen, wirklich nach Opfern von Menschenhandel zu suchen statt nach illegalen Einwanderern (wie Sina berichtet hat). Mit Aufenthaltsgarantie für die Opfer. Aber klar, das kostet dann wieder Geld, will man nicht:/

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                    • klar macht es noch sinn. sexarbeit zu kritisieren finde ich total daneben. zu kritisieren dass es zwangslagen gibt ist doch was ganz anderes und völli berechtigt. das hat aber m.e. einfach nichts mit dem beruf des sexarbeiters an sich zu tun.

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                • Brot sagt:

                  Also ich glaube man tut sich keinen gefallen wenn man den Begriff Zwang zu weit fasst. Sehr viele Menschen arbeiten u.a. des Geldes wegen also aufgrund wirtschaftlicher Zwänge. Wollen wir deswegen jetzt jede Arbeit als Zwangsarbeit bezeichnen?
                  Für mich ist es Zwangsprostitution oder Zwangsarbeit wenn man durch Androhung von Gewalt oder Erpressung zu etwas gezwungen wird. Man also keine Möglichkeit hat dem auszuweichen. Die Frau die ohne Arbeit das Land verlassen müsste hat eben noch die Möglichkeit das Land zu verlassen. Das ist für mich noch keine Zwangsprostitution. Das mag was anderes sein wenn ihr in ihrer Heimat eine Gefahr für Leib und Leben droht, dann dürfte sie aber auch Asyl beantragen.

                  Gruß

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                  • Robin Urban sagt:

                    Man stelle sich folgendes Szenario vor, das meines Wissens nach nicht allzu abwegig ist:

                    Frau will nach Deutschland, kriegt ne Möglichkeit, reist mit vermeintlichen Wohltäter voller Hoffnung los, bäm, landet im Puff, wird zur Prostitution gezwungen.
                    Wenn sie irgendwann erfährt, wie sie sich aus diesem Martyrium befreien kann, wird sie dennoch zögern, wenn es heißt, dass sie dann zurück in ihre Heimat muss. Gerade osteuropäische Länder sind in Moralfragen noch viel strikter als westeuropäische, oft auch noch religiöser. Welche Wahl ist das bitte, entweder zu versuchen, sich daran zu „gewöhnen“ (mit der Zeit vielleicht auch mal „rausgelassen“ zu werden), oder als Hure in ihr Land zurück zu kehren und die gesamte Familie zu beschämen?
                    Das ist für viele wohl zu viel, deshalb bleiben sie.

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            • Miria sagt:

              @Robin: „Wenn man der Meinung ist, dass das Verkaufen des eigenen Körpers als Sexware sich strukturell nicht im Geringsten von dem unterscheidet, was z.B. ich in unserer Kneipe mache, dann negiert man den Faktor, dass Sex eben doch etwas ist, das für die meisten Menschen mit großer Intimität verbunden ist. “

              Eine Sexarbeiterin verkauft nicht ihren Körper, sondern eine Dienstleistung! Der Kunde darf nur in der von der Sexarbeiterin abgesteckten Grenzen mit ihrem Körper umgehen. Mich macht es immer regelrecht agressiv, wenn ich diese Floskel vom „Körper verkaufen“ lese!

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              • Robin Urban sagt:

                Dann füge in Gedanken halt „Dienstleistung“ ein, meine Güte…

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                • sina sagt:

                  Es macht einen grossen unterschied, wie man das öffentlich bezei chnet. Vorstellungen wie sex kaufen=frauen kaufen geben vielen vergewaltigern erst die idee, sie hätten das recht alles mit sexarbeiterinnen zu machen, weil sie ja schliesslich dafür bezahlt haben..

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            • Miria sagt:

              @Robin:“Desweiteren öffnet man dafür Tür und Tor für Forderungen nach Preisdumping, wie ich sie schon öfter von Antifeministen gehört habe. Wenn Sexarbeit dasselbe ist wie Kellnern, dann ist nicht einzusehen, warum eine Frau 30 Euro für eine Viertelstunde bekommen soll. Ich verdiene in einer Viertelstunde weniger als 2 Euro, plus Trinkgeld. Selbst wenn ich den Mindestlohn bekäme, wäre ich immer noch nur bei 2,125 pro Viertelstunde. Warum sollte das bei einer Prostituierten anders sein, wenn es doch das Gleiche ist?“

              Es war die Rede davon, dass Sexarbeit als eine gewöhnliche Arbeit betrachtet werden soll und nicht konkret das Gleiche wie Kellnern. Es gibt durchaus auch andere Jobs, die um einiges besser bezahlt werden, aber kaum einer ist so stigmatisiert wie die Sexarbeit. Ich verdiene 5 Euro in einer Viertelstunde, soltle ich jetzt auch nur noch zwei bekommen, weil es beim Kellnern nicht mehr gibt? Dieser Vergleich ist einfach lächerlich.

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              • Robin Urban sagt:

                Ich dachte, es wäre klar, dass ich an dieser Stelle nicht meine eigene Meinung wider gegeben habe, sondern nur Argumente spiegelte. Was ich schrieb, habe ich so schon öfter gelesen. Ich finde 30 Euro nicht zu viel, sondern zu wenig.

                Davon abgesehen: Ich weiß ja nicht, was du arbeitest, aber sofern es auch eine ungelernte Tätigkeit wie Kellnern ist, halte ich 20 Euro die Stunde (Netto) fast schon unmoralisch, wenn man das denn vergleichen will.

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            • kinch sagt:

              „Warum sollte das bei einer Prostituierten anders sein, wenn es doch das Gleiche ist?“

              Angebot und Nachfrage? Wenn Menschen bereit sind 30 Euro für 15 Minuten zu zahlen, wer soll es ihnen verbieten?

              Und: worauf willst du eigentlich hinaus? Darauf, dass Sinas Erleben nicht repräsentativ ist? Oder darauf, dass Sexarbeit was besonderes ist? Was soll dieses Besondere denn dann für Konsequenzen haben?

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              • Robin Urban sagt:

                Zum Beispiel höhere Entlohnung. Und in den Laufhäusern eine fairere Regelung des Lohns bzw. der Unkostendeckung. Es kann doch nicht sein, dass man erst 5 Kerle ranlassen muss, bis man überhaupt erst mal in den Gewinnbereich kommt.

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                • Kinch sagt:

                  Ja, okay; wenn du für eine Lohnerhöhung bist, kann ich das verstehen. Aber auch für andere Dienstleistungen. Ich bin auch der Meinung, man müsse nicht erst 5 Stunden Kellnern bevor man in der Gewinnzone ist. Mir entgeht irgendwie das moralische Momentun, dass nur für die Prostitution gilt, was du siehst.

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                  • Robin Urban sagt:

                    Ähm, ich bin in dem Moment in der Gewinnzone, in dem ich den Laden betrete…

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                    • Kinch sagt:

                      Ja, schon klar. Aber wenn es anders wäre, wäre das genauso schlimm, wie Prositutierte die erstmal soundsoviele Kunden bedienen müssten.

                      Vielleicht verstehe ich deinen Punkt falsch. Du sagst, dass Sexarbeit unvergleichbar bleiben muss, zu normalen Dienstleistungen, weil sie sonst nicht angemessen entlohnt werden würden, oder?

                      Aber wieso ist eine unterbezahlte Sexarbeiterin schlimmer, als eine unterbezahlte Kellnerin?

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                • sina sagt:

                  @robin: da bi ich 100% bei dir. Und ich bin auch der meinung, dass ausbeutung in der sexarbeit schwerer wiegt als in anderen berufen (zumindst solche, die nicht sehr gesundheitsschädlich sind)

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                  • Robin Urban sagt:

                    Okay, dann gebe ich an dich ab und lass dich erklären, warum das ein Unterschied ist😉 (ich habe auf diese ewig gleiche Diskussion ehrlich gesagt keinen Bock mehr…)

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                  • Kinch sagt:

                    Wenn Sexarbeit belastender als Kellner ist, dann ist ein höhere Lohn natürlich gerechtfertigt; dementsprechend schwerer wiegt eine Unterbezahlung, im Vergleich zu weniger belastenden Dienstleistungen.. Das gilt für alle anderen Berufe aber genauso.

                    War es das worauf Robin hinaus wollte? Weil, dann verstehe ich nicht, wieso sie meint, Sexarbeit sei keine vergleichbare Dienstleistung zu anderen Dienstleistungen, wieso man der Meinung sein müsse, wer Sexarbeit als Dienstleistung auffasse könne nicht glauben, dass Vergewaltigungen traumatisierend seien und wieso es so problematisch ist, dass du von positiven Erfahrungen in dem Gerwerbe gesprochen hast. Das sind alles davon völlig losgelöste Punkte.

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                • Du vergleichst Selbständige mit Angestellten. Ein Bordellbetreiber oder ein Laufhausbetreiber darf nur Zimmer vermieten, er darf aber den Preis nicht vorgeben, allenfalls eine „Hausempfehlung“ wegen § 181a StGB

                  Die Prostituierte zahlt letztendlich Zimmer, Werbung, Lokation, Kundenstrom, Sicherheit etc mit der Miete mit.

                  Dass Selbständige die erste Hälfte des Tages für ihre Umkosten arbeiten ist noch nicht mal unbedingt eine schlechte Quote.

                  Das wären 50% Gewinn bei vermutlich hoher Schwarzgeldquote.

                  Zudem kann sie mit Sonderleistungen das Geld auch mit weniger Kunden verdient haben.

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        • Was deine frage angeht mit dem sexuellen Missbrauch und der Gewalt: Ich hatte natürlich schon sehr viele Patienten damit, aber du müsstest etwas spezifizieren ob du von erfahrungen im kinderalter oder im erwachsenenalter redest und was genau du mit unterscheiden meinst. die erfahrungen sind ja extrem individuell und ich könnte jetzt höchstens bei leuten die beides erlebt haben überlegen, was für sie persönlich das gravierendere war. also wenn du die frage nochmal konkreter stellst kann ich gerne versuchen das zu beantworten.

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    • Sina sagt:

      In diesem Interview geht es wie gesagt um MEINEN Arbeitsalltag. Ich betone genug, dass es der Mehrheit nicht so geht. Mir geht es darum, zu zeigen, dass Sexarbeit eben auch unter guten Bedingungen stattfinden kann und man danach streben sollte, dass alle Sexworker so selbstbestimmt arbeiten können, anstatt die Bedingungen sogar noch zu verschlechtern. Sexarbeiterinnen sollten sich nicht ständig dafür rechtfertigen müssen, dass sie zufrieden mit ihrem Job sind. Ich weiss wirklich nicht, woher der Vorwurf kommt, Escorts würden die ganze Sexarbeit romantisieren- ich kenne keine einzige, welche nicht der Meinung ist, Sexarbeit sei friedefreudeeierkuchen und man müsse nichts verbessern.

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      • Sina sagt:

        Korrektur: „nicht“ vor „der Meinung“ streichen. PS: Ich bin nicht nur als Escort, sondern auch in einem Studio tätig. Escort bedeutet nur, dass man die Kunden auch besucht anstatt sie zu empfangen, nicht notwendigerweise dass man viel verdient (auch wenn es in der Werbung und in den Medien oft als „High-Class“ dargestellt wird).

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      • yacv sagt:

        Die Frage ist letztlich ja, ob Sexarbeit im Laufhaus ein normaler, fieser Job ist, durchaus vergleichbar mit Akkordarbeit bei der Ernte o.ä. oder ob dadurch, dass Sex im Spiel ist, diese Arbeit eine ganz eigene, besondere Kategorie von „Fieser Job“ ist.

        Wenn du nun sagst: „Nö, der Sex ist OK, da habe ich kein Problem mit“, dann ist damit der Anspruch auf den besonderen Status in Frage gestellt.

        Wenn nun aber die Schlussfolgerung „Das kann man nicht vergleichen“ zuerst kommt, folgt daraus, dass an deinem Bericht irgendwas nicht stimmen kann.

        Ansonsten: Danke für die Offenheit🙂

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        • Sina sagt:

          Die Frage ist auch, wieso es denn eine Rolle spielt ob schlechte Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit besonders fies ist oder nicht. Meistens kommt nach Aussagen wie „Kein Beruf wie jeder andere“ Forderungen nach einem Verbot und Repression, anstatt brauchbare Vorschläge wie man die Arbeitsbedingungen verbessern könnte.

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      • Robin Urban sagt:

        Es ging mir hier weniger um dich, sondern um die anderen. Ich glaube dir, dass du das alles so empfindest und zufrieden damit bist. Aber ich frage mich eben, warum sich solche Erfahrungsberichte zuhauf finden, eher negative Berichte von (Straßen-)Prostitution aber so gar nicht? Diese Menschen haben keine Stimme, können keinen Blog unterhalten. Ich finde das schade, denn dadurch wird der Blick auf Prostitution eben doch zu sehr auf einen Bereich fokussiert, in dem Freiwilligkeit, höhere Löhne und Sicherheit gewährleistet sind.

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        • Kinch sagt:

          Dagegen steht aber, die doch weitreichende Stigmatisierung der Prostitution. Die Auswahl an Erfahrungsberichten mag nicht repräsentativ sein, weil sich natürlich vor allem Menschen, die sich positiv mit dem Beruf (oder Job@Maren) identifizieren öffentlich dazu äußeren.

          Andererseits erfahren Sexarbeiter ein hohes Maß an sozialer Ächtigung. Sie werden sowohl kriminalisiert als auch viktimisiert. Ich persönlich sehe, daher solche Bereichte vor allem als eine Form des Selfempowerments. Ich denke, viele wäre geholfen, wenn sich das Bild der Gesellschaft über Prostition ins bessere verschiebt.

          Das zu kritisieren, finde ich wie Fat-Positives dafür zu kritisieren, dass sie, wenn sie Fatpositives Artikel nicht schreiben, nicht auch von den vielen Menschen sprechen, die Probleme mit hohem Gewicht haben.

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        • sina sagt:

          Ich habe nicht das gefühl, dass positive darstellungen von sexarbeit überproportional vertreten sind, im gegenteil. Übrigens: auf meinem blog befasse ich mich hauptsächlich mit aspekten, welch gerade nicht-privilegierte sexarbeiterinnen am härtesten treffen.

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      • @Sina Mir fiel nachträglich noch so ne Neugierfrage ein… mich würde nämlich sehr interessieren wie viele männer eher so ganz „normalen“ sex wollen mit etwas vaginal- und oralsex und wie viele mit eher „aussergewöhnlichen“ vorstellungen kommen. ich fände es mal spannend ob männer bei einer sexarbeiterin eher „einfach sex“ wollen oder mal so richtig aussergewöhnliche dinge erleben, die andere frauen vielleicht weniger machen.

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        • Sina sagt:

          Ich vermarkte meine Dienste auf eine Weise, welche Männer anzieht die eher normalen Sex haben wollen. Würde sagen 80% wollen einfach Sex, 20% haben „spezielle“ Wünsche (welche ich aber eigentlich nicht als aussergewöhnlich ansehe, da sie doch relativ häufig sind).

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    • bertrandolf sagt:

      „Ich habe das Gefühl, dies wird beim Aktionismus für “Sexarbeit” immer wieder vergessen. Hier engagieren sich hauptsächlich Frauen, die ohnehin schon auf der Sonnenseite dieses Jobs stehen, obschon die gesellschaftliche Stigmatisierung sicher nicht cool ist. “

      Da hast du sicherlich Recht. Aber die Frage ist, sollen diese Frauen auf der Sonnenseite, nicht für einen besseren Ruf und gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen. Im Grunde haben diese nur indirekt etwas mit denen auf der Schattenseite zu tun. Wenn sich die Mitarbeiter aus dem Hotel Adlon profilieren wollten, dann würde auch niemand Zurückhaltung oder eine deutliche Heraussstellung fordern, das viele im Hotelgewerbe schlecht bezahlt werden und miese Arbeitsbedingungen haben. Der Unterschied zieht sich quasi durch die gesamte Gesellschaft, beispielsweise bei Zeitarbeitern und fest Angestellten…

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      • Robin Urban sagt:

        Ja, das ist halt mein Punkt. Sämtliche Sexarbeit wird immer in einem Topf geschmissen. Und wenn dann eine meint, dass sie damit kein Problem hat und super damit leben kann, jubeln alle und denken keine Sekunde daran, dass dieses Feld einfach noch viel, viel weiter ist. Hier geschieht oft nicht die geringste Differenzierung.
        Auf nicht mehr wollte ich eigentlich hinaus.

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        • tom174 sagt:

          „Und wenn dann eine meint, dass sie damit kein Problem hat und super damit leben kann, jubeln alle und denken keine Sekunde daran, dass dieses Feld einfach noch viel, viel weiter ist. Hier geschieht oft nicht die geringste Differenzierung.“
          Ich bin mir nun nicht ganz schlüssig, wie ich dich da zu verstehen habe. überspitzt: Wenn die Stunde 300 Euro kostet, dann ist Prostitution ok, wenn es 30 Euro pro 15 Minuten sind nicht?
          Oder bist du auf Sina’s Seite, dass vieles an den Arbeitsbedingungen getan werden muss? Die Hydra-Seite hat da so ein paar Forderungen, die da in die Richtung gehen würden.

          Dass Zwangsprostitution eines der schlimmsten Verbrechen ist, keine Frage. Beschaffungsprostitution hmmm… hier ist das Problem nicht die Prostitution, sondern die Sucht und unsere Drogenpolitik.
          Armutsprostitution (gerade von ausländischen Prostituierten).. Armut bekämpfen, klar. Aber die 30 Euro pro 15min oder 60 dann in der stunde (bei zwei typen) mögen für die ebensoviel sein wie die 300 oben.
          „Aber ich frage mich eben, warum sich solche Erfahrungsberichte zuhauf finden, eher negative Berichte von (Straßen-)Prostitution aber so gar nicht? Diese Menschen haben keine Stimme, können keinen Blog unterhalten. “
          Es gibt die Organisationen, Hydra ist so eine, die sich mit den Frauen auch auf dem Strassenstrich reden. Alles, was da rauskommt wird aber auch wieder als nicht glaubwürdig dargestellt und diskreditiert. Man könnte auch glauben, dass wenn es so viele positive Berichte gibt, die Mehrheit der Frauen das tatsächlich freiwillig tut.

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          • bertrandolf sagt:

            „Man könnte auch glauben, dass wenn es so viele positive Berichte gibt, die Mehrheit der Frauen das tatsächlich freiwillig tut.“

            Die Unterschiede liegen im sozialen Millieu, ob im oberen die Person es tatsächlich für viel Geld freiwillig macht und sich die Kunden aussuchen kann. Im unteren schlägt doch durch die Bank die Kognitive Dissonanz zu. Genauso wie die Harzer, irgendwann reden die ihr Leben schön und werden überzeugte Harzer oder die Lohnsklaven…. Die Folgen sind doch quasi immer gleich, schlechte Familie, bzw. Heimkind, dann schlechtes Leben.

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          • Robin Urban sagt:

            „Ich bin mir nun nicht ganz schlüssig, wie ich dich da zu verstehen habe. überspitzt: Wenn die Stunde 300 Euro kostet, dann ist Prostitution ok, wenn es 30 Euro pro 15 Minuten sind nicht?
            Oder bist du auf Sina’s Seite, dass vieles an den Arbeitsbedingungen getan werden muss? Die Hydra-Seite hat da so ein paar Forderungen, die da in die Richtung gehen würden.“

            Beides. Aber wegen den Kosten: Die müssen eben die Umstände decken („Lohn ist auch immer Schmerzensgeld“ hat mir mal jemand süffisant gesagt, als ich darüber klagte, dass sich manche Gäste wie Dreckschweine aufführen – im viel höheren Maße trifft das auf Sexarbeit zu).
            Bei Christian gab es, ebenfalls sehr süffisant, den Hinweis, dass 30 Euro pro Viertelstunde ein wahrlich gewaltiger Stundenlohn ist. Stimmt ja auch, aber dabei wird halt völlig ausgeblendet, dass kein Mensch sowas 8 Stunden lang durchhält. Man kann nicht einfach sagen „30x4x8=960, yay, Nutten sind voll reich“. Selbst wenn das stimmen würde (die Zeit, sich wieder frisch zu machen und einen neuen Freier an Land zu ziehen muss ja abgezogen werden) – das wären verdammt noch mal zweiunddreißig Nummern am Tag. Das Sexarbeit für viele kein Problem darstellt, okay – aber eine SOLCHE Menge? No, Sir, das würde NIEMAND freiwillig machen.

            8 Stunden am Band stehen können aber komischerweise viele.

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        • bertrandolf sagt:

          Ja. Die Differenzierung hat defintiv mit den sozialen Schichten zu tun, also mit dem Klassenkampf, bzw. Klassismus. Schon das Sina ihren Nebenjob neben dem Studium ausgeführt hat, zeigt diese Richtung.

          Habe auch mal kurz gegoogelt und sogar die femministischen Studien sind mit diesen Koflinkt durchzogen. Die Schweden haben die untere Schicht durchleuchtet und deswegen Prostitution verboten. Die Deutschen die obere Schicht und fördern diese. http://www.gigi-online.de/FeministInnen%20auf%20dem%20Strich45.htm

          Das ist ja wirklich spannend und gerade Klassismus intressiert mich.

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        • soulless sagt:

          Diese Differenzierung geschieht aber nirgends. Auch Berichte über LKW-Fahrer, Massen-Schweine-Schlachter und so weiter sind entweder aufgebaut nach dem Motto „Die werden total ausgenutzt und müssen sich für einen Hungerlohn zu Tode arbeiten“ oder „Das macht total Spass und man kann sagen das war schon immer mein Traumjob“ …. je nachdem was für ein Interesse hinter dem Bericht steckt.

          Bei Sexarbeit ist es aber fast nur so das jeder dieses Bild im Kopf hat von den X-Tausend Berichten und Geschichten der zwangsverschleppten und dauervergewaltigten Osteuropäerin oder dem mit durchstochenen Armen an der Strassenecke stehenden Junkiemädchen.

          Wenn man sich den Artikel dann auch mal durchliest ohne „Aber das ist doch nur eine Minderheit und die Mehrheit steckt doch voll in der Scheisse weil Sexdienstleistungen zu verkaufen muss ja auf jeden Fall viel traumatisierender sein als jeder andere Job wie zum Beispiel Schweine für 3 EUR die Stunde auszuschlachten“ bemerkt man mit Sicherheit auch das Sina die Stigmatisierung der Sexarbeit als Hauptproblem anspricht. Und diese Stigmatisierung der Sexarbeit eben durch dieses „Das muss traumatisierender sein als jeder andere Job weil es um Sex geht“ betrifft alle Sexarbeiter. Weil auch die Frau, die das macht um über die Runden zu kommen, und das Junkiemädchen sind von dieser Stigmatisierung betroffen.

          Wenn dann also so ein Artikel hilft mal ein anderes Bild als das sehr weit verbreitete der armen dauervergewaltigten Zwangsarbeiterin zu zeichnen ist so ein Artikel absolut zu begrüßen. Artikel über dauervergewaltigte Zwangsarbeiterinnen finden sich nämlich massenweise und immer wieder in den grossen Medien und werden sich bestimmt bald noch mehr finden wenn es darum geht Prostitution wieder zu verbieten.
          Was vielleicht mal schön wäre wäre ein Artikel über die Osteuropäerin welche ganz bewusst und freiwillig hier in der Anonymität des Auslands sexuelle Dienstleistungen im ganz normalen Puff anbietet um genug Geld zu verdienen damit sie ihrer Tocher, die in der Zeit bei der Oma wohnt, in der Heimat ein gutes Leben bieten kann. In der Heimat, wo niemand weiss was sie hier macht, weil das niemand wissen darf. Könnte ja sein das man sich mit so etwas dann mal dem Normalzustand nährt. Weder ausgebeutet noch HighLive sondern ganz Job wie jeder andere Job mit Vor und Nachteilen und mit dem man ohne grosse Ausbildung gutes Geld verdienen kann.

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          • Sina sagt:

            „Was vielleicht mal schön wäre wäre ein Artikel über die Osteuropäerin …“

            Das vermisse ich auch. Denn die derzeitige Berichterstattung führt zur Verfestigung rassistischer Stereotype; Osteuropäerinnen sind alle Opfer sexueller Gewalt vs. selbstbestimmte Einheimische. In einigen Ländern gibt es sogar Vorschläge aus dem Rechten Lager, ausländische Sexarbeiterinnen nicht mehr reinzulassen…natürlich unter dem Vorwand, man wolle Menschenhandel vermeiden.

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            • Seitenblick sagt:

              @Sina
              „natürlich unter dem Vorwand, man wolle Menschenhandel vermeiden.“

              Yep, das ist in der Tat auffällig. Ich kriege das zwar nur über die Berichte in den größeren Medien mit. Aber hier gibt es offenbar ganz interessante Allianzen zwischen ordnungspolitischen Hardlinern, bei denen ich auch rassistische Motive vermute, und den Emotionalisten, die beim Thema käuflicher Sex gleich in Schnappatmung verfallen.

              Beide Seiten brauchen natürlich das Stereotyp „hierbei gibt es ausschließlich Opfer und Ausgebeutete“ und wehren sich gegen Differenzierung. Auch wenn diese Gruppen unterschiedliche Interessen dabei verfolgen.

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              • soulless sagt:

                Diese Allianz sehe ich auch. Die linke Feministin die in Prostitution nichts anderes als Ausbeutung sehen kann und der rechte Ausländerhasser der dieses Thema als Grund nimmt Einwanderung schärfer zu kontrollieren.
                Dabei wäre der erste und beste Schritt mit Sicherheit zu sagen das man Sexarbeiterinnen, bei denen der Verdacht auf Menschenhandel besteht, Zeugenschutz und unbefristeten Aufenthalt anbietet damit sie sich trauen gegen Täter auszusagen. Dazu müsste man allerdings zuerst einmal anfangen zwischen Menschenhandel bzw. Zwangsarbeit und Prostitution zu unterscheiden und beides getrennt betrachten.

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          • bertrandolf sagt:

            Osteuropäische Frauen scheinen aber allerdings oft systematisch ausgebeutet zu werden, egal ob bewusste Entscheidung oder nicht. Es gibt ja keinen regulären Bewerbungsprozess, den sie durchlaufen. Sondern werden ins Land gefahren, dann noch vermittelt, in einem Land, wo sie sich nicht auskennen und deren Recht und Sprache fremd ist . Dann kommen die dubiosen Transporteure und sagen, zahl mir erstmal den Transport und Vermittlung, bis dahin kannst du bei uns wohnen und zahlst dafür Miete. Dann sind die Frauen ein paar Jahre bis alles abgezahlt wurde, in diesem Abhängigkeitsverhältnis.

            Und viele sprechen von einer Systematik, wobei in den Medien tatsächlich die andere (deutsche) Seite fast ausschließlich um die Finanzierung des Studiums oder um beidseitiges Vergnügen dargestellt wird. Zum Beispiel lief gestern auf 3Sat um 20:15 ein Bericht über Callboys, die wirklich dick Geld bekommen und auch Ansprüche haben.

            Ich sehe aber allgemein die gesamte Gesellschaft mit ähnlichen Widersprüchen durchzogen. Nur wenn jemand für 3 Euro arbeitet, dann kommt der Spruch: „Angebot und Nachfrage“ oder die Löhne müssen die Produktivität widerspiegelno_O

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            • Brot sagt:

              Ich frag mal direkt: Hast du irgendwelche konkreten Zahlen dazu? Ich habe kürzlich erst gelesen das dieses Phänomen, das der massenweisen Zwangsprostitution Osteuropäischer Frauen in Deutschland, zwar herbeigeredet wird, sich aber kaum durch konkrete Zahlen untermauern lässt. Hier http://www.spiked-online.com/newsite/article/2850#.UmkBHpGwBtw findet sich z.B. ein Artikel der sich auf die Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland bezieht. Damals wurde mit 40.000 Zwangsprostituierten gerechnet. Tatsächlich gefunden hat man dann trotz gezielter Suche nur 5.

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              • bertrandolf sagt:

                Ich weiss nicht ob die Frage ernst gemeint ist, aber ich beantworte sie. Illegale Aktivititäten konkret zu quantifizieren ist niemals möglich, höchstens schätzbar. Es gibt auch keinerlei konkreten Zahlen zu Steuerhinterziehung, Cannabiskonsumten, Drogendealer, gewaschendes Geld usw. in Deutschland. Das bedeutet aber nicht das es dies alles nicht gibt.

                Aus dem BKA Lagebericht 2011:

                „Die Mehrzahl der ausländischen Opfer stammt aus EU-Mitgliedstaaten und besitzt somit eine legale
                Aufenthaltsmöglichkeit in Deutschland. Die damit einhergehenden Schwierigkeiten der
                Strafverfolgungsbehörden, Opfer des Menschenhandels zu identifizieren und entsprechende Ermittlungen
                gegen die Täter einzuleiten, sind bekannt und unverändert. So besteht insbesondere bei mutmaßlichen
                Opfern aus Rumänien und Bulgarien wenig Bereitschaft, mit der Polizei und den Beratungsstellen zu
                kooperieren. Anfänglich gewonnene Zeugenaussagen werden oftmals zurückgezogen, gerade wenn die
                Opfer während der Ermittlungen auf eigenen Wunsch ins Heimatland zurückkehren, so dass die justizielle
                Aufarbeitung der Menschenhandelsdelikte erheblich erschwert bzw. unmöglich wird.“

                Kannst da drin ja bisschen rumsmökern, ist aber unnötig.

                http://www.bka.de/DE/ThemenABisZ/Deliktsbereiche/Menschenhandel/Lagebilder/lagebilder__node.html?__nnn=true

                Ich sehe vor allen Dingen, dass das derzeitige Gesetz gegen die Wand fährt. Irgendwann kommt der große Skandal mit Menschenhandel in der Sexarbeit und diese wird dann ganz schnell wieder verboten. Bin ja auch nicht dagegen, sondern würde sogar eine Art weiterer legalisierung befürworten.

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            • Sina sagt:

              ich halte es schon für möglich, dass sexarbeiterinnen aus osteuropa oder aus dem sonstigen ausland häufiger in prekären situationen landen (u.a. durch unsicheren aufenthaltssatus). Einige wissen zb. gar nicht wie einfach es wäre selbständig zu arbeiten, weil sie nur ihre jeweiligen clubs kennen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dazu gezwungen werden (mehr als alle arbeiter im kapitalismus) oder dass es der mehrheit so geht. Ich habe auch keine zahlen dazu, habe aber schon einige selbstbewusste osteuropäische sexarbeiterinnen getroffen. Mich stört es nicht wen man auf missstände hinweist, aber diese generalisierung schadet schlussendlich den betroffenen. Ich hatte auch schon kunden, welche nur deutsche/schweizerinnen treffen wollten ‚weil alle anderen ja gezwungen werden‘. Weit hergeholt könnte man fast spekulieren, da stünde eine verschwörung einheimischer sexarbeiterinnen, welche sich über preiszerfall ärgern dahinter^^ (meine ich natürlich nicht…aber das wäre die

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              • Sina sagt:

                (Fortsetzung)….beste strategie, wenn sexworkers-rights-organisationen gegen ausländische oder schlechterverdienende wären, wie es im emma-forum behauptet wird.

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              • bertrandolf sagt:

                Aah, ich verstehe jetzt auch erst, was diese Preisdrückerei bedeuten soll. Gerüchte über die Konkurrenz streuen um sie in Misskredit zu bringen und ihrem Ansehen zu schaden. Mit dem Zweck die eigene Attraktivität zu erhöhen.

                Ich dachte auch eher an die jungen Damen, die am Straßenrand oder Wohnwagen stehen und in Flatrateclubs ihr Dasein fristen. Wo niedriger Preis und Masse zählt.

                Nicht zum Beispiel an die gehobene Atmosphäre, ein Clubs zum Beispiel. Wo nur gepflegte Herren Zutritt gestattet wird und schon eine gewisse Summe investiert werden muss. Dort sind natürlich auch alle Ethnien und Nationen vertreten und wenn dort das Personal unter Druck gesetzt wird, dann ist dies nicht der Atmosphäre dienlich.

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          • Gnito sagt:

            „Artikel über dauervergewaltigte Zwangsarbeiterinnen finden sich nämlich massenweise und immer wieder in den grossen Medien und werden sich bestimmt bald noch mehr finden wenn es darum geht Prostitution wieder zu verbieten.“

            Was heißt hier „wieder zu verbieten“? Prostitution war in der BRD m.W. noch nie verboten. Bordelle und FKK-Clubs gab es jedenfalls auch schon vor 2002. Sollte es zu einem Prostitutionsverbot kommen – unter eklatanter Verletzung grundgesetzlich garantierter Grundrechte – wäre dies ein neuer Tiefpunkt.

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  4. Yesa sagt:

    Danke an euch beide, ich fand es interessant – und ehrlich gesagt auch ohne jegliche Wertung, sondern als persönlichen Erfahrungsbericht.

    Aber wenn hier die Unterscheidung Straßenstrich/Eskort schon angesprochen wurde, dann ist wenigstens Eskort doch schon ein Beruf wie jeder andere – Straßenstrich/Laufhaus ist ne andere Schiene. Und mal halbwegs polemisch Arzt oder Lehrer ist doch auch ein Beruf wie jeder andere warum verdienen die denn soviel mehr als ne Friseurin? Die Argumentation mit „Beruf wie jeder andere“ und „aber das führt zu Lohndumping“ geht meiner Meinung nach ein wenig schief – auch wenn mein Beispiel gerade natürlich hinkt wegen Ausbildungszeit etc. aber im Endeffekt ist es doch so: ein Arzt verdient soviel weil er etwas macht, was nicht jeder kann. Eine Frau (oder Mann) im Eskort verdient soviel (gerade im „bizarren“ Bereich wie im oben verlinkten Artikel) weil sie/er/es (wollen ja die Transsexuellen nicht vergessen) etwas macht was nicht jeder machen kann oder möchte.

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    • Yesa sagt:

      ich merke gerade bitte das „es“ in der zweitletzten Zeile streichen – da war mein etwas abwegiger Humor mal wieder schneller als mein Hirn und hat vergessen, dass da nicht jeder die gleichen Assoziationen hat wie ich. also auch wenns noch keiner angemeckert hat, ich entschuldige mich für absolut unpassende Wortwahl

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      • yacv sagt:

        http://whoneedsfeminism.tumblr.com/post/63407861363/i-need-feminism-because-my-gender-identity-and-my

        Solche Leute lassen einem kaum eine andere Wahl, als zu „es“ zu greifen. Die beiden Alternativen werden ja lautstark als Übergriff empfunden.

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        • Yesa sagt:

          naja bei uns is es aus praktischen gründen „es“ geworden, aber mein solcher is halt auch recht selbstironisch da geht das dann.
          aber recht machen kann man es niemandem schätz ich. der eine empfindet dann er/sie als übergriffig der andere es.

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        • gracuch sagt:

          Als ‚es‘ kannst du dein Haustier bezeichnen, aber keinen Menschen.

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          • IULIUS sagt:

            Die Kuh, der Ochse. Das ist natürlich ein „es“ bei einem Menschen fehl am Platz.😉

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            • gracuch sagt:

              ‚Das‘ Tier. Transphob bleibt ‚es‘ allemal.

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              • Kinch sagt:

                Es ist nicht korrekt mit „es” Transexuelle zu bezeichnen, weil sie ja ein Geschlecht haben. Genauso falsch is es aber zu behaupten, kein Mensch identifiziere sich als Geschlechtlos und würde nicht als „es” bezeichnet werden wollen.

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                • gracuch sagt:

                  Wenn dich jemand bitten sollte, statt weiblicher oder männlicher Pronomen ‚es‘ zu benutzen, dann bitte.
                  Aber häufig benutzen Leute ‚es‘, um sich über die Person lustig zu machen. Die Intention des Sprechers lässt sich damit häufig ganz eindeutig bestimmen.

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                  • IULIUS sagt:

                    „Die Intention des Sprechers lässt sich damit häufig ganz eindeutig bestimmen.“

                    Die Intention von Menschen, die anderen vorschreiben wollen was sie wie zu sagen haben eher.

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                    • gracuch sagt:

                      Wenn du Menschen mit ‚es‘ bezeichnest, wundere dich nicht, wenn man dich dann für transphob hält und scheiße findet.

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                    • IULIUS sagt:

                      „wenn man dich dann für transphob hält und scheiße findet.“

                      Ist nicht ganz richtig. Das muß anstelle von „man Dich“ heißen: „ich Dich“

                      Damit kann ich leben.😉

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                    • Yesa sagt:

                      wie ich im zweiten Kommentar direkt schrieb war das es einfach nur falsch am Platz🙂 Wie gesagt in meiner Familie ist es halt so dass auch schon mal von dem es die Rede ist. Nach einiger Zeit nachdenken (ich glaub es liegen 10 minuten nach meiner Revision meines eintrages aber das könnte man nachprüfen editieren kann ich meinen post ja nicht) habe ich schon selbst gesagt dass das höflich ausgedrückt eine unglückliche Wortwahl war, neutral ausgedrückt eine Allgemeinisierung die hier nicht hingehört und weniger höflich ausgedrückt einfach scheiße rüberkam (und das hab ich gemerkt ehe die mahnenden Stimmen kamen🙂 )

                      Das ich allerdings transphob sei, das wage ich mal knapp zu bezweifeln. Nein ich komme jetzt nicht mit in meinem Freundeskreis… ich komme noch kränker. Ich bin mit einem Transmann verheiratet und habe den ganzen Weg von der ersten „bewussten“ Äußerung (davor gab es schon Anzeichen) über die Psychotherapie, Anfang der Alltagserprobung, Hormontherapie etc pp mitgemacht. also ganz ehrlich ich bin ein Trottel wenn es um Worte geht und trete gern in Fettnäpfchen und leider genauso gerne Leuten auf die Füße, aber dass ich transphob bin ne sorry beim besten Willen nicht

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    • Sina sagt:

      Genau: Kein Beruf ist wie der andere^^in den meisten Berufen gibt es irgendwo auf der Welt schreckliche Zustände. Der Strassenstrich ist in vielen Fällen sicher kein schöner Arbeitsort, aber das ist eine Mine in China auch nicht…ich behaupte sogar, letzteres ist weitaus gefährlicher . Trotzdem ist Minenarbeiter ein Beruf und man verbindet die Frage, ob Minenarbeiter Rechte haben sollen nicht mit einer riesigen Diskussion, ob Minenarbeiter nun ein „richtiger“ Beruf ist oder nicht.

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      • Seitenblick sagt:

        @Sina

        „Trotzdem ist Minenarbeiter ein Beruf und man verbindet die Frage, ob Minenarbeiter Rechte haben sollen nicht mit einer riesigen Diskussion, ob Minenarbeiter nun ein “richtiger” Beruf ist oder nicht.“

        Ein sehr guter Hinweis.
        Ich denke, bei der Diskussion „kein Beruf wie jeder andere“ wird ein etwas sachlich-nüchternerer Blick durch zwei Punkte erschwert:

        Erstens neigen Menschen ja generell dazu, die Art, wie sie bestimmte Situationen erleben, für allgemeingültig zu halten. Es hapert nun mal oft an der Erkenntnis, dass die gleiche Situation von Menschen verschieden erlebt werden kann. Wodurch es schnell zur hysterischen Übergriffigkeit kommt a la „glaube ich dir nicht, das sagst du doch nur weil [Pathologisierung xy].“

        Zweitens verschärft sich genau diese Schwierigkeit beim Thema Sexualität, weil es doch oft recht emotional aufgeladen ist. Da kommen ja nicht nur die individuellen Lust/Frust-Biografien mit ins Spiel. Mindestens genau so wichtig sind wohl die untergründigen – kollektiven? – Vorstellungen darüber, was „anständige Frauen und Männer“ sind und machen (dürfen), wer wie Sex haben darf und wer wie gerade nicht.
        Die nach außen so sexuell aufgeklärte und liberale Gesellschaft schleppt im Untergrund wohl doch noch ein sehr starres Normengeflecht mit sich rum.

        Da helfen wohl nur viele weitere sachlich gehaltene Interviews wie dieses hier.

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  5. Ich würde nicht so weit gehen es einen Beruf zu nennen, eher einen Job. Ein Beruf ist mEn etwas, wo man ausgebildet wurde, etc.
    Wenn man ehrlich ist, arbeiten doch die meisten Menschen im Gewerbe, weil sie dringend (viel) Geld brauchen und unter der Prämisse, irgendwann etwas anderes zu tun. Auch für dich, Sina, ist es nur ein Nebenjob, so wie ich das verstanden habe. Zudem, scheinst du hübsch und von dem Job unabhängig genug zu sein, dir deine Kunden aussuchen zu können. Wie wäre es, wenn das nicht der Fall wäre? Wenn du z.B. bestimmte Praktiken anbieten müsstest, die dir eigentlich zuwider sind, um im Rennen zu bleiben, weil dein Gesicht/Körper nicht reicht?

    Ich stimme insofern Robin zu, dass Escort und Laufhaus zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

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    • Kinch sagt:

      Ja, was dann? Wenn die Bedingungen der Job-Ausübung schlechter wären, fände sie den Job vielleicht schlechter. Welche Erkenntis kann man daraus jetzt mitnehmen?

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    • Das finde ich jetzt ähnlich merkwürdig wie wenn ein Topmodel sagen würde, dass ihr das Modeldasein Spaß macht und man sie fragte „Ja, und wenn du weniger hübsch wärst?? Wenn du nur in irgendwelchen Billigkatalogen gebucht würdest und wenig Geld hättest??“ oder einen schauspieler zu fragen, was wäre wenn er weniger Talent hätte.

      Zum Job gehört eben gutes Aussehen, sexuelle Offenheit, etc. In jedem Job gibt es bestimmte Eigenschaften die zum Erfolg beitragen, aber das sagt doch null über den Job aus.

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      • Naja, sie sagt ja z.B., bei der Frage nach den Arbeitszeiten: „Meine Woche richtet sich danach, wie viel ich in meinem Hauptberuf zu tun habe und worauf ich Lust habe. Diese Flexibilität ist typisch für Sexarbeit.“ Ist es eben nicht. Es ist vielleicht typisch für ihre Sparte, aber nicht für Sexarbeit an sich.
        Da schwingt man von einem Extrem, „Alle Sexarbeiter werden ausgebeutet und ganz mies behandelt“ zu „Sexarbeiten tu ich nur wenn ich Bock drauf hab, weil ich das Geld nur so als Extra brauche“
        Und wieder wird es nicht als richtiger Job beschrieben, weil ein Job ausgeübt wird um Geld zu verdienen, nicht aus Abenteuerlust.

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        • Was ich sagen will: Sina schadet mit diesen Aussagen mEn denjenigen, bei denen es tatsächlich ein Beruf ist, keine Zwischenstation. Weil es eben eine Steilvorlage ist, die Preise zu drücken, zudem den anderen Frauen ein Stück weit Professionalität entzieht, die sie bitter benötigen, wenn sie das täglich machen, sprich, dass diese Frauen zusätzlich eine Leichtigkeit vorspielen müssen. Das stell ich mir schwer vor.

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          • Warum sollte jemand den Preis drücken weil er davo ausgeht die Frau macht das gerne? Denkst du nicht, 95% der Freier redet sich ohnehin ein, dass sie das grade gerne tut? Was für ein Freierbild ist es denn wenn du annimmst, die denken alle „ooooh, das arme ding findet es sicher grade voll widerlich mir einen zu blasen“… das macht doch icht geil (ausser die paar prozent sadisten, die drauf stehen frauen zu demütigen)

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            • @emn
              Argh, das ist doch allerfeinstes schwarz-weiß denken. Entweder Demütigung oder Spaß inne Backen. Hast du schonmal in nem Lächelberuf gearbeitet? Es ist unheimlich schwierig 5 Tage die Woche von 9-17h fröhlich und freundlich zu sein. Nun stell dir mal vor, du wärest hauptberuflich Sexworkerin und müsstest 40h die Woche das Sexkitten geben.

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              • häh? ich verstehe überhauot nicht deinen punkt. du hast dich beklagt dass solche berichte den preis drücken weil die männer dann meinen, den frauen mache sowas spaß.

                ich habe geantwortet, dass die männer ohnehin davon ausgehen dass die frau mit spaß bei der sache ist (und solche berichte somit auch nicht den preis drücken!)

                nun kommst du, wirfst mir schwarz weiß denken vor? Häh? WTF? Ich sage doch nicht, dass jede sexarbeiterin immer spaß hat, ich sage, dass sie die illusion verkauft, dass es so ist. denkst du, sie würde mehr geld kriegen wenn sie dem kunden suggeriert, dass es grade eine totale zumutung darstellt, dass er sie penetriert? wohl kaum, oder? alsop warum sollte es auch nur ansatzweise den preis drücken wenn eine sexarbeiterin im interview sagt, dass sie gerne arbeitet.

                wenn ich sage, dass ich gerne psychotherapeutin bin, kommt dann der nächste patient und sagt „jo, sie reden ja sicher voll gere mit mir, deshalb gibts heute nur die hälfte“?

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                • @EMN
                  *wenn ich sage, dass ich gerne psychotherapeutin bin, kommt dann der nächste patient und sagt “jo, sie reden ja sicher voll gere mit mir, deshalb gibts heute nur die hälfte”?*

                  Der Unterschied ist, dass du eine Ausbildung hast, die dich für ein gewisses Gehalt qualifiziert.

                  Ok, pass auf, du hast auf der einen Seite die Frauen, nennen wir sie der Einfachheit halber Huren, die darauf angewiesen sind, dieses Geld zu verdienen, weil es ihre einzige Einnahmequelle ist. Auf der anderen Seite hast du die Frauen, nennen wir sie Escorts, die ein, zwei Kunden in der Woche machen, weil sie eben nicht drauf angewiesen sind.
                  Die Escorts sind dafür bekannt, Spaß inne Backen zu haben beim Job, sonst würden sie ihn ja nicht machen, sind ja nicht drauf angewiesen. Sie setzen also einen gewissen Standard, quasi girlfriendsex.
                  Die Huren können, aufgrunddessen dass sie längere Arbeitszeiten haben und nicht nur ein, zwei Freier, wenn ihnen danach ist, diesen Standard nicht bieten, sie können sich nicht so auf einen einzelnen Kunden einlassen wie ein Escort, wie auch, bei einer Vollzeittätigkeit im Vergleich zu einem Minijob. Was müssen sie also tun, damit ihnen nicht die Kunden weglaufen? Genau, sie müssen ihre Preise senken. Was schlußendlich darauf hinausläuft, dass sie NOCH weniger Muße auf den einzelnen Kunden verwenden können.

                  Frauen, die diesen Job so behandeln wie ein Hobby, für das sie netterweise noch Geld kriegen, schaden den Frauen, die auf diesen Job angewiesen sind, und sich daher den Luxus nicht leisten können.
                  Wie gesagt, du hast eine objektivierbare Qualifikation, das haben diese Frauen nicht.

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                  • man könnte ja durchaus über eine zertifizierung oder ähnliches nachdenken in dem bereich sexarbeit. „ausgebildete tantra-spezialistin“ oder „fortbildung in bdsm“ oder so ähnlich.

                    dennoch sehe ich noch immer nicht wo frauen wie sina den anderen schaden, denn wie gesagt, FREUDE am Sex wird eben erwartet. Ein Freier wird doch nicht deshalb zufriedener mit einem lustlosen „ja dann mach halt aber werd schnell fertig, ich find das hier nämlich voll eklig“ nur weil eine sina die klappe hält.
                    Vorgetäuschte Freude ist eben teil der jobbeschreibung.

                    du kannst doch auch nicht sagen, dass ne glückliche sterwardess nun allen unterbezahlten kellnerinnen schadet. es gehört halt zum job den kunden keine fresse entgegenzuhalten und ihnen lustlos ihre dienstleistung vor den latz zu knallen. eine sexarbeiterin, die verdammt gut ist kann sich ne stammkundschaft aufbauen und dann auch langsam ihre preise erhöhen.

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                  • tom174 sagt:

                    Und dann noch die ganzen Frauen, die umsonst Sex haben. Die ruinieren ja das Vollzeit-Sexworker-Business Modell komplett. Scnr.

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                    • Kinch sagt:

                      Ha! Zwei Doofe ein Gedanke.

                      Eigentlich, wenn mans genau nimmt, schaden auch mastubierenden Männer Prostutierten. Wir wollen ja nicht nur die Schuld den Frauen geben.

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                    • sina sagt:

                      Das habe ich auch gerade gedacht…und das gilt nicht nur für sex, sondern auch für andere märkte. Wenn es wieder mehr hausfrauen gäbe, würden auch weniger young professionals in hippen restaurants essen…

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                  • Kinch sagt:

                    „Frauen, die diesen Job so behandeln wie ein Hobby, für das sie netterweise noch Geld kriegen, schaden den Frauen, die auf diesen Job angewiesen sind, und sich daher den Luxus nicht leisten können.“

                    Im Grunde genommen, schadete jede Frau die unentgeldlich mit Männern verkehrt professionellen Prostituierten. Tja, da haben wirs: Homefucking is killing prostitution.

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                    • Ihr wollt dass es behandelt wird wie ein beliebiger Beruf, also tu ich das auch.So isset nunmal, da könnt ihr lästern wie ihr wollt.

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                    • Kinch sagt:

                      „Ihr wollt dass es behandelt wird wie ein beliebiger Beruf, also tu ich das auch.So isset nunmal, da könnt ihr lästern wie ihr wollt.”

                      Bist du der Meinung, dass ich was gesagt habe, dass dazu im Gegensatz steht?

                      Natürlich schaden Menschen, die Dienstleistungen freiwillig machen, Menschen, die Dienstleistungen aus Notwendigkeit machen. Freunde ersetzen auch so manchen Therapeuten; ob Ausbildung hin oder her.

                      Dienstleistung „Sex” ist im gewissen Maßen leicht substituierbar, das stimmt. Das kann für einige Sexarbeiter zu Problemen führen.

                      Aber: Wofür soll das ein Argument sein? Soll sich Sina jetzt schlecht fühlen, weil die Freier die sie bedient, möglicherweise sonst zu Prostituieren gehen würden, die das Geld mehr brauchen als sie? Und soll sie deshalb nicht öffentlich über ihre Erfahrungen berichten dürfen?

                      Das finde ich ne lächerliche Kausalkette. Da finde ich Menschen die Handys kaufen und damit Kindersklavenarbeit und Vergewaltigungen im Kongo mifinanzieren schlimmer.

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                    • IULIUS sagt:

                      Jeder Arbeitnehmer verkauft seine Arbeitskraft, genauer seinen Körper, der die Arbeitkraft in welcher Form auch immer leistet. Die einen ihre Hände, die anderen ihren Kopf, wieder andere ihre Füße, ihr Aussehen, das Auftreten. Eine Sexarbeiterin macht nichts anderes.

                      Ich habe vorhin gelesen, daß eine Prostituierte 5 Freier bedienen muß um ihre Unkosten rein zu bekommen. Hey Leute, das ist ihr Beruf.
                      Manche Hatz IV- Empfänger müssen ihren 1 Euro-Job für Lau machen, weil es denen zumutbar ist jegliche Mehreinnahme für Fahrtkosten aufzubringen.
                      Es gibt Selbständige, die 7 Tage, je 16 Stunen arbeiten, 15 davon allein um ihre betrieblichen Rechnungen zu bezahlen.
                      Aber einer Prostituierten sollen Betriebsausgaben/Werbungskosten nicht zuzumuten sein?

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                  • Sina sagt:

                    Ich störe mich über die tiefen preise von ‚hobbyhuren‘, oft ein bruchteil der gängigen bordellpreise. Aber so ist es nunmal-für irgendjemanden lohnt es sich immer, zu tieferen löhnen zu arbeiten, und irgendjemand ist immer bereit zum gleichen preis weiter zu gehen. Im moment ist der markt überflutet- aber es ist sinnlos, ausländerinnen oder hobbyhuren etwas vorzuwerfen und eine ‚wir gegen sie‘ mentalität aufzubauen.

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        • Kinch sagt:

          Es behauptet doch aber niemand, dass das jetzt repräsentativ für alle Sexarbeiter wäre?

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          • Es wird aber mit Sicherheit so verstanden werden. Alleine schon weil der Titel „erzählmirwas…über Sexarbeit“ lautet.

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            • Kinch sagt:

              Sorry, aber das ein Interview über persönliche Erfahrung, keine Studie zur Sexarbeit ist, ist Wissen, dass man als vorrausgesetzt annehmen muss.

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            • Unten steht extra eine Frage dazu. Was sollte ich denn dann schreiben? Erzaehl mir was über deine völlig nicht repräsentative Erfahrung mit Sexarbeit?
              Ich benutze immer diesen Titel, bei jedem Interview. Da stand bisher erzaehlmirwas… über Depressionen, Borderline, Autismus, Trichotillomanie, etc und noch nie meinte jemand „Oh, jetzt denken sicher alle die sich mit der Erkrankung nicht auskennen, dass es immer GENAU SO sein muss.“ Bei solchen Interviews ist doch klar dass nur ein Erfahrungsbericht dargestellt wird.

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        • sina sagt:

          Ob sexarbeit flexibel ist oder nicht, hat nichts mit dem zu tun ob es ein hobby oder ein beruf ist. und die flexibilität besteht in vielen sparten. Viele migrantinnen (gerade die, welche wohl am dringendsten geld benötigen) machen es nur für ein paar monate oder on-off jahre, um danach auszusteigen. (ich glaube, das war sogar ein statement von sabine constabel, welche sexarbeit strikt für ausbeutung hält) Ich hab es anfangs wie gesagt auch in erste linie zum geldverdienen gemacht.

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          • Neuer Peter sagt:

            @sina

            „Ich hab es anfangs wie gesagt auch in erste linie zum geldverdienen gemacht.“

            Hat sich das nun geändert?

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            • Sina sagt:

              Ja, ich bin nicht mehr finanziell davon abhängig. Ich mache es natürlich immer noch zum Geldverdienen, aber der Grund, weshalb es ausgerechnet Sexarbeit ist, hat sich geändert. Am Anfang war es die Flexibilität und der verhältnismässig geringe Zeitaufwand (wobei ich mit diesem geringen Zeitaufwand entsprechend wenig verdiente), inzwischen weil es mir Spass macht.

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  6. Neuer Peter sagt:

    Sehr interessantes Interview, das mich in meiner feministischen Ansicht bestärkt, Frauen die volle Berufsfreiheit zu ermöglichen und keine ihrer Arbeiten zu stigmatisieren.

    Ich verfolge auch die Diskussion mit Spannung, wollte aber nur einmal anmerken, dass der Preis einer Ware oder Dienstleistung sich NICHT nach den Meinungen Vierter richtet. Wie kommen Leute nur immer auf solche Ideen?

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  7. Neuer Peter sagt:

    Was genau macht eine Escort eigentlich? Ist das mitunter tatsächlich nur ein Begleitservice oder ist da immer Sex dabei?

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  8. Wen wollt ihr denn eher in einer „Lobby“ – oder nennen wir es Arbeitsgruppe – für Sexarbeit sehen? Menschen, die eine Ahnung von diesem – vllt. sogar ihren! – Beruf haben, die wissen welche Missstände man ändern kann, oder eine Horde aufgescheuchter, verklemmter Sozialrechtler die nur auf „OMFG! DIE ARMEN! KÖRPER! VERKAUFEN!“ getrimmt sind? Insofern haben solche Berichte schon ihre Berechtigung, denn sie können zeigen in welche Richtung man etwas ändern könnte!

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