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Arbeitsprobleme.

Veröffentlicht: März 14, 2014 in Comics
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Sehr geehrte Frau Rahm,

Als Therapeutin erklären Sie ihren Lesern, wie schrecklich die Zeit als Prostituierte für Sie war, wie Sie sich geekelt haben und Schmerzen hatten. Zu Ihren Motiven als Prostituierte zu arbeiten gibt es in dem ganzen Text lediglich einen Satz: „Nicht ein einziges Mal bin ich mit Lust zu meinem Job gegangen. Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen.“

In Ihrem Text geht es ausschließlich darum, für wie verabscheuenswert Sie die Männer halten, die für den Sex mit Ihnen bezahlten. Sie gehen so weit, ihnen die komplette Verantwortung zu geben: „Die Prostituierten existieren nur, weil Männer wie Du sich berechtigt fühlen, ihre sexuellen Bedürfnisse in den Körperöffnungen anderer Menschen zu befriedigen.“ – Das ist sicherlich wahr. Gäbe es keine Käufer, gäbe es keinen Handel. Doch wo ist die andere Seite? Wenn es keine Verkäufer gäbe, gäbe es ebensowenig einen Handel. Sie negieren an dieser Stelle vollkommen die Tatsache, dass zwei zur Prostitution gehören. Sie lassen es wirken, als sei lediglich die Tatsache, dass es Käufer gab, Schuld an Ihrer Misere. Doch was wäre gewesen, hätte keiner dafür bezahlen wollen, mit Ihnen Sex zu haben? Wenn es keine Prostitution gegeben hätte zu dem Zeitpunkt als Sie sich zur Prostitution entschieden? Wollen Sie damit sagen, dann hätten Sie kein „schnelles Geld“ gebraucht?

Wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, dass Sie so schwach waren, dass allein die Möglichkeit sich zu Prostituieren und die Tatsache, dass Männer bereit waren für Sex mit Ihnen zu bezahlen dazu führte, dass Sie NICHT ANDERS KONNTEN? Und hätten Sie die Möglichkeit nicht gehabt, wäre alles gut gewesen?

Wo ist Ihre Verantwortung an dieser Stelle? In Ihrem ganzen Text geht es darum, wie Ihnen Unrecht getan wurde und um die Schuld der anderen. Ihre Argumente gehen sogar ins lächerliche über: „Willst Du Dich nicht für mich interessieren und mich als den Menschen sehen, der ich bin, jenseits von meinem Äußeren?“ – Erwarten Sie von den Patienten, die Sie als Therapeutin aufsuchen etwa auch, dass diese sich nicht für Ihren therapeutischen Rat interessieren sollen sondern für Ihre Kindheit? Ihre Persönlichkeit? Ihr Privatleben? Sie „als Mensch“?

Wie kommt es, dass Sie sich entscheiden, eine Tätigkeit auszuüben und für diese Entscheidung dann die Tatsache verantwortlich machen, dass diese Tätigkeit überhaupt existiert?

Wie kommt es, dass Sie nicht in der Lage sind berufliche von privaten Verhältnissen zu trennen und professionelle Erwartungen an Ihre Kunden zu stellen?

Wie kommt es, dass Sie Jahre später, trotz Ihrer Ausbildung, noch immer nicht bereit sind Ihre Selbstverantwortung für Ihre Psyche zu sehen?

Als Therapeutin sprechen Sie hasserfüllt und beleidigend über die damaligen Kunden, die Ihr Angebot angenommen und Sie für Ihre Dienstleistung bezahlten. Eine Dienstleistung, die Sie anboten. Werden Sie in 10 Jahren ebenso über Ihre Patienten sprechen? Werden Sie sagen, dass Sie Therapeutin nur des Geldes wegen waren aber nur Verachtung für Ihre Patienten hatten und sich jede Stunde ekelten, ihnen zuzuhören und Sie für bemitleidenswerten Dreck hielten? Geben Sie Ihren Patienten die Schuld, dass Sie ein Angebot annahmen, das Sie machten?

Nochmal: Sie fordern die Abschaffung der Prostitution und zeigen damit ganz klar, dass Sie in ihrer damaligen Lage auch ohne Prostituierte zu werden, hätten leben können. Zwischen den Zeilen wird klar, dass sie tatsächlich eine Wahl hatten. Wäre dies nicht der Fall gewesen, müssten Sie nicht dafür kämpfen, dass niemand in eine Situation kommt, in der er sich prostituieren muss? Aber nein, denn Sie MUSSTEN es nicht, sie entschieden sich dafür weil die Möglichkeit Ihnen als die attraktivste erschien.

Sie haben sich falsch entschieden. Statt das anzunehmen und sich selbst für diesen Fehler zu verzeihen suchen Sie die Schuld überall, außer bei sich. SIE haben sich entschieden und DIE ANDEREN sind schuld daran, dass SIE diese Entscheidung bereuen und sich nun vor sich selbst ekeln. Wie wollen Sie ihren Patienten helfen, wenn Sie es nicht einmal schaffen, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen?

Nachdem jetzt eine kleine Interviewpause war ergab sich spontan und zufällig ein Interview mit Sina. Nachdem sie in einer Kommentardiskussion über Sexarbeit ihre professionelle Meinung einbrachte, erklärte sie sich bereit für ein Interview zu ihrem Job als Sexarbeiterin. Auf ihrem Blog beschäftigt sie sich vorrangig mit der rechtlichen Lage von Sexarbeit, in diesem Interview geht es jedoch mehr um die Arbeit an sich und ihr Privatleben. Zu allen die sich für ein Interview gemeldet haben: Ich werde jeden(!) noch in der Reihenfolge der eingegangenen Mails anschreiben. Wenn sich bis dahin was geändert haben sollte und ihr doch keine Zeit oder Lust mehr habt ist das natürlich kein Problem.

EMN: Vielleicht kannst du für den Anfang einen kleinen Einstieg über dich geben, also Basisinfos wie alt du bist, wie du zum Job kamst und wie lange du dabei bist?

Sina: Ich bin 25. Zur Sexarbeit kam ich, als ich vor 5 Jahren nach einem Nebenjob zur Finanzierung meines Studiums suchte. Ich kam irgendwann auf die Idee Escort auszuprobieren. Nach langem Recherchieren kontaktierte ich schlussendlich eine Agentur und war ca. ein halbes Jahr bei dieser tätig. Seither bin ich selbständig.

EMN: Und arbeitest du nach wie vor nebenberuflich? Wie ist deine Woche denn so ungefähr organisiert?

Sina: Ja. Es gibt verschiedene Phasen; Zurzeit habe ich nur einige male pro Monat Treffen mit Stammkunden da ich in meinem Hauptberuf ausgelastet bin, nächsten Monat werde ich mich aber in einer Wohnung einmieten und mehrere Kunden pro Tag empfangen. Meine Woche richtet sich danach, wie viel ich in meinem Hauptberuf zu tun habe und worauf ich Lust habe. Diese Flexibilität ist typisch für Sexarbeit.

EMN: Was ausser Flexibilität ist denn noch typisch? Muss ein überdurchschnittlich großes Wissen über Sex da sein, muss man alles schonmal gemacht haben? Ich kann mir vorstellen, dass bei manchen Praktiken auch ein Stück weit theoretisches Wissen da sein muss… oder lernt man das währenddessen? Oder sind das grade total berufsferne Fragen und es ist mehr so „einfach machen“?^^

Sina: Anfängerinnen sind meist willkommen. Es ist mehr „einfach machen“ und „learning by doing“. Beim Sex geht es schliesslich viel mehr um Soft-Skills (Einfühlungsvermögen, Enthusiasmus etc) als um theoretisches Wissen. Ersteres kann man lernen, aber es gibt kein Diplom dafür. Wenn man fragen hat, können Kolleginnen die schon länger dabei sind helfen. In einigen Bereichen braucht es umfassendes Fachwissen, zb. bei Tantra- Massagen oder Dominas.

EMN: Grade beim Sex sind Kunden vielleicht dankbar wenns nicht zu „professionell“ rüberkommt, kann ich mir vorstellen. Das bringt mich zu der Frage, wie man es schafft, diesen Übergang von der Begrüßung eines Fremden zu erotischer Stimmung hinzukriegen. Wie läuft das in den ersten paar Minuten?

Sina: In den ersten paar Minuten mache ich meistens Smalltalk. Wenn das Eis mal gebrochen ist und man sich das erste mal berührt, läuft es dann von selbst. Am Anfang wusste ich auch nicht wie ich das anstellen soll, aber nach den ersten paar Treffen merkte ich, dass man sich darüber wirklich keinen Kopf machen muss. Es läuft (zumindest für mich) erstaunlich natürlich, ohne dass es abgebrüht wirkt. Übrigens: Ich finde es schade, dass „professionell“ in der Sexarbeit eher negativ besetzt ist. Man versteht darunter oft „kalt und abgebrüht wirken“, dabei bedeutet Professionalität doch eigentlich, seinen Job besonders gut zu machen.

EMN: Stimmt, bei „professionell“ habe ich immer Mitarbeiter in der Beschwerdeabteilung vor Augen, die auch dann noch lächeln wenn jemand ätzend ist. Deshalb hatte ich es auch in Anführungsstriche gesetzt weil es irgendwie beide Bedeutungen hat, emotional distanziert und kompetent. Das führt natürlich zu der Frage, die ja auch schon im Blog Thema war: Inwieweit man bei der Sexarbeit distanziert bleibt, bzw. wie intim es wird?

Sina: Das kommt sehr auf die Art der Sexarbeit, den Kunden, die eigene Persönlichkeit und Arbeitsweise an. Bei längeren Treffen lernt man sich zwangsläufig näher kennen, da entsteht natürlich eine gewisse Intimität. Zu Stammkunden habe ich freundschaftliche Gefühle, mehr nicht. Eine gewisse Distanz sollte immer bewahrt werden, schliesslich ist es immer noch ein Geschäft. Trotzdem kommt es vor, dass Kunden sich verlieben, und in seltenen Fällen auch umgekehrt (nicht aus meiner eigenen Erfahrung, sondern derjenigen von Kolleginnen).

EMN: Kannst du ein bisschen was über solche schwierigen Situationen im Berufsalltag erzählen? Mit welchen Problemen warst du in den letzten Jahren schon konfrontiert und wie gehst du damit um wenn dir z.b. jemand seine Liebe gesteht o.ä.?

Sina: Ich musste mich bisher ein paar mal von Stammkunden trennen, weil ich mich in meiner Intimsphäre bedrängt fühlte und weitere Treffen merkwürdig gewesen wären. Ich habe kein Problem mit Fremden Sex zu haben, auch ein bisschen Zärtlichkeit gehört dazu. Wenn ein Kunde aber anfängt mein Gesicht zu streicheln, meine Hand zu halten oder mir Liebesgeständnisse zu machen, geht mir das eindeutig zu weit und ich beende diese Geschäftsbeziehung. Sowohl mir als auch ihm zuliebe. Ansonsten habe ich auf weitere Treffen mit einem Stammkunden verzichtet, weil er jedes mal wieder „vergessen“ hatte dass ich eine bestimmte Berührung nicht mag. Ich musste erst einmal ein Treffen mittendrin abbrechen, weil der Kunde Vorstellungen hatte die ich nicht erfüllen konnte und die Chemie absolut nicht stimmte. Ansonsten hatte ich dieses Bedürfnis noch nie, was aber auch daran liegt dass ich mir meine Kunden seit 4 Jahren selbst aussuche.

EMN: Wie ist denn dein Eindruck von den Kunden? Mit welchen Erwartungen bzw. Einstellungen dir gegenüber tritt der „durchschnittliche Kunde“ auf? Und welche sortierst du im Vorfeld schon aus?

Sina: Bekanntlich sind alle gesellschaftlichen Schichten und Persönlichkeitstypen vertreten, was ich bestätigen kann. Sie wollen schlicht Sex mit einer netten, enthusiastischen und hübschen jungen Frau, welche dabei auf ihre Bedürfnisse eingeht. Mit irgendwelchem Machtgehabe hat das absolut nichts zu tun. Da ich nur Treffen ab einer Stunde mache, habe ich vor allem Kunden, die auch etwas Gesellschaft wünschen und nicht nur die schnelle Triebbefriedigung.
Ich sortiere von Anfang an solche Anfragen aus, welche grundlegende Regeln der respektvollen Kommunikation missachten (zb. sich im Email oder am Telefon nicht vorstellen sondern stattdessen fragen „wann Zeit heute“), und solche die nach einem Fake aussehen. Meiner Erfahrung nach meinen es Männer, die mein Profil nicht richtig durchlesen und stattdessen gleich mit Fragen bzgl. meinem Service anrufen, nicht ernst. Sie wollen sich nur durch den Kontakt aufgeilen, anstatt tatsächlich zu buchen. Ausserdem habe ich eine Altersgrenze von 50, was aber eher ungewöhnlich in diesem Gewerbe ist. Viele Sexworker bevorzugen sogar ältere Kunden. Schliesslich verzichte ich auf diejenigen Kunden, bei welchen ich aus irgendwelchen Gründen ein ungutes Gefühl habe.

EMN: Du sprachst davon, dass es nichts mit Machtgehabe zu tun hat. Sexarbeit als Unterdrückung oder Erniedrigung der Frau ist ja eine nicht unübliche Meinung. Wie erlebst du den öffentlichen Umgang mit Sexarbeit?

Sina: Der öffentliche Umgang mit Sexarbeit ist unglaublich emotionalisiert. Fast alle haben eine Meinung dazu, da es sich um Sex handelt und viele sich irgendwie von der Sexualität anderer Menschen betroffen fühlen. Hier kommt genau derselbe Abwehrreflex auf wie bei Homosexuellen oder anderen sexuellen Minderheiten: Ich selbst könnte das nicht/finde es eklig, deshalb muss mit den Anderen irgendetwas nicht stimmen oder sie müssen gezwungen sein wenn sie dies tun. Das führt dazu, dass viele Menschen nicht den rationalen Blick auf Sexarbeit haben können, welchen sie auf andere Sachverhalte anwenden. So wird zb. Gewalt und Ausbeutung in der Sexarbeit nicht wie bei anderen Berufen oder in der Ehe/Partnerschaft als Konsequenz sozialer Missstände gesehen, sondern die ganze Sexarbeit an sich wird als Problem abgestempelt. Es gibt vereinzelt gute Artikel zu dem Thema, aber gerade im
Bereich des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung versäumen es fast alle grossen Medien, über die wirklichen Probleme zu berichten. So sind Polizeikontrollen in der Realität oft nicht da um Menschenhandelsopfer zu finden, sondern um illegal anwesende Migrantinnen abzuschieben. Es herrscht die falsche Vorstellung, Opfer von Ausbeutung würden in jedem Fall mit der Sexarbeit aufhören und in ihr Heimatland zurückkehren wollen. Dabei ist die Drohung der Abschiebung manchmal sogar ein Mittel, mit dem Sexarbeiterinnen oder Opfer sexueller Gewalt erpresst werden.

EMN: Inwiefern beeinflusst dich als Sexarbeiterin dieser öffentlich-emotionalisierte Umgang mit deinem Job? Wem erzählst du davon, wem nicht und ggf. welche Reaktionen gab es bisher?

Sina: Im Alltag beeinflusst es mich nicht, da nur meine engsten Freundinnen und Freunde davon wissen und die eh kein Problem damit haben. Dafür hatten sie eine Million Fragen (auch ein Grund, weshalb ich das Interview mache: Damit ich eine Zusammenstellung einiger Fragen habe und nicht alles x-mal erklären muss;-) Eine Person hat entsetzt reagiert, weil sie die ganzen negativen Vorurteile im Kopf hatte. Wenn ich noch offener damit umgehen würde müsste ich sicher mit Problemen rechnen. Ich kenne genug Geschichten von Kolleginnen über „Freunde“ oder gar enge Familienmitglieder, welche sich nach einem Outing abwendeten. Natürlich besteht das Risiko, dass gewisse Arbeitgeber in meinem „bürgerlichen“ Beruf mich in Zukunft aus Imagegründen nicht anstellen würden. Wie mit dem Thema umgegangen wird belastet mich schon, aber das würde es auch wenn ich keine Sexarbeiterin wäre.

EMN: Eine Frage die vermutlich oft gestellt wird (es sei denn du kennst nur sehr diskrete Leute^^): Welchen Einfluss hat dein Job auf dein privates Sexleben?

Sina: Seit ich als Sexarbeiterin tätig bin, hat sich mein Sexleben wesentlich verbessert. Ich habe unbewusste Hemmungen abgelegt, von denen ich früher gar nicht bemerkte, dass sie meine Genussfähigkeit einschränkten. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass ich inzwischen älter bin. Würde ich aber jeden Tag mehrere Kunden haben, wäre der Einfluss auf mein privates Sexleben wohl eher negativ.

EMN: Als ich frisch gebackene Psychotherapeutin war hatte ich in privaten Gesprächen manchmal Probleme weil ich merkte, dass ich plötzlich eher therapeutisch fragte und nicht freundschaftlich. Gab es bei der Sexarbeit auch so einen Effekt oder konntest du das von beginn an trennen?

Sina: Ich hatte eher umgekehrt Schwierigkeiten. Um seine Privatsphäre zu schützen, sollte man Kunden nicht zu viele persönliche Daten offenbaren. Dazu gehören aber auch normale Gesprächsthemen, z.b. der Wohnort. Hier musste ich mich zuerst an die Zurückhaltung gewöhnen.

EMN: Hattest du da schonmal negative Erfahrungen?

Sina: Nein. Bei den meisten Kunden hätte ich auch keinerlei Bedenken, dass sie mein Diskretionsbedürfnis nicht genauso respektieren wie ich ihres. Aber es besteht die Gefahr, dass übergriffige Kunden persönliche Daten weiterverbreiten oder zum Stalken/Erpressen missbrauchen. Mit dem Internet und den „Freier-Foren“ ist diese Gefahr gestiegen. Das ist eine weitere Konsequenz der Stigmatisierung von Sexarbeit.

EMN: Krass. Was das Thema Stigmatisierung angeht sagtest du ja bereits, dass deine Freunde da gut reagiert haben. Wie war es in den letzten Jahren im Bereich Partnerschaft? Hast oder hattest du eine Beziehung, und wenn ja, wie war das im Bezug auf deinen Job?

Sina: Ich bin in einer Langzeitbeziehung. Da wir bereits vor meinem Nebenjob Swinger waren, hat es keine Probleme wegen Eifersucht etc. gegeben.

EMN: Insgesamt klingst du sehr zufrieden mit deinem Beruf und für mich entsteht der Eindruck, der einzige größere Negativpunkt ist die gesellschaftliche Stigmatisierung von Sexarbeit. Kann man das so sagen?

Sina: Ja. Wenn man die negativen Aspekte des Jobs betrachtet, ergeben sich praktisch alle aus der Stigmatisierung. Wenn man die Arbeit an sich trotz guten Arbeitsbedingungen als belastend empfindet, beruht dies meiner Einschätzung nach oft auf internalisierten Schuld- und Schamgefühlen.

EMN: Was würdest du schätzen, inwieweit deine Erfahrung repräsentativ ist für Sexarbeit? Aus dem was du von Kollegen mitkriegst, wie vielen Sexarbeitern geht es ähnlich wie dir?

Sina: Alle Kolleginnen die ich persönlich kenne haben eine echte Leidenschaft für diesen Job. Ich lerne aber hauptsächlich Sexarbeiterinnen kennen, welche unter den gleichen Umständen arbeiten wie ich. Für die meisten dürfte es eher ein Mittel zum Zweck sein, für welches sie aus einer beschränkten Auswahl an Optionen entscheiden. Z.b. weil sie ihre Familie ernähren müssen, Schulden haben und nicht zum Sozialamt wollen.

EMN: Ziel im Bereich Sexarbeit wäre also idealerweise, die Quote derer zu erhöhen, die wie du gerne in dem Beruf arbeiten und die Stigmatisierung in dem Bereich zu verringern…. Dazu gehört sicher auch die Aufklärungsarbeit die du im Netz leistest 🙂 Vielen Dank für das ausführliche Interview! Habe ich noch irgendwas vergessen zu fragen oder gibt es etwas, das du noch wichtig findest zu sagen?

Sina: ist gut so:-)

Die radikale Feministinnengruppe Femen, die bereits häufiger mit ihren barbusigen Protesten auffiel und sich entschieden gegen Prostitution ausspricht hatte vor einem Jahr einen ihrer größten Erfolge erzielt und durch ihre massiven Demonstrationen eines der größten Bordelle in Hintertupfingenstadt zum Schließen gezwungen. Unsere Reporterin Emma N. Zipiert macht sich ein Jahr später auf um mit den von Femen aus dem Sexsumpf befreiten Frauen zu sprechen.

Drei der Frauen erklärten sich zum Interview bereit und berichteten von ihren Erfahrungen nach der Rettung. Carola N. arbeitet mittlerweile in einem Callcenter und ist erleichtert: „Früher haben mir oft Menschen gesagt dass es unmoralisch ist Männer für Geld zu befriedigen. Jetzt arbeite ich endlich in einem ehrbaren Beruf und verkaufe am Telefon Mitgliedschaften bei Gewinnspielen. Erst vorhin konnte ich eine 78-jährige Rentnerin für unser Premium-Glückspaket gewinnen. Sie haben nicht auch zufällig Interesse für nur 79.99 Euro unsere garantierte Gewinnchance zu nutzen? Nein? Ich muss dann leider auch wieder, unser Chef ist ziemlich streng wenn wir unsere 15-minütige Mittagspause überziehen, da lässt er nicht mit sich spaßen.“

Fiona G. hatte weniger Glück was ihre berufliche Situation anbelangt, verweist jedoch auf die Vorteile durch ihre Befreiung: „Ich musste mir immer Ausreden einfallen lassen warum ich mir mit meinem abgebrochenen Hauptschulabschluss trotzdem so teure Kleider leisten konnte. Das Problem habe ich jetzt zum Glück nicht mehr und strippen muss ich jetzt höchstens noch vor meiner Sachbearbeiterin im Arbeitsamt – im übertragenen Sinne natürlich. Als ALG-2 Empfängerin bekomme ich jetzt auch endlich den Respekt, der mir als Sexarbeiterin verwehrt wurde. Nächste Woche darf ich vielleicht als 1 Euro Jobberin in einem Schweinemastbetrieb arbeiten. Das ist für mich als Vegetarier vielleicht eine kleine Umstellung aber ich freue mich darauf endlich wieder einer Arbeit nachzugehen bei der ich voller Stolz morgens in den Spiegel sehen kann.“

Den größten Karrieresprung allerdings machte Melanie D., die von ihren Erlöserinnen stark beeindruckt war: „Als ich die Femen da so gesehen hab mit ihren Titten und der Schrift drauf und so… und als ich dann später rausgefunden hab dass die das hauptberuflich machen, da dachte ich so „Das machste auch“ und hab mich direkt mal beworben.“

Diese Erfolgsgeschichten dreier ehemaliger Prostitutionausbeutungsopfer zeigt wieder einmal, wie wichtig der heroische Einsatz von Femen ist.