Pay Gap

Veröffentlicht: März 19, 2016 in Uncategorized

Heute morgen habe ich ein Comic zum Gender Pay Gap gepostet, mit dem Text: „Heute ist Equal Pay Day. Der Comic dazu ist keine Satire und auch nicht witzig, er spiegelt 1:1 die Gespräche wider, die ich dazu führen durfte, u.a. im Rahmen diverser Shitstorms auf Twitter.„…

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… und versprochen, das noch etwas näher auszuführen.

Also zunächst mal: Ich wurde ein paar Mal gefragt, welches meine Position in dem Comic ist, was mich etwas überrascht hat. Vielleicht lag es an den Haaren. Interessanterweise habe ich die Diskussion nun auch schon oft genug mit umgekehrten Geschlechtern geführt, also dass ich als Frau von Männern teils recht stark beschimpft wurde, weil ich einfach nicht einsehen wollte, wie unterdrückt ich bin. Ich bin die Person links im Comic.

Bevor ich mich näher mit Feminismus beschäftigt habe, hörte ich gelegentlich vom PayGap und fand das natürlich unfair. 23% weniger Lohn für gleiche Arbeit? Krass! Aber da ich damals noch in der Schule und später im Studium war, betraf es mich noch nicht so richtig und es war halt eine dieser irgendwie krassen Informationen, die man beiseite schiebt.

Als ich mich dann näher damit befasste, kam ich mir erstmal verarscht vor. Die 23% sind einfach nur der Durchschnittsstundenlohn, unabhängig von Tätigkeit, Arbeitserfahrung, Qualifikation, usw.? Das widersprach sich erstmal vollkommen mit dem “ … für gleiche Arbeit“, das ich immer in Verbindung mit den 23% gelesen hatte.

Wenn man tatsächlich die gleiche Tätigkeit miteinander vergleicht, schrumpfen die 23% auf 7-8% zusammen. Klar, das wäre immernoch eine Hausnummer, wenn es denn stimmen würde, dass wenigstens das rein aufgrund des Geschlechtes der Fall ist. Ist es aber nicht. Denn die Ursache für den unterschiedlichen Verdienst ist zum großen Teil die unterschiedliche Berufserfahrung aufgrund von weniger Berufsjahren (Quelle, Quelle, Quelle). Im Endeffekt ist es so, dass Frauen, die entweder keine Kinder haben oder nur eine kurze Auszeit genommen haben, keinen nennenswerten PayGap spüren (je nach Quelle 0-2%).

Bei sowas fühle ich mich einfach verarscht. Hauptächlich deshalb, weil der Paygap dann als Begründung für alle möglichen Frauenförderungsmaßnahmen wie Quoten herangezogen wird um darzustellen, dass Frauen ja derartig unterdrückt sind, dass sie sogar 23% weniger verdienen und daher auf Förderung angewiesen sind.

Es gibt sicher einige sinnvolle Möglichkeiten, das Problem anzugehen, das eigentlich ein Sozialberufe- und Erziehungsproblem ist. Man könnte Lobbyarbeit für Sozialberufe machen und die Situation für Eltern verbessern. Ich selbst bin Kinderlos, aber meine beste Freundin ist gerade schwanger mit dem ersten Kind, daher kriege ich die ganzen Themen live mit. Sie hat noch keine Ahnung wie lange sie aussetzen will oder muss, und ob sie überhaupt einen Betreuungsplatz bekommt. An der Stelle gäbe es wirklich einiges, was man tun könnte. Auch ganz generell die Förderung von Teilzeitarbeit fände ich begrüßenswert.

Was ich absolut nicht begrüßenswert und im Gegenteil, kontraproduktiv finde ist, wenn die Diskussion darin mündet, das Frauen jegliche rationale Entscheidungen abgesprochen werden, weil wir ja offensichtlich aufgrund unserer sexistischen Gesellschaft nur zu dumm sind, die richtigen Jobs zu ergreifen und statt dessen lieber so Sozialgedöns machen. Die meisten Frauen sind durchaus intelligent genug, im Vorfeld diese Faktoren (geringerer Verdienst) zu bedenken. Dass sich trotzdem mehr Frauen für soziale Berufe entscheiden hängt vielleicht unter anderem auch damit zusammen, dass wir mehr Freiheiten haben. Auf Männern liegt einfach nach wie vor mehr Druck, ordentlich Geld zu verdienen um eine Familie ernähren zu können. In einer Befragung gaben etwa 60% der Frauen an, kein zweites Date mit einem Mann haben zu wollen, wenn dieser weniger verdient als sie (im Gegenzug dazu war es 96% der Männer egal, wenn sie mehr verdiente).

Sicher, das hat etwas mit gesellschaftlicher Prägung zu tun, aber es ist einfach ein Unding, dann nur auf den Verdienst zu schauen und zu folgern, dass es Frauen schlechter geht. Das Leben besteht nicht nur aus Verdienst! Zu einem Beruf gehört noch mehr, als nur das, was hinterher auf dem Lohnzettel steht, und es ist mit Sicherheit nichts verachtenswertes oder dummes, wenn man die Entscheidung trifft, einen Job zu machen, den man liebt, statt eines Jobs, den man hasst, aber für den man am Ende 500 Euro mehr netto bekommt. Es ist offensichtlich so, dass auf Frauen schlichtweg weniger Druck liegt, sich aufs Geld zu konzentrieren. Für einen Mann hängt am Verdienst im Endeffekt auch noch die Chance auf Partnerschaft und das Ansehen. Für eine Frau ist der Verdienst einfach nur der Verdienst. Wir sind freier, uns für das zu entscheiden, was wir lieber tun würden.

Auf dieser Freiheit nun eine Unterdrückung zu konstruieren ist nahezu höhnisch. Es ist nicht so, dass wir aus den hoch bezahlten Jobs rausgedrängt werden, es ist eher so, dass wir es weniger nötig haben, uns dafür zu entscheiden. Was im übrigen auch der Grund ist, dass 90% der tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen. Männer sind überwiegend die, die in echten Gefahrenjobs wie Industriereiniger, Fensterputzer, Soldat, Feuerwehrmann, Dachdecker oder Holzfäller arbeiten. Denkt echt jemand, ein Mann klettert so leidenschaftlich gerne auf lebensgefährlichen Konstruktionen herum, um Abluftfilter oder Fenster zu reinigen?

Wenn wir erzwingen wollen, dass der Paygap kleiner wird, dann bedeutet das im Endeffekt nur, dass auf Frauen ein massiv größerer Druck in Richtung „Berufsentscheidung auf Verdienst ausrichten“ ausgeübt werden muss. Tatsächlich ist es momentan nämlich so, dass je freier und gleichberechtigter Frauen sind, diese desto eher „typische Frauenberufe“ wählen.

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(Quelle)

Die Klagen wegen des PayGaps ist aus meiner Sicht echte Rosinenpickerei. Nicht nur, dass man sich für einen Job entscheidet, den man gerne tut, man möchte hinterher auch noch bemitleidet werden. Dazu sei gesagt, dass ich persönlich keine Frauen kenne, die deshalb klagen. Die Frauen, die ich kenne, stehen zu ihren Entscheidungen. Dazu passt der heutige Artikel auf AllesEvolution, dass 70% der Frauen nicht glauben, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen.

Fazit: Ich bin froh, als Frau weniger Druck Richtung „Job nach Verdienst wählen“ zu haben, selbst wenn diese Freiheit dann ggf. dazu führt, dass ich weniger verdiene. Tatsächlich gehöre ich aber rein zufällig auch zu den Menschen, die Geld weniger wichtig finden als einen erfüllenden Beruf und Freizeit. Menschen, und speziell Frauen, die das anders sehen, sind ja vollkommen frei, ihre Karriere am Verdienst zu orientieren.

Und zu den übrigen Punkten im Comic: Ja, sorry, aber genau so laufen „Gespräche“ meist ab, wenn ich mich weigere, mich über 23% weniger Verdienst zu beklagen und statt dessen darauf beharre, dass ich als Frau in der Lage bin, Konsequenzen meiner Entscheidungen im Vorfeld zu bedenken. Einen Feminismus, der mich in eine Unmündigkeit und passive Opferrolle zwingen will, brauche ich nicht. Und einen Feminismus, der mich wegen Kritik gleich als Sexistin, Frauenhasserin oder menschenverachtende Maskutussi bezeichnet, erst recht nicht. Es gibt noch einige sinnvolle Anliegen, für die ich mich auch einsetze, z.B. früher das Thema Pille danach (Comic, Comic, Comic), Sexarbeit (Comic, Comic, Comic,Comic,Comic), Slutshaming (Comic,Comic), Vergewaltigungsmythen (Comic, Comic), Belästigung (Comic), Sexismus (Comic, Comic, Comic, Comic) oder geschlechtsssterotype Erziehung und unnötiges Gendern (Comic, Comic), Druck auf Frauen in bestimmten Lebensentscheidungen (Comic, Comic) und wenn ich mal Laune habe, suche ich mal richtig, denn das waren jetzt nur die ersten Comics, die mir über den Weg gelaufen sind. Aber die Genderpaygap- Sache führt nur dazu, dass ich aufhöre, ernsthaft zu lesen, wenn in einem Artikel die 23% hervorgekramt werden, denn dann ist mir klar, dass der Artikel manipulativ wird oder der Autor nicht gut recherchiert. Und ich vermute einfach mal, ich bin nicht die Einzige, der es so geht, denn wenn man sich ein bisschen mit dem Thema befasst stößt man recht schnell darauf, dass die 23% und auch die bereinigten 8% nichts mit „nur weil es eine Frau ist!“ zu tun hat, sondern weit komplexer ist. Damit werden dann auch berechtigte Themen, die in einem Atemzug mit diesem Unsinn genannt werden, ins Lächerliche gezogen.

Und es trägt sicher nicht dazu bei, ernst genommen zu werden, wenn auf Kritik am Paygap gleich die Antifeminismus-Keule rausgeholt und geshitstormt wird. Aber ich will mich nicht beklagen, denn für jede Beschimpfung und Beleidigung gab es mindestens 10 Leute, die dadurch aufmerksam wurden und sich mit mir und meinen Comics befasst haben. Was wohl zu einem guten Teil daran liegt, dass die Leute den „Feminismus“, der nur auf Verkürzungen und Empörung fokussiert, einfach satt haben.

Nachtrag: Mir fällt auf, das ich einen Punkt unterschlagen habe, nämlich geschlechtsstereotype Erziehung, die ebenfalls Einfluss auf die Prägung hat und in unterschiedlichem Ausmaß praktiziert wird. Wie in dem verlinkten Comic zum Thema zu erkennen, finde ich diesen Aspekt ebenfalls kritisierenswert und es wäre sicher ein Punkt, an dem man ansetzen könnte. Doch selbst wenn man irgendwann diese Beeinflussungen vollkommen neutral gestaltet, werden im Schnitt vermutlich nach wie vor einige Unterschiede bleiben, die auch aufgrund biologischer Unterschiede bestehen. Dieses Thema wäre allerdings wieder Stoff für fünf Extraartikel.

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