2015: Bücher & Shitstorms

Veröffentlicht: Dezember 31, 2015 in Uncategorized

2016

Ja, Jahresrückblicke sind uncool, aber 2015 war so aufregend, dass ich nicht anders kann, als zurückzuschauen und zu versuchen, das alles nochmal zu sortieren.

Direkt zu Beginn des Jahres unterschrieb ich einen Buchvertrag mit Heyne, für ein erzaehlmirnix-Comicbuch. Das Timing war merkwürdig, denn gerade zu der Zeit arbeitete ich mit vollem Herzblut an einem ganz anderen Buchprojekt.

Im Februar schließlich kündigte ich es an und gab zum ersten Mal teilweise meine bis dato streng gehütete Anonymität auf. Nachdem ich sehr lange so gut wie nichts über mich erzählt hatte, und viele nicht einmal wussten, dass erzaehlmirnix eine Frau ist, „outete“ ich mich mit diesen Fotos:

bauch

Zu sagen, ich sei nervös gewesen, wäre untertrieben. Ich stellte mein Buchprojekt „Fettlogik“ vor und fand direkt einige Korrekturleser, die mir in den nächsten Monaten bei der Fertigstellung halfen. Ich hatte noch nie ein richtiges Buch geschrieben und ging zunächst recht naiv an die Sache heran. Anfangs dachte ich auch, Korrekturleser seien mehr so eine Art pro Forma Drüberleser, aber sie alle haben nochmal massiv geändert, und wie ich zugeben muss, sehr verbessert. Unter anderem haben sie mich glücklicherweise dazu gebracht, das miese Vorwort komplett umzuschreiben.

Das Buch an einen Verlag zu schicken sah ich von vornherein als aussichtslos an, denn wenn es eins gibt, was Verlage vermutlich täglich in der Post haben, dann sind das Bücher von Leuten, die x Kilo abgenommen haben und sich nun für Abnehmspezialisten halten. Klar, ich war natürlich der Meinung, etwas ganz besonderes geschrieben zu haben, aber mir war schon klar, dass das jeder denkt, der etwas schreibt. Ich stellte es also im Mai als selbst publiziertes eBook bei amazon ein. Mein innerliches Ziel waren 100 Verkäufe.

Was daraus entstand kam unerwartet, und das letzte halbe Jahr entwickelte sich zu einem riesigen Abenteuer, das mich mitriss, mich begeisterte und manchmal auch überforderte. Dadurch, dass ich als Comicbloggerin bereits einen Leserkreis hatte, verkaufte sich Fettlogik in den ersten drei Tagen schnell sehr stark und sprang auf die amazon-Bestsellerliste auf Platz 1 in Medizin und Psychologie. Ich machte begeistert Screenshots, weil ich dachte, dass ich so etwas wohl nie wieder erleben würde. Doch überraschenderweise, zumindest für mich, hielt sich Fettlogik monatelang auf den ersten Plätzen, und irgendwann hörte ich auf mit den Screenshots.

Es dauerte nicht lange, und der erste Shitstorm brach über mich hinein, nachdem Korrekturleserin Robin in ihrem Blog eine Empfehlung für Fettlogik aussprach. Die Tatsache, dass sie erzählt hatte, wie lange sie unter ihren Gewichtsproblemen gelitten hatte, hatte bereits im Vorfeld zu einem Shitstorm auf Twitter geführt, wo sie des „fatshamings“ bezichtigt wurde. Die Tatsache, dass sie mein Buch empfahl und gleichzeitig erklärte, dass sie deutlich abgenommen hatte und endlich zufrieden war, sorgte dafür, dass die Fatacceptance-Aktivisten auch auf Fettlogik aufmerksam wurden. Sofort wurde mein Blog und die Buchbeschreibung durchforstet, und selbstverständlich ohne das Buch gelesen zu haben, war man sich einig, dass es schrecklich ist. Das war für mich das erste Mal, dass ich so massiv beschimpft und angegriffen wurde, und im ersten Moment wusste ich absolut nicht, wie ich auf die zahlreichen Anschuldigungen und Behauptungen reagieren sollte, wie etwa dass ich mich heimlich einer Magenverkleinerung unterzogen hätte oder dass ich in meinem Buch Dicke beschimpfen würde.

Letztlich war dieser Shitstorm insofern positiv, als dass unheimlich viele Leute aufmerksam wurden und im Zuge dessen, Fettlogik sich erst richtig verbreitete und sogar mehrere Verlage aufmerksam wurden. Einige Zeit später unterschrieb ich einen Vertrag mit dem Ullstein Verlag und die Printversion erscheit im Februar. Einerseits war ich also gewissermaßen dankbar für die Entwicklung, andererseits haderte ich zugegeben, monatelang damit. Ich war nicht darauf vorbereitet, weder auf die starke negative Aufmerksamkeit, noch auf die  positive. Als introvertierter Typ war das für mich erst mal gruselig, und die ersten Anfragen für Interviews lehnte ich spontan jedes Mal ab, um mich hinterher über mich selbst zu ärgern. Diesen Monat habe ich mein erstes Interview zugesagt und habe mir fest vorgenommen, mich in Zukunft häufiger zu trauen.

Seit Mai stand ich also mehr als zuvor in der Öffentlichkeit und im Oktober kam es schließlich zu meinem zweiten großen Shitstorm, ausgelöst von einer anonymen Liste, die meine „Verfehlungen“ wie etwa Maskulismus, „Behauptung von Sexismus gegen Männer“ oder eben „Fatshaming“ dokumentierte und die größtenteils von den Twitterern, die ich seit Mai kannte, verbreitet wurde. Auch dieser Shitstorm, der sich über mehrere Tage hinzog und nach einigen Wochen erneut aufkochte und wieder mehrere Tage andauerte, entwickelte sich ähnlich wie der Shitstorm im Mai zu einer ungewollten Werbeaktion, die meine Followerzahlen auf Twitter verdreifachte. Spuren hinterließ es dennoch, und auch wenn ich scherzte und es lächerlichmachte, kann ich mich nicht erinnern, jemals so gestresst gewesen zu sein. Auch darüber hatte ich gebloggt.

Ein interessantes Detail war übrigens für mich die Reaktion von Männern und männlichen Feministen. Ich wurde in der Zeit des Shitstorms von vielen Männern (und Frauen) angeschrieben, die mir ehrliche Komplimente machten, dass sie beeindruckt seien, wie stark ich mich zeigte. Gerade Männer waren an der Stelle null klischeehaft und gaben offen zu, dass sie so eine Situation belasten würde. Männliche Feministen nahmen mein Verhalten ganz anders wahr, nicht als stark, sondern als arrogant und stur. Man gab mir sehr deutlich zu verstehen, dass es als zusätzliche Unverschämtheit empfunden wurde. Für mich war das ein deutlicher Hinweis, was männliche Feministen angeht. Aus meiner Sicht nutzen diese Selbstbezeichnung eher die Männer, die ein ähnliches Frauenbild haben, das eigentlich veraltet ist. Das der „weiblichen“ schwachen Frau. Ein Verhalten, das von der Mehrheit der „normalen“ Männer als „stark“ wahrgenommen wurde, wurde ausgerechnet von „feministischen“ Männern als arrogant und unangemessen beurteilt. So viel zu Rollenbildern. Das war tatsächlich eins der wenigen Male, wo ich überlegt habe, ob diese Leute mich wohl als Mann auch so („arrogant“) beurteilt hätten, oder ob diese Erwartungshaltung sexistischerweise nur für Frauen gilt. – Das sind Gedanken, die ich seither einfach mal loswerden wollte.

Seit Oktober ist dann blogmäßig auch nicht mehr allzu viel passiert, ausser dass ich damit beschäftigt war, relativ gleichzeitig beide Bücher für die Printversion fit zu machen. Vor ein paar Tagen durfte ich dann erzaehlmirnix schon als echtes Buch in der Hand halten. OMG!😀

Privat kam noch die Nachricht, dass wir wohl in den nächsten Monaten umziehen, allerdings ist noch nicht raus wohin genau. Hannover ist zur Zeit der wahrscheinlichste Kandidat, es könnte aber auch was ganz anderes werden.

Alles in Allem hat sich 2015 also sehr viel getan, und ich vermute, 2016 wird ähnlich turbulent. Während sich zuvor, 2014, äußerlich viel bei mir verändert hat, musste ich 2015 mit vielen neuen Situationen umgehen, und vermutlich 2016 weiter an mir arbeiten, um Introversionslogik zu überwinden.

Erzaehlmirnix hat vor kurzem die 5000 Facebookfollower geknackt und auch Fettlogik, obwohl erst einige Monate alt, hat schon fast 800 Follower. – Meine Gewichtscomics habe ich übrigens dorthin ausgelagert. Und da ich meine Anonymität mit Veröffentlichung der Bücher unter echtem Namen endgültig aufgegeben habe, muss ich mich wohl langsam vom Einsiedlerdasein zumindest teilweise verabschieden und mutiger werden.

Auch wenn gewisse anonyme Listenersteller der Ansicht waren, dieser Comic von 2014 sei ein „Versuch, feministische Arbeit / Positionen lächerlich zu machen“ war er vielmehr eine Selbstbeschreibung unter dem Titel „Meine weibliche Meinung“^^

weiblichemeinung

Also, kommt gut ins neue Jahr, und vielleicht sehen wir uns ja tatsächlich, im buchstäblichen Sinne, 2015, wenn ich Introversionslogik überwinde! Ich würde mich freuen!🙂

Kommentare
  1. Viktor sagt:

    Dann wünsch ich dir mal ein ganz erfolgreiches Jahr 2016, viele Buchverkäufe und möglichst kontroverse Diskussionen!

    Hat mir viel Spaß gemacht, hier mitzulesen!

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  2. DMJ sagt:

    Dann gratuliere ich doch zu einem insgesamt recht erfolgreichen Jahr und hoffe, 2016 wird noch besser.😉

    Und deinen Eindruck zu männlichen Feministen teile ich. Gibt da natürlich viele gute Leute, aber eben auch einen auffällig großen (und lauten) Teil, der mit dem Label eigentlich nur seine Geringschätzung von Frauen verdecken möchte (Marke: „Das mag jetzt analytisch unsauber sein, aber du musst ihr zugute halten, dass sie als Frau es überhaupt wagt, wissenschaftlich zu arbeiten!“).

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  3. Kleines Detail: Ich betrachte mich zwar nicht als Feminist, aber zumindest als Feminismus-postiver Kerl und würde deine Reaktionen persönlich eher als „stark“ und „selbstbewusst“ bezeichnen. Arrogant kam mir davon nichts vor. Aber das nur so als Detail. Und nun gehe ich weiter dein Buch lesen😉

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  4. Alles sehr verdiente Erfolge, herzlichen Glückwunsch!

    Wenn eine Frau aus den feministischen Mainstream gibt es eben dort nur die Erklärung „internalisierter Sexismus“ oder bewusste Verbrüderung mit den Feind.

    Etwas anderes ist da nicht möglich, den recht haben kannst du ja nicht, die Ideologie erlaubt keine Abweichungen.

    Damit bleibt als Behandlung Angriff, Belehrung oder Bevormundung.

    Man muss sich bewusst machen, dass dieses verhalten direkt in der radikalen feministischen Theorie angelegt ist um sich den stand des radikalen Feminismus zu verdeutlichen.

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  5. ashyda sagt:

    Ich finde es aufregend, das alles quasi live miterlebt zu haben und denke, dass du das alles in allem sehr souverän gemeistert hast. Der absolute Großteil deiner Leser steht rückendeckend hinter dir und mit einigen Deppen wird man immer zu kämpfen haben, egal wer man ist und was man macht. Trotzdem (oder gerade deshalb?): herzlichen Glückwunsch!
    Ich wünsche dir ein turbulentes 2016 und viel Erfolg bei deinen Vorhaben!

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  6. Mclane sagt:

    Auch von mir alles Gute für 2016. Gibt es eigentlich noch so altmodische Dinge wie Signierstunden zu neu erschienenen Büchern? Ein persönlich signiertes Exemplar von Fettlogik bekäme einen Ehrenplatz in meinem Regal. Ps. Bei mir im Büro tippen neuerdings alle möglichen Leute Kalorien in ihre Smartphones. Eine Arbeitskollegin meinte letze Woche, ich hätte mal die Klappe halten sollen. Ihr Mann, der bei uns Werstattleiter ist, würde ihr mit seinem Kalorienzählen tierisch auf die Nerven gehen.

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  7. IULIUS sagt:

    Schreibst Du über Introversionslogik auch ein Buch.🙂

    Viel Glück für dsas neue Jahr.

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  8. mozart2006 sagt:

    Ich auch möchte Dir mal ein ganz erfolgreiches Jahr 2016 wünschen, Hab schon das Buch vorbestellt. Alles Gute!

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  9. Seitenblick sagt:

    Introversionslogik? Buch drüber? Kann ich das vorbestellen? Mach hinne, ich brauch das noch dringender als Fettlogik😉

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  10. grmpfhmbl sagt:

    Ich muss das jetzt einfach fragen: Hast du nun die vorgenommenen mindestens 100 Bücher verkauft?😉

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  11. Klingt nach einem super Jahr. Ich hoffe es geht so gut für dich weiter🙂 Auch wenn ich faul im Kommentieren bin, lese ich immer wieder gerne mit.

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  12. jens sagt:

    weiter so. immer weiter. deine comics lese ich jeden tag und ich finde es erstaunlich, dass dir soviele dinge auffallen. dass da so viel zu sagen ist. ich wünsche dir auch weiterhin soviel schöpferische kraft und mut und courage, dich durch alles zu arbeiten, was mehr aufmerksamkeit eben mit sich bringt.

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  13. einsiedler sagt:

    nebenbei, ein glückliches neues jahr von mir:

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  14. Mic sagt:

    Alles Gute für 2016 und dass es so spannend wird, wie du es dir erhoffst!🙂

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  15. Huibuh sagt:

    Das nächste Buch dann über den Feminismus😉

    Es ist schon eine etwas merkwürdige Bewegung… viele weibliche Feministen scheinen sich einfach sehr wohl in dieser Opferrolle zufühlen – es ist ja auch sehr bequem, für sein eigenes Verhalten nicht verantwortlich sein zu müssen. Viele männliche Feministen hingegen genießen die Rolle des starken Mannes, der den schwachen Frauen hilft – das gibt ihnen das Gefühl, ein guter Mensch zu sein, ohne sich mit sonstigen persönlichen Problemen auseinandersetzen zu müssen.

    Überhaupt, dieses sehr leicht „offended“ werden scheint sich zu einer Identität weiterentwickelt zu haben: Statt zu versuchen, sich zu densibilisieren und gelassener mit den alltäglichen Problemen des Lebens umzugehen, oder zumindest pragmatische Antworten auf wahrgenommenen Sexismus zu haben, ist die feministische oder political-correctness Strömung eher ein Art Anti-Selbsthilfegruppe geworden. Es geht darum, möglichst viele Leute zu sensibilisieren, was effektiv bedeutet, sich schneller verletzt zu fühlen, sich schneller aufzuregen, oder allgemein mehr negative Gefühle im Alltag zu haben.

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  16. Dir einen guten Rutsch und viel Erfolg mit den Büchern! Fettlogik als Printversion werde ich sicher kaufen. Mich hätten auch die Verkaufszahlen von Fettlogik interessiert, da ich ja mal vermutet hatte, so circa ab 1.500 interessiert sich ein Verlag.

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  17. Slicky Ann sagt:

    Deine Comics sind super! Ganz oft denkt man „ja stimmt, genau so isses“. Alles Gute fürs nächste Jahr!

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  18. Frank sagt:

    Ich wünsche euch allen ein gesundes, frohes und erfolgreiches 2016. Lasst es mal schön krachen heute Nacht!

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  19. Heinz sagt:

    und viele nicht einmal wussten, dass erzaehlmirnix eine Frau ist

    Na, das war schon früh offensichtlich.

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  20. Zaungast sagt:

    Ich persönlich gehöre ja zu diesen Latecomern der Zweiten Shitstorm-Welle und bin dank eines Links von Fefe hier gelandet. Da ich immer überglücklich bin, in den Weiten des Internets einen Kopf zu finden, der differenziert und unvoreingenommen denken und das dann auch noch so schön auf den Punkt bringen kann, habe ich die ersten ein oder zwei Nächte danach erstmal mit binge-reading verbracht (must! read! all the things!). xD Und wenn das Buch nicht erst im Januar erscheinen würde, hätte meine Mutter es zu Weihnachten bekommen.😉

    Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin viel Erfolg und positive Aufmerksamkeit und freue mich darauf, hier auch 2016 oft F5 zu drücken. ^^

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  21. Sascha sagt:

    Introversionslogik wär was für mich, denn darunter leide ich nicht selten …

    ansonsten, es war mächtig viel los, Du bist innerlich sehr gewachsen und hast sehr viel erlebt und gelernt, und Du traust Dich inzwischen sehr viel mehr, das merkt man auch an Deinen Comics (im positiven Sinne, seitdem macht es noch mehr Spaß, Deine Beiträge zu lesen).

    Ich wünsche Dir alles Gute für das neue Jahr und genau die Art von Aufgaben, dass Du immer genug dran wachsen kannst, aber ohne daran zu verzweifeln😉

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  22. Onkel Jakob sagt:

    Zunächst einmal: Ein frohes neues ja-aah, liebe Nadja, und Gratulation zu so viel Erfolg, Courage und Cleverness. Als „first time commenter, but long time reader“ wollte ich gern kurz zu der Feminismus-Debatte anmerken:

    Es gibt da anscheinend einen psychologischen Effekt (den ich Dir zu Ehren einmal „Ideologik“ nennen möchte), nach dem beinahe jede Ideologie dazu neigt, sich früher oder später in ihr eigenes Gegenteil zu verwandeln. Soll heißen, aus einer Religion der Liebe wird z.B. die Religion der Kreuzzüge und der Inquisition, aus dem Kampf für die Befreiung der Frau wird ein Hassfestival gegen vermeintliche „Abweichler“ (und damit Unterdrückung aus der anderen Richtung) oder aus der Revolution für „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wird eine Enthauptungsorgie, auf die wenige Jahre später ein neuer Kaiser folgt.

    Für mich ergibt sich daraus die feste Überzeugung, dass es ein großer Fehler ist, feste Überzeugungen zu haben, da scheinbar jede Art von ideologischem Denken dazu neigt, seinen Anhängern zunächst ein Brett vor den Kopf zu nageln, nur um sie früher oder später dazu aufzufordern, sich eine Waffe daraus zu schnitzen. In diesem Zusammenhang sollte man sich ruhig vor Augen halten, dass kein einziger Krieg, keine ethnische Säuberung, keine Hexenjagd und kein Völkermord in der Geschichte jemals „im Namen des Bösen“ begonnen wurde. Vielmehr waren die Täter stets der felsenfesten Überzeugung, dies alles geschähe ausschließlich im Namen der (teilw. höchst unterschiedlich definierten) „guten, gerechten Sache“; ganz egal, ob diese nun als „Gott“, „Freiheit“ oder „Führer, Volk und Vaterland“ bezeichnet wird. Erst im Namen dieser variablen Größe (d.h. unserer jeweiligen „guten und gerechten Sache“) sind wir Menschen anscheinend in der Lage, das volle Spektrum menschlicher Rücksichtslosigkeit, Grausamkeit und Scheußlichkeit in uns abzurufen. Dieser Mechanismus scheint sich seit der Erfindung der ersten Steinschleuder auch nicht wesentlich verändert zu haben und ihm unterliegen sowohl zottelbärtige Islamist als auch der stiernackige US-Marine, der brandschatzende Rechtsextremist und der steineschmeißende Linksextremist, denn allesamt sind sie in ihrem jeweiligen Universum der felsenfesten Überzeugung: „ICH bin hier DER GUTE!“ mit der inhärenten Schlussfolgerung „…und deshalb darf ich (oder muss ich sogar) tun, was ich hier tue“. Daraus leitet sich für mich die folgende kleine Redensart ab:

    „Ein Mann (oder eine Frau, egal) mit einer Fahne in der Hand ist IMMER ein gefährlicher Idiot.“

    Vielleicht denkst Du ja das nächste Mal daran, wenn Du die vor Geifer triefende Hass-Botschaft irgendeines höchst selbstgefälligen „Glaubenskriegers“ gegen Dich liest. Oder um einen großen Weisen des beginnenden 21. Jahrhunderts zu zitieren: „Die Menschen sind nicht böse, die Menschen sind nur dumm.“

    In diesem Sinne, weiterhin viel Erfolg und alles Gute für 2016 wünscht Dir

    Onkel Jakob

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  23. Angie sagt:

    Hallo, Frau Erzählmirnix/was!
    Habe Sie/Dich durch nen Vertippser gefunden und bin
    BEGEISTERT!!!
    Alles erdenklich Gute für 2016
    wünscht
    Angie

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  24. St. Elmo sagt:

    Hab das Buch vorbestellt und freue mich darauf, wenn es ausgeliefert wird.
    Finde es toll das das so gut für dich gelaufen ist und wünsche dir ein nicht ganz so stressiges neues Jahr

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  25. yannaba sagt:

    Ich wünsche Dir und allen hier ein frohes neues Jahr und möchte mich noch einmal sowohl für Fettlogik, als auch für Deine genialen Comics bedanken.
    Ich war von Anfang an überzeugt, dass da noch Großes vor Dir liegt. Sehr Großes. Weiterhin viel Erfolg also!

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  26. Emannzer sagt:

    Die besten Wünsche und ein Kompliment von mir für den verdienten Erfolg. Mögen die Follower und (auch) der Umzug mit dir sein😉

    Alles Gute für 2016

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  27. Eine kurze Frage noch zu den feministischen Männern: Haben die das wirklich so gesagt bzw. geschrieben, also etwas in der Art „Als Frau solltest Du nicht so arrogant / stur sein?“ Oder waren es doch eher die typischen Auseinandersetzungen zwischen Meinungsgegnern? Den Kontrahenten in einer Diskussion arrogant oder stur zu finden, ist ja jetzt nichts so Ungewöhnliches – man ist ja schließlich überzeugt, dass er oder sie falschliegt und derjenige TROTZDEM weiter auf seiner Meinung beharrt🙂. Ich frage nur, weil mich das auch im feministischen Umfeld immer wieder stört, dieses „Nur weil ich eine Frau bin, denkt der/die …“. Gibt es selbstredend, und das muss man auch kritisieren, das ist klar, aber immer wieder ist es auch eine schlicht „normale“ unschöne Auseinandersetzung.

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  28. Katinka Bell sagt:

    Schöner Beitrag! Alles Gute fürs neue Jahr. Und auch viel Erfolg mit beiden Büchern, sowie beim Introversionslogik Überwinden😉 bleib gesund! Viele Grüße von deinem Fangirl😉

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  29. Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr und hoffe, auch dieses Jahr viele Comics lesen zu können.

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  30. Barbie aus Berlin sagt:

    YMMD! Besonders die präzise Beschreibung der „lila Pudel“ hat mir gefallen.
    Dein Buch hat sowohl meiner Freundin als auch mir bisher sehr viel weitergeholfen.
    Danke!

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  31. Von mir einfach: Danke für den klaren Kopf und die messerscharfe Logik. Ich kam über einen Link von Fefe her und habe seitdem immer wieder „Genauso ist es!“-Effekte.

    Zum Thema Fatshaming (mein Gott, was es alles gibt!) bin ich der Meinung, das es für jeden Menschen ein gesundes Gewicht gibt. Je nach Typ ist das verschieden – es gibt durchaus „Dicke“, für die das passt. Und es gibt „Dicke“ (und „Dünne“), die von ihrem individuellen Ideal weit weg sind mit entsprechend negativen Folgen für das Wohlergehen. (In meinem Bekanntenkreis gab es eine junge Frau, die durch Einnahme der Pille ziemlich aufgedunsen war. Nach Absetzen derselben sah sie vielmehr wie sie selbst aus.)

    Insgesamt habe ich immer wieder den Eindruck, das oft Differenzierung fehlt und zu weit über das Ziel hinausgeschossen wird. Hinter dem „Fatshaming“ steckt die sinnvolle und rationale Erkenntnis, dass sich jemand aufgrund seines Aussehens nicht selbst erniedrigen sollte. Allerdings wird – wie so oft – das Thema nicht innen bearbeitet sondern nach außen projiziert. Statt zu sagen „auch wenn ich (nüchtern betrachtet) zu dick bin, bin ich okay“ wird die eigene (inntere) Bewertung anderen untergeschoben a la „Du musst Dich nicht schämen, weil Du zu dick bist!“ (und der Adressat hat vielleicht nur ein objektives Übergewicht festgestellt). Das ist aus meiner Sicht das Grundproblem der SJW, Radikalfeministen etc. Internalisierte Glaubenssätze werden als falsch erkannt, aber dann im Außen bekämpft, statt im Inneren gewandelt.

    Ich wünsche uns allen viele Erkenntnisse in 2016 und die Umsetzung der daraus folgenden Schlüsse!

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  32. uepsilonniks sagt:

    Liebe Nadja,

    ich finde es sehr mutig, dass Du deine Anonymität aufgegeben hast. Einen Mut, den ich selbst nicht aufbringe (ich bin aber auch verwundbar).

    Du bist übrigens eine wirklich Hübsche, wenn ich dir das sagen darf.

    Herzlicher Gruß und frohes Neues!

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  33. swedishbitch sagt:

    Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass Männer, die sich als Feministen sehen, bei Weitem die Dogmatischen sein können. Ich sehe darin eigentlich den Trieb der Geschlechterrollen – Männer stehen im Wettbewerb darüber, wer am Besten Frauen beschützen (oder sonst was Nützliches tun) kann. Ironisch finde ich vor Allem Schwule Männer, die Feministen sind: ich selber als schwuler in den 80er Jahren habe schmerzhaft gespürt, wie erdrückend die männliche Geschlechterrolle ist und wie fremd dabei die feministische Perspektive klingt. Denn was ist ein etwas überschwenglicher Ausdruck der sexuellen Schätzung im Vergleich zum tiefen Haß, den ein Junge, der nicht in die männliche Rolle der Stärke passt, bis vor 20 Jahre ernten mußte? Ein Haß, der auch bei vielen internalisiert wurde, und der immer noch in vielen Ländern die Form von Gefängnis nimmt. Ein Haß, den selbst Lesben kaum kennen.

    Viele Feministinnen sind dabei sehr viel offener. Natürlich stutzen sie, wenn sie von der Täterstatistik der häuslichen Gewalt erfahren, oder von der offensichtlichen Wahrheit hinter der Gehaltslücke. Aber wenn ich meine persönliche Perspektive erzähle und dabei einfach penibel sicherstelle, die Probleme der Frauen anzuerkennen, hören die Meisten zu. Oft legen sie einen darauf, erzählen, wie sie es eigentlich Schade finden, dass sie es nicht hinnehmen können, dass sie als Frau mehr verdient, als der Freund, oder geben zu, dass sie mal den Freund eine Ohrfeige verpasst haben und nie darüber nachgedacht haben, dass sie im Prinzip Straffreiheit genießen. Und wenige, ganz wenige, sind wirklich bereit, die Aktionen von Anti-Gamer-Gate und Warren Farrel Boykott zu unterstützen.

    Sehr evolutionär vereinfacht: Männer sind im Wettbewerb – deswegen kommen meine Argumente nicht an. Frauen hingegen wollen Gleichheit, aber sich auch in Sicherheit fühlen. Da Männer entweder stark und gefühllos rüberkommen, oder den Feminismus unterstützen, sind sie oft extrem ignorant über ganz einfache Aspekte der Erfahrung als Mann; als ich sage, dass meine Hetenfreunde Angst vor einer Zurückweisung von einer Frau haben, meinen sie oft, dass sie sich gefragt haben, wieso Männer diese Angst nicht haben – dass sie sie haben sie aber nur nicht zeigen kommt ihnen fremd vor; wieso Gefühle so sehr zurückhalten?

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    • IULIUS sagt:

      „dass Männer, die sich als Feministen sehen, bei Weitem die Dogmatischen sein können.“
      Darum nennt man diese Männer auch Lila Pudel.
      Leider ein wenig plump: http://de.wikimannia.org/Lila_Pudel

      Ich widerspreche Dir darin, daß es denen primär darum geht Frauen zu beschützen. Die kommen mit der Männerwelt nicht klar und versuchen sich über das Beschützerverhalten zu profilieren. Im Grunde nichts anderes als eine Taktik sich wichtig zu fühlen und bei Frauen zum Zug zu kommen.

      Ich widerspreche Dir auch damit, daß Frauen Gleichheit wollen. Das hast Du sogar selber in Frage gestellt:
      „Oft legen sie einen darauf, erzählen, wie sie es eigentlich Schade finden, dass sie es nicht hinnehmen können, dass sie als Frau mehr verdient, als der Freund“

      Interessant ist natürlich auch, daß Du erst penibel sicherstellen mußt, die Probleme der Frauen anzuerkennen, (Lila Pudel!) bevor sie mit Dir reden.

      Gefühle mußt Du mal in der Gesamtheit betrachten, was Gefühle in einem auslösen. Dabei muß man berücksichtigen, daß sich Gefühle auf das gesamte Verhalten und die Wahrnehmung eines Menschen auswirken. Wenn Du Dich Deinen Gefühlen hingibst sind Deine Sinne blind.
      Wenn wir die Sache evolutionsbiologisch betrachten, einmal als Jäger sich den Gefühlen hingeben und der Säbelzahntiger hatte seine Mahlzeit sicher. Daraus kann man schlußfolgern, daß es für Männer überlebenswichtig war Gefühle zu unterdrücken.
      Gefühle für Frauen kein Problem. Die befanden sich in einer größeren schützenden Gruppe, dazu vermutlich auch in einem sicheren Gebiet.

      Was das Bewerben von Frauen betrifft, stellt sich die Frage, ob die Mehrheit der Frauen nicht doch eher einem selbssicheren Mann. gegenüber einem unsicheren Mann. den Vorzug geben. Stichworte: Sicherheitsgefühl, Geborgenheitsgefühl etc…
      Daß Frauen in der Mehrzahl Gleichberechtigung wollen ist eine Mär. (Damit meine ich nicht die rechtliche Gleichberechtigung.)
      Auch ist zu überlegen, welcher Typus Frauen es ist, die den „Pflegefällen“ den Vorzug geben. Die fallen genauso aus der Rolle der Frauen, wie die Lila Pudel bei den Männern.

      Die Mehrzahl der Menschen ist gegen den Gefühlen der Mitmenschen völlig ignorant. Das hat aber eher etwas damit zu tun, daß man sich gar nicht auf alle Gefühle seiner Mitmenschen einlassen kann. Um das verträglich zu machen gibt es diverse Rituale, dazu gehört auch daß der Mann die Frau anspricht.

      Stell Dir mal vor ein Mann spricht eine Frau an, bekommt eine Zurückweisung und zeigt dann seine Gefühle. Die Frau möchte ich sehen, die das möchte, es sei denn sie ist Sadistin. Ich würde sogar vermuten, daß deswegen viele Frauen Annäherungsversuche extrem schroff zurückweisen. Mit jemanden, der auf sie sauer ist können sie besser umgehen, als mit jemandem, der heulend an ihrem Bein zerrt.

      Wenn eine Frau nicht mitbekommt, daß es den meisten Männern – wegen der Möglichkeit einer Zurückweisung – schwer fällt eine Frau anzusprechen, dann haben die nur sich selber im Focus. Das ist in der Masse einfach nicht möglich.

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      • swedishbitch sagt:

        Widersprich mir gerne: diese Themen interessieren mich, aber ich habe kaum feste Ansichten. Aber ein bisschen Kontra:

        – Es fällt mir ein, dass das Schutzverhalten eines Feministen und das eines typischen Heten, der bereit ist, bei der kleinsten Provokation Gewalt auszuüben, durchaus grundverschieden sind. Vielleicht kann man, indem man Feminist wird, den Mangel an Nützlichkeit im Bereich physischer Verteidigung wieder ausgleichen? Somit erklären das Gebot der Mannsrolle, zu beschützen, sowie das Gebot, durch Wettbewerb andere Männer zu übertrumpfen, beide Phenomene. Oder?
        – Probleme der Frauen anzuerkennen: In der Tat interessant, aber ich glaube, da bin ich nicht allein. Es kommt wieder auf das Schutzgebot zurück: falls ich so rüberkomme, als würde ich das Gebot in Frage stellen, kann man mich sowieso verächten und meinen Unsinn mit Eifersucht oder Misogynie erklären. Hole ich aber aus, dass es kein Nullsummenspiel ist, dass Hilfe für männliche Opfer häuslicher Gewalt schlimmere Gewalt gegen Frauen verhinden könnte, dann setzen sie sich zumindest dem Anschein nach mit meinen Argumenten auseinander. Doch relativ schnell, egal wie ich versuche, nuanciert zu bleiben, schreibt man mir Besessenheit zu – es reichen ein paar Bemerkungen; meine feministische Freundin aus den USA hat mir unterstellt „you are not listening to women“, was mich sprachlos ließ – wie kann jemand denken, dass in der Geschlechterdebatte die Belangen von Frauen nicht genug beachtet werden?
        – Plumpe Annäherung: Ich meinte eher die Situationen, wo Männer, um ihren Schmerz und Unsicherheit zu verdecken, als gegenüber sich selber, Frauen extra plump anmachen oder einfach Dutzende in einem Abend anspricht. Frauen merken oft nicht den Schmerz, der darunter liegt. Sie denken vielmehr, dass er einfach rücksichtslos ist und können deswegen eine schroffe Absage rechtfertigen. Die Lage spitzt sich manchmal zu: schroffe Absagen sind so allgemein, dass eine nette Absage gleich als Zusage gedeutet wird. Und es wird ein Teufelskreis.
        – Natürlich wollen die meisten Frauen Gleichberechtigung – zumindest so, wier sie darstellen – als großer Gewinn für ein Geschlecht, dass ähnlich den Schwarzen in Südafrika durch die Geschichte zweitrangig war. Diese Analogie zum Rassismus ist unsinnig – kein weißer Meister fühlte sich genötigt, seine Sklaven zu beschützen und zu idealisieren – aber sie erlaubt es den Frauen, den offensichtlichen Nachteilen der Gleichberechtigung zu ignorieren, zumal die Männer, die sie MERKEN, ja vollkommen vom Selbstbewusstsein strotzen, oder zu strotzen scheinen, während sie ständig auf der Suche nach Bestätigung sind. Auch hier sind die Geschlechterrollen entscheidend: Frauen dürfen, ja SOLLEN ihren Weh klagen, und Männer sollen ihnen beistehen – nur so haben sie überlebt. Männer hingegen würden als Opfer den Wert verlieren, den sie menschlich machen: ihre gesellschaftliche Nützlichkeit. Das ist nirgendwo offensichtlicher als in den Foren der für die Auflösung der Geschlechterrollen kämpfenden Feministinnen: men’s rights-Aktivismus, selbst zu gewichtigen Themen wie Gesundheit und Selbstmord, werden mit Sprüchen begegnet wie „I bathe in male tears“, „you are just jealous because you could not get a woman“, „you are just afraid of strong women“, oder „you are just afraid of losing your privileges, you feel threatened“. Das ist nicht nur faules Gerede: das sind Sprüche, die tief in der Männerrole verankerte Ängste gezielt und gnadenlos ansprechen. Für die schwächeren Männern bietet der ideologische Feminsmus die Rettung: sie tun damit genug, um Frauen zu beschützen.

        – Natürlich bevorzugen Frauen – mit erfreulichen Ausnahmen – eher die Machotypen. Doch besonders narzisstisch finde ich den Diskurs über nice guys von den letzten Jahren, in dem die lila Pudel, if you will, als misogyn abgekanzelt werden, weil man ihrer manchmal zu Tage erschniene Frustration über die Friend Zone als männliches „sense of entitlement to women“ interpretiert. Oft beklagt man sich danach im nächsten Beitrag, sich der Ironie anscheinend unbewusst, des Mangels an attraktive Männer – ein immer größer werdendes Problem, falls Frauen, die die Universitäten dominieren und sogar bis 32 oder so mehr verdienen im Durchschnitt, immer noch Männer, die weniger erfolgreich sind, überhaupt nicht als potenzielle Partner wahrnehmen. Was vielleicht gut ist, denn wenn ich daran denke, wie eine Freundin von mir ihren Ex behandelt hat, als es deutlich wurde, dass er intellektuell nicht auf ihrem Niveau war (FH…). Verteidigen konnte er sich nicht; vielmehr hat er versucht, dafür zu kompensieren, und zwar mit einer Verzweiflung, die gleich zum kompletten Respektverlust führte. Genusforscher sagen dazu erstaunlich weltfremde Sachen wie dass weniger verdienende Männer faul sind, Angst vor starken Frauen haben, und selbst die Hausarbeit ungenügen machen – die Frauen haben dabei keine Schuld. So was finde ich nicht nur sexistisch, sondern auch das Gegenteil von progressiv – dass Frauen über sexuelle Gewalt oder Lohndiskriminierung beschweren, ist nicht mutig oder progressiv, sondern vielmehr in Linie mit ihrer Rolle. Dass Frauen Chefs werden, ist auch keine Revolution – mächtige Frauen gab es durchaus in der Geschichte. Aber das Männer Hausmänner werden – das können Frauen bei ihren Partnern oft einfach nicht vertragen; sie nutzen ihre intellektuelle oder finanzielle Überlegenheit aus auf eine Weise, die mit umgekehrten Geschlechtern mit Recht als Gewalt eingestuft werden sollte. Aber gerade DAS, und zwar in bedeutendem Umfang, wäre doch durchaus progressiv: es stellt die Anforerungen an den Mann in Frage und fordert dafür Respekt. Danach suche ich händeringend.

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        • IULIUS sagt:

          @swedishbitch,
          stellen wir doch mal fest, daß Du Menschen sehr stark in Schubladen schiebst und der ansicht bist, daß diese im Kollektiv alle die gleichen Verhaltensweisen ziegen.

          Fangen wir mal damit an, daß Lila Pudel sehr wohl Gewaltverhalten gegenüber Frauen zeigen. Halt nur versteckt. Das fängt schon mal damit an, daß sie Frauen auf eine perfide hinterhältige Art bevormunden.
          Weiterhin, schreibst allen männlichen nicht-Lila-Pudeln Gewalt gegen Frauen zu. Tatsächlich ist Anzahl der Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben sehr gering. Die Gewaltbereitschaft von Frauen gegenüber Männern ist erheblich höher.

          Glaubst Du ernsthaft eine angesprochene Frau interessiert sich für den Schmerz, den ein Mann erleidet, wenn er eine Frau anspricht? Das ist ungefähr so, als wenn Dich jemand überfährt und Du jetzt darüber sinnieren müßtest, was der Autofahrer jetzt für einen Schmerz durchleidet. Selbstverständlich hältst Du den für das absolute Arschloch und äußerst Dich auch so dem gegenüber. Wenn es anders sein sollte würde ich empfehlen einen Fachmann aufzusuchen.

          In bestimmten Situationen wollen Frauen keine Gleichberechtigung. Entweder sie wollen den Ton angeben, oder sie verlangen es von ihrem Partner. Das ist unabhängig von rechtlicher Gleichberechtigung. Da gibt es einen gewaltigen Unterschied. Jeder Mensch soll so leben dürfen wie er will, zumindest wenn er einen Partner findet, mit dem das geht.

          Ich bezweifl, daß Frauen Männern gegenüber ihre Wehwehchen beklagt haben. Das war eher Frauen untereinander. Sei mal ehrlich, willst Du wirklich jedes Wehwehchen Deines Partner kennen? Spätestens nach dem dritten Jammern wird es langweilig und nervt nur noch. es sein denn Du bist Masochist. Männer kamen von der Jagd, Arbeit etc, waren vielleicht 16 Stunden oder länger außerhäußlich und sollen sich dann wenn sie schon mal zu Hause sind mit den Wehwehchen der Frau auseinandersetzen? Das kann kaum jemand aushalten.
          „Männer müssen Frauen beistehen“ ist einfach nur ein Klischee. Dieses nutzen einerseits Frauen um von ihrem sozialen Defizit abzulenken, anderseits Lila Pudel, um sich wichtig zu machen. Wenn beide sich zusammentun ist doch perfekt.

          Wenn ich Deinen letzten Absatz lese kann ich mir vorstellen, warum man in der Antike die Rechte der Frauen beschnitten hat und das das sinnvoll war. Frauen scheinen massiv stärker auf Antisoziale Verhaltensweisen zurückzugreifen als Männer. D. H. hätten die Männer sich auch noch mit den Frauen auseinandersetzen müssen, wäre die Entwicklung der Menschen zum Erliegen gekommen.
          Das Frauen mit mehr Geld ihre Partner nicht mehr respektiern habe ich schon öffter gehört, aber auch, daß Frauen das Geld heranschaffen, während der Mann den Haushalt schmeißt, glücklich mit ihrem Partner sind. Es kommt darauf an, welche Lebenseinstellung die einzelnen Menschen haben und wie zufrieden sie mit sich selber sind.

          M. E. siehst Du die Welt zu stark in schwarz-weiß. Mich würde interessieren, woher das kommt.

          Im Übrigen Männer können auch Frauen verstehen und auf sie eingehen, ohne Lila Pudel zu sein.😉

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          • Bin ein Typ sry sagt:

            Total sympathisches Statement von dir! Ich habe es vom ersten bis zum letzten Wort mit wachsender Begeisterung gelesen. Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen Weg zum Mutigerwerden (so nenne ich das mal) weiter gehst und dass dir – was die Shitstürme und Gegner*innen betrifft – eine dickere Haut wächst.

            Ich bin zwar der Auffassung, dass du etwas zu streng mit dem radikalfeministischen Spektrum umgehst – habe andererseits auch Verständnis für dich bzw. viele deiner Positionen, wenngleich ich diese etwas vorsichtiger formulieren würde.

            (*ähem*, oder aus einem leichten Anflug von Schiss würde ich meine Auffassung in diesem Bereich oft garnicht erst formulieren bzw. erst dann, wenn ich mich zuvor etwas gründlicher informiert habe)

            Was ich damit sagen will: Dein Mut tut gut!

            P.S.
            Und hättest du an allen Stellen meine Meinung, dann fände ich dich wohl eher langweilig – was du definitiv nicht bist!

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  34. M. Fluch sagt:

    Nur kurz: Viele Grüße! Dein Buch habe ich heute von der Post abgeholt. Habe es schon fast fertig gelesen.Gefällt mir sehr! Ein gutes und erfolgreiches Jahr wünsche ich Dir!🙂

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  35. […] lassen muss, weil er der falschen Zeitung ein Interview gibt oder eine Position vertritt, die als politisch nicht korrekt gilt. Oder weil er sich gegen feministische Umerziehungslager wehrt. Dass Xavier Naidoo aus dem […]

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