Erstes feministisches Pornofilmfestival: keiner kommt.

Veröffentlicht: Oktober 24, 2013 in Mann-Frau-Kram, Satireartikel
Schlagwörter:, , , , ,

Alles begann so hoffnungsvoll beim ersten feministischen Pornofilmfestival.

Den Beginn sollte ein klassischer Hetero-Liebesakt darstellen welchereinvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und einer Frau filmisch umsetzen sollte: „Wir wollten uns hier dem Vorurteil stellen, dass Heterosexualität im Feminismus abgewertet würde und Konsens und Erotik nicht zusammen funktionieren.“ In dem Porno geht es um die übergewichtige türkischstämmige Migrantin Anya welche mit dem gehörlosen Tom schläft. Ein besonderer Fokus liegt natürlich auf dem Consent, welcher wegen Toms Gehörlosigkeit besonders ausdrucksstark nonverbal ausfallen muss. Die Regisseurin beschreibt dies als einen Versuch mit dem Vorurteil, Consent müsse immer verbal sein, zu brechen. Kritikerinnen bemängelten jedoch bereits im Vorfeld, dass die Inszenierung Raum für Grauzonen lasse, so schließe Tom beispielsweise mehrfach die Augen und sei währenddessen offensichtlich nicht in der Lage, Anyas Zustimmung einzuholen. Aufgrund dessen sei der Film schließlich von der Liste genommen worden, da er Rape Culture fördere. Zudem sei Tom trotz seiner Behinderung ein weißer heterosexueller Mann, weswegen die Darstellung des Sex mit einer Woman of Colour nicht unproblematisch sei.

Alternativ sei ein Filmspecial für Frauen an die erste Stelle gerückt, welches mehrere lesbische Kurzfilme beinhalte. Männer seien nicht zugelassen gewesen, da lesbischer Geschlechtsverkehr nicht dazu diene den Male Gaze zu befriedigen. Letztlich sei jedoch auch dieser Programmpunkt nach der Sichtung des Materials gestrichen worden, so habe eine der Protagonistinnen eine Brustvergrößerung gehabt. Nachdem dies von den Veranstalterinnen kritisiert wurde, zogen die Macherinnen ihren Beitrag zurück, da hinter der Kritik an Silikonimplantaten offensichtlich eine Transfeindliche Haltung stecke.

Als letzter Programmpunkt sei ein zweistündiger Porno geplant gewesen, der in einer WG mit fünf Frauen, drei Männern und zwei Transfrauen spiele und der die verschiedenen Machtstrukturen mittels sexueller Interaktionen verdeutlichte. Das künstlerisch hoch wertvolle Produkt habe jedoch aufgrund der Triggergefahr stark zensiert werden müssen so dass am Ende lediglich der Handlungsstrang um die asexuelle Tanja übriggeblieben sei.

Das Fazit für die Veranstalterinnen war klar: Wir müssen beim nächsten Mal noch strenger sein. Im Nachhinein war auch der Ausschnitt mit Tanja problematisch, da diese als einzige Protagonistin trotz der Schwarzen Großmutter aufgrund ihrer hellen Hautfarbe als weiß gelesen werden konnte und darüber hinaus einen Körper im Bereich des sogenannten „Normalgewichtes“ aufwies. Dies produzierte wiedermal Ausschlüsse und zeigt, wie viel Awareness für ein Festival ohne die Reproduktion von Machtstrukturen nötig ist.

Kommentare
  1. Kinch sagt:

    Natürlich wird die WoC mal wieder von einem weißen Mann penetriert! Zum Kotzen.

    Gefällt mir

  2. ich hatte in Bezug auf feministische Filme auch schon mal überlegt, dass sie da kaum etwas hinbekommen würden, wenn sie aber eine Filmcrew mitlaufen lassen würden, die bei allen Entscheidungen und Diskussionen dabei wären – die Doku könnte ein echter Hit werden!

    Gefällt mir

  3. Leszek sagt:

    Was auch immer man davon halten mag, es gibt das Phänomen „Feministische Pornographie“ tatsächlich:

    http://jungle-world.com/artikel/2011/40/44095.html

    Gefällt mir

  4. Micha sagt:

    Ich sehe schon, man braucht in dieser Szene einen langen Katalog an Richtlinien und Bestimmungen, bevor man einfach miteinander ins Bett gehen kann.

    Sicher wäre auch eine Schulung im Vorfeld sinnvoll, die die künftig Beischlafenden aufklärt über Rechte und Pflichten, über die Herstellung von Konsens sowie über problematische, weil herrschaftsperpetuierende Praktiken.

    Es wäre auch sinnvoll, eine Konfliktmanagementstelle einzuschalten, damit die Sex-Partner im Streitfall eine Mediation in Anspruch nehmen können, um ihren Konsens herzustellen.

    ^^

    Gefällt mir

    • Weil es gerade so passt: In England werden an Unis für Erstsemester „Sexual Consent Workshops“ angeboten… an der Cambridge University sogar „compulsory“ (also verpflichtend). Und das nicht erst jetzt, sondern schon seit 2014.

      Gefällt mir

  5. Das Wichtigste wurde mal wieder vergessen – typisch Frau(en); alles muss man(n) selber machen:

    Es wurde noch überhaupt nicht geklärt, welcher Rasse, Hautfarbe, politischen Denkrichtung und welchem sozialen Geschlecht die Regisseurin denn nun angehört! Wurde diese Person vom PbfGuFdRsGSt (Politbüro für Genderismus und Fragen der Richtigkeit sowie Gleichstellung) mal durchleuchtet? Ich muss doch sehr bitten!

    Erbost,
    Maskulinist

    Gefällt mir

  6. Heinz sagt:

    „Woman of Colour“
    Ah stimmt man dar nichtmal mehr „N-Wort“ sagen -.-

    [Edit: diskriminierende Sprache zensiert]

    Gefällt mir

    • yacv sagt:

      Louis CK mal wieder:
      ‚The thing that offends me the most is the N-word. Not „nigger“ by the way. The „N-Word“, literally. Whenever a white lady on CNN with nice hair says the „N-Word“ that’s just white people getting away with saying „nigger“. That’s all it is.‘
      http://www.youtube.com/watch?v=3NAUgCm-3Tc ab ~5:30

      Abgesehen davon ist die Begründung für „WoC“ doch, dass damit auch Latinos und Asians subsumiert sind, oder?

      Gefällt mir

      • Neuer Peter sagt:

        PoC sind Nicht-Weiße, nichts anderes. Wir sind also wieder da, wo wir vor 150 Jahren schon einmal waren. Nur dass der Diskurs mitunter mit umgekehrtem Vorzeichen geführt wird.

        Gefällt mir

  7. Mäusefäustchen sagt:

    Über feministische Pornos:
    „Die Revolution des Pornomarktes hat begonnen“
    http://www.welt.de/vermischtes/article4892751/Die-Revolution-des-Pornomarktes-hat-begonnen.html

    Interessante Phantasien:
    „Sie beginnen das übliche Erniedrigungsspiel – als eine zweite Frau die Szene betritt. Scheinbar überrascht wendet sich die asiatische Schönheit ihr zu. Auch die blonde Dame trägt ihre Dessous eher im Sinne eines Kampfanzuges. „Bist du schon einmal von einer Frau genommen worden?“, fragt die in Lack glänzende Blondine. Die Asiatin vereint. „Nicht freiwillig“, sagt sie. „Wie wäre es mit Gewalt?“, fragt die Blonde. Eine rhetorische Frage. Es wird nicht widersprochen. Die drei kommen zur Sache. Kurze Zeit später sind beide Frauen ausschließlich aufeinander konzentriert, während der Mann am Andreaskreuz von den Handfesseln befreit seiner Standhaftigkeit zur Hand geht.“

    Das könnte man jetzt vertiefen….lol aber bleiben wir an der Oberfläche – sobald frau „feministisch“ auf egal was pappt, isses soooooooooooooooooo szeneviertel-hornbrillen-intellektuell. Da geht ein Raunen durch die Kulturführer. Da spitzt die mediale Frauenhochgötzfront sofort die Stummel.

    Gefällt mir

  8. Radaffe sagt:

    Das ist doch Satire, oder? Ein Pornofilmfestival und übrig bleibt eine Asexuelle?! Quelle?

    Gefällt mir

  9. m sagt:

    Har har😀

    Woher holst du das alles nur?
    Dicker output zur Zeit. Respekt!

    Gefällt mir

  10. stellinchen sagt:

    Dachte, das würde dir gefallen😀

    Gefällt mir

  11. mindmaker sagt:

    du bist wie immer gut; doch ist es das wert? muss man ein rudel frusttanten, die nur miteinander verkehren, weil sie über zank bestätigung suchen, noch karikieren? bekehren wirst du sie nicht, höchstens heilen, aber nicht hier

    Gefällt mir

    • wer sagt dass ich bekehrungsabsichten habe? wenn ich ne idee habe, muss sie raus. ich schreibe meine blogs nicht nach „hmmm, ich sollte mal wieder was zu thema xy machen“ sondern eher nach „oh oh oh, idee!“

      Gefällt mir

  12. Marco sagt:

    Die haben doch Scheiße im Getriebe.

    Gefällt mir

  13. virtual-cd sagt:

    Das hier fand ich spontan die lustigste Stelle: “ … so dass am Ende lediglich der Handlungsstrang um die asexuelle Tanja übriggeblieben sei.“

    Bei einem näheren darüber nachdenken schwant mir allerdings, dass es sooooo lustig gar nicht sein könnte.
    Die Realität, dieser große Lümmel, neigt ja dazu, jegliche Satire zu überholen. In dem sie sie einfach voräfft.

    Und wenn wir jegliches sexuelles Geschehen nur genügend durchanalysiert und durchproblematisiert haben, wird Asexualität als gängige Lösung sich vermutlich zwangfrei und auf Massenbasis einstellen.

    Gefällt mir

    • Bombe 20 sagt:

      In Anlehnung an den alten Ärztewitz „Kein Mensch ist gesund, sondern nur noch nicht ausdiagnostiziert“ müßte der neue Feministinnenwitz also heißen „Keine Situation ist diskriminierungsfrei, nur noch nicht aus allen Perspektiven intersektional analysiert“.
      Klingt plausibel. Also, für geeignete Definitionen von „plausibel“…

      B20

      Gefällt mir

  14. BD sagt:

    Sehr geiler Titel!😀

    Der Rest war natürlich auch gut!

    Gefällt mir

  15. Stefan sagt:

    Köstlich!

    Danke @Erzaehlmirnix, ich habe Tränen gelacht, ob dieser Persiflage auf ein System, welches an seiner eigenen PC (political correctness) erstickt und andere zu erwürgen droht.

    Herrlich dämlich …

    Stefan

    Gefällt mir

  16. Blacky sagt:

    Ein wirklich feministischer Porno würde schon am Mangel von adäquaten Stellungen scheitern:
    Missionarsstellung: religiöser Bezug pfuibäh
    Doggystyle: Abwertung der Frau* als Tier, siehe auch „bitch“

    Allgemeiner:
    Frau* oben -> Mann* liegt nur faul rum, läßt sich bedienen -> Reproduktion des Patriarchats
    Mann* oben -> Mann* unterdrückt/dominiert schutzlose Frau* -> Reproduktion von Patriarchat und Rape Culture
    Alles was ein Mindestmaß an körperlicher Fitness erfordert (z.B. dreifach gestütztes Feuerrad) ist aus anti-abelistischen Gründen selbstredend auch Tabu.

    Eine Lösung könnte die Anwendung von modifizierten Schachuhren sein, die regelmäßige Stellungswechsel sicherstellt, in Verbindung mit einer Orgasmusquote und einer postkoitalen Kuschel-statt-Einschlaf-Verpflichtung.
    Gerade die O-Quote dürfte sich problemlos in Artikel 3 GG einbauen lassen (Beseitigung bestehender Diskriminierungen etc.)

    Gefällt mir

    • liebelernen sagt:

      … sehr gut, ich hab mich halb schlapp gelacht…
      Kann dir nur zustimmen! Ein „echt feministischer“ Porno wäre damit schon sehr speziell… aber wer schaut sich das dann noch an!? o.O

      Gefällt mir

      • Micha sagt:

        Es wäre gruselig. Wie kann etwas ein Porno sein und zugleich ein politisches Pamphlet? Ich möchte von einem Porno nicht über die korrekte Umgangsweise der Geschlechter miteinander aufgeklärt werden. Porno soll ja kein Bildungsfernsehen sein ^^ Es wäre auch ein wenig lusttötend, wenn der Porno fortwährend den gesellschaftskritischen Diskurs mitschleppt a la „Das ist der richtige Sex“ oder „So ist es nur ein Machtverhältnis“. Schüttel. Klingt ja wie nen Schäferstündchen, bei dem keine Musik, sondern das „Kommunistische Manifest“ als Hörbuch im Hintergrund läuft.

        Gefällt mir

  17. ehm. Ist eigentlich Selbstbefriedigung feministisch politisch korrekt? *vorsichtig anfrag*

    Gefällt mir

    • aranxo sagt:

      Nur Selbstbefriedigung bei Frauen, die damit ihrer Lust selbstverständlich freien Lauf lassen können. Wenn Männer sich selbst befriedigen, benutzen sie dazu Phantasien oder sogar Pornos, in denen Frauen zu Objekten gemacht werden. Das geht ja nun gar nicht.

      Gefällt mir

  18. rick sagt:

    *rofl*
    Danke. Motagmorgen gerettet.

    Gefällt mir

  19. ganzgroß sagt:

    *gähn* versuch’s mal mit mehr realen Verbindungen! 100% ausgedachte Satire macht ja gar keinen Spaß. Über wen soll ich da lachen?

    Gefällt mir

    • Man muss natürlich zu einem gewissen grad mit dem Thema vertraut sein um Anspielungen erkennen zu können. Ich gehöre nicht zu denen, die jeden Witz mit einem Erklärfußnötchen versehen, also entweder du verstehst es oder du lachst halt nicht. Oder du verstehst es und lachst nicht.

      Gefällt mir

    • Ego sagt:

      Ja wirklich, wo ist denn hier bitte der Witz?

      Ganz großes Tennis. Äh. Kino. Im Kopf. Danke dafür.
      Aber wir sollten dringend noch darüber sprechen, inwieweit du jetzt eine bestimmte Personengruppe diskriminierst und ob das womöglich von einer Verleugnung deines immensen Selbstbestimmungswunsches als Frau und vielleicht auch als Mensch herrührt…
      Man kann sich das Leben schon herrlich kompliziert machen.

      Gefällt mir

  20. Gunslinger sagt:

    Hat dies auf Gunslinger's Wilder Süden rebloggt und kommentierte:
    Ist das nicht nett? *lol*

    Gefällt mir

  21. Bilder aus der Schreckenskammer hätte mein Vater gesagt.

    Gefällt mir