Unmögliche Entscheidungen.

Veröffentlicht: November 4, 2015 in Uncategorized

sterbehilfe

Kommentare
  1. maobe sagt:

    OK. Der AHA-Moment kommt im 4. Panel. Zumindest bei Mir.😉

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  2. Lomi sagt:

    Der Comic verfehlt das ethische Problem der Sterbehilfe.

    Das Problem ist letztlich dies: Sind die Menschen, die zu sterben wünschen, immer im Vollbesitz ihrer Kräfte? Können sie unabhängig entscheiden? Solange man das nicht gewährleisten kann in ALLEN Fällen, gibt es die Gefahr des Missbrauchs der Sterbehilfe. Das soll verhindert werden.

    (Ich bin FÜR Sterbehilfe, nur damit keine Missverständnisse aufkommen)

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    • maSu sagt:

      Ja ich finde auch, das man allen etwas derart wichtiges verbieten muss, weil es im Einzelfall gesetzeswidrig sein könnte. Man sollte allen das einkaufen verbieten, damit endlich niemand mehr stehlen kann !!!

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      • Lomi sagt:

        Der Vergleich ist nicht überzeugend. Diebstahl ist gewiss nicht so schwerwiegend und endgültig wie das Töten. Der Staat ist im Fall der Sterbehilfe deutlich stärker in der Pflicht, Missbrauch zu verhindern.

        Ob das sinnvoll ist, nach der absoluten Sicherheit zu suchen, ist natürlich auch eine wichtige Frage. Das Recht auf Selbstbestimmung ist ein hohes Gut und es ist schwer einzusehen, warum der Staat sich erlaubt, dort einzugreifen, wenn man sein Leben beenden möchte.

        Andererseits muss man die ethischen Debatten auch ernst nehmen, die nicht aus Jux darum geführt werden. Ein Problem ist z.B., dass ein schwerkranker Mensch unter Schmerzen gerne sterben möchte, aber das hinterher, falls er doch geheilt werden kann, durchaus anders beurteilen mag. Gleiches gilt für die Angehörigen, die nicht immer den Wunsch des Schwerkranken akzeptieren.

        Darauf gibt es, soweit ich mich an entsprechende Debatten in den 2000ern erinnere, keine einfache Antwort. Der Comic suggeriert, es gäbe sie. Damit liegt er aber recht falsch.

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        • IULIUS sagt:

          „Ein Problem ist z.B., dass ein schwerkranker Mensch unter Schmerzen gerne sterben möchte, aber das hinterher, falls er doch geheilt werden kann, durchaus anders beurteilen mag.“
          In der Frage kann man nicht von dem ausgehen, was sein könnte, sondern was derzeit ist. D. H. wenn derzeit keine Möglichkeitder Heilung ist ist allein das zu berücksichtigen. Wenn der erst einmal tod ist, dürfte es ihn auch nicht mehr interessieren, wenn später ein Heilmittel gefunden wird. Zeitung wird er dann vermutlich nicht mehr lesen.

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        • Bierwärmer sagt:

          Ich finde, der Comic suggeriert nicht, dass es eine einfache Antwort gäbe. Gerade die beiden unteren Panel, in denen sich die beiden fragend und hilflos anschauen, macht deutlich, dass sehr viele Meschen hier ratlos sind – so wie ich auch und sehr viele die ich kenne …

          Wobei: Eigentlich tendiere ich doch eher dazu, dass Ärzte und non-Profit-Organisationen dabei unterstützend handeln dürfen, wenn der Wunsch des Betreffenden zweifelsfrei und nachvollziehbar feststeht!

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    • onyx sagt:

      „Das Problem ist letztlich dies: Sind die Menschen, die zu sterben wünschen, immer im Vollbesitz ihrer Kräfte?“

      Besagt die Gesetzeslage nicht jetzt schon, dass Ärzte genau dies bescheinigen müssen?
      Schwieriges Problem, aber es ist ja nicht so, dass bei der Sterbehilfe mal eben Leute zum Suizid gebracht werden, die nur mal eine schlechte Phase haben, oder total verwirrt sind. Da gibt es eine Menge strenger Auflagen, die berücksichtigt werden müssen.

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      • Lomi sagt:

        „Besagt die Gesetzeslage nicht jetzt schon, dass Ärzte genau dies bescheinigen müssen?“

        Gut möglich. Aber ich nehme an, dass das Thema Sterbehilfe im Bundestag verbunden ist mit dem Versuch, die Gesetzeslage zu verändern. Insofern ist die gegenwärtige ja nicht in Stein gemeißelt.

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        • Lomi sagt:

          Hier steht, worum es am Freitag geht:

          “ Hintze und Künast wehren sich vor allem gegen den Antrag der Abgeordneten Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD). Sollte der Bundestag für diesen Entwurf stimmen, droht laut Hintze und Künast auch Ärzten, die Suizidbeihilfe leisten, eine Strafe. Die Vorlage sieht ein Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe vor. Geschäftsmäßig sei aber jede Tätigkeit, bei der eine Wiederholungabsicht vorliegt, sagte Hintze.

          Brand und Griese wollen mit ihrem Entwurf vor allem die Tätigkeit von Sterbehilfevereinen ahnden. Der Antrag gilt als aussichtsreich. Mehr als 200 Abgeordnete haben ihn bereits unterschrieben, auch die Fraktionschefs Volker Kauder (CDU/CSU), Thomas Oppermann (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) unterstützen diesen Antrag, wie sie in einem gemeinsamen öffentlichen Brief mitteilten. “
          http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-11/abstimmung-sterbehilfe-bundestag-strafbarkeit

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    • J.B. sagt:

      Das Problem ist wie fast überall die Abwägung. Bekanntlich ist es nicht möglich, Leben zu retten, sondern nur den Tod hinauszuzögern. Zum Schluß sterben wir alle, und die Lebensqualität nimmt gegen Ende hin meist immer stärker ab. Mein Großvater starb an einem Hirnschlag, das hat nur ca. fünf Tage gedauert. Es war sehr unangenehm für ihn, aber es war keine Möglichkeit vorgesehen, das besser zu gestalten. Er hätte ja auch „Glück“ haben können: vielleicht hätte sich sein Zustand stabilisiert, und er hätte noch ein Jahr sabbernd, gelähmt und blind im Rollstuhl genießen können, bevor er genug Wasser in der Lunge gehabt hätte, um zu ersticken. Meine Großmutter brauchte ca. zwei Jahre, in denen nach und nach wesentliche Körperfunktionen ausfielen, und in denen sie praktisch jeden Tag haßte und unentwegt sterben wollte, wozu es keine Möglichkeit gab.

      Grundsätzlich ist Sterben für die meisten Menschen sowas wie eine maximal scheußliche und teure OP, die sich oft über Wochen, manchmal Monate hinzieht, und in dieser Zeit ist man meistens nur sehr unzureichend betäubt.

      Ich möchte das nicht. Niemand möchte das. Aber leider vermeiden die meisten von uns es, über die Unausweichlichkeit dieser OP nachzudenken. Ich glaube, wenn wir es ernsthaft reflektieren, dann ist klar, dass wir sehr wohl für uns die Entscheidung in Anspruch nehmen wollen, in welcher Weise und wann wir aus dem Leben gehen wollen, statt uns vom Gesetzgeber im Zweifel dazu zwingen zu lassen, elendig zu verrecken.

      Es ist klar, dass es keine Regelung ohne Nachteile gibt. Es wird auch Morde geben, die als Sterbehilfe getarnt werden. Es wird Skandale geben, in großen Kliniken, mit Dutzenden Opfern. Es wird von manchen Leuten Druck auf alte Leute ausgeübt werden, sich doch endlich zu verabschieden. Das ist alles richtig und furchtbar. Aber die Alternative ist schlimmer.

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  3. Fry sagt:

    Ich empfehle dazu die Ausführungen von Thomas Fischer.
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-09/bundestag-gesetzentwuerfe-sterbehilfe
    Mehr ist dazu nicht zu sagen, m.E.

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    • Lomi sagt:

      Interessante Kolumne! Danke!

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    • Alex sagt:

      @Fry
      Herrn Fischers ausschweifende Polemik ist etwas ermüdend. Aber am Ende wird man doch mit klaren Statements auf das Problem belohnt:

      Es kann einfach nicht das Problem des liberalen Gesetzesstaats sein, den Tod seiner Bürger gesetzlich regeln zu wollen, da dies den Kern der menschlichen Selbstbestimmung berührt.

      „Mehr ist dazu nicht zu sagen, m.E.“

      Ich glaube schon, das Thema hat noch eine weitergehende ethische Dimension, die Fischer nur angekratzt hat. Obwohl er den einzig vernünftig erscheinenden Schluss natürlich gemacht hat.

      „Sehr geehrte Abgeordnete! …. Lassen Sie die Bürger in Ruhe, was den Tod betrifft, und kümmern Sie sich um Ihren eigenen.“

      Wie weise!

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      • gerks sagt:

        Man könnte natürlich damit auch rechtfertigen, wenn sie jemand von einem anderen freiwillig töten lassen möchte, damit dieser ein schmackhaftes Abendessen aus ihm zubereiten kann.
        Wenn man es für richtig befindet, dass jemand selbst über den eigenen Tod bestimmt, dann natürlich auch über Ort, Zeit und Art dieses Todes, oder?

        Eine unheilbare untererträgliche Schmerzen verursachende Krankheit kann dann keine Vorraussetzung sein, oder?

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        • Alex sagt:

          @gerks
          „Eine unheilbare untererträgliche Schmerzen verursachende Krankheit kann dann keine Vorraussetzung sein, oder?“

          Diese wäre ein nachvollziehbarer Grund, also rational begründet.

          Nicht jede Bestimmung über den „eigenen Tod“ und seine Umstände müssen aber nachvollziehbar oder rational begründet erscheinen.

          Und dann ist doch anzunehmen, dass dies nicht freiwillig geschah. Denn Willkürlichkeit verträgt sich nicht mit Freiwilligkeit. Daher sind die Suizide aus dem Affekt raus auch so besonders tragisch und man sagt sich zurecht, derjenige hätte das eigentlich nicht gemacht, hätte er rational und mit freiem Willen entschieden.

          Dieser freie Wille ist es auch, der zum Entschluss führen kann, die unerträgliche Krankheit doch auszuhalten.

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      • Ethik … welche? Und warum gerade diese?

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        • Alex sagt:

          universalistisch, rational. Weil nur die für jeden nachvollziehbar ist und Sinn macht.

          Alles andere ist Moral, die typischerweise zeitlich bedingt ist und durch Autoritäten vorgegeben.

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          • Aber diese Ethik basiert doch zuallererst auf gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Dein Anspruch in Ehren – aber ich bin da sehr skeptisch. Um es mit Heinlein zu sagen:

            „Jede Gesellschaft basiert auf Regeln zum Schutz schwangerer Frauen und kleiner Kinder. Alles anderes ist Überflüssigkeit, Auswuchs, Verzierung, Luxus oder Torheit, die im Notfall fallengelassen werden kann und muss, um das eigentliche Ziel zu bewahren. Weil die Erhaltung der Art die einzige universelle Moral ist, ist keine andere Basis möglich. Jeder Versuch, eine »perfekte Gesellschaft« auf einer anderen Grundlage als »Frauen und Kinder zuerst!« zu begründen, ist nicht nur sinnlos, sondern auch Völkermord.“

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            • Lomi sagt:

              Dieses Zitat von Heinlein finde ich ganz und gar nicht überzeugend. Es ist ein rein funktionalistisches Argument, in dem die Moral ausschließlich verzweckt wird für die Erhaltung der Art. Moral hat dann keinen eigenständigen Zweck. Das dürfte so aber nicht stimmen, schon empirisch nicht. Die real existierenden Moralen sind vielfältig und keinesfalls reduzierbar auf „Frauen und Kinder zuerst“.

              Ethik betritt dann ein anderes Gebiet, denn hier wird entgegen der Idee reiner Zweckdienlichkeit so etwas wie Menschenwürde gedacht. Universal ist eine solche Ethik dann, wenn sie versucht, diese Menschenwürde so zu begründen, dass sie sich nicht mehr aus historischen und lokal verbreiteten Moralvorlieben ableitet, sondern für Menschen aller Kulturkreise überzeugend sein kann. Rational ist sie, wenn sie nicht nur Wunsch und Empfinden ist, sondern mit Argumenten hergeleitet wird, so dass jeder diese Schlussfolgerungen überprüfen kann.

              Im Übrigen ist die Ethik dann oft genug kontrafaktisch und damit Antipode der jeweiligen Moral. Es gibt auch keinen Grund, sich den urwüchsigen Funktionalismen einfach so zu ergeben. Dann hätte es auch keinen Sinn, überhaupt irgendwelchen Fortschritt anzustreben. Die „Erhaltung der Art“ ist für den Einzelnen komplett unwichtig, das mal nebenbei. Ohne zusätzliche Sinnstiftung ist das ein wenig überzeugender Lebenssinn.

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  4. wenn das so einfach wäre…

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  5. Mike Macke sagt:

    Nanu: Fällt nur mir auf, dass wir alle schon eine „Sterbepflicht“ haben?

    Zugegeben: Nicht jetzt sofort und schon gar nicht nicht nach dem Wunsch irgendeines „Hunde, wollt ihr ewig leben“-Fürsten (oder -Parlaments), aber im Grundsatz doch…

    Und natürlich ist der hier verlinkt e „Fischer im Recht“ immer „mit Genuß und Belehrung“ lesbar…

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  6. Luc sagt:

    @Lomi: Der Comic streift den Kern der Diskussion tatsächlich nur am Rande, aber das meistdiskutierte Problem ist doch ein anderes:

    Natürlich soll es keine Sterbepflicht geben. Aber wenn es die Möglichkeit gibt, gibt es dann nicht eben doch die moralische Pflicht? Sitzt dann nachher nicht doch die seit Jahren pflegebedürftige Mutter weinend vor ihrem Kind und entschuldigt sich dafür, nicht längst von dieser Möglichkeit gebraucht gemacht zu haben um dem Kind Leid zu ersparen?

    Können wir verantworten, dass Menschen nachher nur zu Sterbehilfe greifen, weil sie sich dazu verpflichtet fühlen, niemandem zur Last zu fallen? Oder sich den Rest ihres bedürftigen Lebens schuldig zu fühlen, weil sie es nicht getan haben, obwohl es doch jetzt so einfach und legal möglich wäre?

    Natürlich kann man auch die Entscheidungsfreiheit des einzelnen betonen. Aber ganz so einfach ist es eben nicht.

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    • Alex sagt:

      @Luc
      „Natürlich kann man auch die Entscheidungsfreiheit des einzelnen betonen.“

      Die kann man nur so betonen, dass man eben keinen festen gesetzlichen Rahmen gibt!

      Und genau, diesen Aufforderungscharakter „nur zu Sterbehilfe greifen, weil sie sich dazu verpflichtet fühlen“ empfinde ich auch und finde das schon eine unzulässige Einmischung in eine höchst schwierige Entscheidung.
      Ich weiss auch nicht, warum sich @EMN hier in diesem Comic ausgerechnet über diejenigen lustig zu machen scheint, die „Sterbehilfe“ unter diesem Aspekt ablehnen (eben als mögliche falschverstandene „Pflicht“). Aber nicht jeder Gag muss ja ein Volltreffer sein. Ausserdem haben sich die beiden ja auch als sehr einseitige Betrachter der Angelegenheit entlarvt, als sie ihren „Irrtum“ mit der „aktiven Sterbepflicht“ entdecken…

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  7. gerks sagt:

    Sterbebegleitung ja. Sterbehilfe nein.

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  8. Sterbehilfe sollte wie BDSM sein: Safe, Sane und Consensual.

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  9. Thorsten Haupts sagt:

    Mir ist die Entscheidung ziemlich wurscht. Ein Verbot der Sterbehilfe würde mich nicht mal tangieren – wenn nötig, gehe ich halt ins Ausland, um mir da zu besorgen, was ich brauche.

    Ich bin alt genug, den Tod von ferne schon zu sehen. Und eines möchte ich mit absoluter Sicherheit nicht – mein leben als wimmerndes, wickelbedürftiges Bündel beenden, wegen Demenz, Alzheimer, MS, Krebs, was auch immer. Ich möchte als Erwachsener sterben. Und wer versucht, mir die Hilfe dazu zu verweigern, den übergehe ich halt kaltlächelnd. Es gibt Gesetze, die können legal sein. Aber wie Fischer ganz richtig ausführte – es gibt kein legitimes Gesetz, dass mich zum Leben gegen meinen Willen verpflichten könnte. Von der praktischen Durchführbarkeit mal völlig abgesehen.

    Sollen sie die aktive Sterbehilfe unter grossem moralischen Feldgeschrei also verbieten. Das wird exakt genauso enden, wie das Abtreibungsverbot prähistorischer Zeiten – mit ein bisschen mehr Aufwand (illegal oder Ausland) für die, die es sich leisten können. Und der Arschkarte für die anderen.

    Ich muss nicht verstehen, warum ein Gesetz beschlossen wird, dessen Sinn den tatsächlich Betroffenen nicht einleuchtet, das kein öffentliches oder privates Rechtsgut schützt, das niemand jemals mit schlechtem Gewissen verletzen wird und dessen Einhaltung nicht überprüfbar ist. Aber wenn´s dem besseren Schlaf der Abgeordneten dient …

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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    • Günter Strack sagt:

      Die Vermutung, ein Suizid-Verbot würde kein Rechtsgut schützen, ist ziemlich weit hergeholt. Ich sage nur: Investitionsschutz.

      Wie kann man die horrenden Investitionen im Gesundheitswesen wirtschaftlich rechtfertigen, wenn sich plötzlich Menschen den letzten Dienstleistungen einfach entziehen? Wenn man bedenkt, daß (statistisch) der Großteil der Gesundheitskosten in den letzten zwei Lebensjahren ausgegeben wird, wäre es wirtschaftlich fatal.

      Dann gibt es natürlich noch den Investitionsschutz für Arbeitgeber. Wer sich noch an Foxconn erinnert: Hier haben es einige Arbeitnehmer einfach nicht mehr ausgehalten und sind vom Dach gesprungen. Das ist ärgerlich, allein wegen der Einarbeitungszeit. Und wegen der Publicity. Gelöst hat Foxconn das Problem dann damit, daß die Arbeitsverträge derart geändert wurden, daß im Falle des Suizids die letzten sechs (?) Monatslöhne zurückgefordert werden können – was die Angehörigen extrem belastet.

      Außerdem müßte man Arbeitnehmer besser behandeln, wenn sie sich ihren Arbeits- und Lebensbedingungen einfach entziehen können. Ich nehme auch an, daß genau daher das Suizid-Verbot der westlichen Kultur kommt: Wenn der Landesherr seine Leibeigenen verkaufen kann, wäre es ein erhebliches Handelshemmnis gewesen, wenn diese einfach so gestorben wären, anstelle nicht in einem Krieg, der nicht ihr eigener war, zu fallen.

      Ich nehme an, daß dieser Grund auch noch hier und heute klammheimlich gilt. Wer auch nur in den Verdacht kommt, suizidal zu sein, wird gesellschaftlich derart getötet, daß er/sie allen anderen ein warnendes Beispiel ist. Zumindest in den Dörfern ist das noch so, und ich nehme an, in den Städten ist das nicht anders (immerhin steht ein langer Klinik-Aufenthalt ja irgendwann im Lebenslauf).

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    • J.B. sagt:

      Thorsten, Du kannst nur ins Ausland reisen, wenn Du noch fit bist. Nach Deinem Schlaganfall oder in der Endphase Deines rapide fortschreitenden Krebses oder dem Sturz im Badezimmer, der Dich gelähmt hat, ist daran oft nicht mehr zu denken. Oft ist der Verfall auch eine allmähliche Angelegenheit, und Dir fällt plötzlich auf, dass Du seit ein paar Monaten schon zu tüddelig bist, um Dich aus Deinem Seniorenstift in den Zug in die Schweiz zu setzen.

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  10. marco-m-aus-f sagt:

    Treffer mittschiffs. Versenkt. Wie immer.

    Ich hatte vor Jahren meinen Versicherungsfachmensch gefragt, was es eine Rechtschutzversicherung für meinen besten Freund kosten würde, für den Fall, daß er mich töten müsste. Es folgte hilfloses Gestammel…

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